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Karlsruhe Vom Brunnen zum Wasserhahn: Wie entsteht das Karlsruher Trinkwasser?

Ein üblicher Sommertag: Duschen, viel trinken und gegebenenfalls noch die Blumen gießen. Für all dies und natürlich vieles mehr ist vor allem eines nötig: sauberes Trinkwasser. Doch wie entsteht das Trinkwasser in Karlsruhe und was muss passieren, damit es, so wie es die Karlsruher gewohnt sind, aus den Hähnen kommt?

Am 19. Juli 2017 lag die Tageshöchsttemperatur in Karlsruhe bei 34,7 Grad - die Stadtwerke Karlsruhe verzeichneten an diesem Mittwoch den diesjährigen Nachfragerekord beim Trinkwasser. Insgesamt sind an dem Tag mit 87.098 Kubikmetern rund 87 Millionen Liter Wasser geflossen.

Zum Vergleich: Im Winter liegt die täglich in das Netz eingespeiste Trinkwassermenge an einem Tag zwischen 50.000 und 60.000 Kubikmetern. Damit solche Wassermengen tagtäglich - egal ob bei winterlichen oder sommerlichen Temperaturen - aus den Hähnen der Karlsruher kommen können, wird im Vorfeld von den Stadtwerken Karlsruhe in den Wasserwerken einiges getan. In einem Gespräch mit ka-news erklären der Leiter der Wasserwerke Bernd Hofmann und der Leiter der Unternehmenskommunikation Markus Schneider die verschiedenen Etappen, die das Wasser durchläuft.

Ursprung des Trinkwassers in Wasserschutzgebieten

Den Anfang findet das zu diesem Zeitpunkt noch unbehandelte Wasser in den insgesamt 183 Quadratkilometern großen Wasserschutzgebieten der Stadtwerke Karlsruhe. Dort liegt, wie der Leiter der Wasserwerke erklärt, weit unter der Erde die für die Trinkwasserherstellung wichtigste natürliche Ressource: Das Grundwasser.

Etwa ein Drittel der Niederschläge wird zu Grundwasser, indem es als sogenanntes "Sickerwasser" nach und nach durch die Bodenschichten läuft. Schon währenddessen wird das Wasser erstmals gefiltert. Die Grundwasserneubildung findet größtenteils in den Wintermonaten statt. Lediglich 25 bis 30 Prozent des neu gebildeten Grundwassers werden für die Trinkwasserversorgung verwendet.

Wassergewinnung über insgesamt 64 Tiefbrunnen

Um dieses Grundwasser tatsächlich weiterverarbeiten zu können, muss es über sogenannte Grundwasserleiter in einen der insgesamt 64 Brunnen der Stadtwerke fließen, in welchem es anschließend gefördert wird. Konkret bedeutet das: Es durchläuft den bis zu einem halben Meter breiten Förderbrunnen und gelangt durch eine Unterwasserpumpe an die Oberfläche. Bis das Grundwasser allerdings erst einmal in einem Brunnen ist, können laut Hofmann bis zu zehn Jahre vergehen.

Wasser wird mit Luftsauerstoff angereichert

Wurde das Grundwasser aus den Brunnen zur Aufbereitung in eines der vier Wasserwerke gepumpt, kommt es als sogenanntes "Rohwasser" in die Belüftung. Hier wird das Wasser mit Luftsauerstoff aus der Umgebungsluft angereichert. Während diesem Prozess wird der für die Enteisenung und Entmanganung erforderliche Sauerstoff eingetragen, da die beiden Inhaltsstoffe im nächsten Schritt - der Filtration - aus dem bis zu diesem Zeitpunkt noch "rohem" Wasser heraus gefiltert werden.

"Würden Eisen und Mangan im Wasser bleiben, würde es unangenehm schmecken," erläutert Hofmann im Gespräch mit ka-news. Das heißt: Es ist zwingend notwendig, das Wasser während der Filtration in Filterbecken durch natürliche Aufbereitung zu reinigen.

Schema Wasserversorgung
Damit das Trinkwasser der Stadtwerke Karlsruhe in den Haushalten sauber ankommen kann, muss es zuvor einige Etappen durchlaufen. | Bild: Stadtwerke Karlsruhe

Nach Belüftung und Filtration: Trinkwasser ist "fertig"

Das saubere Wasser - das laut dem Werksleiter jetzt als Trinkwasser bezeichnet werden kann - fließt nach der Belüftung und der Filtration direkt in Wasserbehälter. Dort steht es unter dauerhafter Bewegung zur Verfügung und wird bei Bedarf über Netzpumpen und verschiedene Leitungen in die Haushalte Karlsruhes befördert.

Bei der endgültigen Wasserversorgung sind zudem wichtig: die Hochbehälter am Schwarzwald. Sie geben das Druckniveau für das Stadtgebiet Karlsruhe vor und sorgen für einen konstanten Druck des Wassers beim Verbraucher. In der verbrauchsärmsten Zeit - also während den Nachtstunden - werden die Behälter bis zum Höchststand gefüllt. Dann ist das Wasser aus den Netzpumpen für das Stadtgebiet ausreichend und die nicht benötigten Trinkwassermengen werden, so Hofmann, in den Hochbehältern zwischengespeichert.

Zwischen 6 und 21 Uhr laufen die Netzpumpen mit geringer Leistung. Das benötigte Wasser wird während dieser Zeit zusätzlich aus den Hochbehältern genommen und von dort aus in die Haushalte verteilt.

