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Karlsruhe Weed vom Apothekertisch: In Karlsruhe ist die Nachfrage gering

Seit Anfang des Jahres ist medizinisches Cannabis auf Rezept in deutschen Apotheken erhältlich. Es soll gegen chronische Schmerzen, Übelkeit und Appetitlosigkeit helfen. Doch es gilt einige Hürden zu überwinden, um an den berauschenden Stoff der grünen Pflanze zu kommen. In Karlsruhe sei die Nachfrage bisher sehr gering.

Lange wurde darüber gestritten: Dann einigte sich der Bundestag im Januar dieses Jahres schließlich auf eine Legalisierung von Cannabis - allerdings nur zu ausschließlich medizinischen Zwecken. Seit dem 10. März ist das Gesetz wirksam.

In den bundesweiten Apotheken sind seither hunderte Rezeptanträge eingegangen. Nach Auswertungen der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (ABDA) wurden Patienten bis Ende Juni auf ärztliche Verordnung mit insgesamt rund 10.600 cannabishaltigen Zubereitungen oder unverarbeiteten Cannabisblüten versorgt. Die Tendenz sei steigend.

Diese große Nachfrage lässt sich in der Praxis allerdings nicht auf Karlsruhe umlegen: In der Fächerstadt konnten die Apotheker bislang zumindest keine erhöhte Cannabis-Nachfrage feststellen. "Mir ist kein Kollege in Karlsruhe bekannt, der in den vergangenen Monaten ein entsprechendes ärztliches Rezept vorliegen hatte", sagt Robert Schieber, der in Karlsruhe als Apotheker arbeitet und Mitglied des Vorstands der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg ist.

Langjährige Forderung der Apotheker wird erfüllt

Doch wie stehen solche Apotheker zur Neuerung? Auf Seiten der deutschen Apothekerschaft wird die Cannabis-Legalisierung für medizinische Zwecke nach eigener Aussage begrüßt. Der Bund kam mit dem Beschluss demnach einer langjährigen Forderung der Apotheker nach, medizinisch notwendiges Cannabis für den legalen Verkauf freizugeben. "Wir begrüßen, dass jetzt Patienten mit medizinisch notwendigem Cannabis versorgt werden können, denn Cannabisblüten, -extrakte oder -wirkstoffe stellen eine weitere Therapieoption dar", so die Apothekerschaft.

Deutschland noch auf Auslands-Import angewiesen

Doch der Weg zum medizinischen Cannabis beinhaltet Hürden: Cannabis ist derzeit nur in Apotheken auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Entsprechende ärztliche Rezepte können grundsätzlich in jeder Apotheke beliefert werden. Außerdem: Derzeit ist Deutschland beim Verkauf von medizinischem Cannabis noch auf den Import aus dem Ausland angewiesen.

So werden die Cannabisblüten hauptsächlich aus den Niederlanden und aus Kanada importiert. Der Import wird durch die Bundesopiumsstelle des Bundesistituts für Arzneimittel kontrolliert, welche die Ein- und Ausfuhrgenehmigungen von Betäubungsmitteln in Deutschland erteilt. Außerdem erteilt sie Erlaubnisse zur Teilnahme am Betäubungsmittelverkehr und soll die medizinische Versorgung sichern und Missbrauch verhindern. Aufgrund der Auslands-Importe, gibt es nach Angaben der Landesapothekenkammer derzeit auch Lieferengpässe bei Cannabis-Produkten.

Staatliche Agentur für Anbau und Verkauf gegründet

Der Import könnte allerdings demnächst ein Ende finden: Parallel zum Beschluss im Bundestag wurde eine staatlich beauftrage Agentur gegründet, die sich mit dem Anbau und dem Verkauf von medizinischem Cannabis beschäftigt. Derzeit befinde sich diese noch im Aufbau.

Geplant ist, das die staatliche Einrichtung die Cannabis-Versorgung in Deutschland vom Anbau, über die Ernte, die Verarbeitung, Qualitätsprüfung, Lagerung bis hin zur Abgabe an Großhändler und Apotheker begleiten und kontrollieren soll. Der Anbau soll zukünftig durch Unternehmen erfolgen, die derzeit in einem europaweiten Verfahren ausgeschrieben werden und dann von der Cannabisagentur des Bundes ausgewählt und beauftragt werden.

