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Karlsruhe Vietnamesin aus Aue: Ehemann zu neun Jahren Haft verurteilt

Seit Anfang des Jahres läuft vor dem Karlsruher Landgericht bereits ein Mordprozess ohne Leiche: Hier muss sich der Ehemann der vermissten Vietnamesin aus Durlach-Aue wegen der angeblichen Tötung seiner Frau verantworten. Nach einer Verlängerung des Prozesses ist am Freitag nun das Urteil gefallen.

Was geschah mit Thi Thanh Thoa Le? Seit über einem Jahr gilt die Frau aus dem Karlsruher Stadtteil Durlach als vermisst. Die Polizei hatte mehrfach und intensiv nach der 34-Jährigen gesucht - jedoch ohne Erfolg.

Eifersucht, Eheprobleme und dann Mord?

Weder in einem abgelegenen Waldstück "Im Brühl" nahe der A5 bei Hagsfeld, noch imGrötzinger Feld konnte die über 200 Mann starke "Soko Aue" einen Hinweis auf den Verbleib der verschwundenen Mutter entdecken. Einsätze von Polizeitauchern im Grötzinger Baggersee im September 2014 und einem Bundeswehr-Jetbleiben ebenso erfolglos. Auch im Heimatland der Vermissten gab es keine Hinweise auf ihren Verbleib.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ehemann der verschwundenen vor, seine Frau aus Eifersucht getötet zu haben. Dabei habe er die Tötung so aussehen lassen wollen, als hätte die junge Mutter ihre Familie freiwillig verlassen. Zeugen hatten vor Gericht von den Eheproblemen des Paars und angeblichen Affären von Thi Thanh Thoa Le berichtet.

Der Prozess ging in die Verlängerung, da die Verteidigung des Angeklagten weitere Beweisanträge einreichte. So wurden unter anderem Zeugen vernommen, die die Vermisste nach ihrem Verschwinden gesehen haben wollen. Auch die Kinder des Ehepaars wurden von den Karlsruher Richtern befragt. Die Öffentlichkeit wurde daraufhin bis zur Urteilsverkündung von der Verhandlung ausgeschlossen.

"Über Jahre betrogen und herabgewürdigt"

An diesem Freitag fiel nun das Urteil gegen den Ehemann: Das Karlsruher Landgericht verurteilt den Ehemann der Vermissten zu neun Jahren Haft wegen Totschlags. Damit ist das Karlsruher Landgericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt.  Diese hatte 13 Jahre wegen Totschlags beantragt. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Von der Leiche der vermissten Frau aus Durlach-Aue fehlt nach wie vor jede Spur. Dennoch sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Ehemann die Vermisste aus Durlach-Aue getötet hat, wie der vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung erklärt. Alles deute darauf hin, dass die Mutter ihre Familie nicht verlassen habe. Der Angeklagte habe sich nach dem Verschwinden seiner Frau seltsam verhalten, begründet der Richter weiter. Unter anderem habe er nicht versucht, die Vermisste zu kontaktieren.

Gleichzeitig sei er von einem Nachbarn dabei beobachtet worden, wie er einen schweren Koffer zum Auto trug. Die Staatsanwaltschaft ging bei Prozessbeginn davon aus, dass sich in diesem Koffer die Leiche von Thi Thanh Thoa Le befand. Ein ehemaliger Mithäftling hatte den Angeklagten zusätzlich belastet. Er habe ihm gegenüber Mordfantasien eingeräumt, so der Richter.

Die Mordmerkmale sah das Karlsruher Landgericht in diesem Fall allerdings nicht erfüllt. Strafmildernd habe sich für den Angeklagten ausgewirkt, dass seine Frau ihn über Jahre hinweg betrogen und herabwürdigend behandelt habe, begründete der Richter. Aus diesem Grund entschied sich die Karlsruher Richter gegen das volle Strafmaß, das in Deutschland für Totschlag eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren vorsieht. Wie der SWR berichtet, hat die Verteidigung angekündigt, Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen zu wollen.

Der Artikel wurde nachträglich aktualisiert.

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  •   md47
    (859 Beiträge)

    13.05.2016 10:44 Uhr
    Bei "guter Führung"
    ist der nach etwa 6 Jahren wieder draußen.Mein Mitleid gilt den 2 Kindern.
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  •   auchmalsenfdazu
    (3204 Beiträge)

    13.05.2016 10:17 Uhr
    wäre
    für die Familie schön, wenn er auspacken würde, wo die Leiche ist. Damit man diese wenigstens würdevoll beerdigen könnte.

    Es sei denn, seine Anwälte legen Berufung gegen das Urteil ein.

    Wobei ich 9 Jahre für das "Auslöschen" eines Menschenleben schon wieder als deutlich zu gering ansehe. Dürfte aber wohl für die Staatsanwaltschaft ohne Leiche schwer gewesen sein, überhaupt so "viel" zu erreichen.
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