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Karlsruhe Von Glassplittern und Schaben: Wissen Sie, wie hygienisch ihr Lieblings-Restaurant ist?

Köche, die sich nicht an die Vorschriften halten oder Schaben im Gastraum - in dem ein oder anderen Karlsruher Betrieb ist es um die Hygiene nicht gut bestellt. Zwei Stellen sorgen für Transparenz im Gastronomiebereich: Wie verlässlich sind diese und wie erhält der Bürger darüber hinaus Informationen zu Sauberkeit und Hygiene von Restaurants?

Am Bahnhof beim Schnellimbiss "Subway" ein Brötchen holen: Der Appetit darauf ist vielen Karlsruhern wohl im letzten Jahr vergangen, als der Bericht der Lebensmittelkontrolle an die Öffentlichkeit gelang.

Im Februar 2019 wurde in der Filiale ein "massiver Schädlingsbefall" durch Schaben festgestellt. Nur einen Monat später beanstandeten die Kontrolleure starke Verschmutzungen - auf der Theke, dem Grill, dem Fußboden.

Damit die Hygiene sichergestellt ist, werden Betriebe regelmäßig kontrolliert. | Bild: Thomas Riedel

Wie hygienisch es in den Küchen von Imbissen, Cafés und Restaurants zugeht, darüber können Gäste oftmals nur spekulieren. Viele wissen nicht, dass sie ein Recht haben, darüber Auskunft zu erhalten. Genauer gesagt: Die Berichte der Lebensmittelkontrollen müssen auf Anfrage herausgegeben werden. Das regelt das Verbraucherinformationsgesetz (VIG). 

Onlineportal "Topf Secret": Jeder kann die Kontrollberichte lesen

Für viele Kunden ist das aber vor allem eines: Aufwand. Und genau hier setzt eine relativ junge Plattform mit dem Namen "Topf Secret" an. Über sie kann jeder mit wenigen Klicks eine Anfrage an die zuständige Behörde schicken.

Der Gedanke dahinter: Verbraucher unterstützen Verbraucher. Sobald eine Einzelperson Auskunft erhalten hat und weiß, wie es um die Hygiene in einem Betrieb steht, kann sie die Antwort auf der "Topf Secret"-Homepage unter https://fragdenstaat.de/ hochladen. So ist die Information für jeden sichtbar.

Screenshot von https://fragdenstaat.de/kampagnen/lebensmittelkontrolle/app/
Auf der Plattform "Topf Secret" können Verbraucher die Kontrollberichte der Lebensmittelüberwachung lesen - und bei Bedarf selbst eine Anfrage stellen. | Bild: screenshot @ fragdenstaat.de

Das Portal möchte für mehr Transparenz im Gastronomiebereich sorgen. Wer wissen möchte, was die Lebensmittelkontrolleure in den Karlsruher Cafés und Restaurants so alles zu beanstanden hatten, kann sich dort durch die Berichte klicken.

Aber Achtung: Mitunter benötigt man dafür starke Nerven! Gekochtes Hühnerfleisch in der Spüle, Sporen an den Kühlschränken und Abfalltüten im Tiefkühlraum - alles Szenen aus den Küchen der Fächerstadt.

Karlsruher Bürger fragen viel nach

Ermutigt oder abgeschreckt durch derartige Beschreibungen - das sei dahingestellt. Fest steht, die Karlsruher Bürger möchten ganz genau wissen, wie es um die Hygiene in den lokalen Restaurants steht.

Insgesamt 458 Anfragen sind seit Bestehen der Plattform "Topf Secret" Anfang 2019 bei den Karlsruher Behörden eingegangen. "In den ersten zehn Tagen waren es alleine 111 Anträge, momentan sind es jeden Monat zwischen fünf und fünfzehn", teilt die Stadt auf Nachfrage von ka-news.de mit.

Behörden klagen über gestiegenen Arbeitsaufwand

Generell befürworte die Stadt die gestiegene Transparenz gegenüber dem Verbraucher. Durch "Topf Secret" seien die Anfragen allerdings so sehr gestiegen, dass "der Arbeitsaufwand mit dem vorhandenen Personal nur schwer zu bewältigen ist."

Eine Frau bedient ein Smartphone, auf dem die Webpräsenz der Plattform «Topf Secret» geöffnet ist.
Die Plattform "Topf Secret" unterstützt Verbraucher, ihre Rechte in Anspruch zu nehmen. | Bild: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Über besonders schwerwiegende Hygienemängel muss die Öffentlichkeit allerdings informiert werden - ohne, dass die Bürger davor um die Auskunft bitten müssen.

