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Karlsruhe Unvollständige Durlacher Karlsburg: Initative fordert Bau nach altem Vorbild

Seit 1964 fehlt der Durlacher Karlsburg ein Gebäudeteil, der damals einem Schulbau weichen musste. Eine Nürnberger Initiative wittert nun aber eine Chance, dass der Schlossflügel wieder aufgebaut werden könnte.

Stellvertretend für die 5.000 Mitglieder zählende Denkmalschutz- und Stadtbildinitiative "Nürnberger Altstadtfreunde" appelliert deren Vorsitzender Karl-Heinz Enderle in einem offenen Brief an den Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup sowie an die Gemeinderäte und Durlacher Ortschaftsräte, dass die Karlsburg nach originalem Vorbild wieder aufgebaut werden soll. "Das Durlacher Schloss ist seit den 60er Jahren unvollständig", merkt Ederle in seinem Brief an. 
 
Der Dienerbau und das Renaissancegewölbe waren 1964 von der damaligen Stadtverwaltung abgerissen worden. Nach Ansicht der Altstadtfreunde ging dadurch dem Schloss und der Stadt Durlach ein Stück kulturelles Erbe verloren. "Es biete sich nun die Chance, durch den Abriss der grauen Schulbauten wieder etwas Besseres, etwas zur Umgebung Passendes an diese Stelle zu setzen", heißt es in dem Schreiben. Hintergrund: Die Schloss-Schule Durlach soll um- und teilweise neu gebaut werden.

Durch die Baupläne der Schule könnten das Durlacher Schloss durch einen im originalen Aussehen gestalteten Dienerbau mit Gewölbegebäude komplettiert werden, so die Vorstellung der "Altstadtfreunde". "Dies würde einen großen ästhetischen und praktischen Gewinn für die Stadt bedeuten", so die Initiative in ihrem Brief weiter. So könnte wieder ein einheitliches Gesamtkunstwerk entstehen, wie es bereits über 300 Jahre bis zum aus Sicht der Denkmalschützer "sinnlosen Abriss" bestand.

"Möglichkeit eine falsche Entscheidung zu revidieren"

Die Nürnberger Altstadtfreunde haben kein Verständnis dafür, dass das denkmalgeschützte Durlacher Schloss nun wieder durch ein modernisiertes Gebäude ergänzt werden soll. Dieses würde die Gesamtwirkung deutlich beeinträchtigen, heißt es in dem Brief. Der Appell der Nürnberger Altstadtfreunde an die Stadtverwaltung ist eindeutig. Man solle diese einmalige Chance nicht ungenutzt zu lassen.
 
"Bitte machen Sie nicht denselben Fehler wie die Nürnberger Stadträte in den 50er oder die Karlsruher Stadtverwaltung in den 60er Jahren", fordert Karl-Heinz Enderle, in Vertretung der Nürnberger Altstadtfreunde in dem Brief. Mit einer zweckmäßigen, möglichst originalgetreuen Rekonstruktion des zerstörten Durlacher Schlossflügels könne nach Ansicht der Altstadtfreunde eine damals falsche Entscheidung revidiert und Durlachs Mitte wieder harmonisch komplettiert werden.

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Kommentare (19)
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  • unbekannt
    (427 Beiträge)

    18.06.2017 10:16 Uhr
    Disney- Architektur
    Ich mag diese kulissenhafte Disney Architektur nicht. Da wird der Hülle nach eine Vergangenheit aufgebaut die es unter Umständen nie so gab. Beispiel Römer in FFM, Stadtschloss in Berlin … in meinen Augen zumindest Humbug. Eine Stadt muss auch mit Fehlern leben – siehe Abriss des Dörfles. Natürlich muss und darf man Fehler auch korrigieren, aber dafür in die Mottenkiste des Theaterfundus zu greifen halte ich für komplett einfallslos und armselig.
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  •   dipfele
    (5846 Beiträge)

