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Karlsruhe Trend hält an: Immer mehr Karlsruher haben kleinen Waffenschein

Immer mehr Menschen rüsten sich mit Schreckschuss- und Reizstoffwaffen aus. Der Trend, der sich längst im ganzen Land beobachten lässt, hat auch Karlsruhe erfasst. Seit Jahren steigt hier die Zahl der Besitzer von kleinen Waffenscheinen. Anders sieht es bei größeren Waffen aus.

Immer mehr Menschen im Land haben einen kleinen Waffenschein, der sie zum Führen von Schreckschusspistolen, Reizstoff- und Signalwaffen berechtigt. Nach Recherchen der "Heilbronner Stimme" und des "Mannheimer Morgens" hatten Ende Juni 71.484 Menschen in Baden-Württemberg einen solchen Schein. 

Insgesamt ist nach Informationen der Zeitungen die Zahl der kleinen Waffenscheine von rund 43.000 Ende 2015 auf 64.895 Ende 2016 angestiegen. Bundesweit gibt es rund 500.000 Personen, die berechtigt sind, Schreckschuss oder Reizstoffwaffen bei sich zu tragen. Bevor eine entsprechende Bescheinigung ausgestellt wird, wird der Antragsteller auf seine Eignung geprüft. Er darf beispielsweise keine Vorstrafen haben, muss eine fachgerechte Aufbewahrung vorweisen können und mindestens 18 Jahre alt sein. 

Immer mehr Karlsruher wollen kleinen Waffenschein

Der Trend hin zum kleinen, unbefristeten Waffenschein zeichnet sich auch in der Fächerstadt ab: Wie das zuständige Ordnungs- und Bürgeramt der Stadt Karlsruhe auf ka-news-Anfrage mitteilt, steigt auch hier die Zahl der registrierten kleinen Waffenscheine.

 

In den letzten Jahren hat sich die Zahl der erteilten kleinen Waffenscheinen kontinuierlich erhöht. Damit haben laut Ordnungs- und Bürgeramt der Stadt Karlsruhe - der zuständigen "Waffenbehörde" - Anfang August 1.894 Menschen einen kleinen Waffenschein besessen. Allein 2015 hatten 145 Karlsruher eine Bescheinigung beantragt. 

Mehr "kleine", aber weniger "große" Waffen

Während die Zahl der Schreckschuss- und Reizstoffwaffen in der Fächerstadt ansteigt, nimmt gleichzeitig die Zahl der Waffenbesitzer seit Jahren kontinuierlich ab. "Als Gründe denkbar wären die gesellschaftliche Diskussion zum Thema 'Waffenbesitz' und 'Jagd', aber auch der demografische Wandel mit der damit verbundenen geringeren Attraktivität des Schießsports und der Jagd", teilt die Stadt auf Anfrage von ka-news mit. Zuletzt besaßen 1.886 Menschen 15.264 Waffen.

 

Mit ein Grund für die Abnahme der Zahlen könnten aber auch die verstärkten Kontrollen der Stadt seit 2009 sein. Damals hatte der Gesetzgeber die Waffengesetze angepasst. Ihren Höhepunkt erreichten die Kontrollen 2014, als 867 Kontrollen, davon 379 unangekündigt, in der Karlsruhe stattfanden. Bei acht Waffenbesitzern gab es Beanstandungen. Im vergangenen Jahr gab es nur noch 130 Kontrollen (46 unangekündigt) mit einer Beanstandung. 

Warum wurde weniger kontrolliert? "Nachdem bis Ende 2016 alle Waffenbesitzer in Karlsruhe mindestens einmal Besuch vom Ordnungs- und Bürgeramt hatten, werden jetzt noch stichprobenartig Nachkontrollen bei bereits überprüften Waffenbesitzern durchgeführt sowie neue oder nach Karlsruhe zugezogene Waffenbesitzer überprüft", heißt es vonseiten der Stadt. "Dadurch bedingt wird zukünftig regelmäßig eine geringere Kontrolldichte erreicht werden als in den vergangenen Jahren."

Auch kleiner Waffenschein kann wieder abgenommen werden

Und bei den Besitzern der kleinen Waffenscheine? Hier gibt es grundsätzlich keine gesetzliche Vorschrift für eine Kontrolle der Haushalte. Probleme für die Nutzer von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen gibt es aber dann, wenn sie außerhalb von Schießständen abgefeuert werden. Das Schießen ist nämlich trotz des Waffenscheins verboten - es sei denn, es liegt ein Fall von Notwehr vor.

Anlassbezogen, spätestens aber alle drei Jahre, behält sich die Stadt als Schein-Aussteller das Recht vor, kostenpflichtige Prüfungen der waffenrechtlichen Zuverlässigkeit und persönlichen Eignung durchzuführen. Wer diese Eignung nicht mehr vorweisen kann, bekommt die Genehmigung entzogen.

