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Karlsruhe Unter falscher Flagge: Blogger twittert für KVV

Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) twittert - zumindest dachten das die 115 Nutzer, die ihm bis vor wenigen Wochen bei dem Kurznachrichtendienst folgten. Ein Karlsruher Blogger hatte seit 12. Juli unter dem Account "KVVinfo" aktuelle Pressemeldungen des Unternehmens verlinkt. Was "gut gemeint" war, stieß bei den Karlsruher Verkehrsbetrieben (KVV) jedoch auf wenig Gegenliebe - Jonathan Müller musste den Twitter-Account auf Wunsch des Unternehmens löschen. Damit sorgte er in der Blogger- und Twitter-Szene für ordentlich Wirbel.

Nach 38 Tweets musste der 19-jährige Blogger Jonathan Müller den Account einstellen. Die Internet-Gemeinde reagierte mit Unverständnis auf das Verhalten des Karlsruher Verkehrsverbunds. "Schade - warum denn das?", twitterte ein Nutzer auf den Abschiedsbeitrag des Karlsruhers im Namen von "KVVinfo". Eine weitere Abonnentin bezeichnete die Reaktion des KVV als "starkes Stück".

Strafbewehrte Unterlassungserklärung für KVV-Twitterer

"Ich folge den Dresdner Verkehrsbetrieben bei Twitter und fand diesen Service so gut, dass ich ihn auch für Karlsruhe einrichten wollte", begründet Jonathan Müller seine Motivation gegenüber ka-news. Während der 19-Jährige es nach eigener Aussage "nur gut meinte", war er sich jedoch nicht über die rechtlichen Folgen bewusst. Denn der Karlsruher musste den Twitter-Account nicht nur unverzüglich löschen, sondern auch eine strafbewehrte Unterlassungsunterklärung abgeben.

Müller hatte ohne Absprache das KVV-Logo genutzt und weder auf der Twitter-Seite noch im Austausch mit den Nutzern kenntlich gemacht, dass es sich um einen inoffiziellen Twitter-Account des KVV handelte. Jonathan Müller selbst meldete sich schließlich bei den Verkehrsbetrieben, als die ersten Nutzer von einem offiziellen KVV-Twitter-Account ausgingen. Das bestätigt auch eine KVV-Sprecherin. "Wir haben selbst bereits an einem eigenen Twitter-Account geplant und deshalb sein Angebot dankend abgelehnt", so die Unternehmenssprecherin gegenüber ka-news.

Für Jonathan Müller ging das allerdings aus dem Schreiben des KVV nicht deutlich hervor. Er twitterte munter weiter - und bekam prompt Post von den Verkehrsbetrieben, in denen diese ihm rechtliche Konsequenzen und Strafzahlungen, laut Müller in fünfstelliger Höhe, androhten

Falsche Twitteraccounts sind kein Einzelfall

"Ich kann nachvollziehen wie der KVV reagiert hat", sagt Jonathan Müller heute, betont aber: "Ich habe niemandem mit dem Twitter-Account schaden wollen". Auch wenn er sein Handeln im Nachhinein bereut, ist der Karlsruher trotzdem über die Reaktion des KVV enttäuscht. "Man hätte defintiv menschlicher reagieren können", findet der 19-Jährige. Der KVV verteidigt seinen Bescheid zur Unterlassungserklärung dagegen als "gängigen Vorgang".

Der falsche Twitteraccount der Verkehrsbetriebe jedenfalls ist kein Einzelfall. Vor zwei Jahren fingen die Freunde Michael Umlandt und Marco Bereth an, im Namen des ZDF Programminfos zu twittern und sogar auf Zuschauerkritik zu antworten - zunächst ohne Wissen des Senders. Der zeigte sich aber so beeindruckt von der Arbeit der Beiden, dass er ihnen kurzerhand einen Arbeitsvertrag anbot. "Die beiden haben einen klasse Job gemacht und so getwittert, wie wir es selber auch getan hätten", sagt Tina Kutscher, Leiterin der Zentralredaktion Neue Medien im ZDF damals.

ka-news - zwei Mal bei Twitter?

Selbst von ka-news gibt es einen inoffiziellen Twitter-Account: ein unbekannter Nutzer hat sich schon vor geraumer Zeit die Mühe gemacht den Namen ka_news bei Twitter registriert und lässt diesen seitdem per Automatik mit den neuesten Nachrichten befüllen. Offiziell ist ka-news dagegen unter dem Account kanews (ohne Unterstrich) bei Twitter aktiv, twittert Nachrichten und antwortet auch auf Nachfragen von Nutzern.

Auch die KVV wird es demnächst wieder bei Twitter geben. Schon ab der kommende Woche wolle man unter dem Account "KVV GmbH" eigene Informationen über Twitter einstellen, so eine Sprecherin.

