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Karlsruhe Überwachung auf der Schiene: Fahren Karlsruher Bahnen bald mit Dashcams?

Der Innenraum der Karlsruher Stadt- und Straßenbahnen ist bereits seit geraumer Zeit mit Videokameras ausgestattet. Doch das geht den Karlsruher Bahnbetreibern nicht weit genug: Sie planen, künftig auch sogenannte Dashcams einzusetzen. Die ersten Kameras sind schon verbaut - nicht ganz ohne Kritik.

Kameraüberwachung und Karlsruher Bahnen - an sich ist diese Kombination nicht neu.Vor rund acht Jahren wurden die Bahnen im Bereich des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) mit Videokameras ausgestattet. Angebracht wurden die Kameras bis 2013 in 70 Niederflurfahrzeugen, 59 Stadtbahnwagen und 112 Zweisystemfahrzeugen, die im KVV-Gebiet unterwegs sind.

Rund 4.000 Euro kostete die Ausrüstung mit Videokameras pro Bahn. In Karlsruhe erhoffte man sich durch die Kameras eine bessere Vorbeugung vor Vandalismus. Inzwischen sind sämtliche Bahnen mit einer Videoüberwachung im Innenraum ausgestattet. Doch dabei soll es nicht bleiben: Wenn es nach den Bahnbesitzern geht, könnten bald weitere Kameras hinzukommen.

Bahnbetreiber wollen Gefahrensituationen analysieren

In einigen Fahrzeugen der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) habe man bereits testweise sogenannte Dashcams eingebaut, erklärt Sprecher Nicolas Lutterbach im Gespräch mit ka-news. Dashcams sind kleine Videokameras, die meist auf dem Amaturenbrett oder an Windschutzscheiben eines Fahrzeugs angebracht sind.

Die kleinen Kameras, die man vor allem aus Autos kennt, sollen jetzt auch bei den VBK-Bahnen zum Einsatz kommen. Um Strafverfolgung oder Überwachung gehe es nicht, bekräftigt Pressesprecher Lutterbach. Die Verantwortlichen erhoffen sich dadurch vielmehr, im Falle einer Gefahrenbremsung Rückschlüsse über die Situation vor der Bahn ziehen zu können.

Dashcams Karlsruhe Bahn

(Diese kleine Kamera soll künftig Aufschluss über gefährliche Situationen geben. Quelle: VBK)

Noch sind die eingebauten Kameras nicht in Betrieb, denn die rechtliche Situation ist hier noch nicht abschließend geklärt. Aus diesem Grund haben die Verkehrsbetriebe sich an den Landesbeauftragten für den Datenschutz in Baden-Württemberg gewandt.

Zwischen Sicherheit und Datenschutz

Und dort stellt man auf Anfrage von ka-news klar: Das Anliegen aus Karlsruhe ist nicht ganz unproblematisch. Bei einer Konferenz der Datenschutzbehörden des Landes und des Bundes, dem sogenannten Düsseldorfer Kreis, wurde erklärt, dass eine solche Dashcam-Aufzeichnung unzulässig ist. Der Grund: Die Aufnahmen würden in das Persönlichkeitsrecht der Verkehrsteilnehmer eingreifen.

Dennoch müsse man jeden Fall gesondert betrachten, erklärt der Landesbeauftragte für den Datenschutz Baden-Württemberg Volker Broo auf ka-news-Nachfrage. "Es muss unterschieden werden, ob die Aufzeichnung beispielsweise durch eine Bremsung erst gestartet wird, oder ob sie dauerhaft läuft."

Die VBK planen derzeit nach eigenen Angaben mit letzterer Variante. So soll die Aufzeichnung durchgehend laufen und das Material nach zwei bis drei Tagen gelöscht werden. Allerdings sei die Qualität der Aufnahme so gering, dass weder Gesichter noch Kennzeichen zu erkennen seien, so Lutterbach.

