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Karlsruhe Über 1.600 Bürger gegen Verkehrsprojekt: "Stichhaltige Gründe gegen Südumfahrung müssen öffentlich werden"

Am kommenden Dienstag entscheidet der Karlsruher Gemeinderats über den Bau der geplanten Südumfahrung Hagsfeld. Viele Bürger wollen die Verkehrstrasse nicht - dazu gehört auch Stefan Rein. Der Hagsfelder hat eine Online-Petition gestartet, um den Bau der Umfahrung zu verhindern.

Die Stadtteile Hagsfeld und Rintheim sollen vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Dafür ist eine Umfahrung geplant, die die Autobahnabfahrt Karlsruhe Nord mit der L560 - also der Haid-und-Neu-Straße - und dem angrenzenden Technologiepark verbindet. Zwei Varianten stehen dabei zur Wahl: Eine Brücke für 55 Millionen Euro oder ein sogenannter Trog, also ein nach oben offener Tunnel, für 70 Millionen Euro.

Gemeinderat entscheidet am Dienstag über Umfahrung

Als kostengünstigere und einfachere Lösung favorisiert die Stadt Karlsruhe zur Zeit die Brückenvariante - wie die Umfahrung Hagsfeld künftig tatsächlich aussehen soll, wird der Gemeinderat in seiner Sitzung am kommenden Dienstag beschließen.

Dateiname : Bürgerinfo-Präsentation der Umfahrung Hagsfeld
Dateigröße : 20.44 MBytes.
Datum : 12.02.2020 10:03
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Doch nicht alle Rintheimer und Hagsfelder Bürger sind von der Idee einer Umfahrung angetan - das wurde einmal mehr auch bei der letzten Informationsveranstaltung am 23. Januar in Rintheim deutlich.

Zu groß sei unter anderem die Belastung mit Verkehrslärm und der Einschnitt in die Natur zwischen den beiden Stadtteilen, zu gering die zuvor versprochene Verkehrsentlastung für Rintheim und Hagsfeld.

Wo zwischen Rintheim und Hagsfeld viele Fahrradfahrer und Spaziergänger unterwegs sind, soll sich in einigen Jahren die Umfahrung erstrecken. | Bild: privat

Über 1.500 Unterschriften sind schon zusammengekommen

Die kritischen Stimmen bei der Bürgerinformation sind auch Stefan Rein nicht verborgen geblieben. Zusammen mit vier anderen Umfahrungsgegnern hat der Hagsfelder daraufhin eine Online-Petition ins Leben gerufen.

Stefan Rein hat mit vier anderen Bürgern eine Online-Petition gegen die Umfahrung gestartet. | Bild: Lena Kube

Über 1.600 Unterschriften haben die Initiatoren bis heute (Stand 13. Februar) schon gesammelt. "Es ist Wahnsinn, wie das ankommt. Sehr viele sind dankbar, welche Energie wir da reinstecken", erklärt Rein im Gespräch mit ka-news.de. 

Das Ziel der Petition: Den Gemeinderat am 18. Februar umzustimmen und das Bauprojekt zu verhindern. "Es gibt so viele stichhaltige Gründe, die gegen die Umfahrung sprechen, dass es einfach Zeit war, diese in die Öffentlichkeit zu bringen", so Stefan Rein.

Naherholungsgebiet zwischen Rintheim und Hagsfeld wird zerstört

Zum einen werde das Naherholungsgebiet, also der breite Grüngürtel zwischen Rintheim und Hagsfeld, durch die geplante Entlastungsstraße zerstört. "Dort sind immer viele Fußgänger, Fahrradfahrer und Hundebesitzer unterwegs. Auch meine Kinder spielen gerne dort draußen. Wenn da nun eine Straße hinkommt, ist die Fläche für Freizeitaktivitäten, aber auch für die dort lebenden Tierarten natürlich verloren", sagt auch der Rintheimer Michael Hügler, der als Projekt-Gegner ebenfalls die Petition unterzeichnet hat.

Umfahrungs-Gegner Michael Hügler. | Bild: Lena Kube

Ein weiteres Hauptargument gegen die Straße: Die versprochene Verkehrsentlastung sei laut Stefan Rein und Michael Hügler nicht so hoch, wie zuvor von den Bürgern der Stadtteile erhofft. Die Stadt Karlsruhe geht in einer Verkehrsprognose davon aus, dass rund 23.000 Fahrzeuge die Umfahrung pro Tag nutzen werden.

Dateiname : Lageplan der Umfahrung mit Trog-Variante
Dateigröße : 2.32 MBytes.
Datum : 12.02.2020 12:07
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"Verglichen mit dem angerichteten Schaden steht die Verkehrsentlastung in keinem Verhältnis"

"Laut der neuesten Verkehrsuntersuchung wird die dicht bewohnte Schwetzinger Straße in Hagsfeld nur zu 16 Prozent entlastet. Verglichen mit  zunehmenden Verkehrslärm und dem Schaden, den die Umfahrung für die Umwelt und die Anwohner an anderer Stelle anrichtet, steht diese Entlastung damit in keinem Verhältnis", meint Rein im Gespräch mit ka-news.de. 