    20.06.2017 15:02 Uhr
    leider etwas falsch....
    ... informiert. Es geht um die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes nach den alten Plänen. In Durlach wurden/werden einige Gebäude abgerissen und alten Plänen wieder aufgebaut, damit zeitgemässe Nutzung möglich ist. Die Karlsburg liegt mitten in der malerischen Altstadt. Jetzt ergibt sich die Gelegenheit, die zum Abriss vorgesehenen Betonklötze als Fremdkörper durch den historischen Bau zu ersetzen Das Übel an der ganzen Sache ist aber, dass die Durlacher Bevölkerung nicht gefragt worden ist. Vielmehr wurde die Neugestaltung EUROPAWEIT ohne Beteiligung der Bevölkerung heimlich ausgeschrieben. Da haben dann Fachleute geplant, die überhaupt keinen Bezug zu Durlach haben. Wer besucht denn extra Städte mit modernen Bauten? Wer fühlt sich zwischen Glaspalästen überhaupt wohl?
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    20.06.2017 15:53 Uhr
    Ich täusche
    mich sicher nicht, wenn ich sage, dass die Elbphilharmonie den Plan eines Hamburgbesuches bei vielen Deutschen zumindest katalysiert. Auf jeden Fall sehen sich die Leute mit Sicherheit lieber moderne Gebäude an als nachgemachte alte, die eher eine Rückwärtsgewandheit ausstrahlen. Wie schon jmand vorher geschrieben hat, man sollte aus Fehlern lernen und sie auch zugeben können. Aber den gleichen alten Kram wieder hinstellen, das ist nicht zeitgemäss. Was weg ist, ist weg.
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  •   dipfele
    (5846 Beiträge)

    20.06.2017 21:14 Uhr
    es geht um die Alternative....
    ... den abrissreifen Betonbunker vor der Karlsburg durch einen neuen Betonbunker zu ersetzen, oder eben durch den ursprünglichen Bau. Die Altstadtbesucher kommen sicherlich nicht nach Durlach um einen neuen Betonklotz anzusehen.
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  •   RechterRand
    (971 Beiträge)

    17.06.2017 22:50 Uhr
    Karlsburg ...
    da wird sich doch sicher ein böser Nazi finden lassen, der Karl hies.

    Da könnte man endlich mal wieder demonstrien, wie gut und aufrecht man ist und wie böse und durchseucht die Normaldeutschen sind.
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  •   bergdoerfler
    (1664 Beiträge)

    17.06.2017 18:59 Uhr
    Bild von 1962
    dazu ein Link aus dem Durlacher Fotosammlung Bild 1962 und Bild vom Abriss alten Finanzamts
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  •   Waterman
    (6471 Beiträge)

    17.06.2017 18:43 Uhr
    Im Zeitalter von Photoshop
    wären Fotomontagen ganz gut sich ein Bild von den Vorschlägen zu machen. Ebenso eine grobe Kostenabschätzung.

    Prinzipiell ist es ja kein Fehler gelungene Bauten aus alter Zeit wieder in den Originalzustand zu versetzen.
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  •   dipfele
    (5846 Beiträge)

    20.06.2017 15:07 Uhr
    Die Kosten....
    ... wurden mit 16 Mio angegeben. Die Neubaukosten sind leider nicht bekannt. Es gibt Zuschüsse vom Land, da es sich um einen Schulbau handelt. Vom Denkmalschutz dürfte es auch welche geben.
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  •   peddersenn
    (1031 Beiträge)

    18.06.2017 16:50 Uhr
    ...ich seh da nix...
    ...Erhaltenswerts bzw nix, was so wichtig und stadtprägend wäre, daß man das WIEDERaufbaut.
    Das Ergebnis selbst des ganzen Ensembles wäre höchstens 3bis4.

    Da gibts hunderte barocke Gemäuer, die schon überall - an schöneren Plätzen und mit mehr Raumbezug hochglanzveredelt rumstehen. Ob in Angelbachtal, in Bruchsal, in Karlsruhe.

    Und ehrlich gesagt - das sind Prachtbauten von unnützen Id*ten von damals. Errichtet mit Schweiß und Blut der armen Bevölkerung.
    Mir erscheint da die Restaurierung (oder das Nichtzerstören) von Feldmauern, Schleusen, Waschhäusern, Keltern, Zehntscheunen und alles, was vom wirklichen Leben der (richtigen) Leute damals kündet, deutlich wichtiger als so ein Kasperletheater.
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  •   dipfele
    (5846 Beiträge)

    20.06.2017 15:25 Uhr
    Kasperletheater ?
    Leider die Sachlage nicht verstanden. Vor der historischen Karlsburg stehen als Fremdkörper Betonklötze, die nach 50 Jahren baufällig sind und abgerissen werden müssen. Da stellt sich die Frage, wieder Fremdkörper vor die Karlsburg setzen, oder den ursprünglichen Zustand wieder herstellen. Das Schlimmste aber ist, dass die Stadt eine Diskussion darüber vermeiden will. Es wurde ein europaweiter Wettbewerb an der Bevölkerung vorbei ausgeführt, um wieder einen Fremdkörper in der historischen Altstadt zu plazieren.
    Wollkommen im Widerspruch zur Parole unseres OB Mentrup: "Zuhören- verbinden -gestalten. Und zwar mit den Bürgern.
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