Vonseiten der Politik wird der Trend insgesamt eher kritisch gesehen. "Die Menschen im Land sollten die Sicherheitsfragen denen überlassen, die etwas davon verstehen - und das ist die Polizei", so ein Sprecher von Innenminister Thomas Strobl (CDU) gegenüber Medien, wie die dpa angibt. 

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  •   Nachteule
    (410 Beiträge)

    09.08.2017 14:02 Uhr
    wieder ein klassischer Strobl...
    "Die Menschen im Land sollten die Sicherheitsfragen denen überlassen, die etwas davon verstehen - und das ist die Polizei", so ein Sprecher von Innenminister Thomas Strobl (CDU)...Wenn ich abends in eine Straba einsteige und durch die Kneipen toure, hilft mir kein Strobl und auch keiner, der etwas von Sicherheitsfragen versteht, wenn mich einer bedroht. Da kann ich mir nur selbst helfen, denn ein Schläger wartet nicht, bis die kommen, die etwas von Sicherheitsfragen verstehen. Insofern zeigt der Stroblspruch, wie abfällig Leute, die im Panzerwagen mit Bodyguards durch die Welt reisen, über diejenigen denken, die diesen Sicherheitskomort nicht haben.
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  •   mikado46
    (55 Beiträge)

    09.08.2017 13:24 Uhr
    Die Menschen im Lande ........
    " Die Menschen im Lande sollten die Sicherheitsfragen denen überlassen die etwas davon verstehen..."

    Genau hier liegt das Problem . Die Bevölkerung hat es satt von Leuten regiert zu werden die "etwas davon
    Verstehen" . Erwartet wird Kompetenz, und nicht Halbwissen.
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  •   mein-senf
    (870 Beiträge)

    09.08.2017 11:37 Uhr
    und was will man dann mit den Waffen ?
    Nachbars Hund erschrecken.......
    a.) ohne entsprechende Ausbildung sind jegliche Waffen nutzlos, bis gefährlich für den Laien / Nutzer
    b.) hat derjenige , welcher sich eine Waffe zulegt schon mal auf Menschen geschossen, die Beisshemmung
    der meisten ist da viel zu hoch.
    c.) was macht man dann damit, dem Bösen ins Gesicht schiessen , viel Vergnügen mit den Regressforderungen.
    d.) man könnte ja nur drohen.... wer mit einer Waffe droht, muss die auch anwenden, wenn nicht siehe a.)
    e.) es gibt ein sicheres Gefühl... ein Stück Eisen in der Tasche zu haben ist nutzlos wie ein Stein, in der Tasche.
    Ich würde sagen lasst die Finger von den Dingern , es sei denn ihr woll die jemand an den Kopf werfen.
    Wenn schon Schiesseisen , dann scharf und mit entsprechender Ausbildung , und mit allem wenn und aber bei der Anwendung. Daraus wird aber nichts da nur ganz ganz wenige berechtigt sind eine Waffe zu führen, und das ist gut so .....
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  •   Ninz
    (99 Beiträge)

    09.08.2017 10:08 Uhr
    Ist mir an sich ja auch wurscht..
    .. wo der Depp herkommt, der mich verfolgt, und immer schneller wird, wenn ich schneller werde und dann versucht, mir den Weg abzuschneiden. Das hat nix mit Alltagsrassismus zu tun, ich glaube nicht, dass hier bisher auch nur einer eine Nationalität oder "die Muslime" oder "die Ausländer" genannt hat. Ich nenne die Drogendealer, Antänzer, Stelzböcke und Diebe als mein persönliches Problem in der Innenstadt. Markant, dass da einer direkt die Rassistenkeule auspackt.

    Wobei halt schon auffällt, dass es in der Innenstadt oft eben genau diese Probleme mit Südländern gibt. Meine persönlichen Erfahrungen mit der "gefühlten" (haha) Unsicherheit haben zufällig genau das Klientel, das hier voreilig in Schutz genommen wird, beinhaltet. Nicht dass ich das so geschrieben hätte, war aber so.
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  •   peddersenn
    (962 Beiträge)

    09.08.2017 11:09 Uhr
    ...ich denke nicht...
    ...daß das Klientel in Schutz genommen wird. Die Nationalität hat einfach nix mit den Begebenheiten zu tun. Selbst wenn 90 % der Ausländer Verbrecher wären, lässt das über "den Ausländer" keinen Schluß zu.

    Straßenraub begehen die, die es nötig haben. Oder meinen, es nötig zu haben. Diese "Jobs" wurden halt früher von Deutschen begangen. Das braucht halt heute niemand mehr.

    In den 70ern wars nicht möglich, unbehelligt durchs Dörfle zu gehen. Nachts am Bahnhof wars auch schwierig, ich (und andere) wurden in der Schule sicher 3 mal verprügelt (einmal vom Lehrer), unterwegs an der Straßenbahnhaltestelle auch ein paar Mal und auf den Festen war auch gleich mal was los. Bei Nachbars wurde eingebrochen, mein Onkel auf der Kerwe übel verletzt, die Frauen in den Krautgärten sahen sich mit dem "Mantelmann" konfrontiert und als Heranwachsender kam auf öffentlichen Toiletten schonmal die Hand des Triebverbrechers unten durch.