Wasserwerk Rheinwald
Ist das Trinkwasser aus dem Wasserwerk Rheinwald bereit um in das Karlsruher Netz eingeschleust zu werden, fließt es über diese Rohre in Richtung Karlsruhe. | Bild: Eric Dewald

Bei Wasserherstellung: "Sicherheit steht an erster Stelle"

Damit dem Wasser während seiner verschiedenen Etappen nichts passiert und auch keine Einwirkungen von Außen die Qualität beeinflussen können, haben die Stadtwerke ein großes Sicherheitsaufgebot an den Tag gelegt. Wie Hofmann und Schneider nämlich gegenüber ka-news erklären: "Die Sicherheit steht an erster Stelle."

Neben der Durchführung verschiedener Maßnahmen, wie zum Beispiel dem Arbeits- und Infektionsschutz, die die Mitarbeiter der Wasserwerke durchlaufen müssen, wird vor allem auch auf den Objektschutz großen Wert gelegt. So sei jedes Wasserwerk sowie jeder darum liegende Brunnen selbst geschützt und werde von der Netzleitstelle rund um die Uhr überwacht. Sobald dort irgendwelche Unregelmäßigkeiten durch zum Beispiel einen Bewegungsmelder eingehen, wird von den Mitarbeitern sofort eingegriffen.

Das kann dann im Ausnahmefall auch mal bedeuten, dass ein Wasserwerk komplett aus der Versorgung genommen wird, bis der Grund der Meldung gefunden wurde. So etwas sei nach Angaben Hofmanns in 25 Jahren lediglich drei bis vier Mal passiert - allerdings nicht in großem Ausmaße.

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Kommentare (6)
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  •   peddersenn
    (986 Beiträge)

    25.08.2017 13:49 Uhr
    Wer sehen will, der sehe....
    ...und zwar die Tatsache, daß die Grundlage unseres Leben NICHT aus Hightech besteht - die Anstrengungen der Wasserwerke sind ungeachtet dessen natürlich völlig zu schätzen.

    Aber die Grundlage ist eben, daß es regnet und der Boden die Brühe filtert.

    Und die Grundlage des Essens ist, daß was wächst.

    Genauso wie die Grundlage von Bauen und allem ist, daß man irgendwo was ausbuddeln kann - mag es Kies oder Zement sein.

    Das sollte -bei genauem Betrachten- die Unwichtigkeit vieler Heißlufthersteller bis hin zu Herrn Zuckerberg wieder ein wenig deutlicher machen.
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  •   zahlenbeutler
    (1216 Beiträge)

    25.08.2017 13:02 Uhr
    kann ich
    nur zustimmen. Mich würde noch interessieren, ob die Tiefbrunnen relativ immer gleich gefüllt sind oder ob sich eine Trockenperiode unmittelbar darauf auswirkt und damit verbunden eine Trinkwasserverknappung entstehen könnte
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  •   Scheuerleiste
    (195 Beiträge)

    25.08.2017 19:08 Uhr
    Das kommt darauf an
    zahlenbeutler,
    ob sich die angesprochenen Trockenperioden in folge wiederholen oder ob das nur ein einmaliges Ereignis ist. Im Bericht steht dass das Grundwasser bis zu 10 Jahre braucht bis es in einem Brunnen angelangt ist. Das kann aber auch länger dauern, da müsste man aber die Bodenbeschaffenheit kennen, dh. den Bohrkern sehen. Da kann man dann Rückschlüsse über die Durchlässigkeit ziehen, sowohl Horizontal wie auch Vertikal. Im Bericht ist ja ein Förderschema angezeigt, leider fehlt auf der linken Seite beim Tiefbrunnen( grüne Rohrleitungen) der entsprechende Eintrag. Eine einmalige Trockenperiode sollte sich da kaum bemerkbar machen da in den Folgejahren ja genügend Oberflächenwasser versickert, erst mehrere Trockene Jahre könnten sich dann bemerkbar machen. So sehe ich das ,wurde darüber belehrt bei einer Besichtigung im Wasserwerk Jockgrim der Germersheimer Südgruppe. Gruppenführungen ab eine bestimmten Personenzahl. Man sollte aber recht mobil sein, es geht auch über Treppen
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    (4089 Beiträge)

    25.08.2017 13:12 Uhr
    Sommer 2003,
    es kam zwar bei der einen oder anderen Quelle zu Engpässen, sodass ein paar Hersteller von Tafel- und Mineralwasser den Betrieb zurückfahren mussten. An Engpässe von Brauchwasser kann ich mich aber nicht erinnern. Zumindest nicht beim Endverbraucher.
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  •   peddersenn
    (986 Beiträge)

    25.08.2017 13:55 Uhr
    ich kann mich...
    ....aus den 70ern an einen Sommer erinnern, wo drum gebeten wurde, den Rasen nicht zu spritzen. Ich kann mir aber vorstellen, daß das eher an begrenzter Förderungsmöglichkeit oder Leitungskapazität lag - wenn alle um die Wette duschen und den Garten gießen, wirds vielleicht knapp. Obwohl der Irrsinn der mehrmaligen täglichen Dusche damals noch nicht Mode war.

    Aber das mit dem Wasser ist ein relativ empfindliche Geschichte - nachdem die Raffinerie gebaut war, gaben im Hochgestade die ganzen Garten-pumpbrunnen kein Wasser mehr - Grundwasser um mehrere Meter abgesenkt.
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  •   santana
    (1105 Beiträge)

    25.08.2017 11:53 Uhr
    Ein sehr
    interessanter und informativer Bericht, danke dafür.
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