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Karlsruhe Über 2.500 Fällungen! Karlsruher Bäume sind im Klimastress - und können nicht alleine überleben (mit Video)

Dem Karlsruher Hardtwald geht es schlecht: Hitze und Trockenheit haben vor allem den Buchen und Kiefern zugesetzt. Großflächig mussten ganze Waldlagen zwischen Wohngebieten abgesperrt werden, zu groß war die Gefahr von herabfallenden Ästen, zu hoch die Verletzungsgefahr für Karlsruher Bürger. Aktuell sind Forstamt und Gartenbauamt mit dem Fällen der toten Bäume beschäftigt. Vier bis sechs Wochen werden die Mitarbeiter der Ämter benötigten, bis alle Gebiete wieder gefahrenfrei zugänglich sind.

In der Waldstadt sind 1.200 bis 1.300 Bäume der Hitze 2019 zum Opfer gefallen. Weitere 1.300 Fällungen sind es im gesamten Stadtgebiet. Das sind deutlich mehr als in den vergangenen Jahren: "2017 waren es 650 Fällungen, 2018 hatten wir rund 800", so Jürgen Unger im Rahmen eines Pressegespräch am Freitag. Unger ist Sachgebietsleiter für Baumpflege und Baumkontrolle beim Gartenbauamt der Stadt Karlsruhe.

Jürgen Unger vom Gartenbauamt Karlsruhe. | Bild: Hammer Photographie

Besonders betroffen: Buchen und Kiefern. Als widerstandsfähiger haben sich Ahorn, Roteiche und Deutsche Eiche bewiesen. Auch für die kommenden Jahren prognostiziert Unger der Buche keine rosige Zukunft: "Sie wird zurückgedrängt werden."

Rodungsarbeiten in der Waldstadt dauern noch vier bis sechs Wochen

Seit dem 2. September laufen die Rodungsarbeiten in der Waldstadt: Die großflächigen Bereiche zwischen den Wohnblöcken werden Schritt für Schritt von den toten Bäumen befreit. Diese Aufgabe ist herausfordernd, denn die Bereiche sind mit Gebäuden und Spielplätzen durchsetzt - die Bäume müssen entsprechend vorsichtig gefällt werden. 

Der Karlsruher Baumbestand ist extrem von den Folgen des Trockenjahres 2018 betroffen. | Bild: Paul Needham

In der Elbingerstraße sind die Arbeiten bereits abgeschlossen: Hier werden aktuell noch Fällschäden wie kleinere Asphaltschäden beseitigt. Das Gartenbauamt rechnet damit, dass ab kommender Woche der Waldbereich hier wieder freigegeben werden kann. Im Wochenrhythmus arbeiten sich Stadt und beauftragtes Unternehmen durch die einzelnen Waldanlagen. In vier bis sechs Wochen sollen alle Bereiche in der Waldstadt wieder zugänglich sein.

Arbeiten in Erzbergerstraße starten im Oktober

Große Trockenschäden hat es weiterhin in der Erzbergerstraße gegeben: Hier werden die Waldarbeiter Anfang Oktober mit den "Aufräumarbeiten" starten. Das Gartenbauamt rechnet mit drei bis vier Wochen Arbeitszeit, bis auch hier alle trockenen Bäume beseitigt sind und die Flächen wieder freigegeben werden können. Bis dahin mahnen alle Stadtverantwortlichen, sich an die Verbote zu halten. "Bitte beachten Sie die Hinweisschilder und Absperrungen", sagt Lisbach. 

Umweltbürgermeisterin Bettina Lisbach. | Bild: Hammer Photographie

 

 

Die Aufforstung der städtischen Gebiete wird erst im Herbst 2020 erfolgen. Bis dahin möchte man sehen, wie sich die Natur erholt und von selbst verjüngt. "Es gibt viele Sämlinge zu sehen, darunter auch viele Eichen", so Unger. Sofern notwendig, wird man im kommenden Jahr "gestalterische Aspekte" mit einzelnen Gehölzgruppen aus der Baumschule setzen.