"Rote Liste" der Restaurants wird auf der Verbraucherinfo veröffentlicht

Sollten die Lebensmittel die gesetzlichen Grenzwerte überschreiten oder ein Restaurant zu mehr als 350 Euro Bußgeld verdonnert werden, wird das auf der Seite der Verbraucherinfo http://verbraucherinfo.ua-bw.de/ veröffentlicht. 

Ob Burger oder Pizza: Wie sauber geht es in den Küchen in Karlsruhe zu? (Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Bis zu einem halben Jahr lang sind hier die "schlimmsten" Hygieneverstöße nachzulesen, dann werden die Daten gelöscht. In der Stadt Karlsruhe kam es in den letzten sechs Monaten (Stand: Januar 2020) zu sechs Einträgen. Der letzte handelt über den Pizzalieferservice "Pizza California", hier wurden Glassplitter in einem Hamburger vorgefunden.

Weitere Karlsruher Restaurants auf dieser "roten Liste" sind derzeit das Chinarestaurant "5 Sterne", "Al-Madina" Syrische Spezialitäten, die Metzgerei im Mewlana Markt, die Bäckerei "Solo Tandori" und der Asiate "Seng Sushi".

Warum werden nicht alle Verstöße veröffentlicht?

Doch warum werden nur die schwersten Verstöße vom Land veröffentlicht? Aus welchem Grund können die Bürger nicht alle Berichte der Lebensmittelkontrollen direkt einsehen, haben sie doch einen Anspruch auf diese Information?

"Wir fordern, dass die Behörden alle Ergebnisse von sich aus veröffentlichen", sagt Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg im Gespräch mit ka-news.de. Das würde den Prozess deutlich vereinfachen.

Betriebe werden in unterschiedlichen zeitlichen Abständen kontrolliert

Wie oft die Lebensmittelkontrolleure des Ordnungs- und Bürgeramtes die Restaurants aufsuchen, ist unterschiedlich. "Die durchschnittliche Kontrollfrequenz beträgt aktuell etwa zwölf Monate", teilt die Stadt Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news.de mit.

Innenstadt Karlsruhe: Cafe
Fallen den Besuchern Lebensmittel- oder Hygienemängel auf, können sie diese der Stadt melden. | Bild: Paul Needham

In der Praxis werden die Betriebe in Risikoklassen unterteilt - je höher die Klasse, umso häufiger muss seitens der Stadt kontrolliert werde. Die Skala reicht von dreijähriger bis täglicher Überprüfung.

Verbraucher kann auch selbst Hygienemängel melden

Doch: Sollte ein Verbraucher der Stadt einen Misstand melden, rücken die Kontrolleure zusätzlich aus. Denn jede Beschwerde wird überprüft.  "Dafür muss sie allerdings begründet und spezifisch sein", teilt der Verbraucherschutz mit. "Wir empfehlen, immer direkt im Betrieb zu reklamieren und sich dann an die jeweilige Behörde zu wenden."

Die Kunden haben es gewissermaßen selbst in der Hand: Wer in Erfahrung bringen möchte, wie es um die Hygiene in einem Café oder Restaurant steht, kann zum einen von seinen Auskunftsrechten Gebrauch machen.

Zum anderen kann jeder Einzelne - sollte vor Ort ein Mangel gesehen werden - eine Beschwerde einreichen. Dann machen sich die städtischen Lebensmittelkontrolleure an die Arbeit. 

Auf einen Blick: Nützliche Links

Unter https://fragdenstaat.de/ können Verbraucher erhaltenen Antworten der Lebensmittelbehörde hochladen.

Unter http://verbraucherinfo.ua-bw.de/ werden die aktuellen schwarzen Schafe der Gastronomie veröffentlicht.
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Kommentare (8)
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  •   Suedweschter
    (414 Beiträge)

    15.02.2020 23:48 Uhr
    Die Stadt wächst und wächst ...
    wie ein Tumor und massenweise neue Arbeitsplätze entstehen, deren Inhaber dann, wie viele Studenten von außerhalb einpendeln müssen, weil die Stadt vom Wohnraum nicht mehr hergibt. All diese Leute benutzen aber die vorhandenen Infrastrukturen, zu denen auch Kneipen, Imbisse, Restaurants usw. gehören. Es ist aber Aufgabe der Verwaltung dafür zu sorgen, dass die Proportionen stimmen! Wenn das nicht geht, bzw. kein Geld dafür da ist genügend Personal einzustellen, damit diese wichtigen Dinge verantwortungsvoll erledigt werden, läuft irgendwas gewaltig schief!
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  •   Suedweschter
    (414 Beiträge)

