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Karlsruhe Wenn das dringende Bedürfnis zum Problem wird: SPD kritisiert Toilettensituation in Karlsruhe

In der Fächerstadt gibt es zu wenig öffentliche, barrierefreie Toiletten. Zu diesem Ergebnis kommt die SPD-Fraktion des Karlsruher Gemeinderats. Auch die "unzumutbare" Situation in Schultoiletten macht den Fraktionsmitgliedern Sorgen. Daher ihre Frage: Was unternimmt die Stadt gegen die Missstände?

Wer kennt das nicht: Wenn man das dringende Bedürfnis nach einer Toilette hat, ist meist gerade dann keine in der Nähe. Auch in Karlsruhe fehlt es an öffentlichen und – noch viel wichtiger – barrierefreien Toilettenanlagen. Das kritisiert die Karlsruher Gemeinderatsfraktion der SPD in einem Antrag an die Stadt.

Fünf öffentliche Toiletten in Karlsruhe

Der Fokus der SPD-Gemeinderäte Parsa Marvi und Raphael Fechler liegt dabei besonders auf "hoch frequentierten Grünanlagen", also Parks und öffentlichen Grünflächen. Hier soll die Stadt Karlsruhe qualitativ und quantitativ nachbessern – und damit beispielsweise dem Vorbild des Englischen Gartens in München folgen. Denn: Laut SPD-Antrag hängt die Aufenthaltsqualität in öffentlichen Grünanlagen eng mit der Möglichkeit zusammen, vor Ort saubere Toilettenanlagen zu nutzen.

Fünf öffentliche und barrierefreie Toiletten sind bereits in der Fächerstadt aufgestellt. Man findet sie im Schlossgarten Durlach, am Friedrichsplatz, am Albtalbahnhof, am Fliederplatz sowie beim Abenteuerspielplatz in der Günther-Klotz-Anlage. Mit dem Otto-Dullenkopf-Park und der Nottingham-Anlage werden der Stellungnahme der Stadt zufolge nun zwei weitere Standorte für stille Örtchen hinzukommen.

Ein barrierefreies WC
(Symbolbild) | Bild: pixabay @ Lanz-Andy

Weitere Anlagen noch nicht in Planung

Ob darüber hinaus noch Bedarf an der Einrichtung weiterer Standorte besteht, müsse vonseiten der Stadtverwaltung erst noch geprüft werden. Dabei spiele es eine Rolle zu wissen, ob und wo Ver- und Entsorgungsleitungen vorhanden sind. "Die Verwaltung wird dazu ein Konzept erstellen", heißt es in der Stellungnahme weiter. Sobald das fertig ist, soll es dem Gemeinderat vorgelegt werden. 

Schultoiletten in unzumutbarem Zustand

Doch nicht nur öffentliche Toiletten bereiten der SPD Kopfzerbrechen. Wie sie in einem zweiten Antrag an die Stadt deutlich macht, sind der Fraktion die "menschenunwürdigen Zustände" der Schultoiletten - und dabei vor allem die der Südendschule - ein Dorn im Auge. Viele Schüler würden sich gar weigern, das schulinterne stille Örtchen zu benutzen. "Die derzeitige Situation ist nicht mehr zumutbar", stellt die Fraktion klar.

Eine sogenannte dynamische Prioritätenliste soll nun helfen, dem Problem systematisch Herr zu werden. Eine solche Liste habe es laut SPD zwar schon vor Jahren gegeben, konsequent durchgesetzt worden sei sie aber nie. Das soll sich nun ändern.

Stadt sieht keinen Handlungsbedarf

Trotz der massiven Kritik der SPD-Gemeinderäte Parsa Marvi, Hans Pfalzgraf und Michael Zeh sieht die Stadt bei dieser Problematik keinen Handlungsbedarf: "Aktuell liegen der Verwaltung keine Beschwerden über unzumutbare Toiletten in Schulen vor." In den letzten Jahren habe man einen sukzessiven Rückgang der Beschwerden ausmachen können, sagt sie. 

Der Grund: Vor 2012 wurden laut der Stellungnahme der Stadt jährlich etwa 10 Toilettenanlagen saniert. Seit 2012 wurde die Zahl auf zirka 30 erhöht. Insgesamt etwa 1,5 Millionen Euro gibt die Stadt nun pro Jahr für die Sanierung dieser Anlagen aus. Darüber hinaus sind laut Stadtverwaltung nicht immer bauliche Maßnahmen nötig, um die Schultoiletten wieder in "zumutbare und würdige Zustände" zu versetzen. Eine professionelle Reinigung sowie kleine Instandhaltungsmaßnahmen könnten ebenfalls den gewünschten Erfolg bringen.

Falls dennoch alle Stricke reißen, ist die Stadt der Stellungnahme zufolge zur Ergreifung etwaiger Gegenmaßnahmen - wie die Beantragung von Zuschüssen oder die zeitweilige Bereitstellung von Containeranlagen - durchaus bereit.

