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Hamburg Wahltriumph für Rot-Grün in Hamburg - AfD eventuell draußen

Haushoher Sieg trotz Verlusten: Die im Bund kriselnde SPD festigt bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg ihre Macht. Die Grünen erstarken, bleiben aber in der Juniorrolle. Für alle anderen Parteien sieht es schlecht aus - für eine besonders.

Die letzte rot-grüne Koalition in Bund und Ländern kann weitermachen: SPD und Grüne haben in Hamburg einen klaren Wahlsieg eingefahren.

CDU auf bundesweit schlechtestem Ergebnis seit knapp 70 Jahren

Bei der Bürgerschaftswahl in dem Stadtstaat landete die SPD von Bürgermeister Peter Tschentscher am Sonntag weit vor dem grünen Regierungspartner. Trotz Verlusten setzte sie sich damit vom jahrelangen Negativtrend der Partei im Bund ab. Die CDU rutschte auf ihr bundesweit schlechtestes Ergebnis bei Landtagswahlen seit knapp 70 Jahren.

SPD-Spitzenkandidat und Erster Bürgermeister Peter Tschentscher auf der Wahlparty seiner Partei.
SPD-Spitzenkandidat und Erster Bürgermeister Peter Tschentscher auf der Wahlparty seiner Partei. | Bild: Axel Heimken/dpa

Überraschend sah es am Wahlabend zunächst danach aus, dass die AfD erstmals aus einem Landesparlament hinausgeflogen sein könnte. Die FDP musste noch zittern. Die Abstimmung in der Hansestadt ist nach derzeitigem Stand die einzige Landtagswahl in diesem Jahr.

Erste Hochrechnungen

Nach der ersten ARD-Hochrechnung und der Prognose des ZDF rutschte die SPD zwar ab, erreichte mit 37,6 bis 38 Prozent aber wieder klar Platz eins (2015: 45,6) - Werte, die sie in keinem anderen Bundesland hat. Die Grünen mit ihrer Spitzenkandidatin Katharina Fegebank verdoppelten zwar ihr Ergebnis annähernd auf 25,4 bis 25,5 Prozent (12,3), lagen jedoch weiter hinter den Sozialdemokraten als zu Beginn des Wahlkampfs.

Katharina Fegebank (L) und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, nach der ersten Prognose.
Katharina Fegebank (L) und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, nach der ersten Prognose. | Bild: Kay Nietfeld/dpa

Die in Hamburg oppositionelle CDU sackte noch einmal ab auf nun 11 bis 11,4 Prozent (15,9). Die Linke stagnierte bei 9,1 bis 9,5 Prozent (8,5). Die FDP und überraschend auch die AfD verloren. Die AfD lag in den Prognosen nur zwischen 4,7 und 4,8 Prozent (6,1) und wäre damit möglicherweise nicht im Parlament, die FDP lag bei 5 Prozent (7,4).

Regierung bleibt wohl Rot-Grün

Das Landesparlament hat regulär 121 Sitze. Die Zahl kann durch Überhang- und Ausgleichsmandate sowie erfolgreiche Einzelbewerber steigen. Die Prognosen ergaben diese Sitzverteilung: SPD 51 (2015: 58), Grüne 35 (15), CDU 15 bis 16 (20), Linke 12 bis 13 (11) und FDP 7 (9).

Anhänger der SPD bejubeln die Zahlen der ersten Prognose auf ihrer Wahlparty in Hamburg.
Anhänger der SPD bejubeln die Zahlen der ersten Prognose auf ihrer Wahlparty in Hamburg. | Bild: Christian Charisius/dpa

Die wahrscheinlichste Regierungsvariante ist die Fortsetzung der seit 2015 bestehenden rot-grünen Koalition - sowohl Tschentscher als auch seine bisherige Stellvertreterin Fegebank hatten dies als naheliegend bezeichnet. Die Grünen hatten allerdings lange gehofft, selbst stärkste Kraft zu werden und Fegebank zur Regierungschefin zu machen. Neben Rot-Grün wäre rechnerisch auch eine Koalition von SPD und CDU möglich, politisch ist das jedoch unwahrscheinlich.

SPD "super glücklich", Grüne sprechen von fuliminanten Ergebnis

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erhofft sich vom überraschend guten Ergebnis der SPD einen Push auch im Bund. Er sei "super glücklich" über das Hamburger Ergebnis, sagte der Vorgänger von Tschentscher.

Grünen-Chef Robert Habeck nannte die starken Zugewinne der Grünen ein "fulminantes" Ergebnis und Auftrag auch im Bund. Es sei historisch das zweitbeste Wahlergebnis auf Landesebene für die Grünen überhaupt. Zu verdanken sei das auch dem "Mut, Ja zu sagen, aus der Herausforderer-Position um Platz eins zu kämpfen".

