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Karlsruhe Weniger Betten, weniger Notärzte: Welche Folge hat das für die Karlsruher?

Eines von fünf Karlsruher Krankenhäusern schließt Ende Februar seine Tore. Bereits kurz vor Weihnachten wurde bekannt, dass der Betreiberkonzern insolvent ist. Welche Folge hat das Aus nun für die Karlsruher?

In etwas mehr als einem Monat gehen in den Behandlungszimmer in der Durlacher Paracelsus-Klinik die Lichter aus. Der Betrieb wird eingestellt, weil kein Investor für das Objekt gefunden werden konnte.  Dieser wurde schon seit geraumer Zeit gesucht , auch bevor der O snabrücker Betreiberkonzern am 21. Dezember Insolvenz anmeldete .

Doch die Bemühungen waren vergebens, wie am Mittwoch bekannt wurde. Kein Träger wollte das Haus übernehmen, das immer wieder in die Kritik geraten ist. Zuletzt unter anderem, weil aufgrund von Personalmangel die Notaufnahme mehrmals kurzzeitig geschlossen werden musste. Gravierend war ein Skandal 2015, als massive Hygienemängel in der Sterilisationsabteilung aufgedeckt wurden.

Zahl der Betten schrumpft

Welche Auswirkungen diese Schließung auf die Karlsruher Kranken- und Verletztenversorgung haben wird, sei derzeit noch nicht abzusehen, erfährt ka-news aus Kreisen von Rettungskräften. Denn auch wenn es sich um ein vergleichbar kleines Haus handelt, stellt die Paracelsus-Klinik einen nicht unerheblichen Teil der Versorgung dar.

Fast 3.000 Krankenhausbetten soll es nach Vorgabe des Sozialministeriums Baden-Württemberg in der Fächerstadt geben. Dies wird im Krankenhausbedarfsplan für das Land festgelegt. Von diesem Bedarf deckt die Paracelsus-Klinik rund fünf Prozent ab. Doch auch diese vermeintliche geringe Anzahl an Betten wird beispielsweise bei Grippewellen voll ausgenutzt.

Fällt auch ein Notarzt-Fahrzeug weg?

Die Frage, die nun im Raum steht, ist: Wo kommen die wegfallenden Betten hin? Eine Antwort darauf können auch die Rettungskräfte noch nicht geben, derzeit gebe es nur Gedankenexperimente zu dieser Frage. Unklar ist auch, wie sich die Krankenhaus-Lage in Karlsruhe nach der Schließung entwickeln wird.

Doch neben der Betten-Frage gilt es noch ein weiteres Problem zu lösen: An der Paracelsus-Klinik ist einer von fünf Notarzt-Wagen stationiert. Dieser wird tagsüber durch Kräfte der Klinik besetzt. Fallen diese Weg, könnte auch dieses Fahrzeug stehen bleiben. Die anderen Notärzte kommen vom Diakonissen-Krankenhaus, den St. Vincentius Kliniken, dem Städtischen Klinikum und dem Klinikum Karlsbad-Langensteinbach.

Andere Krankenhäuser rechnen nicht mit Patienten-Flut

Und wie schätzen andere Krankenhäuser die Situation nun ein? "Aufgrund der in den letzten Wochen schon deutlich reduzierten Belegung in der Paracelsus Klinik ist davon auszugehen, dass das zusätzliche Patientenaufkommen in Relation zur Gesamtversorgung gering sein wird", heißt es vom Städtischen Klinikum auf ka-news-Anfrage.

Das Klinikum in seiner Stellungnahme weiter: "Nach derzeitiger Beurteilung ist nicht von einer grundsätzlich verlängerten Anfahrt von Krankenwagen auszugehen. Wir möchten betonen, dass wir gut vorbereitet sind, um die Versorgung der Patienten aus Durlach zu übernehmen und erklären, dass Patienten auf eine nahtlose medizinische Versorgung sowohl bei der stationären Behandlung als auch in Notfällen vertrauen können. Diesbezüglich stehen wir auch in enger Abstimmung mit den ViDia Kliniken."

Bei den ViDia Kliniken, dem Zusammenschluss aus den St. Vincentus-Kliniken und des Diakonissenkrankenhauses, unterstreicht man diese Aussage: "Wir sind vorbereitet, die Versorgung der Patienten aus Durlach zu übernehmen und können eine nahtlose medizinische Versorgung sowohl bei der stationären Behandlung als auch in Notfällen sicher stellen", heißt es auf ka-news-Anfrage.

Notarzt-Standort soll gesichert werden

Die Sorgen der Rettungskräfte, dass das Notarzt-Fahrzeug in Durlach ausfallen könnte, entkräften die beiden Krankenhäuser ebenfalls: "Für den Standort Durlach sind wir in Abstimmung mit dem Städtischen Klinikum und werden dafür Sorge tragen, dass die Ärztliche Besetzung des Notarzt-Einsatzfahrzeuges auch künftig sichergestellt ist", so die Sprecherin der ViDia Kliniken. "Aus diesem Grunde ist für die Notfallversorgung der Durlacher Region nicht mit Nachteilen zu rechnen", so weiter.

Und auch für die Mitarbeiter der "Para" gibt es Hoffnung: "Die Frage nach dem 'ob' stellt sich für uns nicht, denn gut qualifiziertes Personal ist immer gefragt, auch in den ViDia Kliniken. Eine quantitative Einschätzung darüber ist an dieser Stelle nicht möglich", heißt es so zum Beispiel auf die Frage, ob die Klinik Personal aufnehmen kann. Auch das Städtische Klinikum verweist auf aktuelle Stellenausschreibungen.

Einen ersten Schritt in Richtung Zukunft hat derweil eine Klinik in Haus des "Para" gemacht: Das seit 2005 bestehende Schlaflabor Durlach soll ausgelagert und eigenständig weitergeführt werden. Die zuständigen Ärzte teilen das in einer Meldung an ka-news mit. Was mit den verbleibenden 220 Mitarbeitern des Krankenhauses geschieht, steht noch nicht fest.

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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    19.01.2018 12:43 Uhr
    Patientenflut wird ausbleiben!
    Eine Patienteflut auf andre Krankenhäuser wird mit Sicherheit ausbleiben, da die Paracelsusklinik in Durlach seit Monaten nur noch 40 Patienten, der Personalsituation geschuldet, Stationär behandeln kann!
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