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Karlsruhe Unwetter um Karlsruhe: Viele Warnungen und selten was dahinter - warum so ungenau?

Seit Tagen warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) immer wieder vor schweren Unwettern und Gewittern. Auch in Karlsruhe wurde die Tage häufig vor Blitz, Donner und Starkregen gewarnt - doch selten trat die Prognose ein. Während es in einigen Regionen, auch im Südwesten, ordentlich gekracht hat und es zu starken Verwüstungen und Unwetterschäden kam, blieb die Fächerstadt verschont. Viel Warnung und selten Unwetter - woran liegt die "ungenaue" Vorhersage?

 Seit einigen Wochen gibt es immer wieder zahlreiche Unwetterwarnungen - allein im Juni waren es knapp zwei Dutzend für Karlsruhe. Ausgegeben werden die amtlichen Wetterwarnungen für den Stadt- und Landkreis vom Deutschen Wetterdienstes (DWD). Er warnt vor Extremwetterlagen, die zu einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit werden könnten.

Was sind amtliche Unwetterwarnungen?

In Unwetterwarnungen beschreiben die Meteorologen die Eckdaten des erwarteten Extremwetters, in Form von Uhrzeit, Datum und der Wetterstärke. Hinzu kommen noch eine beachtliche Anzahl an Wetterwarnungen, die ausgegeben werden, wenn die Stärke des Gewitters nicht ganz so groß eingeschätzt wird.

Gewitter bei Karlsruhe
Wetter-Experte Bernhard Mühr ist Diplommeteorologe. Hier hat er ein Gewitter Ende Mai nahe Karlsruhe fotografiert. | Bild: Dipl.-Met. Bernhard Mühr

Die Experten warnen darin außerdem vor der Gefahr bei Blitzeinschlägen, Schäden an Gebäuden, entwurzelten Bäumen oder abstürzenden Dachziegeln, Ästen oder anderen Gegenstränden. Auch vor überfluteten Kellern, Straßen und Bächen wird gewarnt.

Wie genau sind die Vorhersagen?

Gut für alle Karlsruher: Bei fast allen Warnungen kam es nicht zu der von den Meteorologen des DWD angekündigten Extremwetterlagen. Doch es stellt sich die Frage, wie genau und zuverlässig die Warnungen des Wetterdienstes für einzelne lokale Bereiche, wie Karlsruhe sind. 

In der Zentrale des DWD prüfen Meteorologen Wettervorhersagen für die kommenden Tage. Je näher ein Unwetter kommt, desto genauer fällt die Prognose aus und die sechs Regionalzentren in Deutschland (im Südwesten Stuttgart) können bis zu zwölf Stunden vor Eintreffen der erwarteten Wetterlage Warnungen für den Landkreis raus geben.  

Wie warnt der DWD vor Unwettern?

"Natürlich stimmt die Vorhersage immer, würden wir nur allzu gerne an dieser Stelle berichten", schreibt der Wetterdienst auf seiner Homepage. Dem ist trotz modernster Messtechnik und hochauflösender Satelliten-Bildern aber nicht so. "Es liegt in der Natur der Wettervorhersage, sogar eher selten exakt richtig zu liegen", heißt es beim DWD.

Ungenauigkeiten: Einzelne Stationen messen für ganze Kreise

Ein wesentlicher Teil der DWD-Vorhersagen sind die Wetter-Warnungen und werden in der Regel für Landkreise ausgegeben. "Wir warnen davor, dass irgendwo in einem Landkreis ein meteorologisches Ereignis eintritt, welches potentiell eine gewisse Gefahr darstellt", so der Wetterdienst.

Problematisch dabei sei, dass viele solcher Ereignisse nur mit Beobachtungen an den Stationen gemessen werden können, also an bestimmten Punkten in einem Landkreis. Wird das Ereignis nun durch diese Messungen erfasst, muss das noch nicht automatisch heißen, dass das Ereignis im gesamten Landkreis eingetroffen ist. Für einige wenige Wetterereignisse gibt es allerdings flächendeckende Informationen, etwa durch Radarinformationen oder durch Blitzortungssysteme.

