11  

Karlsruhe Unfallschwerpunkt vor der Baustelle: Wie es auf der A5 zu drei tödlichen Unfällen kam und das künftig verhindert werden soll

Die Baustelle auf der A5 zwischen Ettlingen und Rastatt war gerade mal ein paar Tage eingerichtet, da krachte es am 27. Juni gegen 6.30 Uhr vor der Baustelle. Ein Reisebus aus Bayern war in einen Mülllaster gefahren, wahrscheinlich wegen Unachtsamkeit fuhr er im stockenden Verkehr auf. Das sollte nicht der einzige, teils schwere Unfall im Bereich der Baustelle bleiben. Drei tödliche Unfälle sollten sich auf der A5 ereignen - über die Gründe und wie man Unfälle verhindern kann, haben wir mit Polizei und ADAC gesprochen.

Die gute Nachricht: Die Baustelle ist fertig, die Pendler haben seit Sonntag wieder freie Fahrt und auf etwas mehr als zehn Kilometern hat die A5 nun einen neuen Fahrbahnbelag. Die weniger gute Nachricht: In den knapp fünf Monaten, die die Bauarbeiten gedauert haben, hat es 124 mal gekracht. Dabei kamen drei Menschen ums Leben, 15 wurden schwer und 102 leicht verletzt. So liest sich die Bilanz der Baustelle zwischen Ettlingen und Rastatt.

"Die Zahlen sind besser als letztes Jahr, denn wir haben aus der Baustelle gelernt", sagt Wolfgang Ott, Hauptkommissar im Stabsbereich Verkehr bei der Polizei Karlsruhe. Beispielsweise die Leitschwellen auf der Überleitung von der A8 auf die A5 Richtung Süden. 

Großbaustelle auf der A5 im Jahr 2017 (Symbolbild). | Bild: Julia Wessinger

Etwa 100.000 Fahrzeuge sind jeden Tag in diesem Streckenabschnitt unterwegs, macht für die Dauer der Baustelle etwa 15 Millionen Autos. "Die haben wir alle gut durch die Baustelle bekommen, daher kann man sagen, dass es mit der 4-0-Verkehrsführung gut geklappt hat", sagt Ott gegenüber ka-news. Er ist für alles, was die Autobahn bei der Polizei betrifft, zuständig. Auch wenn es im Schnitt fast jeden Tag einen Unfall gab, bei dieser Menge an Fahrzeugen scheinen die knapp 130 Unfälle sehr wenig. 

Viele Unfälle vor der Baustelle

Gründe für Unfälle gibt es viele, doch auffällig ist, dass sich viele Unfälle noch vor der Baustelle ereignet haben. "Oft ist es Unvernunft, wenn sich die Spuren verengen. Da sitzt jeder wie in einem Panzer und will keinen Platz machen", so der Hauptkommissar weiter. Dieser Bereich, so die Erkenntnis, ist eher ein Unfallschwerpunkt als in der Baustelle selbst. "Da fließt der Verkehr wieder und es passiert vergleichsweise wenig!" 

Bild: Julia Wessinger

Das es oft an den Fahrern selbst liegt, dass sich gerade vor der Baustelle ein Stau bildet, bestätigt auch Thomas Hätty, Leiter Verkehr und Technik beim ADAC Nordbaden. "Oftmals wird in der Baustelle nicht die vorgegebene Geschwindigkeit eingehalten und insbesondere die Lkw-Fahrer halten nicht den gebotenen Abstand und versuchen, bis kurz vor der Baustelle noch zu überholen. Wenn sie dann wieder auf die rechte Spur fahren wollten, kommen sie zum Stehen und verursachen so den Stau!"

Bild: Julia Wessinger

Unachtsamkeit und menschliches Versagen als Unfallursache

Neben der Unvernunft ist es aber auch die Unachtsamkeit, die zu teilweise schweren Unfällen führt. So geschehen bei dem Unfall mit einem Reisebus Ende Juni bei Ettlingen. Hier kam die Reiseleiterin ums Leben, viele der Insassen und der Fahrer wurden teilweise schwer verletzt.

