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Karlsruhe Verkehrsentwicklung in Karlsruhe: So will die Stadt das Verkehrsnetz entlasten

Mit einem 2012 beschlossenen Verkehrsentwicklungsplan soll in Karlsruhe eine stadtverträgliche Abwicklung von Mobilität für die Stadt und die Region gewährleistet werden. Davon sollen auch tausende Pendler profitieren, die täglich in die Fächerstadt kommen. Wie weit sind die Maßnahmen bisher umgesetzt?

Auch morgen früh ist es wieder soweit: Menschen drängen sich in Busse und Bahnen oder fahren mit dem Auto zur Arbeit und stehen im Stau. Ein ganz normaler Arbeitstag beginnt so für Millionen Berufstätige in Deutschland jeden Morgen. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Pendler bundesweit immer weiter gestiegen, wodurch auch Verkehrsnetze an ihre Grenzen stoßen.

Auch in Karlsruhe stellt das erhöhte Verkehrsaufkommen - unter anderem durch Pendler - die Stadt vor neue Herausforderungen. Lange Staus auf den Einfallstraßen und überfüllte Bahnen gehören für viele schon jetzt zum Alltag. Deshalb wurde im Rathaus ein Verkehrsentwicklungsplan (VEP) mit Szenarien und Konzepten auf die Beine gestellt. Die Intention dahinter: Die Verkehrsinfrastruktur zu ertüchtigen und das strategische Mobilitätsmanagement auszurichten und letztlich im Verkehrsentwicklungsplan abbilden.

Von den Maßnahmen des VEP sollen laut Stadt auch die Berufspendler profitieren. "Die im integrierten Handlungs- und Maßnahmenpaket abgebildeten Maßnahmen sehen die Gesamtbetrachtung aller Nutzer und Verkehrsträger vor", heißt es in einer Erklärung der Stadt auf ka-news-Nachfrage. Politisches Ziel ist, neben einem stadtverträglichen Verkehr, auch die Stärkung des Umweltverbunds.

Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
Auch öffentliche Verkehrsmittel wie Bahnen nutzen viele Pendler um zum Arbeitsplatz zu kommen. | Bild: Thomas Riedel

Über 130 Maßnahmen auf der Agenda

Dabei geht es nicht nur um Verbesserungen im Straßennetz, sondern auch um Optimierung im öffentlichen (Nah-)Verkehr, einer Förderung des Radverkehrs und Verbesserungen für Fußgänger. Insgesamt umfasst das integrierte Handlungskonzept über 130 Maßnahmen. Zum Verkehrsentwicklungsplan gibt es sogenannte Monitoringberichte, die im zweijährigen Rhythmus erstellt werden und den Status quo dokumentieren - zuletzt Ende 2016.

Für diesen Be­richt sind alle Maßnahmen des VEP aufgeführt und auch der Umset­zungs­stand dargestellt. 2016 haben für 69 Prozent der Maßnahmen die Vorplanungen begonnen, mit der Umsetzung lag man bei 47 Prozent der Maßnahmen. Einige der Punkte, wie etwa Tempo­re­du­zie­run­gen, sind bereits abgeschlossen.

Die meisten Maßnahmen, bei denen mit Vorpla­nun­gen oder der Umsetzung begonnen wurde, seien jedoch Dauer­auf­ga­ben. Diese wurden in den letzten zwei Jahren konti­nu­ier­lich voran­ge­trie­ben, so die Stadt. Beispielsweise Radverkehr, öffentlicher Verkehr oder Verkehrs­ma­na­ge­ment. Den bisherigen Umset­zungs­stand des VEP ­Karls­ruhe beurteilt die Stadt durchaus positiv. Im Sinne einer nachhal­ti­gen und stadt­ver­träg­li­chen ­Mo­bi­li­tät will man nach eigenen Angaben die Umsetzung des Verkehrs­ent­wick­lungs­plans weiter anschieben.

Verkehrsentwicklungsplan in acht Bausteine gegliedert

Die über 130 Maßnahmen wurden der Stadt analysiert und bewertet. Die einzelnen Schritte sind in verschiedene Bausteine und Bereiche gegliedert, in denen erläutert wird, was zu verbessern ist. Dadurch wurde auch die Priorität festgelegt. 

Die Stadt unterteilt ihren Verkehrsentwicklungsplan in insgesamt acht große Bausteine: Im Baustein Mobilitätsmanagement werden knapp zwei Dutzend Maßnahmen in Bezug auf Mobilität bei der Stadtentwicklungsplanung, in Unternehmen und Schulen aufgeführt. Auch Maßnahmen zu Auto- und Radleihsystemen, Mobilitäts- und Verkehrsinformationsservice, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sowie Elektromobilität werden in dem Baustein thematisiert.   

