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Karlsruhe Umstrittener Pate: Vierordtstraße sorgt für Diskussionen in Palmbach

Im Karlsruher Stadtteil Palmbach verläuft die Vierordtstraße. 1925 wurde sie nach Schriftsteller Heinrich Vierordt benannt. Das stößt bei den Karlsruher Grünen auf Kritik. Jetzt soll ein neuer Namenspate für die Straße her.

In einem Brief an die Stadtverwaltung hatten die Grünen nach eigener Aussage Anfang Mai dieses Jahres gebeten, die Benennung der Vierordtstraße in Palmbach einer geschichtlichen Neubewertung und Kommentierung zu unterziehen. Der Grund: ihr Namensgeber, Schriftsteller Heinrich Vierordt. 

Vierordt identifizierte sich von Beginn an mit dem nationalsozialistischen Deutschland, schrieb unter anderem Lobgedichte auf Adolf Hitler. "Tatsächlich zeigt sich bei Vierordt über eine längere Schaffenszeit ein Nationalismus gepaart mit Vernichtungsfantasien, die mit der NS-Ideologie kompatibel waren", so das Urteil der Stadt Karlsruhe. Bereits vor Beginn des Ersten Weltkriegs hatte der Karlsruher Schriftsteller für Aufsehen gesorgt: 1914 hatte im Gedicht "Deutschland jetzt hasse mit eisigem Blut" zur Tötung der Kriegsgegner aufgerufen. 

Wie die Grünen-Gemeinderatsfraktion berichtet, wurde erst zu Beginn des Jahres bekannt, wer Namensgeber der Palmbacher Straße war. Das soll sich nun ändern: "Oberbürgermeister Mentrup schließt sich in seiner Antwort unserer Einschätzung an. Eine Straßenbenennung nach einem Dichter, der kriegsverherrlichende Äußerungen publiziert hat, ist aus heutiger Sicht unannehmbar", teilen die Grünen mit. 

Da Namensänderungen für die Anwohner mit großem Aufwand verbunden sind, soll künftig anstatt Heinrich Vierordt (1855- 1945) sein Großvater Heinrich Vierordt (1797- 1867) als Pate für den Straßennamen zugrunde gelegt werden. "Dieser vermachte im Jahre 1867 der Stadt Karlsruhe 60.000 Gulden für wohltätige Zwecke, die den Grundstock für die Errichtung eines öffentlichen Bades, das heutige Vierordtbad, bildeten", so die Fraktionsvorsitzende Ute Leidig und Michael Borner, Mitglied im Bauausschuss der Stadt Karlsruhe.

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  •   Scheuerleiste
    (252 Beiträge)

    16.06.2017 15:29 Uhr
    Oder vielleicht doch
    Grünengasse.
    Frei nach W.Tell: Durch diese Gasse muß er kommen,der Schreckliche ....
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  •   haku
    (4191 Beiträge)

    16.06.2017 09:44 Uhr
    Artikel gelesen?
    Lesen bildet.
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  •   maehdrescher
    (1632 Beiträge)

    16.06.2017 12:18 Uhr
    So humorlos...?
    Ich wusste gar nicht, dass Grüne derart empfindlich auf ein Spässle reagieren.
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  •   ALFPFIN
    (7775 Beiträge)

    16.06.2017 09:35 Uhr
    Wenn man alle Straßen in Deutschland,
    die nach Personen benannt wurden, denen man einen Bezug zur NS-Zeit nachweisen kann, umbenennen wollte, hätte man gut zu tun. Vermutlich hätten da, jetzt an der Zahl gemessen, ganze Stadtviertel umbenannt werden müssen.
    Nur warum kommt man erst 72 nach Kriegsende in Einzelfällen darauf?
    Die Grünen gibt es ja auch schon lange als Partei, also warum erst jetzt.
    Ich bin der Meinung, das man Straßen nicht nach gestandenen Nazis, Despoten (das hatten wir auch schon) benennen sollte, aber wenn einem das so lange nach Kriegsende einfällt, ist das doch eher unter "jetzt machen wir mal ein bisschen Wind", einzuordnen.
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  •   andip
    (11197 Beiträge)

    16.06.2017 12:06 Uhr
    Naja
    1925 war von der NS-Zeit aber noch nichts zu sehen und Hetzschriften gegen Kriegsgegner im WK 1 wurden viele verfasst.
    Offensichtlich hat man auch gemäss Artikel erst kürzlich festgestellt, nach welchem Heinrich die Strasse überhaupt benannt wurde, daher auch jetzt der Protest.
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  •   peddersenn
    (1033 Beiträge)

    16.06.2017 12:35 Uhr
    so seh ichs auch....
    ....beides.
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  •   maehdrescher
    (1632 Beiträge)

    16.06.2017 09:39 Uhr
    Wenn man liest
    dass der Name ja bleiben kann, und man statt des einen Vierordt nun einen anderen Vierordt als "Paten" des Straßennamens angibt, das ist das wirklich ein lächerlicher grüner Wind.
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  •   Elim_Garak
    (314 Beiträge)

    16.06.2017 08:01 Uhr
    Steinbuch
    Da könnte man mit einer Umbenennung des Steinbuch Centre for Computing am KIT gleich weitermachen.
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  •   silberahorn
    (10961 Beiträge)

    16.06.2017 09:01 Uhr
    Steinbuch
    war mir bislang nicht bekannt. Wenn ich jetzt aber über ihn etwas nachlese, dann fällt mir durchaus auf, mit welcher Stimmung man damals Ende 70er und Anfang 80er zu tun hatte. Heute versteht das keiner mehr, weil die Jüngeren dem so nicht begegneten.
    Heinrich Böll galt in manchen Kreisen wirklich als Untier und auf den hatte er sich wohl eingeschossen.
    Siehe: http://www.zeit.de/1983/49/zeitmosaik
    Sich gegen die Gleichstellung der Geschlechter auszusprechen war damals virulent und es gab zu dieser Zeit das Grundgesetz schon recht lange. Es geht aber nicht um Gleichmacherei, wie das Thema auch heute noch oft falsch ausgelegt wird, sondern darum, dass die Gleichberechtigung der Frau in Politik und Wirtschaft nichts damit zu tun hat, dass sie sich dann nicht um ihre Kinder kümmert. Das war damals, auch zum Nachteil der Männer, als Frauenaufgabe definiert.
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