Die Prüfung des Falles dauert noch an

Zum Ergebnis der Auswertung wartet man in Karlsruhe auf eine Rückmeldung, so der Sprecher weiter. Auf den konkreten Fall in Karlsruhe angesprochen, können die Verantwortlichen in Stuttgart allerdings derzeit keine Auskunft geben. Dort liegen aktuell nur Angaben von den Verkehrsbetrieben aus dem vergangenen Jahr vor, die auf ihre heutige Gültigkeit geprüft werden müssen.

Damit steht eine Bewertung aus Stuttgart derzeit noch aus. Verbieten können die Datenschutzbeauftragten den Betrieb der Dashcames allerdings ohnehin nicht. Hier könne man nur eine Beurteilung der Rechtslage aufgrund der vorliegenden Fakten aussprechen, so Broo. Diese Bewertung findet nach Einschätzung der Datenschutz-Experten frühestens im September statt.

Mehr zum Thema:

Für mehr Sicherheit: Werden Karlsruher Plätze mit Videokameras überwacht? 

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Kommentare (26)
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  •   Selbstdenker
    (258 Beiträge)

    10.08.2016 08:14 Uhr
    Das strotzt ja nur so ...
    Zitat von ka-news Vor rund acht JahrenVor rund acht Jahren

    Es geht schon seit zehn.

    Zitat von ka-news Rund 4.000 Euro kostete die Ausrüstung

    Das können nur die Materialkosten sein. Montage? Wartung?

    Zitat von ka-news erhoffte

    Es sollten jetzt genug Datenpunkte vorliegen, ob das was gebracht hat. Also: Rückgang der Delikte im deutlich zweistelligen Prozentebereich, mit Kontrollgruppe. Oder es war nur Augenauswischerei.

    Zitat von ka-news die man vor allem aus Autos kennt

    ... und dort ziemlich gründlich verboten sind. Man möge also erklären. Geht von Straßenbahnen eine besondere Gefahr aus? Sind sie besonders gefährdet? Funktionieren weniger eingreifende Maßnahmen nicht?

    Zitat von ka-news Um Strafverfolgung oder Überwachung gehe es nicht

    Natürlich geht es um Strafverfolgung, Und Überwachung ... die Innenminister wollen grad wieder nachlegen. Plötzlich ist es eine hochauflösende Kamera, und mit Livestream in die Polizeizentrale. Demnächst in diesem Deutlschland
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    10.08.2016 10:07 Uhr
    Die halbe Welt
    jagt Pokemons und jeder gibt 24 Stunden am Tag seinen Standort zuverlässig an Google, Apple oder sonstwen weiter. Stört irgendwie keinen. Aber Kameras auf dem Armaturenbrett die einen unklaren Unfallhergang aufklären können, die sind verboten. Warum eigentlich?
    Ich wette die sind nur in Deutschland verboten und in keinem anderen Land der Welt.
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  •   silberahorn
    (9874 Beiträge)

    10.08.2016 12:56 Uhr
    verboten?
    Die Kameras werden nicht verboten sein - ich habe auch eine . Sie werden nur nicht als Beweismittel zugelassensein, weil man Bilder und Sequenzen leicht fälschen kann.
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  •   Smartraver
    (7572 Beiträge)

    11.08.2016 07:38 Uhr
    Humbug
    kwT
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  •   silberahorn
    (9874 Beiträge)

    11.08.2016 08:26 Uhr
    Wieso Humbug?
    Dashcams können Filme aufnehmen, die jeder mit leicht erlernbaren Programmen verändern kann. Was ist daran so schwer zu verstehen? Du kannst ja auch mit Bildbearbeitungsprogrammen Körper nehmen und mit falschen Köpfen verbinden. Macht zwar Arbeit, ist aber möglich - siehe Fotomontagen mit Politikerköpfen.