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  •   silberahorn
    (9561 Beiträge)

    14.08.2018 03:13 Uhr
    Beispiel Helsinki
    Dort ist im Rathaus eine wirklich gute Toilettenanlage für alle Touristen, die gleichzeitig Informationen über die Stadt an einem Serviceschalter erhalten können.

    Und überhaupt, weil Tourismus angesprochen wurde: die SPD kann bei Reiseleitern nachfragen. Die kennen sich mit dem Thema bestimmt besser aus, als die Rathausverwaltung. Das heißt, dass von diesen Leuten sowohl Hinweise auf Mängel, als auch Lösungsvorschläge kommen können. Es muss ja nicht so weit gehen, dass Souvernirläden mit durch einer Art Kurtaxe subventionierten WCs aus dem Boden schießen, die nebenbei noch massenweise die riesige (7m hohe) Pyramide Karlsruhes in Kleinformat an chinesische Touristen anbieten. Nicht nur die Toilettensituation könnte man in Karlsruhe beleuchten und verbessern.
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  •   Peacemaker
    (349 Beiträge)

    13.08.2018 18:19 Uhr
    Mal rein aus neutralem Interesse,
    gibt es denn wirklich so unglaublich viele Nutzer öffentlicher Toiletten? Freiwillig geht doch wohl kaum einer in die Syphbunker. Und sind diese Leute so lange unterwegs oder etwa inkontinent? Ich würde es nur gerne wissen, weil das so oder so fernab meiner Lebensrealität ist.
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  •   JaHe
    (22 Beiträge)

    13.08.2018 20:00 Uhr
    Gibt es...
    ... Viele Menschen sind aus gesundheitlichen Gründen an sanitäre Anlagen gebunden. Dafür muss man nicht alt und inkontinent sein. Sowas trifft jede Altersgruppe. Ist man dann in der Stadt unterwegs ist man froh, wenn es öffentliche Toiletten gibt. Egal wie deren Zustand ist.
    Also ja, es gibt viele
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  •   Svetogor
    (185 Beiträge)

    13.08.2018 17:00 Uhr
    .
    Naja, das die im Rathaus keinen Handlungsbedarf sehen, war ja vollkommen klar. Hauptsache die haben einen Ort zu Scheißen und Pissen.
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  •   Deisyy
    (224 Beiträge)

    13.08.2018 14:38 Uhr
    hochgeistiges Thema
    für die schwarz-braunen Kommentarhanseln, endlich können sie sich mal richtig auskotzen aber bitte in die gereinigte Toilette für mind. 50 Cent. zwinkern grinsen zwinkern
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  •   stm-ka
    (86 Beiträge)

    13.08.2018 14:26 Uhr
    Da fehlen welche
    Es gibt noch eine behindertengerechte Toilette (Wall) am Europaplatz, im Passagehof und am Hagsfelder Bahnhof. Vielleicht noch mehr?
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  •   Dorlacher
    (35 Beiträge)

    13.08.2018 11:06 Uhr
    Das passt...
    ...zu dem bundesweiten Umfragetrend der SPD.
    Denen spült es die Wählerstimmen gerade so das Klo hinunter.
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  •   Laetschebachschorsch
    (3059 Beiträge)

    12.08.2018 18:30 Uhr
    Ganz klar
    Wer z. B . keinen Campingplatz braucht, braucht auch keine Touristen oder Vergleichbare und damit auch keine Toiletten. Und die, die dafür sorgen sitzen in ihrem Büro und ihre Toilette ist gleich bei ihnen um die Ecke. Die kennen und erkennen daher die Probleme überhaupt nicht -so wie in anderen Bereichen halt auch.
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  •   Laetschebachschorsch
    (3059 Beiträge)

    12.08.2018 18:39 Uhr
    Ergänzung
    Und Kinderspielplätze? Wo gibt es den die? Und warum sollen da auch noch Toiletten hin?
    Sauberkeit der Anlagen: Schaut mal nach Dänemark. Dort werden bereits die kleinsten Kinder vor dem Schulalter von den Eltern zur Sauberkeit erzogen. Und bei uns - Kinder dürfen machen wie, wo und was sie wollen, damit sich ihre Persönlichkeit entfalten kann. Schöne Ausrede für das Nichtstun.
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  •   Toleranz
    (196 Beiträge)

    12.08.2018 14:16 Uhr
    Aus allem Geschäft machen ....
    ... die Stadt macht doch da als negatives moralisches Vorbild mit. Wieso aufregen, die Leute pinkeln an jeder Ecke oder bezahlen. Es sollte noch mehr solcher Businessmodelle geben, bis wir für das Atmen bezahlen müssen und alle im Gefängnis landen wer nicht will oder kann. Mehr als Zynismus und Spott braucht es nicht mehr um dem Sparirrsinn zu begegnen. Es sind doch mit allen Steuern und Zusatzsteuern und Abgaben ohnehinschon knapp 87% Belastung. Wieso an dem Rest knausern?
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