Hanf
(Symbolbild) | Bild: pixabay.com © msqrd2

Cannabis - Muskelrelaxans und Appetitanreger

Und wofür das Ganze? Zunächst sieht der Gesetzes-Beschluss zur Legalisierung von medizinischem Cannabis vor, dass es erst zum Einsatz kommen soll, wenn andere Therapieoptionen bei den betroffenen Patienten nicht geholfen haben. Medizinisches Cannabis kann insbesondere bei Anorexie (Magersucht), Übelkeit und Erbrechen etwa im Zusammenhang mit Chemotherapien in der Krebsbehandlung zum Einsatz kommen. Auch Patienten mit Multipler Sklerose (MS) kann Cannabis als Muskelrelaxans verordnet werden.

Die Apotheker weißen aber auch darauf hin, dass die Studienlage von medizinischem Cannabis noch immer sehr dünn sei. "Cannabis ist nicht das Wundermittel, als das es teilweise in der Öffentlichkeit in den vergangenen Monaten dargestellt wurde." Die Bundesopiumstelle des Bundesinstituts für Arzneimittel führt derzeit eine Begleiterhebung zur Anwendung von Cannabisarzneimitteln durch, um weitere Erkenntnisse über die Wirkung von Cannabis als Medizin zu gewinnen.

Cannabisblüten sind kein Fertigarzneimittel

In welcher Form betroffene Patienten den Cannabis-Wirkstoff erhalten, kann unterschiedlich sein. "Das hängt auch von der Verordnung durch den Arzt ab. Die Mediziner müssen bei der Verschreibung von Cannabis an die bestehenden arznei- und betäubungsmittelrechtlichen Vorgaben einhalten. Die Cannabisblüten, die in der Apotheke ankommen, gelten nicht als sogenanntes Fertigarzneimittel", erklärt die Landesapothekenkammer. Das bedeutet, dass die Apotheker die eingetroffene Ware zunächst prüfen müssen.

In den meisten Fällen werden die Blüten in einer Mühle zerkleinert und dann über einen sogenannten Verdampfer inhaliert. Für den Patienten kann die Apotheke Kapseln herstellen, die die richtige Dosierung ermöglichen. Das Cannabis rauchend, etwa in Form eines Joints, zu sich zunehmen eignet sich hingegen nicht für die medizinische Anwendung. Darüber hinaus gibt es ein Fertigarzneimittel mit Cannabis-Extrakt oder Zubereitungen mit dem Cannabis-Wirkstoff Dronabinol zum Einnehmen.

"Beim Umfang der Cannabis-Ausgaben gelten die gesetzlichen Vorgaben. Diese beziehen sich auf die Menge, die ein Arzt einem Patienten höchstens in einem Monat verordnen darf. Insbesondere die erste Verordnung für einen Patienten muss zunächst von seiner Krankenkasse genehmigt werden", erklärt ein Experte der Landesapothekenkammer Baden-Würtemberg auf ka-news Nachfrage.

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Kommentare (8)
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  •   borealis
    (297 Beiträge)

    15.09.2017 15:35 Uhr
    Medizinisches
    Cannabis ist auch wichtig in der Behandlung von Epilepsien.
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  •   betablocker
    (746 Beiträge)

    15.09.2017 13:17 Uhr
    Wenn es
    keine Nachfrage gibt ists halt vielleicht doch nicht so toll. Das wurde einfach nur im Zuge der Legalisierungsbefürwortung durch die Kiffies ordentlich gehypt, wie alles andere auch. Und unterm Strich bleibt dann heisse Luft.
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  •   peddersenn
    (962 Beiträge)

    15.09.2017 11:47 Uhr
    Irgendwie ist mir das ....
    ...viel zuviel Bohei um ne Pflanze, die manchem ein wenig Erleichterung verschaffen könnte. Wird um Aspirin, Hustenmittel und anderes auch so ein Gedöns gemacht? Das meiste, was man vom Apotheker kriegt, ist wohl irgendwo Rauschgift und/oder zu missbrauchen.

