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Karlsruhe Weg mit Diesel-Bussen: Stellt VBK völlig auf E-Antrieb um?

Gehören Abgaswolken hinter Linienbussen bald der Vergangenheit an? Wenn es nach der Kult-Fraktion geht schon. Diese fordert, dass zeitnah alle Busse umgerüstet werden sollen, neue Fahrzeuge sollen gleich einen umweltfreundlicheren Antrieb haben. Die Stadt zeigt sich aber weniger begeistert von der Idee.

65 eigene Busse betrieben die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) nach Angaben der Stadtverwaltung im Jahr 2016. Bei den rund 4,5 Millionen gefahrenen Kilometern wurden dabei 1,3 Millionen Liter Kraftstoff verbraucht. Ein Fakt, welcher der Kult-Fraktion im Karlsruher Gemeinderat ein Dorn im Auge ist. Sie wollen der Luft-Verschmutzung durch die Stadtbusse den Gar aus machen.

Sie fordern, dass ab sofort nur noch Fahrzeuge mit Gas-, Elektro- oder Hybrid-Antrieb angeschafft werden sollen. Die bestehenden Busse sollen zudem alle auf eine der alternativen Antriebsarten umgerüstet werden. Wenn es nach der Fraktion geht, solle das möglichst rasch geschehen, sie fordern von den VBK bis Ende März 2018 einen Beschaffungsplan für die Umrüstungs-Aktion.

Vorbilder anderer Städte folgen

Die Idee fußt auf einer Aussage der Bundeskanzlerin Angela Merkel, welche beim Dieselgipfel Ende November Städten und Kommunen Finanzhilfen für Maßnahmen zur Verringerung der Schadstoffbelastung zugesagt hatte. Diese Mittel sollen auch in Karlsruhe Anwendung finden.

Dass das Thema keine Zukunftmusik ist, machen die Gemeinderäte mit Beispielen aus anderen Städten deutlich. Das Verkehrsunternehmen aus Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen, die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH, habe beispielsweise eine Umstellung auf E-Busse angekündigt. "Andere deutsche Verkehrsbetriebe, wie München und Hamburg, haben ein Beschaffungskonsortium für elektrische Busse gegründet", heißt es im Antrag weiter. In Augsburg hätten die Stadtwerke die gesamte Busflotte auf einen Antrieb mit Erdgas umgerüstet.

Karlsruhe hat keine Aussicht auf Förderungs-Gelder

Doch die Stadtverwaltung nimmt der Kult-Fraktion mit ihrer Stellungnahme den Wind aus den Segeln. So sei die Förderung im Rahmen des "Sofortprogramms Saubere Luft 2017-2020" für Karlsruhe derzeit keine Alternative. Die Gelder können nur von Kommunen abgerufen werden, welche die festgelegten Stickstoff-Grenzwerte überschreiten. In Karlsruhe ist das hingegen kein Problem.

"Weiterhin wäre eine kurzfristige Umrüstung der Busflotte auf einen alternativen Antrieb, beispielsweise mit Erdgas, mit sehr hohen Investitionen sowie laufenden Kosten verbunden und ist daher aktuell nicht vorgesehen", gibt die Stadt weiter an. Betroffen wären von dieser Maßnahme 55 der 65 Fahrzeuge. Die anderen verfügen bereits über einen Hybrid-Antrieb.

Teure Anschaffung und mangelnde Infrastruktur sprechen dagegen

Eine Neuanschaffung von E-Bussen wird es zumindest kurzfristig nicht geben, heißt es von der Stadt weiter. Das liegt derzeit unter anderem daran, dass "Anschaffungskosten für reine E-Busse aktuell mit Mehrkosten von 75 bis 150 Prozent gegenüber Standard-Dieselbussen verbunden sind". Zudem müssten die Infrastrukturen der Werkstatt auf den Betrieb der E- oder Gasbusse angepasst werden.

Ganz vom Tisch ist das Thema aber nicht. So wolle man bei den VBK die Entwicklung in diesem Markt im Auge behalten und "mittelfristig auf E-Busse" setzen, "da hier die beste Kombination von Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit erwartet wird." Hierfür stehe man auch im Austausch mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen und Busherstellern. Auch in einer neuen Werkstatt, die 2022 fertig sein soll, wolle man sich schon auf den Einsatz von E-Bussen vorbereiten.