Verunglückter Reisebus steht auf der Autobahn 5 neben einem Müllfahrzeug.
Verunglückter Reisebus steht auf der Autobahn 5 neben einem Müllfahrzeug. | Bild: Uli Deck

Einen Monat später starb ein Mann in einem Kleinlaster. Ein Lkw war ungebremst auf das Stauende vor der Anschlussstelle Ettlingen gefahren und schob den Kleinlaster in einen davorstehenden Laster. 

Bild: Dieter Reichelt

"Wir wollen nicht lügen,wir hatten noch einen dritten tödlichen Unfall, der sich erreignete, als die Baustelle noch eingerichtet wurde. Da kam ein Lkw-Fahrer ums Leben", erklärt der Polizeibeamte. Auch dieser tragische Unfall zählt in die Statistik der Baustelle. Zum Vergleich: Im Vorjahr gab es in der Baustelle einen tödlichen Unfall. 

 

Obwohl sich viele Unfälle schon vor dem eigentlich Baustellenbereich ereignet haben, auch in der Baustelle kam es immer wieder zu Zwischenfällen. "Da war die Auffahrt Karlsruhe-Süd Schuld", sagt Hauptkommissar Wolfgang Ott.

Bei Bedarf wird in der Verkehrsführung nachgebessert

An dieser Stelle haben sich vor allem zu Beginn der Bauarbeiten viele Unfälle ereignet. "Da wussten die Leute nicht, was sie machen sollten und sind statt auf den Verzögerungsstreifen der A5 direkt auf die rechte Spur gefahren." Als den Beamten aufgefallen ist, dass es hier häufiger scheppert, haben sie sich selbst ein Bild von der Situation gemacht. "Daher wurde in diesem Bereich zwei Mal die Verkehrsführung nachgebessert und so war dieser Schwerpunkt ebenfalls gebannt", so Ott gegenüber ka-news weiter. 

Bild: Verkehrsministerium Baden-Württemberg

Insgesamt sind Wolfgang Ott und seine Kollegen, ebenso wie Thomas Hätty vom ADAC, zufrieden mit dem Verlauf der Baustelle. "Das Baustellenmanagement der A5-Baustelle zwischen Karlsruhe und Rastatt für den rund zehn Kilometer langen Abschnitt war für die Autofahrer wesentlich besser als im Vorjahr", so der Mann vom ADAC gegenüber ka-news.

Thomas Hätty vom ADAC Nordbaden. Er ist selbst Pendler zwischen Karlsruhe und Baden-Baden und weiß aus eigener Erfahrung, wie die Baustelle auf der A5 war.
Thomas Hätty vom ADAC Nordbaden. Er ist selbst Pendler zwischen Karlsruhe und Baden-Baden und weiß aus eigener Erfahrung, wie die Baustelle auf der A5 war. | Bild: ADAC Nordbaden

Stauwarnmelder sind "einmalig in Europa"

Laut Wolfgang Ott lag das auch an den Stauwarnmeldern, die teilweise schon mehrere Kilometer vor der eigentlichen Baustelle aufgestellt wurden, und bei Bedarf blinken. "Damit haben wir einen einmaligen Standard in Europa und dafür haben wir lange gekämpft, dass wir das so einrichten können", erklärt Hauptkommissar Ott im Gespräch mit ka-news weiter.

"Denn an einem Blechschild, dass kilometerweit vorher steht, ohne Blinklicht, das nimmt kaum einer wahr - denn mal ist ein Stau und mal ist keiner. Bei unseren Stauwarnmeldern kann ich mich aber drauf verlassen: Wenn die blinken, ist was auf der Strecke!" 

"Jeder Verletzte und Getötete tut uns weh und ist einer zu viel", sagt Wolfgang Ott vom Stabsbereich Verkehr gegenüber ka-news nachdenklich. Um Unfälle zu vermeiden, planen Hauptkommissar Ott, die Feuerwehr und die Rettungsorganisationen gemeinsam mit dem Regierungspräsidium schon jetzt, wie die Baustelle ab Mai 2019 auf der A8 bei Wettersbach aussieht. "Wir geben uns jeden Tag Mühe, dass in der Autobahnbaustelle nichts passiert!"

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (11)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.