CDU spricht von "bitterem Tag"

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sprach von einem bitteren Tag. "Die Ereignisse in und um Thüringen haben nicht geholfen, dass die CDU in Hamburg auf ihre Konzepte, auf ihre Pläne für Hamburg hinweisen konnte", sagte er mit Blick auf die dortige Regierungskrise. Hamburgs FDP-Chefin Katja Suding machte die Vorgänge in Thüringen ebenfalls mitverantwortlich.

AfD-Spitzenkandidat Dirk Nockemann sprach nach dem möglichen Ausscheiden seiner Partei aus der Bürgerschaft vom "Ergebnis einer maximalen Ausgrenzungskampagne".

SPD hat sich von Bundespolitik abgegrenzt

Für Tschentscher war es die erste Wahl. Er hatte den Bürgermeisterposten 2018 von Scholz übernommen, der damals an die Spitze des Bundesfinanzministeriums wechselte. Für 40 Prozent der Wähler war Tschentscher laut ARD der wahlentscheidende Faktor - ein extrem hoher Wert.

SPD-Spitzenkandidat Peter Tschentscher bei der Stimmabgabe. Laut Prognosen kommt die SPD auf 37,5 bis 38 Prozent.
SPD-Spitzenkandidat Peter Tschentscher bei der Stimmabgabe. Laut Prognosen kommt die SPD auf 37,5 bis 38 Prozent. | Bild: Axel Heimken/dpa

Im Wahlkampf hatte die SPD in der Wirtschaftsmetropole stark versucht, sich vom negativen Trend der Bundespartei abzukoppeln. Die beiden neuen Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans waren nicht zu Auftritten eingeladen. Gleichwohl verschafft das Hamburger Ergebnis dem Duo, das alle Aufmerksamkeit auf die Lage der CDU zu lenken versucht, etwas Erleichterung.

CDU und FDP unter Druck

Christdemokraten und FDP stehen seit der Regierungskrise in Thüringen stark unter Druck. Beiden Parteien könnte die dortige Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich mit Stimmen von CDU und AfD geschadet haben.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte in Folge der Erfurter Krise vor wenigen Tagen ihren Rückzug angekündigt. Das Hamburger CDU-Debakel dürfte in seinen Auswirkungen auf die Bundespolitik dennoch begrenzt sein.

Stimmabgabe im Wahllokal. 1.317.603 Menschen sind in Hamburg zur Bürgerschaftswahl 2020 insgesamt wahlberechtigt, 18.192 mehr als zur Bürgerschaftswahl 2015.
Stimmabgabe im Wahllokal. 1.317.603 Menschen sind in Hamburg zur Bürgerschaftswahl 2020 insgesamt wahlberechtigt, 18.192 mehr als zur Bürgerschaftswahl 2015. | Bild: Daniel Reinhardt/dpa

Tschentscher hatte im Wahlkampf massiv das Thema Klimaschutz besetzt, das traditionell eher mit den Grünen verbunden wird: "Grüner wird's nicht" war einer seiner Slogans. Daneben bestimmten lange die Themen Mieten und Verkehr den Wahlkampf.

Stimmen werden am Montag ausgezählt sein

Mehrere Parteien sagten ihre Wahlkampfabschlussveranstaltungen nach dem Anschlag von Hanau am Mittwochabend ab. Die anderen Parteien hatten die AfD indirekt mitverantwortlich gemacht.

In der Nacht zu Montag sollte zunächst nur ein Ergebnis für die voraussichtliche Verteilung der 121 Sitze auf die Parteien bekanntgegeben werden. Wie sich die Stimmen auf die einzelnen Listenkandidaten verteilen, ergibt sich erst bei einer Fortsetzung der Auszählung am Montag.

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  •   kunvivanto
    (70 Beiträge)

    23.02.2020 21:02 Uhr
    Ja und?
    Hamburg war schon immer knallrot. Nichts Ungewöhnliches also.
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  •   silberahorn
    (10157 Beiträge)

    24.02.2020 07:17 Uhr
    Hamburg
    hat eine sehr lange Kaufleute-Tradition und Karlsruhe ist eher eine Beamtenstadt. Insofern sind Vergleichsversuche ohnehin schnell mit einem Hinkebein behaftet.
    Man könnte allenfalls überlegen, warum risikobereite Kaufleute mit weltweitem Radius sich an sozialer Marktwirtschaft orientierten und Beamte sehr gerne christlich orientiert waren. Wobei in der Zwischenzeit beide dieser groben Orientierungsrichtungen ihre intern auch vorhandene Verlogenheit angehen müssten und der Wähler immer schwerer zu überzeugen ist.
    Die meisten Arbeitsplätze in Hamburg sind im Zusammenhang mit medizinischen Bereichen vorhanden und gar nicht einmal, wie man vermuten könnte, bei Verlagen und Medien.
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