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Karlsruhe Unfallschwerpunkt Oststadtkreisel: "Eine normale Kreuzung wäre besser"

Mit dem schweren Unfall am vergangenen Mittwochabend, bei dem ein Radfahrer und ein Autofahrer schwer verletzt wurden, ist der Kreisel in der Karlsruher Oststadt wieder in aller Munde. So ärgern sich auch viele ka-news-Leser über den "Chaoskreisel" - laut Statistik der Karlsruher Polizei zu Recht. Denn mit 25 Unfällen im vergangene Jahr - leichte Auffahrunfälle nicht mitgerechnet - sei der Kreisel eindeutig ein Unfallschwerpunkt. Etwas dagegen zu tun, sei jedoch nicht so einfach.

"Der Unfall am Mittwoch hatte nichts mit der Verkehrsführung im Kreisel zu tun, sondern nur mit fehlerhaftem Fahrverhalten", betont Helga Riedel, Sprecherin der Stadt Karlsruhe gegenüber ka-news. Mit offenbar deutlich überhöhter Geschwindigkeit war ein 20-jähriger Autofahrer gegen 22.10 Uhr über den Oststadtkreisel gerast und nach der Ausfahrt mit einem Radfahrer zusammengestoßen, der bei Rot die Straße überquert hatte.

Tatsächlich sei der Oststadtkreisel in Bezug auf Unfälle mit Radfahrern laut Statistik der Karlsruher Polizei kein Unfallschwerpunkt. In den letzten drei Jahren habe es lediglich einen Unfall gegeben, bei dem ein Radfahrer zu Schaden gekommen sei. Wirft man allerdings einen Blick auf die Zahlen der Pkw-Unfälle, ergibt sich ein komplett anderes Bild.



"Bei Unfällen Pkw gegen Pkw ist der Kreisel eindeutig ein Unfallschwerpunkt", stellt Joachim Zwirner, Leiter des Referats Verkehrs beim Polizeipräsidium Karlsruhe, fest. 2011 habe die Polizei 25 Unfälle am Oststadtkreisel registriert - der Großteil, weil Autofahrer die Vorfahrt missachtet hätten. In drei Jahren habe es an gleicher Stelle außerdem insgesamt 16 Unfälle mit Verletzten gegeben - ohne Bagatellunfälle wie beispielsweise Auffahren mitgerechnet.

Südostbahn hat auf dem Kreisel Vorfahrt

Die Gründe für diese Entwicklung seien offensichtlich. Durch die Ampeln für Radfahrer und Fußgänger seien die Risiken, die zwei beziehungsweise dreispurige Straßen zu überqueren, deutlich gesunken, so der Polizist. Die Unübersichtlichkeit im Kreisel sei jedoch ein schwerwiegendes Problem. "Optisch ist der Kreisel ein Kreisverkehr", so Zwirner. "Allerdings gelten hier nicht die gleichen Vorfahrtsregeln. Denn anders als im Kreisverkehr haben nicht die Fahrzeuge im Kreis Vorfahrt, sondern die, die von der B10 kommen."

Die meisten Unfälle ereigneten sich zur Hauptverkehrszeit. Da übersehe so mancher Fahrer im Gedränge schonmal ein Auto. Bis einschließlich Juli gab es in diesem Jahr bereits 15 Unfälle, acht davon waren Vorfahrtsverletzungen. Ob sich die Situation mit der Südostbahn entspannt, ist unklar. "Der Verkehrsfluss wird langsamer, sobald die Fahrzeuge regelmäßig halten müssen", glaubt der Verkehrsexperte. Dann wird das Prinzip Vorfahrt für die Straßenbahn gelten. Fährt die Bahn durch den Kreisel, hat der Verkehr stadteinwärts und auf der Querung des Kreisels Rot. Die Frage sei, inwieweit sich damit auch Unfälle reduzierten.

Runde Kreuzung als städtebauliches Element

Seit 1998 ist der Oststadtkreisel in Betrieb. Er entstand aus einem Städtebauwettbewerb im Rahmen der Bewerbung zur Bundesgartenschau heraus. Verkehrstechnisch habe er sich nicht aufgedrängt, erklärt Helga Riedel von der Stadt. Vielmehr sei die Stadt damals auf der Suche nach einer Gestaltung für den südöstlichen Stadteingang gewesen. "Man wollte die Leute nicht einfach in die Stadt rauschen lassen", erinnert sich die Sprecherin.

Ursprünglich war der Kreisel als Kreisverkehr geplant. Aufgrund der Verkehrsbelastung am Stadteingang sei dies aber nicht möglich gewesen. Die Kreisform habe man als gestalterisches Element beibehalten. Als "voll signalisierte runde Kreuzung" ging der Kreisel dann in Betrieb. Da sich die Beschwerden der Bürger häuften, stellte die Stadt die Signalanlagen wieder aus. Damit Radfahrer und Fußgänger sicher die Straße überqueren können, wurden später erneut Ampeln installiert.

"Eine normale Kreuzung wäre besser gewesen"

"Das Konstrukt ist an dieser Stelle eigentlich nicht geeignet", kritisiert Verkehrsexperte Joachim Zwirner. "Es wäre besser gewesen, eine ganz normale Kreuzung zu bauen." Ein Rückbau des Kreisels mache jedoch keinen Sinn - jetzt, wo die Schienen der Südostbahn verlegt sind. Lediglich punktuell könne die Stadt verbessern, wie zum Beispiel, dass Autos auf der Ludwig-Erhard-Allee, statt bisher 60, jetzt nur noch 50 Stundenkilometer fahren dürfen.

