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Karlsruhe Urteil im Fall Glesius - aber: "Wir haben nicht die ganze Wahrheit erfahren"

Bewährungsstrafen und einen Freispruch verkündete das Amtsgericht Karlsruhe am Mittwochnachmittag im Betrugsfall Glesius, der nach fast dreijähriger Ermittlungsarbeit und insgesamt vier Verhandlungstagen jetzt zum Abschluss gebracht wurde.

Gegenüber Arno Glesius sprach das Gericht eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten aus, die für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt werden, wie die vorsitzende Richterin Annette Beese verkündete. Beese, die bei der Urteilsverkündung von einem "unbefriedigenden Gefühl" sprach, "weil wir hier nicht die ganze Wahrheit erfahren haben", blieb damit deutlich unter der von Staatsanwalt Böttcher geforderten Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. 

"Kontrollmechanismen haben bei Unfallkasse versagt"

Diese hielt er für angebracht, da der ehemalige Fußballprofi und kurzzeitige Vizepräsident des KSC aus "Geldgier" und mit "erheblicher krimineller Energie" gehandelt habe. Dieser Argumentation wollte das Gericht in diesem Umfang nicht folgen. Zwar sei unstrittig, dass der 49-Jährige als "Dreh- und Angelpunkt" die ihm zur Last gelegten Betrügereien begangen habe und auch seine Vertrauensstellung in der Unfallkasse Baden-Württemberg ausgenutzt habe, allerdings sei strafmildernd zu berücksichtigen, dass Glesius ein Geständnis abgelegt habe und durch die lange Verfahrensdauer auch erheblich belastet worden sei.

Auch hätten die Kontrollmechanismen bei der Unfallkasse komplett versagt oder seien nicht vorhanden gewesen, was es dem Angeklagten "leicht gemacht hat, in die Kasse zu greifen", wie auch Glesius-Anwalt Popper anmerkte, der eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten gefordert hatte. Das Gericht sah auch die Mittäterschaft von Michael K. als erwiesen an, den Glesius in seinem Geständnis belastet hatte. Dessen Einlassungen, nur ein "Werkzeug" gewesen zu sein, hielt das Gericht für wenig glaubwürdig, da sich in dessen Aussagen über Geschäftsbeziehungen zu einer rumänischen Firma, an die Michael K. von der Unfallkasse erhaltene Gelder für nicht erfolgte Lieferungen überwiesen hatte, erhebliche Widersprüche zeigten.

Michael K. sei von Anfang an in die Betrügereien eingeweiht gewesen, warf das Gericht diesem vor und verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, die ebenfalls auf drei Jahre ausgesetzt sind. Zudem müssen sowohl Glesius als auch Michael K. Wiedergutmachungszahlungen an die Unfallkasse leisten. Entsprechend der zu Grunde gelegten Vermögensverhältnisse der beiden Angeklagten sind dies bei Glesius 200 Euro im Monat, die er an die Unfallkasse überweisen muss. Michael K. muss 500 Euro monatlich bezahlen. Mit einem Freispruch endete das Verfahren für Sorin Radu, dem das Gericht keine zweifelsfreie Mitschuld an den Betrügereien nachweisen konnte.

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Kommentare (9)
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  •   KACHILLA83
    (32 Beiträge)

    20.03.2015 08:56 Uhr
    Wie
    sieht der denn mittlerweile aus?? Kaum zu glauben, dass der mal Profi-Sportler war.
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  •   karlsruher1955
    (1106 Beiträge)

    20.03.2015 07:11 Uhr
    "Wir haben nicht die ganze Wahrheit erfahren"
    und dies sagt eine Richterin ! Dann soll sie doch dafür sorgen, daß die ganze Wahrheit an dasLicht der Öffentlichkeit kommt und nicht einfach resignieren.
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  •   Malefiz
    (4616 Beiträge)