Die  Verkehrsuntersuchung zeigt die Differenz des prognostizierten Verkehrsaufkommens im Jahr 2030 ohne Umfahrung (rote Linie) gegenüber der Prognose mit der Umfahrung.
Die Verkehrsuntersuchung zeigt die Differenz des prognostizierten Verkehrsaufkommens im Jahr 2030 ohne Umfahrung (rote Linie) gegenüber der Prognose mit der Umfahrung. | Bild: Modus Consult Ulm/Stadt Karlsruhe

Hinzu komme die Angst vor neuem Verkehr, der von der günstigen Anbindung von der Autobahn an die Haid-und-Neu-Straße und den Technologiepark angezogen werden könnte. "Der wurde in den Verkehrsprognosen der Stadt nämlich nicht mit einberechnet", so der Hagsfelder Rein.

Damit mache es auch keinen Unterschied, ob sich der Gemeinderat für die Trog- oder die Brückenlösung entscheidet - beide Varianten sind aus Sicht der Projekt-Gegner mit zu großen Nachteilen verbunden. Anders sehen das die CDU- und die FDP-Fraktion: Sie fordert die Stadträte in einem Änderungsantrag auf, sich für die Unterführung zu entscheiden. "Diese Variante bedeutet weniger Lärm und weniger Schadstoffe. Zahlreiche Bürger sprachen sich bei uns zudem für die Troglösung aus. Insofern ist unser Änderungsantrag für die Troglösung der einzige logische Schritt", so die CDU in ihrer Stellungnahme.

Dateiname : Lageplan der Umfahrung mit Brücken-Variante
Dateigröße : 2.32 MBytes.
Datum : 12.02.2020 11:33
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Bahn und Fahrrad statt Südumfahrung

Statt die Umfahrung zu bauen fordern die Petitions-Unterzeichner die Stadt daher auf, den Verkehr auf andere Weise zu entlasten. "Das Umdenken bezüglich der Mobilität muss noch weiter vorangetrieben werden. Der ÖPNV und der Radverkehr müssen ausgebaut werden. So können wir erreichen, dass es in zehn Jahren schon deutlich weniger Verkehr gibt - nicht nur in Hagsfeld und Rintheim, sondern auch in ganz Karlsruhe", sagt Stefan Rein gegenüber ka-news.de.

Statt der Umfahrung sollen die Rad- und Bahnverbindungen rund um Hagsfeld und Rintheim ausgebaut werden. | Bild: privat

Das will nun auch die Grünen-Fraktion im Gemeinderat erreichen. In einem Antrag fordert sie die Stadt auf, die Planungen für die Umfahrung Hagsfeld aufzugeben und stattdessen Maßnahmen des Verkehrsentwicklungsplans (VEP) von 2012 zur Reduzierung des Verkehrs auf den Weg zu bringen.

Umfahrung Hagsfeld ist alternativlos

Darunter: eine Taktverdichtung des Busverkehrs, den Ausbau der Radrouten sowie des Bahnverkehrs und die Erweiterung des Bike- und Car-Sharing-Angebotes am Bahnhof Hagsfeld. Laut Stellungnahme der Stadt sei das zwar hilfreich, biete aber keinen adäquaten Ersatz für die geplante Südumfahrung.

"Die Stadt hat den Klimanotstand ausgerufen und tut viel dafür, die Menschen zum Umstieg auf Bahn und Fahrrad zu bewegen. Gleichzeitig will man hier diese Straße bauen, die diesen Absichten unvereinbar entgegensteht. Da stimmt was nicht", erklärt Rein.

Stefan Rein (l.) und Michael Hügler im Gespräch mit ka-news.de-Redakteurin Melissa Betsch. | Bild: Lena Kube

"Einige Parteien sind noch unentschlossen"

Ob die Hagsfelder und Rintheimer mit ihrer Petition tatsächlich Erfolg haben werden, darauf wollen sich Stefan Rein und Michael Hügler noch nicht festlegen. "Einige Parteien sind noch unentschlossen", meint Rein im Gespräch mit ka-news.de. Hilfe bei der Entscheidung will nun aber die Linke-Fraktion stellen. 

Sie appelliert in einem offenen Brief an die übrigen Gemeinderatsmitglieder, am Dienstag gegen die Umfahrung zu stimmen. "Die Planung der sogenannten Umfahrung von Hagsfeld erreicht nicht die anvisierten Ziele und ist angesichts veränderter Rahmenbedingungen der Kommunalpolitik aus unserer Sicht veraltet", heißt es darin unter anderem. 

