Karlsruhe Unter Beobachtung: Machen Kameras den Karlsruher ÖPNV sicherer?

Die Karlsruher fühlen sich immer unsicherer. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Sicherheitsumfrage 2014 vom Kommunalen Ordnungsdienst (KOD). Ein Trend, der auch vor den Karlsruher Bahnen nicht Halt macht. Können Überwachungskameras im Karlsruher Nahverkehr diese Angst nehmen?

Nachts, allein an einer Bahnhaltestelle: Viele Karlsruher kennen das oft mulmige Gefühl nur zu gut. Gerade nach Einbruch der Dunkelheit ist das Gefühl der Sicherheit schnell mal dahin. Aber wie sicher fühlen sich die Karlsruher eigentlich, wenn Sie in Bus und Bahn steigen? Diese Frage beantwortet der "3. Sachstandbericht zur öffentlichen Sicherheit und Ordnung 2014", welcher Mitte Juli dem Karlsruher Gemeinderat vorgelegt wurde.

Frauen wird es bei Dunkelheit mulmig in Bus und Bahn

Eine grundsätzliche Erkenntnis des Sicherheitsberichts: Das Sicherheitsgefühl im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist abhängig von der jeweiligen Tageszeit, zu der Bus oder Bahn genutzt werden. Tagsüber fühlen sich die meisten Nutzer sicher (78,1 Prozent). Mit Einbruch der Dunkelheit ändert sich dies allerdings: Dann fühlen sich nur noch 27,3 Prozent der Fahrgäste sicher.

Vor allem Frauen beschleicht laut dem Bericht bei Dunkelheit ein ungutes Gefühl, wenn sie im ÖPNV unterwegs sind. Während sich 34 Prozent der Männer laut Sicherheitsbericht auch in den Abend- und Nachtstunden in Bus und Bahn sicher fühlen, sind es bei den weiblichen Fahrgästen gerade einmal 19,9 Prozent.

Gleichzeitig hängt laut dem Bericht auch die Wahrnehmung von Ordnungsverstößen mit der Tageszeit zusammen. Mindestens einmal wöchentlich erleben 8,2 Prozent der Befragten störendes oder belästigendes Verhalten - jeder Vierte findet sich alle paar Wochen in einer solchen Situation wieder. Mit 53,3 Prozent erlebt allerdings die Mehrheit der Pendler Verstöße"eher seltener".

Sorgen Kameras für mehr Sicherheit in den Bahnen?

Ein Mittel gegen das mulmige Gefühl während der Bahnfahrt können Überwachungskameras sein. Diese hängen, das bestätigt eine Pressesprecherin auf Anfrage von ka-news, in jeder Bahn der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG). Und zwar funktionstüchtig: Attrappen sind nach Aussage der Pressesprecherin nicht angebracht. An den Haltestellen der Fächerstadt gibt es dagegen nur vereinzelt Kameras, wie beispielsweise an der Kurt-Schuhmacher-Straße, den Haltepunkten in Rintheim, an der Europhalle und im Rheinhafen. Die aufgezeichneten Bilder stünden dann 48 Stunden zur Verfügung, so die Sprecherin.

 

Und offenbar zeigen die Kameras Wirkung: Laut Sachstandsbericht tragen diese zu einem verbesserten Sicherheitsempfinden im ÖPNV bei. 21,3 Prozent der Befragten fühlen sich durch die Videoüberwachung deutlich, und 31,7 Prozent zumindest ein wenig, sicherer. Was sagt die Polizei zu diesen Ergebnissen?

"Die Kameras haben ja keinen Selbstzweck", betont ein Sprecher der Karlsruher Polizei im Gespräch mit ka-news. Er hält es für wahrscheinlich, dass die Kameras eine abschreckende Wirkung haben. Und selbst wenn die Kameras nicht gänzlich von Verstößen abhalten, erleichtern sie zumindest die Arbeit der Polizei: "Durch die Bilder konnten wir schon Straftaten klären und Täter finden", meint der Polizeisprecher, "wir sind daher froh, dass wir auf diese Bilder zurückgreifen können."

Hintergrund bei ka-news:

Seit 2013 sind die Bahnen der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) mit Überwachungskameras ausgestattet. Die Kosten für die Anschaffung lagen bei 964.000 Euro. Die Aufnahmen sollen bei der Aufklärung von unterschiedlichen Straftaten wie Diebstählen oder Übergriffe auf Fahrgäste und Personal helfen. 2013 kritisierte der damalige Brettener Bundestagskandidat der Piraten, Sven Krohlas, dass in allen Bahnen die gesetzlich vorgeschriebenen Hinweise angebracht wären. Seither finden Fahrgäste die Hinweise an den Türen und in den Bahnen.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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