    Es ist doch für normale Haschischraucher Null Problem, sich die Ware irgendwo anders her zu holen. Zu meinen, irgendjemand nähme den Umweg auf sich, das (fürs Rauchen ungeeignete Mittel) in der Apotheke zu erschleichen - incl. Weg zum Arzt usw- ist doch völliger Nonsens. Blödsinn von Leuten hinterm Jägerzaun, bei denen es dumpf um das Prinzip geht - so sehr der Mensch dann damit auf der Strecke bleibt.

    Stellt das Zeugs her, kontrolliert das, verschreibt das und verkauft das. Irgendjemand wirds vielleicht helfen.

    Die Gefahr des Missbrauchs ist da nicht höher als die Gefahr, daß sich jemand mit Klosterfrau Melissengeist regelmäßig nen Vollrausch antrinkt.
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  •   Darth_Vader
    (527 Beiträge)

    15.09.2017 10:22 Uhr
    Wenn man eh nur ein paar Überschriften
    in einen Text einfügen muß, könnte man wenigstens auf die Rechtschreibung achten. Findet den Fehler selbst, es sind ja nur wenige Worte.
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  •   Darth_Vader
    (527 Beiträge)

    15.09.2017 10:18 Uhr
    Ist das Junkiesprache?
    Kann mir mal bitte jemand den Begriff "Weed" erklären? Der deutschen Sprache ist er zumindest nicht zugehörig.
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  •   ALFPFIN
    (5682 Beiträge)

    15.09.2017 11:46 Uhr
    Weed
    "Weed bezeichnet: umgangssprachlich die geernteten Blüten der Hanfpflanze, siehe Marihuana; historisch eine Schwemme und/oder ein Löschwasserreservoir".

    In diesem Fall ausnahmsweise deutsche Umgangssprache aus dem Norddeutschen soweit mir bekannt, Weedpflanze = Hanfpflanze.
    Aber ansonsten hat man ja schon den Eindruck, ohne "denglisch" kommt die deutsche Sprache nicht mehr aus.
     
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  •   Rambazamba
    (240 Beiträge)

    15.09.2017 09:49 Uhr
    Ärzte trauen sich nicht
    Als langjährige Migränepatientin habe ich versucht, Cannabis auf Rezept zu bekommen, aber kein Arzt wollte es verschreiben. Alle haben sofort bestätigt, dass es mir helfen würde, aber ein Rezept ausstellen war ihnen noch immer zu heiß. Eine Ärztin sah mich nur komisch an, ging aus dem Zimmer und musste ihre Sprechstundenhilfe fragen, ob sie Cannabis verschreiben dürfe. Ein anderer Arzt sagte, er bräuchte dafür ein bestimmtes Zertifikat, um es zu verschreiben. Wieder ein anderer sagte, vorher müsse alles andere ausprobiert werden, was die Pharmaindustrie zu bieten hat: Opiate, Morphiate, ... und ein paar Dinge, die einen wirklich matschig in der Birne machen. Er meinte, erst wenn all das nicht wirkt, könne er mir vielleicht Cannabis verschreiben. So lange Ärzte noch immer so an der Pharmaindustrie hängen, können die Apotheker lange auf Patienten mit Rezept warten. Legaler Verkauf in Apotheken, das wäre wirklich die Lösung!
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  •   ingrid333
    (112 Beiträge)

    15.09.2017 14:50 Uhr
    Migräne
    Hallo Rambazamba, hatte auch einige Jahre starke Migräne. 14-täglich immer 3 Tage lang, ich futterte unglaublich viele Ascotop. Da ich zu dieser Zeit noch arbeiten musste, war das ätzend. Kopfschmerztabletten null Erfolg. Nach einigen Überlegungen ließ ich mir Akkupunktur geben, dann HWS Druckmassage. Was von diesen beiden Anwendungen geholfen hat, steht in den Sternen. Auf jeden Fall bin ich seit dem Migränefrei. Es ist so schön keine Kopfschmerzen zu haben. Man versucht ja alles.
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