Doch egal wie die Entscheidung ausgehen wird, über die bisherige Bilanz der Unterschriftenaktion sind Stefan Rein und Michael Hügler aber schon jetzt sehr zufrieden. "Anfangs haben wir uns zum großen Ziel gesetzt, die 2.000er-Marke zu erreichen - und wir rechnen fest damit, das wir die noch knacken werden."

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  •   benzi
    (5 Beiträge)

    19.02.2020 01:42 Uhr
    Alternative Verkehrsarten fördern
    Der Autoverkehr nimmt viel zu viel Raum ein. Jetzt sind die anderen Verkehrsarten mal dran.

    Die Petition jedenfalls hat die Straßenpläne in ein neues Licht gerückt. Es ist eben ein Autobahnzubringer und keine Entlastungsstraße. Siehe Petition gegen die Südumfahrung Hagsfeld. Ich jedenfalls finde die Begründung nachvollziehbar.
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  •   Beobachter
    (185 Beiträge)

    14.02.2020 17:59 Uhr
    Überflüssig
    Ja und wenn wir alle Geschäfte und Betriebe dicht machen, die auch nur etwas entfernt "klimaschädliches" verkaufen oder herstellen, dem zu Folge alle zu Hause bleiben? Die Lösung: Dann brauchts nicht mal mehr den ÖPNV!
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  •   Iglaubsnet
    (792 Beiträge)

    14.02.2020 12:12 Uhr
    Es
    findet sich doch bestimmt irgend so ein gelbgrüngestreifter Holzschreckenschwanzlurch.
    Die Verhinderungskultur wird das schon schaffen!
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  •   lynx1984
    (3354 Beiträge)

    14.02.2020 14:34 Uhr
    Jup
    um diesem „Feldhamster Aussetzen“ Treiben eine Ende zu setzen hat die Stadt ja ein entsprechendes Artenschutzgutachten erstellen lassen. Und oh Wunder auf dem Brachland lassen sich ab und zu mal einige Staare nieder. Sonst echt nichts.

    Am Bahndamm leben Mauereidechsen. Sozusagen menschengemachtes Habitat. Vielleicht wird der Straßenbau mit entsprechenden weiteren Erhöhungen zur Ansiedlung weiterer Eidechsen führen. Da brauchen wir dieses mal keine Sorge haben.
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  •   Mondgesicht
    (2432 Beiträge)

    14.02.2020 09:10 Uhr
    Hauptsache "dagegen"
    Da treffen autofeindliche Ideologen und einzelne egoistische Anwohnerinteressen zusammen. Davon darf sich der Gemeinderat nicht beeindrucken lassen.
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  •   hajmo
    (4231 Beiträge)

    14.02.2020 09:56 Uhr
    So ist es!
    Und wenn man bei den 1.600 "Bürgern" nachfragt worum es eigentlich geht, ist bestimmt die Hälfte nicht richtig informiert. Die hören Straßenneubau und schon stellen sich die Nackenhaare.
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  •   Shmuel_K
    (518 Beiträge)

    14.02.2020 10:28 Uhr
    55-70 Mio
    Da stellen sich mir die Nackenhaare. Die sollen erst mal den Kombimüll bezahlen, dann reden wir weiter.
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  •   Iglaubsnet
    (792 Beiträge)

    14.02.2020 12:14 Uhr
    Immer
    diese kleinkrämerische Denke! Nur blockieren nix gestalten.
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  •   Shmuel_K
    (518 Beiträge)

    14.02.2020 23:30 Uhr
    Ich würde es vernünftige Denke nennen.
    Der Kombimüll wird auch teurer als 1,5 Mrd €. Diese 55-70 Mio für die Umfahrung kannst du mal locker verdreifachen.
    KA hat keine Kohle mehr. Da gibt es nix schönzureden.
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  •   HorrorShop
    (8 Beiträge)

    14.02.2020 06:34 Uhr
    Entlastung
    Absolut an den Haaren herbei gezogen.
    Auch die "Idee" der Gegner als alternative ÖPNV und Radwege auszubauen, hilft den Hagsfeldern nicht! Die, die von der A5 abfahren und durch Hagsfeld fahren, steigen nicht auf ÖPNV oder das Rad um, hätte man sich mal die Mühe gemacht, wüsste man, das jede Menge PKW's durchfahren, die keine Karlsruher Kennzeichen haben, hier wird bewusst die Verkehrssituation auf der A5 umgangen. Die Rintheimer und Waldstädter sind meiner Meinung nach nicht betroffen und werden es dann auch nicht mehr sein, als sonst üblich. Und "Bürger", kann jeder sein und auch nicht betroffene. Ich lade jede ein, zum täglichen Verkehrschaos morgens und Abends nach Hagsfeld zu kommen, wenn man nicht mal in oder aus seinem eigenen Hof kommt. Umfahrung Hagsfeld ganz klar ja! Und zusätzlich massive Verkehrsberuhigung in Hagsfeld!
    Ein geplagter Anwohner!
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