Bild: Paul Needhem

Viele Bausteine gezielt für Pendler

Im Baustein Fußverkehr geht es um Verbesserungen der Fußwegsituation sowie barrierefreie Standards im Stadtgebiet. Im Baustein Radverkehr werden ein Dutzend Punkte zum Thema Fahrrad in Karlsruhe thematisiert. Im Baustein Öffentlicher Verkehr geht es um viele Neu- und Ausbauten von Stadtbahnlinien.

Im Baustein Fließender Individualverkehr, mit über 40 Maßnahmen einer der größte Bausteine im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt, werden diverse Knotenpunkte auf eine "situative Zuflussdosierung" für eine stadtverträgliche Verkehrsabwicklung untersucht. Darunter an den Knotenpunkten Moltkestraße/ Blücherstraße in der Weststadt, Brauerstraße/ Ebertstraße oder Willy-Brandt-Allee/ Adenauerring.  

Bild: Paul Needhem

Auch die Anpassung des Verkehrsablaufs wird geprüft. Beispielsweise durch den Bau neuer Ampelanlagen oder baulichen Anpassungen bei den Knotenpunkten. All diese Maßnahmen haben in den Plänen der Stadt eine hohe Priorität und sollen mittelfristig umgesetzt werden. Im Bereich Brauerstraße/ Reinhold-Frank-Straße ging von Seiten der Stadt ein Prüfungsauftrag für die Einrichtung einer "grünen Welle" raus. Dabei sollen verstärkt nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden. Gerade Maßnahmen im Individualverkehr sowie im Öffentlichen Verkehr sollen zu großen Teilen auch Pendlern zugute kommen. 

Weitere Themenschwerpunkte sind die Bausteine Parken - hier geht es um die Entwicklung von Parkraumstrategien, Parkraumentwicklung und die Anpassung von Parkgebühren. In den letzten beiden Bausteinen werden die Bausteine Wirtschaftsverkehr und Verfahren analysiert. Die darin veranschlagten Maßnahmen haben jedoch weniger Einfluss auf die Pendler.

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Kommentare (84)
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  •   Laetschebachschorsch
    (3018 Beiträge)

    13.03.2018 07:26 Uhr
    Das waren vermutlich
    genauso gute Planer wie sie heute bei der Stadt sind. Und anscheinend gibt es keine Abstimmung zwischen Straßen- und Schienenbau. Es wird halt auf Kosten der Bürger vor sich hingewurstelt. Verteilerpunkt Zündhütle auch klar: Es kommt eine Fahrspur von der Südtangente, die sich dann auf eine Abbiegespur nach Au, eine nach Wolfartsweier, eine zu Bergwaldsiedlung und zum wachsenden Hohenwettersbach und zwei nach Durlach aufteilt, wobei die dann gleich wieder auf eine Spur reduziert wird. Und die Ullmer-Brücke steht nun mal auf dem Weg zum Zündhütle auf Auer Gebiet.
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  •   mueck
    (9570 Beiträge)

    13.03.2018 12:22 Uhr
    !
    Wo gibt's da keine Abstimmung zw. Schiene und Straße? Der Knoten wurde beim Schienenbau damals kräftig ausgebaut. Und die Knoten sind die Schwachstelle bei den Kapazitäten, nicht die "freie Strecke". Also passt dort alles.
    Da Linksabbieger die schönste Ampelschaltung versauen, weil sie viele andere Fahrbeziehungen sperren, ist es sinnvoll, die kurzfristig zweispurig zu führen, wenn der Platz dafür da ist. So bleiben mehr Grünzeiten für andere übrig, da man das Grün der Linksabbieger so kürzen kann.
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  •   Laetschebachschorsch
    (3018 Beiträge)

    14.03.2018 09:33 Uhr
    Städtische Planung
    Nehmt doch die Planungen in Karlsruhe weiter in Schutz. KA-News heute: "Die Fächerstadt gehört zu den staureichsten Großstädten Europas. Zu diesem Ergebnis kommt der "Inrix Traffic Scorecard Report 2017"
    Jeder weitere Kommentar ist überflüssig.
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  •   art5gg
    (468 Beiträge)