Vorhersage DWD
Bild: Deutscher Wetterdienst

Die Abbildung zeigt eine Grafik des DWD vor Gewitterwarnungen im Sommerhalbjahr 2014. Grundlage sind alle Warnungen vor Gewitter im Vergleich zu beobachteten Blitzen in einem Landkreis. Man erkennt für die Trefferrate überwiegend rötliche Farbtöne, was einer mittleren Rate von über 85 Prozent pro Landkreis entspricht.

"Um glaubhaft bleiben zu wollen, müssen aber auch immer die falschen Alarme in erträglichem Rahmen gehalten zu werden", so der DWD weiter. Der DWD weist darauf hin, dass sich Gewitterereignisse häufig sehr kurzfristig entwickeln und somit schwer vorhersehbar sind.

Außerdem: Windkraftanlagen können Messungen verfälschen

Der DWD spricht sich selbst sehr zuverlässigen und genauen Wettervorhersagen zu. Allerdings heißt es dort auch, dass Windkraftanlagen die Messergebnisse der empfindlichen Wetterradarstationen beeinträchtigen, indem sie die Niederschlagserfassung der Radare stören.

Windrad
Die momentan stillgelegte Windkraftanlage Orlach 6. | Bild: Jan-Philipp Strobel

Auch ein möglicher Grund, warum Vorhersagen nicht punktuell genau zutreffen. Am Ende bleibt die Wetterlage immer auch ein Stück weit unberechenbar, da es sich beim Wetter um einen nicht-linearen Prozess handelt, der sich nicht an vorher getroffene Prozesse und Prognosen hält.

Ruhe in Karlsruhe, Unwetter am Flughafen Baden-Baden

Ein Beispiel wie sich Wetterlagen lokal und örtlich begrenzt verhalten, war am Sonntagabend zu sehen:  Während es in Teilen von Karlsruhe trotz Unwetterwarnung vergleichsweise ruhig blieb, kam es am nur rund 50 Kilometer entfernten Flughafen Karlsruhe Baden-Baden (FKB), unter anderem wegen lokalen Unwettern am Sonntagabend zu einigen Flugausfällen. Insgesamt vier Flüge wurden von den Fluggesellschaften gestrichen, so Sprecherin Elke Fleig gegenüber ka-news.

Baden-Airpark Vorfeld mit Ryanair-Maschine
(Symbolbild) | Bild: Baden-Airpark

560 Passagiere waren von den Flugausfällen betroffen und saßen zeitweise fest. Für Gäste, die nicht heimfahren konnten oder in einem Hotel unter kamen, wurden Feldbetten im Terminal aufgestellt. Nicht zum ersten mal, dass die Wetterlage den Flugverkehr am Baden-Airpark beeinträchtigt. Schon in den vergangen Wochen sorgten Unwetter für Flugverspätungen vom und zum Baden-Airpark.

Während es in Karlsruhe am Montagnachmittag anfing zu regnen, hier aber noch nichts passiert ist, sah das ein paar Kilometer südwestlich ganz anders aus. Vor allem in der Gemeinde Malsch hat es am Abend heftig geregnet. Schon in der Nacht auf Montag bildete sich eine Gewitterzelle über dem Landkreis. In Linkenheim-Hochstetten liefen durch den Regen Keller voll und Straßen standen unter Wasser. 

Das ist nicht außergewöhnlich: Die Sommermonaten Mai, Juni, Juli sind ausgewiesene "Gewitter-Monate": Wenn aufsteigende, feucht-warme Luftmassen auf kältere Luft treffen, kann es zu einer Energieentladung in Form von Blitz und Donner kommen, oft begleitet von Starkregen oder Hagel. Soweit, so bekannt.