Mehr dazu:
Stadtblog Karlsruhe

ka-news bei Twitter: http://twitter.com/#!/kanews

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Kommentare (45)
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1673 Beiträge)

    29.07.2011 19:47 Uhr
    danke
    ...
    man muss eben subsumiren können-
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1673 Beiträge)

    29.07.2011 16:54 Uhr
    in meinen augen hat die KVV recht
    der bursche trat so auf als würde er im namen der kvv zwitschern ... da geht es weniger um den inhalt, denn der hätte, wenn auch gut gemeint, anders lauten können.
    stelle sich einer hier im forum vor jemand würde die reale identität eines users hier "klauen" und in dessen/ihren namen im internet womöglich in schädlicher absicht aktiv werden. - das geschrei wäre gross.
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  •   silberahorn
    (10612 Beiträge)

    29.07.2011 16:48 Uhr
    KW statt KVV und schon wäre es kein Problem geworden. grinsen
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  •   Smallwood
    (1506 Beiträge)

    29.07.2011 14:28 Uhr
    das beispiel ist gut
    ich würde auch gerne mal hier die ganzen "motzer" sehen, wenn jemand bei facebook, google+,twitter studivz.. ect. unter ihrem vor und zunahmen, der postanschrift und dem passbild kommentare postet.

    sowas geht einfach nicht. er darf das ja tun aber nicht unter verwendung von offiziellen firmenlogos und namen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (68 Beiträge)

    29.07.2011 15:03 Uhr
    aber die Reaktion ...
    Generell ist das sicherlich richtig. Das würde keiner wollen und würde das auch - vorsichtig ausgedrückt - kritisch hinterfragen. Aber in Deiner Aussage werden auch Privatpersonen und Firmen miteinander vermischt. Und Privatpersonen genießen in Deutschland noch einen besonderen Schutz.

    Bedenklich finde ich, dass die KVV hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen hat. Ein freundlicher, aber bestimmende Mail / Brief, dass dies nicht in Ordnung sei und das man, sollte dies in Zukunft nicht unterbunden werden, rechtlich seine Konsequenzen ziehen würde, wäre sicherlich die bessere Alternative gewesen.

    Die KVV ist sich wohl nicht bewußt, wie die Außenwirkung einer solchen Aktion ist - gerade da soetwas im Internet schnell seine Kreise zieht. Dabei sollte die KVV gerade durch KA-news gelernt haben, wie schnell und wichtig das Internet in der Meinungsbildung ist.
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  •   Selbstdenker
    (258 Beiträge)

    29.07.2011 16:18 Uhr
    Recht haben und Recht durchsetzen ...
    ... sind zweierlei Dinge. Hier die Geschichte, wie das ZDF damit umgegangen ist: http://gutjahr.biz/blog/2011/04/zdf-twitter/

    Nicht die juristische Keule auspacken, sondern die Anregung mitnehmen, und so nebenbei die Rechte berechtigt wieder einsammeln. Das ist bei einer Organisation dieser Größe mehr als überraschend. Weil das Problem konstruktiv gelöst wurde. So schafft man sich Sympathien. Dem KVV wünscht man jetzt Streisand (nein, nicht das Zeugs zur Unterstützung der Bremsen).
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  •   vielfahrer
    (422 Beiträge)

    29.07.2011 13:15 Uhr
    Es geht
    auch um Urheberrecht. Klingt zwar blöde, ist aber so. Er hat das KVV-Logo verwendet, sich damit "amtlich" gemacht. Ich weiß, dass die jüngere Generation mit dem Begriff Urheberrecht so ihre Probleme hat, aber jeder von uns würde sich doch sicherlich "bedanken", wenn jemand in seinem Namen und mit seinem Bild Meldungen in die Welt verbreitet. Hinzu kommt, dass er eben offensichtlich trotz eines Briefes vom KVV nicht geschnallt hat, dass er damit aufhören soll. In solchen Fällen muss man dann eben deutlicher werden - und wenn dies ohne Kosten für den Twitter-Mann abgegangen ist, dann hat er sogar noch Glück gehabt.
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  •   Karlsrator
    (2749 Beiträge)

    29.07.2011 13:40 Uhr
    Eben, ...
    ... wobei Urheberrecht hier nicht relevant ist (weil das KVV-Logo kein "Werk" im Sinne des UrhG ist), wohl aber Namens-, und Firmenrecht (§§ 12 BGB, 15 MarkenG).
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  •   Greif
    (1516 Beiträge)

    29.07.2011 13:14 Uhr
    Leider...
    Zitat von silberahorn Gefährlich wird es erst, wenn da auch noch getäuscht wird.

    kommen dann die üblichen Verdächtigen aus "Politik und Gesellschaft" und fragen dann, warum denn "auch noch gewartet wurde, bis etwas passiert". Und wenn man bedenkt, daß der KVV 3 Stadt- und 4 Landkreisen gehört- und dementsprechend z. B. im Aufsichtsrat ausschließlich Politiker sitzen - will man eben in Zeiten von Vorratsdatenspeicherung etc. klarmachen, daß "das Internet kein rechtsfreier Raum ist", bevor etwas passiert ist.
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  •   silberahorn
    (10612 Beiträge)

    29.07.2011 12:50 Uhr
    Es ist eben so, dass man von der Jugend verlangt kreativ zu sein, wenn es um die Anpreisung ihrer Leistungsfähigkeit geht.
    Hoffentlich wird daraus jetzt nicht eine Haltung, die gar keine Versuche mehr wagt. Dazulernen welcher Weg auch juristisch der richtige Weg ist, das ist sicherlich erlaubt.

    Es ist schon tückisch, wenn _ und - und sogar der lange Gedankenstrich mit zwei Blanks schon für Fehleinschätzungen sorgen können.
    Wobei ich (bin zu faul weiter drüber nachzudenken) nicht verstanden habe wo der Schaden liegen kann, wenn es nur Links auf schon vorhandene Webseiten gibt, die vom Original stammen.
    Gefährlich wird es erst, wenn da auch noch getäuscht wird. Und das war bestimmt nicht sein Anliegen. Oder?
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