    Als Beweis darf so etwas also niemals ausreichend sein, höchstens könnte es eine Indizienkette stärken. Wenn jemand so identifiziert wird, dann ist das zwar gut, aber trotzdem muss das Alibi stimmen und Motive sollten auch noch erkennbar sein (z.B. er ist ein Loch dem der Popo anhanden kam, ansonsten könnte man ihn wie noch nennen?)
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  •   andip
    (9772 Beiträge)

    11.08.2016 12:13 Uhr
    Bilder
    konnte man schon immer manipulieren auch schon zu Zeiten als es noch keine elektronische Aufzeichnungen gab.
    Mit dem Argument hätte man nie Fotos etc. als Beweismittel zulassen dürfen.
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  •   Smartraver
    (7572 Beiträge)

    11.08.2016 09:18 Uhr
    Na weil es Humbug ist
    - So eine Bearbeitung erlernt man nicht in drei Tagen, sondern in Monaten/Jahren.
    - Das Bearbeiten von Videosequenzen erfordert ewig Zeit, selbst für absolute Spezialisten.
    - Ist eine Manipulation ebenso auch durch Spezialisten erkennbar
    - Wer kann das in der Zeit zwischen Aufnahme und z.B. Eintreffen der Polizei an der Unfallstelle mal schnell im Auto manipulieren?

    Also: Humbug
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  •   silberahorn
    (9874 Beiträge)

    11.08.2016 10:23 Uhr
    Es hat auch noch
    nie solche Spezialisten gegeben, wie den, der in Zusammenarbeit mit der Polizei ... . Ist da nicht gerade jemand deshalb verurteilt worden. So Richtung Pforzheim oder war es Heidenheim?
    Und was man mit Hilfe von Zusatzsoftware alles machen kann - in den Zwischenzeit sogar in Deutschland, dem Land der Unterentwicklung - will ich hier gar nicht erst verraten.

    Niemals allein als Beweis zulassen, wenn es aus privater Hand kommt - denk dran, falls du mal betroffen sein solltest.

    Das ist nicht viel anders, wie mit ungenauen Fotos bei Geschwindigkeitsüberschreitungen -> anhand vom Fahrtenbuch feststellen wer gefahren ist und den Halter des Pkw verpflichten ein Fahrtenbuch zu führen. Gezahlt werden muss ohnehin durch den Halter, falls er nicht beweisen kann, dass sogar das Nummernschild ein Fake war.
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  •   silberahorn
    (9874 Beiträge)

    11.08.2016 10:32 Uhr
    Erkennbare
    Manipulation durch Spezialisten geht zwar - und glaub mir ich kennen welche - aber unterschätze nicht die Bequemlichkeiten bei Verfahren.
    Ich selbst habe gerade Bauklötzer gestaunt, als ich gelesen habe, wie geschickt jemand in Akten meinen Werdegang geklittert hatte. Es wird mich allerdings keiner daran hindern können meinen Lebenslauf richtig ins Internet zu stellen, mit allen Zeugnissen. Bei mir ist nämlich das Gegenteil dessen der Fall, das eine Frau Hinz der SPD machen konnte. Nicht nur meine Zeugnisse können mit beglaubigten Originalen eingesehen werden, es gibt auch noch genug lebende Zeitzeugen.
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  •   kommentar4711
    (2289 Beiträge)

    10.08.2016 10:44 Uhr
    Stört keinen würde ich so nicht unterschreiben.
    Viele sind sich einfach nicht bewusst, was da alles geloggt wird. Aber ich habe mal Kollegen von mir gezeigt wie sie auf google.de dann ihr Bewegungsprofil einsehen können. Da war KEINER dabei den es nicht gestört hat nachdem er auf dem Bildschirm vor sich gesehen hat, wie genau google saämtliche Bewegungen mitloggt. Im Gegenteil, fast alle waren schockiert und ausnahmslos alle sind danach her gegangen und haben ihre Datenschutzeinstellungen bearbeitet (was das dann am Ende bringt sei mal dahin gestellt). Will sagen: Es fehlt eher das Bewusstsein, was die Betreiber alles an Daten erzeugen als dass es niemanden stören würde.
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