Wie steht es um den Hardtwald?

Im Hardtwald sind die Auswirkungen der Klimaveränderung ebenfalls zu beobachten: Hier erfolgt das Begehen immer auf eigene Gefahr - auch wenn man die Hauptwege möglichst von Waldgefahren wie herabfallenden Ästen bereinigt - betont Forstamtsleiter Ulrich Kienzler. 

Bild: Hammer Photographie

Während Rheinaue, Flussaue und die Bergwälder die Hitze relativ gut überstanden haben, befindet sich im Hardtwald der "Hotspot der Trockenschäden". Die Ursache: Die Bäume gelangen nicht gut an Wasser, wenn das Wurzelwerk nicht tief genug reicht. "Wir haben im Hardtwald die schlechtesten Waldböden in Karlsruhe: sandig, kiesig, das Wasser sickert schnell ab, die Bäume müssen vom Oberflächenniederschlag leben und das macht sie so anfällig für die langen Trockenperioden", sagt Forstamtsleiter Ulrich Kienzler.

Forstamtsleiter Ulrich Kinezler zeigt einen Eichen-Sämling. | Bild: Hammer Photographie

Der Fokus für die kommenden Jahre und Jahrzehnte liegt auf dem "klimagerechten Waldumbau", so Umweltbürgermeisterin Bettina Lisbach. Das Leitbild bleibe dabei ein naturgemäßer Waldbau mit trocken- und wärmeresistenten Arten - nicht alle davon werden einheimisch sein. Auf eine "Baumart der Zukunft" will man sich unter den Waldexperten nicht festlegen - die Eiche wird jedoch mit ihrem tiefen Wurzelwerk zu den Gewinnern des Klimawandels gehören.

Wald muss gepflegt werden

Vielfalt bleibt Prämisse: Aktuell finden sich 20 verschieden Baumarten im Hardtwald, auch künftig sollen es nicht viel weniger werden. "Vielfalt heißt Risikostreuung", so Kienzler, "das ist das Gebot der Stunde." Von alleine wird sich der Hardtwald nicht erholen können: Er muss nicht nur aufgrund der Klimaanpassung umgebaut werden, sondern ist auch in der Pflege auf die Menschen angewiesen.

Wo können noch welche Baumarten wachsen? | Bild: Hammer Photographie

"Wir müssen für den Wald aktiv etwas tun, es handelt es sich nicht um einen Naturwald", sagt Kienzler im Gespräch mit ka-news.de, "wir haben hier im Hardtwald viele sogenannte invasive Neophyten. Das sind fremdländische Baumarten, die viele Samen produzieren und sich auch über Wurzelsprosse vermehren."

Dazu gehören beispielsweise die spätblühende Traubenkirsche, die Keimesbeere oder der Götterbaum, welcher auch oft aus privaten Gärten in den Hardtwald gelangt. Diese Arten ungestört wachsen zu lassen, wäre auch ein Verstoß gegen die naturschutzrechtlichen Vorgaben von Natura 2000.

Corina Bohner im Gespräch mit Ulrich Kienzler. | Bild: Hammer Photographie

Der Umbau des Waldes wird eine Aufgabe der kommenden Jahrzehnte: Es gibt keine schematische Lösung, man muss ausgewählt vor Ort entscheiden, so Kienzler. "Wenn wir die Prognosen so eintreffen, dann werden wir über die nächsten Jahrzehnte nie einen vollkommen gesunden Wald haben, sondern einen Wald, der unter diesen Klimaveränderungen auch ein Stück weit leidet und den wir an diese Veränderung anpassen müssen. Es wird eine Daueraufgabe bleiben."

Video-Interview mit Forstamtsleiter Ulrich Kienzler (8:28 Minuten)

 

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  •   Prof.Baerlapp
    (681 Beiträge)

    15.09.2019 09:13 Uhr
    Straßenbäume
    Allerdings müsste die Stadt neu gepflanzte Straßenbäume dann am Anfang auch ausreichend wässern. An der Wolfartsweierer Str. bei der Rettungsleitstelle zum Beispiel musste letzten Winter ein Baum ersetzt werden. Anscheinend aber hat man den jungen Baum dann nicht genügend gewässert und der ist auch wieder vertrocknet.

