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Karlsruhe Übers Internet zum Ehrenamt: Karlsruher entwickeln bundesweites Hilfsnetzwerk

Das Ehrenamt hat in Deutschland eine lange Tradition und ist gerade heute wichtiger denn je. Doch die Zahl der Freiwilligen ist rückläufig. Mit einer Internetplattform wollen Karlsruher Hilfsorganisationen für mehr Transparenz sorgen und neue Ehrenamtliche gewinnen.

Am 16. Juni gab es in Karlsruhe wieder der Aktivtag. Dabei stellten sich 35 Verbände, Vereine und Initiativen vor, um auf ihre Tätigkeiten aufmerksam zu machen und insbesondere für ehrenamtliche Mitarbeiter zu werben. Mit einem Helf-O-Mat soll zudem die Suche nach ehrenamtlichen Mitarbeitern vereinfacht werden.

Der Helf-O-Mat wurde durch die Kooperation von acht Karlsruher Einsatzorganisationen entwickelt, die fast alle aus dem Bereich Bevölkerungsschutz sind. Dazu zählen unter anderem das THW Karlsruhe, der Stadtfeuerwehrverband oder die DLRG, die sich 2010 zusammenschlossen und die Internet-Plattform "Helfen Kann Jeder" gründeten.

Die Plattform soll es interessierten Bürgern ermöglichen, durch Beantwortung einzelner Fragen herauszufinden, welche Organisationen zu einem passen und welche es in der Nähe gibt. Dazu haben sich die Verantwortlichen um David Domjahn vom Technischen Hilfswerk Karlsruhe (THW) an dem bekannten Wahl-O-Mat orientiert und den Helf-O-Mat entwickelt. "Wir wollen Menschen fürs Ehrenamt begeistern", betont Domjahn gegenüber ka-news. Ziel ist es, mehr Transparenz und Übersicht über die einzelnen Hilfsorganisationen zu schaffen: "Damit Menschen, die sich gern ehrenamtlich engagieren möchten, nicht von der Vielzahl an Organisationen 'erschlagen' werden", erklärt der Entwickler.

Nur wenige Klicks bis zum Ehrenamt

Vielen sind beispielsweise die einzelnen Betätigungsmöglichkeiten in den verschiedenen Organisationen gar nicht bekannt. "Was wir festgestellt haben, dass viele Hilfsorganisationen diese Informationen gar nicht auf ihrer Homepage anzeigen", weiß David Domjahn, der selbst beim THW tätig ist. Deshalb soll die Plattform mit nur wenigen Klicks für die nötigen Ansprechpartner und Infos zu Dienstzeit, Tätigkeiten oder Altersgrenzen sorgen.

Hellfende Hand 2017
Verleihung des Förderpreises des Bundesinnenministeriums | Bild: Mike Auerbach

"Der Wahl-O-Mat greift die Idee auf, welche Partei passt zu mir. Und wir haben das einfach kopiert. Welche Einsatzorganisation passt zu jemandem, der ganz neu in der Thematik ist und sich engagieren möchte", erklärt David Domjahn das Prinzip. Alle registrierten Einsatzorganisationen haben wichtige Infos über ihre Tätigkeitsfelder hinterlegt, ob Brände, Erdbeben, Hochwasser oder Naturschutz.

Der Helf-O-Mat soll durch Abfragen gezielt die verschiedenen Schwerpunkttätigkeiten herausfiltern und so die möglichen Organisationen eingrenzen. "Bist du eher ein Typ der die Berge mag, dann ist die Bergwacht passend. Tauchst du gerne, dann wäre die DLRG eher was für dich", erklärt David Domjahn gegenüber ka-news die Fragen. Inzwischen ist die 2011 online gegangene, und zunächst nur auf Karlsruher Hilfsorganisationen beschränkte, Plattform bundesweit zugänglich. "Alle Einsatzorganisationen haben die Möglichkeit, sich zu registrieren und so auch über den Helf-O-Mat gefunden zu werden", erklärt der Initiator.

"Solche Ängste kennen wir"

Auf die Frage, was Interessierte mitbringen sollen um ein Ehrenamt auszuüben, antwortet Domjahn kurz und knapp: "Motivation und Zeit!" Steckbriefe auf der Plattform von langjährigen Mitarbeitern einzelner Einsatzorganisationen, in denen sie sich vorstellen und erklären, warum ein ehrenamtliche Engagement in ihrer Organisation lohnt, sollen die Hemmschwelle der Kontaktaufnahme bei nervösen Neueinsteigern zudem senken. Denn David Domjahn weiß um die Angst vieler Menschen, die zögern, da sie nicht wissen, was auf sie zukommt, und sie unsicher sind, ob sie sich im Team wohlfühlen. "Solche Ängste kennen wir", sagt er. Doch die Menschen sollen "einfach Mut fassen und vorbeischauen", betont der Vorstand von "Helfen Kann Jeder".

Ehrenamt III
Nach dem Gewinn des Förderpreises zusammen mit Karlsruhes Bürgermeister Klaus Stapf (3.v.r.) und Abgeordneter Christian Jung (4.v.r) die die Arbeit gerne unterstützen. | Bild: Stadt Karlsruhe

Die Idee von "Helfen Kann Jeder" entstand 2010 durch den Brand im Karlsruher Zoo. Im gemeinsamen Einsatz verschiedener Hilfsorganisationen sah Domjahn eine Chance. Er sprach mit Roland Goertz, dem damaligen Amtsleiter der Karlsruher Feuerwehr: "Wenn wir hier gemeinsam im Einsatz sind, dann müssen wir auch gemeinsam auf Personalsuche gehen. Denn jeder Ehrenamtliche, den wir gewinnen, ist ja nachher mehr wert, egal wo er hängen bleibt", erinnert er sich an die Anfänge zurück.