Wenn die Bahnen ab Anfang September auf der neuen Strecke über den Kreisel rollen, wollen sich die städtischen Verkehrsplaner die Signalschaltung nochmals anschauen und sie bei Bedarf anpassen. Auch die Polizei will sich dann mit der Stadt zusammensetzen und im Detail prüfen, ob gestalterisch noch etwas verändert werden kann.

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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (63 Beiträge)

    10.09.2012 23:18 Uhr
    Also
    Ich meinte den am Kolloseum. Sorry, hatte echt vergessen das zu erwähnen. Aber der Taxifahrer hatte wirklich recht. Die Deutschen kapieren das System Kreisel einfach nicht. In den Nederlanden funktioniert's ja auch völlig unproblematisch. Da gibt's sogar Kreisel
    auf der Autobahn.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (63 Beiträge)

    10.09.2012 23:10 Uhr
    Als
    Ich mal in Rom war wunderte ich mich wie in diesem grossen Kreisel keinerlei Unfälle passieren bei der dort vorherrschenden Fahrweise. Ich sass in einem Taxi zum Hotel und merkte,dass der Fahrer vor Eintritt in den Kreisel keinerlei Anstalten machte zu bremsen. Ich hatte echt das Totenhemd an. Er hupte einfach zweimal und dann Vollgas rein. Er meinte auf Nachfrage nur trocken:"Wer hupt hat Vorfahrt, und wenn's mal kracht ist immer ein Deutscher dabei!"
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  •   Seemann
    (37 Beiträge)

    29.08.2012 08:09 Uhr
    Keine
    Verkehrsführung kann so gut sein, das es nicht Menschen gibt, die sie nicht verstehen. Am besten, Augen auf und durch, aber erst wenn ich`s
    verstanden habe, sonst zu Hause bleiben! So einfach ist das.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (20 Beiträge)

    28.08.2012 17:21 Uhr
    Kreisel ist O.K.
    Wenn man die diversen Beiträge so liest (oder besser nicht liest), könnte man meinen oder gar empfehlen, dass hier einige vermeintliche Autofahrer sich besser nicht mehr ans Steuer setzen sollten. Vielleicht löst sich dann das Problem von selbst !?

    Der Kreisel ist vollkomen in Ordnung ! Er gewährt einen flüssigen Verkehr und ist übersichtlich angeordnet, vorausgesetzt, dass man Autofahren kann !? Oder wie funktioniert wohl der Verkehr am wesentlich größeren Kreisel um den mittig angeordneten "Arc de Triomphe" in Paris ? Am besten mal mit dem TGV hinfahren und dort mit einem gut versicherten Leihwagen üben !
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    28.08.2012 16:51 Uhr
    man muss zwei Sachen
    auseinanderhalten.

    Das eine ist der Unfall. Der hat sich auf einer - auch an dieser Kreuzung - einfach zu fahrenden Verbindung abgespielt. Das Problem war schlicht die zu hohe Geschwindigkeit. Wenn ich es bei den Google-Satellitenbildern richtig sehe, ist die Litfassäule etwa 40 Meter von der Radspur entfernt und trotzdem hat der Autofahrer sie noch in 2,20 m Höhe gerammt.

    Das Problem - oder zumindest ein wichtiges - der Kreuzung ist, wenn man über Stuttgarter-Wolfartsweierer-Nord fahren muss. Da wird man nämlich nach ganz innen gezwungen, auch wenn man die nächste abfahren muss. Beim mehrspurigen Kreisel an der Europastraße in Baden-Baden ist das zum Beispiel anders. Da spiralt man sozusagen immer automatisch nach außen. Am Oststadt-Kreisel scheint man hingegen versucht zu haben das Kreisel-Konzept mit einer Hauptrichtungs-Auszeichnung zu kombinieren. Dieses Problem hat aber mit dem Unfall nichts zu tun, da der Unfallverursacher auf der Hauptrichtung unterwegs war.
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  •   merquez
    (338 Beiträge)

    28.08.2012 14:34 Uhr
    @ Mueck...
    ...nein, das ist eine Fußgängerunterführung. Der Kreisel ist besonders in den Abend- und Nachtstunden ein Erlebnis...da wird hier gefahren ohne die Spuren einzuhalten...und ausser ein paar Blächschäden passiert hier kaum was.
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  •   mueck
    (12137 Beiträge)

    29.08.2012 02:16 Uhr
    !
    Also ich sehe da bei Google Maps zweispurig Autos aus Deiner "Fußgängerunterführung" kommen ... Der wohl auch existierende Fußtunnel scheint kürzer ...
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (481 Beiträge)

    28.08.2012 13:28 Uhr
    Vorschläge zur Lösung ...
    ... sind hier zu finden.
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  •   mueck
    (12137 Beiträge)

    28.08.2012 14:02 Uhr
    !
    Der ist auch hübsch zwinkern
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  •   vielfahrer
    (422 Beiträge)

    28.08.2012 16:35 Uhr
    in so etwas ähnliches
    bin ich in England tatsächlich mal mehrfach geraten und trotz Lenkrad auf der falschen Seite unfallfrei wieder raus gekommen. Die Briten sind aber auch geübt. Wer außen in einen zweispurigen Kreisel einfährt, will sofort wieder raus. Ich wollte erst bei der zweiten ausfahrt wieder raus und hab das dann nie wieder gemacht grinsen)

    In Paris verbrachten wir in grauer Vorzeit mal viel Zeit auf dem Triumphbogen und haben uns das Chaos im damals noch ungeregelten Kreisverkehr (keine Ampel weit und breit) betrachtet. War spannender als jeder Krimi, gescheppert hat es aber praktisch nie.
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