    20.03.2015 07:46 Uhr
    Ein guter Rechtsverdreher
    verhindert meistens, dass die ganze Wahrheit ans Tageslicht kommt !!
    Was soll das Gericht da machen ?
    Eigentlich hätte auch der Chef der Unfallkasse auf die Anklagebank
    gehört, weil es in diesem Laden keinerlei Kontrolle gab. Wo gibts denn
    das noch heutzutage ?
    Und das Glesius mtl. nur 200,--Euronen Wiedergutmachung zahlen kann zeigt, dass er hochgradig verschuldet sein muss. Wie hat der
    bloss privat in all den Jahren gewirtschaftet ?? Der muss zahlen bis
    er stirbt.
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  •   silberahorn
    (9652 Beiträge)

    20.03.2015 07:36 Uhr
    Ein Richter
    beurteilt was ihm vorgetragen wurde. Die Ermittlungsarbeiten macht eine andere Stelle. Und wenn sich Ermittlungen schwer gestalten, weil irgendwo gemauert wird, dann ist ein Richter dafür nicht verantwortlich.
    Mein erster Gedanke galt übrigens auch den Kontrollmechanismen. Aber weil ich gar nicht beurteilen kann wie der Umfang der zu kontrollierenden Eingaben ist und worin die Probleme der Kontrolle liegen, sag ich dazu nichts. Dazu müssten sich die Personen äußern, die Vorgesetzte waren.
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  •   mixe
    (1160 Beiträge)

    19.03.2015 15:08 Uhr
    die deutsche justiz
    hat sich mal wieder lächerlich gemacht. warum nur eine symbolische strafe? angst vor ????? es ist einfach traurig zu sehen wie in diesem land urteile gefällt werden. vor kurzem musste ein schwarzfahrer wegen 470 euro schaden für 40 tage in den bau.
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  •   Ranger
    (89 Beiträge)

    19.03.2015 16:35 Uhr
    Gerechtes Urteil!
    Ich denke, hier wurde gerecht geurteilt.
    Herr Glesius bekam eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und 10 Monaten und dies auf Bewährung.

    Den Vergleich den Sie hier mit dem Schwarzfahrer machen, hingt gewaltig. Dieser bekam eine Geldstrafe, kann diese nicht bezahlen und sitzt sie ersatzweise ab. Hätte der Schwarzfahrer bezahlt, wäre er nicht vorbestraft.
    Herr Glesius ist jetzt vorbestraft.
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  •   mixe
    (1160 Beiträge)

    19.03.2015 16:42 Uhr
    ich meine die relationen
    sie können denken was sie wollen ich bin der meinung das das urteil in keiner relation zur straftat steht. der ehemalige irgendwas hat mit sehr hoher krimineller energie gehandelt um sich zu bereichern. nur weil er seine mittäter verrät wird seine schuld nicht geringer, oder? schwarzfahren sollte nach meiner meinung mit arbeitsstunden bestraft werden.
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  •   melotronix
    (2634 Beiträge)

    19.03.2015 13:38 Uhr
    "der fühere
    ..Profi des Karlsruher SC und Arno Glesius". Was ist denn das für eine Bildunterschrift?
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  •   Neutrino
    (755 Beiträge)

    20.03.2015 07:11 Uhr
    Was ist denn das für eine Textüberschrift...
    ...'der FÜHERE Profi des KSC? So viel zum Thema 'Meckerer über die Leistungen der Redaktion'. grinsen Ausgerechnet die Nörgler und Kritiker machen ein Vielfaches an Fehlern als die Kritisierten, bezogen auf die täglich zu bewältigende Textmenge - und oft sogar im 1:1-Vergleich.
    Der Nutzen, den mir die Informationen von ka-news.de hier in der Diaspora bringt, ist so immens, dass ich nie auf die Idee käme, denen ein falsches Wort oder ein fehlendes Komma um die Ohren zu hauen. Eher sag' ich mal 'danke für Eure Arbeit' grinsen
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