    15.02.2020 21:03 Uhr
    Verbesserungen
    Der verpflichtende Kurs im Landratsamt bei dem Leute, die mit Lebensmitteln umgehen, die andere dann essen, belehrt werden sollen, ist ein Witz. Vor lauter "was machen wir mit den Ausländern?" ist der Kurs auf "Unter-Analphabeten-Niveau". Jemand, der keinen Schimmer hat, was Bakterien, Sporen, Schimmelpilze und dergleichen sind, lernt da nichts. Kein Wunder, dass es auch mehrzahlig die entsprechenden Lokale sind, die auffallen. - Zweitens, die Toiletten sollten auch inspiziert werden. Bei vielen haut's einen um! Ich bestelle seit Jahren erst, wenn ich den Lokus gesehen habe; das hat Aussagekraft! In die Küche, die Kühlräume usw. dürfen Gäste aus gutem Grund nicht hineingehen, weshalb wir uns auf das Gesundheitsamt verlassen müssen. - Es gibt keinen Grund weshalb die Berichte nicht auf der Web solange stehen bleiben, bis der Grund nachweislich ausgemerzt und alles tipptopp ist. Die Kosten sollen die Verursacher tragen, womit der Punkt "Aufwand und Personal" abgehakt sind!
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  •   malerdoerfler
    (6035 Beiträge)

    16.02.2020 20:34 Uhr
    Auf das Amt verlassen können...
    genau hier ist der springende Punkt!!
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  •   morgana
    (304 Beiträge)

    15.02.2020 17:11 Uhr
    Zweischneidig
    Selbstverständlich muss jemand ein Auge auf sachgemäße Lagerung und Inverkehrbringen von Lebensmittel achten, aber die Form, in der das bei uns geschieht, ist unsinnig und moderner Pranger, dem keiner nützt.
    Ein wunderbares Beispiel ist das Testergebnis eines Netto-Marktes in Ettlingen, bei dem man im Jan. und Febr. 2019 Unregelmäßigkeiten festgestellt hat, die die Marktleitung im März vollumfänglich behoben hatte.

    Dennoch erscheint im Dezember(!) 2019 der längst behobene Mangel in der Veröffentlichung.

    Außerdem scheinen sich die Tester selbst ihre Legitimation zu verschaffen, indem man unbedingt etwas zu finden hat, was beanstandet werden kann. Mein alter Herr war einst Pächter eines Landgasthofes und hatte angeblich 1 Reihe Fliesen in seinem Kühlraum zu wenig. Aber nicht die pachtgebende Brauerei wurde angepisst, sondern der Pächter, der oft von den teilweise aberwitzigen Vorschriften gar keine Kenntnis hat.
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  •   max
    (216 Beiträge)

    15.02.2020 16:30 Uhr
    Wir haben zu wenige Personen,
    welche die Kontrollen durchführen. Hier gehört aufgestockt. Was sind schon 7-10 Stellen für das Stadtgebiet.
    Die sogenannten schwarze Schafen gehören veröffentlicht. Es geht immerhin um die Gesundheit.
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  •   Suedweschter
    (414 Beiträge)

    15.02.2020 21:14 Uhr
    Die Stadt wächst und wächst ...
    wie ein Tumor und massenweise neue Arbeitsplätze entstehen, deren Inhaber dann, wie viele Studenten von außerhalb einpendeln müssen, weil die Stadt vom Wohnraum nicht mehr hergibt. All diese Leute benutzen aber die vorhandenen Infrastrukturen, zu denen auch Kneipen, Imbisse, Restaurants usw. gehören. Es ist aber Aufgabe der Verwaltung dafür zu sorgen, dass die Proportionen stimmen! Wenn das nicht geht, bzw. kein Geld dafür da ist, genügend Personal einzustellen, damit diese wichtigen Dinge verantwortungsvoll erledigt werden, läuft irgendwas gewaltig schief!
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  •   marc237
    (1 Beiträge)

    23.01.2020 09:11 Uhr
    Hohe Arbeitsaufwand
    Wenn sich die Stadt beschwert, dass der Arbeitsaufwand zu hoch ist: Was spricht dagegen, die Berichte standardmäßig ins Internet hochzuladen?
    Allein das gesparte Briefporto ist nicht zu vernachlässigen.
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  •   BMWFahrer
    (259 Beiträge)

    15.02.2020 09:05 Uhr
    Warum sollte die Stadt Kosten sparen wollen?
    Ist doch nicht deren Geld, sondern das der Steuerzahler. Und die überweisen regelmässig neues.
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