    Hat man am Wasser sparen wollen? Gut gelungen, jetzt muss man schon wieder einen neuen Baum pflanzen. Der Steuerzahler finanziert das ja gerne.
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  •   dipfele
    (5535 Beiträge)

    15.09.2019 16:34 Uhr
    Vor lauter klein klein....
    ….. nicht das Grosse vergessen: In der Kaiserstrasse sollen 80 gesunde, schattenspendende und hitzeressistente Platanen durch kleine Zürgelbäumlein ersetzt werden. Für 40 Mio € ! Die Stadt schrammt an der Verschuldungsobergrenze, streicht Sozialausgaben, leistet sich aber den Luxus, funktionierendes zu zerstören. Nur gut, das keine Steuergelder betroffen sind.....
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  •   santana
    (1137 Beiträge)

    15.09.2019 17:27 Uhr
    @dipfele
    Da isses ja wieder, Ihr Wehklagen wegen der Platanen. Habe es schon die ganze Zeit vermisst. Wie oft wiederholen Sie sich noch? grinsen
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  •   Weichei
    (363 Beiträge)

    16.09.2019 18:26 Uhr
    @Thouse against Dipfele
    Dieses Gegengblaerre zu Dipfele zeigt lediglich die IQschwaeche Derjenigen die eine Schwachsinnige Einstelung haben.
    Dieseser Kommentar sollte im Zusammenhang meiner weiteren Kommentare gelesen werden
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  •   mcclaney
    (1463 Beiträge)

    16.09.2019 14:37 Uhr
    ...
    Solange die Beschlusslage sich nicht ändert darf man diesen Irrsinn an Baumfällung durchaus beklagen.
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  •   mueck
    (10901 Beiträge)

    16.09.2019 15:12 Uhr
    !
    Ich "fürchte", unser dipfele braucht eine neue hängende Platte (obwohl ... eigentlich hat er noch genug andere hängende Platten im Repertoire ... zwinkern ), denn BNN 12.09.2019 zur Marktplatzbegehung der SPD-Fraktion: ... "Fluhrer verwies zudem auf den künftigen Grünzug in der ebenfalls umzugestaltenden Kaiserstraße und den Versuch– auch dies eine Kursänderung – den bestehenden Baumbestand so weit wie möglich zu erhalten. Nach früheren Planungen sollten die Bäume gefällt werden."
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  •   malerdoerfler
    (5740 Beiträge)

    16.09.2019 23:13 Uhr
    Heißt das
    die Platanen bleiben?
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  •   mueck
    (10901 Beiträge)

    17.09.2019 00:36 Uhr
    Liest
    sich so
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  •   malerdoerfler
    (5740 Beiträge)

    15.09.2019 00:34 Uhr
    Es gab doch auch in den 70ern
    schon trockene Sommer.

    Was war damals anders?
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  •   dipfele
    (5535 Beiträge)

    15.09.2019 16:54 Uhr
    Die trockenen Sommer....
    … damals gingen nicht vom April bis November. Die Hitzetage, wenig über 30 Grad, waren wenige. Es gab immer wieder erfrischenden Landregen. In den Regenlachen wurde barfuss herumgehüpft. Um 1984 rum gab es einen total verregneten Sommer, die Felder sind abgesoffen. Die Östereichurlaube in den 1960er erinnern mich heute noch an den flächenhaften berühmten Schnürlregen. Punktuelle "Starkregen" gab es nicht. Heute schmilzt das Grönlandeis und könnte Holland, Dänemark und England überschwemmen. Die klimaschädlichen Gase, wie CO2 und NOx aus den Verbrennungsmotoren verhindern, dass die Wärme abstrahlen kann. Seit 1972 warnt die Münchner Rück vor dem Klimawandel ! Naturgesetzte sind nicht veränderbar. Wir müssen uns der Natur anpassen. Umgekehrt geht nicht.
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