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Kommentare (18)
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  •   Freigeist1
    (746 Beiträge)

    12.06.2018 16:43 Uhr
    Ich schaue immer auf die Radarbilder ;-)
    dann sieht man schon, was auf einem so zukommt. Und dass die Vorhersagen in aller Regel sehr gut sind. Aber ob ein Regengebiet nun 10 km weiter nördlich verbeizieht oder südlich, das 3 Tage vorher zu prognostizieren, wäre ein Wunder. Viele Leute schauen sich aber keinen Radar an und lesen keinen Text ("zunehmende Schauerneigung von Südwest"), sondern richten sich nur nach den ach so einfachen Symbolen, die aber logischerweise am wenigsten aussagen und sich am meisten ändern. Es hat also jeder selbst in der Hand...
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  •   Skudder
    (418 Beiträge)

    12.06.2018 18:46 Uhr
    Ich schaue
    auch immer auf die Radarbilder, aber die gehen in der Regel vielleicht gerade mal 1h oder 2h in die Zukunft. Wenn man sich entscheiden, will, ob man das Rad oder das Auto nehmen soll, ist das auch schnell Lotto.
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  •   mueck
    (10756 Beiträge)

    12.06.2018 19:24 Uhr
    !
    Genauer als 1-2 h geht's halt nicht ...
    Außerdem kann man die "Zukunft" oft auch den Hasen geben.
    Sieht man, wenn man die "Vergangenheit" im Film anschaut und, sobald es auf "Zukunft" umspringt, die Wolken plötzlich abbiegen oder Gas geben ...
    Hängenbleiben an Bergen o.ä. scheint das Modell noch nicht zu beherrschen ...
    Hohe, ziehende Wollenfelder, da passt's, aber div. andere Wetterlagen nicht ...

    Einen ferneren Blick in die Zukunft kann man selbst versuchen, wenn man sich die "Vergangenheit" anschaut und dann mal rausgezoomt nachschaut, was aus der Richtung so alles auf Einreise in Baden wartet ...
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  •   kommentar4711
    (2285 Beiträge)

    12.06.2018 12:49 Uhr
    Das Problem...
    ... ist doch seit Jahren bekannt. Seit es damals bei Lothar keine entsprechende Vorwarnung gab und der DWD deswegen heftig kritisiert wurden und die Politik Konsequenzen sehen wollte hauen sie jetzt bei jedem Lüftchen das droht eine Unwetterwarnung raus. Was die ganze Sache ad absurdum führt da jetzt niemand mehr die Unwetterwarnungen ernst nimmt. Das ist auch kein auf Karlsruhe beschränktes Phänomen.
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  •   uffmugger
    (346 Beiträge)

    12.06.2018 11:01 Uhr
    dann stimmt
    doch die Unwetterwarnung wenns in KA irgendwo in der Ehe kracht ;;;---)))
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  •   cc91
    (273 Beiträge)

    12.06.2018 10:59 Uhr
    Das Problem sind
    viel zu wenig Messstationen. Es wäre doch mal eine Idee für die neue Smartphonegeneration: Alle mit Luftdruck-, Windmesser usw. Mit diesen Daten müsste man doch bessere Vorhersagen treffen können. Ansonsten gilt für 80% der Wettervorhersagen: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie's ist.
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  •   stefko
    (2096 Beiträge)

    12.06.2018 11:35 Uhr
    Die Netzdichte ist entscheidend
    Das hat seiner Zeit auch schon Kachelmann mit seiner Meteomedia AG erkannt und an die 1000 Messstationen in D installiert.
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  •   Laetschebachschorsch
    (3150 Beiträge)

    12.06.2018 11:30 Uhr
    Siehe Bericht:
    "je näher das Unwetter kommt, um so genauer die Vorhersage" und wenn man nass wird, dann regnet es grinsen
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  •   haku
    (4077 Beiträge)

    12.06.2018 10:43 Uhr
    Es ist halt so Leute
    In der Oststadt können die Keller volllaufen und in der Weststadt tröpfelt es nur. Das lässt sich halt nicht genau vorhersagen. Aber wnn gewarnt wird, kann man am nächsten Tag meist lesen, wo die Feuerwehr ran musste.
    Aber der Karlsruher nörgelt halt gar zu gerne. Haben die damals auch genörgelt, wenn es Fliegeralarm gab und hinterher das Haus nicht weggebombt war?
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    12.06.2018 14:58 Uhr
    Nö,
    zu den Zeiten als KA noch bombardiert wurde gab es noch zu wenig Internetanschlüsse in der Stadt.
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