    14.03.2018 13:00 Uhr
    Es findet sich aber bestimmt auch ein Report....
    .... in dem die Stadt Karlsruhe als leuchtendes Beispiel hingestellt wird.
    Ich könnte mir vorstellen, dass sich aus dem Milliardengrab Kaiserstraße auch irgendwie ein Spitzenplatz herleiten lässt.
    Z.B. "selbst für kleinste Verbesserungen im ÖPNV schaut die Stadt KA nicht aufs Geld!"
    Wobei ich eher davon ausgehe, dass hier ein hoher Aufwand getrieben wurde ohne dass es einen Nutzen dafür gibt - wenn man von den "hochwertigen Design-Pflastersteinen" in der zukünftigen Kaiserstraße absieht!
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  •   Hüttenkäse
    (206 Beiträge)

    12.03.2018 13:54 Uhr
    Denkste Störer...
    Autos in seinen Besitz zu bringen, ist die "grünste" Art, sie aus dem Verkehr zu ziehen. Im übrigens viel besser als Stadtmobil, die immer mehr Autos in die Stadt stellen, damit möglichst viele Leute mit Ihnen fahren.
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  •   Freigeist1
    (516 Beiträge)

    12.03.2018 12:41 Uhr
    Eine funktionierende, lebendige und lebenswerte
    Großstadt geht nur über eine Abkehr vom Auto, nicht von heute auf morgen, aber der Trend muß jetzt eingeleitet werden. Grüne Wellen-Versuche oder noch mehr Parkplätze etc. sind Irrwege, die Probleme vielleicht ein bisschen verschieben, aber nicht lösen und dann als Bumgerang zurückkommen. Der Anteil der Pendler, die Bahn, Bus und Fahrrad nutzen ist zu steigern. Die Stadt Karlsruhe sollte keine Politik zum vermeintlichen kurzfristigen Vorteil autofahrender Pendler machen, sondern für ihre Bürger, die Lebensqualität, die Zukunft eintreten. Dass die "Weiter so"-Fraktion sich selbst angesichts der Diesel(und Atemluft)krise nicht bewegt, zeigt ein gerüttet Maß an Realitätsverweigerung. Wie ehedem beim Rauchverbot kann man nicht den Letzten überzeugen, Fakten pro Gesundheit und pro lebenswerter Stadt, von der Mehrheit, getragen sind zu schaffen. Hier sollte viel mutiger vorangegangen werden.
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  •   Skudder
    (212 Beiträge)

    12.03.2018 14:35 Uhr
    Das geht
    aber nur durch ein deutlich besseres Angebot sowohl für den ÖPNV als auch fürs Rad. Danach kann man den Autoverkehr weiter einschränken.
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  •   art5gg
    (468 Beiträge)

    12.03.2018 14:34 Uhr
    Solange eine Stadt sich als "Oberzentrum" .....
    ....aufspielt, hat sie nicht nur die Rechte daraus, sondern sie muss auch die Pflichten wahrnehmen.
    Auch wenn bei vielen Bewohnern die Welt am Schattenwurf des Kirchturms endet: Die Welt und die Verpflichtungen eines "Oberzentrums" gehen darüber hinaus.
    Aber es steht der Stadt Karlsruhe frei, ihre Funktion als Oberzentrum abzugeben: Dann gehen das Geld und die Arbeitsplätze zukünftig wo anders hin und die Politik kann sich zukünftig ausschließlich an den Bewohnern ausrichten.
    Kirchturmpolitik hies das auch früher schon, das Personal dazu scheint ja schon vorhanden zu sein.
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  •   Freigeist1
    (516 Beiträge)

    12.03.2018 15:22 Uhr
    Ja doch, funktionierende, lebendige und lebenswerte Großstadt
    das geht natürlich auch mit einem anderen Verkehrsmix, siehe Basel, Kopenhagen, Amsterdam, etc. "Kirchturmperspektive" und Provinzdenken sehe ich eher bei Leuten, die ernsthaft meinen, eine Großstadt solle sich die Verkehrsvorstellungen der Bewohner von Hintertupfingen zu eigen machen. Dass das Umland da etwes hinterher ist ist ganz normal. Es wird natürlich auch kein Pendler den Arbeitsplatz wechseln, weil er mit der Bahn 12 Minuten länger braucht, vielleicht auch 23 oder auch 0. Sorry, aber Ihr müsst und werdet Euch ein bissle umstellen, besser früher als später.
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  •   KFZfreak
    (85 Beiträge)

    12.03.2018 16:56 Uhr
    Typisch grün
    Die anderen 95% müssen sich umstellen, damit ein paar Ökos ihre Weltanschauung haben.
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