Bis dahin werden aber auch schon bei den VBK zumindest einige E-Fahrzeuge über die Straßen rollen. So werden Autos und kleinere Transporter, sofern möglich, schon jetzt durch E-Fahrzeuge ersetzt.

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Kommentare (10)
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  •   Vollbürger
    (67 Beiträge)

    18.01.2018 13:49 Uhr
    Anschaffungskosten???
    Wird da nicht auf die TCO abgehoben??
    Anschaffungskosten sind doch zweitrangig, die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer sollen entscheidend sein....
    Wo ist die Kalkulation?
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  •   crosstom
    (16 Beiträge)

    18.01.2018 12:02 Uhr
    der Diesel soll bleiben
    Der Diesel Bus ist sauber wo kommt der Strom her aus den Kohlekraftwerken mit Steinkohle aus China
    was ist das für ein dreckiger Strom abgebaut und durch halb Chinagefahren über die Weltmeere geschippert den Rheinhoch gefahren mit Schiffen oder bei niedrig -hoch Wasser mit der Bahn was soll da bitte sauber sein und wie sieht es aus mit den Akkus wenn sie nicht mehr die Leistung haben und teuer entsorgt werden müssen
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  •   Nachteule
    (701 Beiträge)

    18.01.2018 01:51 Uhr
    Erhöhen denn Elektrobusse auch die Pünktlichkeit?
    Vor allem im Winter könnte es eng werden. Denn dann leert sich die Batterie auch ohne, dass der Bus fährt. Diesen Batterieunsinn gab es vor mehr als hundert Jahren schon einmal in den deutschen Großstädten. Nach zehn Jahren sind dann alle Batteriebusse schlagartig verschwunden, weil die Nachteile größer waren als die Vorteile. Und genauso wird es wieder sein. Damals wurden sie von Verbrennungsmotoren abgelöst - heute von Bussen mit Brennstoffzellen. Batterieautos - gestern wie heute ein Rohrkrepierer.
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  •   myopinions
    (1017 Beiträge)

    17.01.2018 23:03 Uhr
    ..............lasst die Busse
    einfach weiterlaufen, das wird uns nicht umbringen und die Luftverschmutzung auch nur minimal beeinflussen!

    Allerdings, wenn zukünftig neue Fahrzeuge angeschafft werden, sollte man über taugliche Alternativen nachdenken.

    Ganz nebenbei: wenn man den Flugverkehr und die Kreuzfahrtschifferei signifikant reduzieren würde, wäre das eine wirksame und messbare Leistung.
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  •   sodele
    (184 Beiträge)

    17.01.2018 18:23 Uhr
    Hauptsache
    die Busse sind groß und teuer. Die VBK haben ja genug Geld zwinkern
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  •   Mozzer
    (1925 Beiträge)

    17.01.2018 18:10 Uhr
    Ist E-Mobilität.....
    ....bei Linienbussen ohne Oberleitung überhaupt effektiv möglich? Warum nicht die Brennstoffzelle in die Diskussion einbringen? Es gibt doch beim KIT namhafte Persönlichkeiten, die sich im Güterfernverkehr sowie beim Personentransport mittels Bussen eben für diese Antriebsform aussprechen.
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  •   andip
    (9964 Beiträge)

    17.01.2018 15:31 Uhr
    Wie wäre es
    wenn man auf die sog. O(berleitung)-Busse umsteigt.
    Waren früher weit verbreitet und sind es in osteuropäischen Ländern immer noch.
    Von da bekommt man sicher auch entsprechend günstige Fahrzeuge.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    18.01.2018 16:33 Uhr
    Und man
    schnipst einfach mit den Fingern und die Oberleitungen sind da... Bisschen vorsintflutlich, diese Technik.
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  •   bergdoerfler
    (1643 Beiträge)

    17.01.2018 14:31 Uhr
    Damit werden Fahrpreise zwangsläufig steigen.
    Steigende Preis bei den KVV hat diese Fraktion auch mal beanstandet. Was nun ?
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  •   Mammut
    (766 Beiträge)

    17.01.2018 21:25 Uhr
    Haben nicht die Stadtratsmitglieder .....
    ....kostenlose Dauerkarten?
    Eine Preiserhöhung um 20% auf Freifahrkarten lässt doch nur den Wert der Freifahrkarte steigen!
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