Die ländlichen Regionen sind die Problemzonen

Die Entwicklung dieser organisationsübergreifenden Seite hat auch die einzelnen Organisationen besser vernetzt und sogar zu Überraschungen geführt: "Als wir mit der Entwicklung des Projektes anfingen, haben wir mit Erstaunen festgestellt, dass wir zum Beispiel eine Bergwacht in Karlsruhe haben, die sich auch für den Umweltschutz engagiert." Gerade deswegen ist die Transparenz der Plattform so wichtig. Denn neue Helfer werden dringend gesucht, bei allen Vereinen und Hilfsorganisationen.

Ehrenamt II
Mit "Helfen Kann Jeder" haben Karlsruher Organisationen ein Freiwilligenportal geschaffen. Das Projekt wurde 2015 auf der Weltleitmesse "Interschutz" in Hannover vorgestellt. | Bild: David Domjahn

In Karlsruhe sei man aber relativ gut aufgestellt, erklärt David Domjahn gegenüber ka-news. Probleme bereiten eher die ländlichen Gebiete. "Man hat gerade Schwierigkeiten, zum Beispiel Feuerwehren auf dem Land ausreichend zu besetzen", so der THWler. Auch deshalb liegt eines der Hauptziele der Zukunft auf der Gewinnung von Spontanhelfern. "Diese Spontanhelfer können dann zum Beispiel bei Evakuierungen die professionellen Rettungskräfte entlasten, sich unter anderem um ältere Menschen kümmern. Also dauerhaftes Engagement haben wir, aber das spontane Engagement soll noch ausgebaut werden", ergänzt er.

"Ohne das Ehrenamt wäre unsere Gesellschaft um vieles ärmer"

Dazu bedarf es aber auch einer größeren Werbung, die jedoch aufgrund des fehlenden Geldes gar nicht so einfach ist. "Was noch fehlt ist die starke Bewerbung und Weiterentwicklung", macht Domjahn deutlich. Dazu soll unter anderen eine mögliche Kooperation mit Facebook beitragen: "Wir sind gerade im Gespräch mit Facebook, dass die uns noch mit unterstützen", erklärt der Helf-O-Mat-Entwickler.

"Ich glaube, wenn wir das Ehrenamt nicht hätten, wäre unsere Gesellschaft um viele Dinge ärmer. Wir hätten nicht den Luxus der vielen Einsatzorganisationen, die im Notfall bereitstehen", betont das THW-Mitglied die Notwendigkeit des Ehrenamtes. Eine Tätigkeit in einer Hilfsorganisation hat noch einen weiteren Effekt: die persönliche Entwicklung. "Viele haben auch ihren Lebenspartner in Einsatzorganisationen gefunden. Man lernt Menschen kennen, die man sonst so nie treffen würde", sagt David Domjahn abschließend.

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Kommentare (6)
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  •   ka-lex
    (1626 Beiträge)

    07.07.2018 10:31 Uhr
    Ich habs mal ausprobiert
    Das Ergebnis ist eher enttäuschend. Ein paar Adressen, die man eh schon kennt, und sonst nix.
    Wichtige Details wie Alter, Führerscheine, besondere Fähigkeiten etc. werden nicht abgefragt.
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  •   M.S.
    (326 Beiträge)

    07.07.2018 13:52 Uhr
    der Wille war da
    nur zur Umsetzung hats net gereicht. Schade...
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  •   dino
    (36 Beiträge)

    07.07.2018 14:32 Uhr
    @M.S.
    Das Team würde sich sicherlich freuen, wenn Du es unterstützt, statt alles runterzumachen?
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  •   davidka
    (2 Beiträge)

    07.07.2018 10:47 Uhr
    Danke für die Rückmeldung
    Hallo KA-Lex,
    dankeschön für die Rückmeldung - Ziel der Plattform soll es sein, überhaupt die verschiedenen Möglichkeiten im Groben vorzustellen. Nach unseren Informationen ist bei fast allen Einsatzorganisationen ein Engagement ab 10 Jahren möglich (es gibt Ausnahmen, wie z. b. der Notfallseelsorge).

    Die Frage nach dem Besitz eines Führerscheines würde die Ergebnisse nicht unbedingt verändern, da auch innerhalb der Einsatzorganisationen das Aufgabenspektrum vielfältig ist und daher Aufgaben mit oder ohne Führerschein übernommen werden können.

    Da Du bereits "Adressen" kennst, gehörst Du bereits wohl zu den "Insidern" - die Plattform richtet sich aber an Neulinge, die z. B. von einer Bergwacht noch nichts gehört haben.
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  •   M.S.
    (326 Beiträge)

    07.07.2018 08:38 Uhr
    habt ihr mal
    das Ding ausprobiert?
    Total umszändlich und es kommen, egal was man angibt, ansich immer die selben Angebote.
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  •   davidka
    (2 Beiträge)

    07.07.2018 09:43 Uhr
    Danke für die Rückmeldung
    Hallo M.S.,

    vielen Dank für die Rückmeldung - um die in ehrenamtlicher Arbeit entstandene Plattform zu verbessern, würden wir uns freuen, wenn Du uns mitteilst, was Du genau als umständlich empfindest und entsprechend verbessert werden könnte. Ebenfalls wäre es hilfreich zu erfahren, welche Eingaben Du machst, dass "immer die selben Angebote" erscheinen.

    Vielen Dank für Deine Rückmeldung!

    Gruß
    David (von HelfenKannJeder.de)
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