    Und damals waren "Ausländer" weit weg. Oder müde vom Arbeiten.
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  •   Ludwigsstammtischbruddler
    (711 Beiträge)

    09.08.2017 16:27 Uhr
    Das
    glaube ich dir gerne. zwinkern

    Zitat von peddersenn ich (und andere) wurden in der Schule sicher 3 mal verprügelt
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  •   Ninz
    (99 Beiträge)

    09.08.2017 11:27 Uhr
    Okay.
    Ich war zwar in den 70ern noch nicht mal im Entferntesten angedacht und kann dazu somit nichts sagen, aber Verbrechen gab es immer. Da stimme ich vollauf zu. Und auch heute gibt es ausreichend Deutsche, die Kriminell werden. Nur waren das halt nicht die, mit denen ich Ärger hatte, das waren eben die Südländer. Und zwar jedes Mal.

    Was ich aber nicht so abtun würde, ist die Tatsache, dass die Hemmschwelle immer weiter sinkt, Gewalt immer "normaler" wird und auch der Respekt vor der Polizei den Bach runter ist. Ich war Anfang der 2000er im besten Teenie-weggeh-Disco-Alter und somit auch oft in der Stadt unterwegs. Und da gab es deutlich weniger Probleme als heute. Wir haben auf die Polizei gehört, anstatt die zu beissen, nur so als Beispiel. Und wenn wir halt unsere Scoolcard vergessen hatten, haben wir zähneknirschend den kleinen "Erinnerungszoll" bezahlt, anstatt den Kontrolleur zu bedrohen. Und "Nein heißt nein" wurde irgendwie auch besser verstanden.
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  •   peddersenn
    (962 Beiträge)

    09.08.2017 11:47 Uhr
    Auch Okay.
    Das stimme ich voll zu.

    Ich warne eben nur vor der Gleichung "Verbrechen werden von Ausländern begangen - also Ausländer raus". Weil es gibt eben auch andere.

    Und die Respektlosigkeit gegenüber Obrigkeit und Justiz und die Radikalisierung ist eben ein Phänomen der Zeit - nicht nur der mittlerweile etwas "bunteren" Mannschaft der Republik. Und nicht die Frage der Herkunft.

    "Früher" (TM) grinsen war Kritik an der Regierung in harmlose Worte gepackt Sache eines dreiviertelstündigen Politikbeitrags im Fernsehen - einmal die Woche. Oder stand im Spiegel - den nur wenige liesen.

    Heute ist die Überzeugung, daß Politiker, Verwaltung, Manager, Zuständige, whatever alles Verbrecher, Versager und unfähig sind "in der Mitte der Gesellschaft angekommen". Bei quasi allen - da braucht man nur in Foren zu lesen.

    Und wenn dann noch die Haltung "ich alles - du nix" gepaart mit Überempfindlichkeit und Kritikunfähigkeit zusammenkommt, haben wir eben die Situation, wie sie ist.
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  •   Ninz
    (99 Beiträge)

    09.08.2017 12:05 Uhr
    Nee
    Die Gleichung wäre auch etwas zu einfach. Zumal es auch nicht stimmt, auch das habe ich persönlich erfahren. Ich hab mein Abitur zusammen mit einigen Leuten aus dem Ausland gemacht, und mit Menschen muslimischen Glaubens. Die leben alle völlig normal wie ich auch, die überfallen keinen, die sind nett und gegenüber meinem Nicht-Glauben genauso tolerant wie ich ihrem Glauben gegenüber.

    Der Schlüssel zu einem verträglichen Zusammenleben ist in dem Fall meiner Ansicht nach Bildung. Gebildete, humanistisch eingestellte Leute neigen selten zu Gewalt und respektieren die persönlichen Grenzen anderer Leute.

    Schade, dass Bildung eben leider nicht mehr so arg im Trend liegt derzeit, wieso auch immer.
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  •   EmilyHobhouse
    (1012 Beiträge)

    09.08.2017 09:39 Uhr
    Nötig?
    Die wenigsten brauchen tatsächlich diesen kleinen Waffenschein. Ich gehe davon aus, dass diejenigen die diesen Waffenschein nicht für ihren Beruf benötigen alle nicht geeignet sind diesen zu besitzen. Man muss hinterfragen was hat diese Leute veranlasst diesen Waffenschein zu beantragen. Man wird sehr schnell dahinterkommen, dass es die "Allgemeine Verunsicherung auf Grund paranoider Wahnvorstellungen" ist. Somit sollte diesen Menschen dieser Waffenschein schnellst möglich entzogen werden. Es sind Leute die hinter jeder Hecke, jedem Eck einen muslimischen Massenmörder oder südländischen Vergewaltiger vermuten. Karlsruhe wird offensichtlich wirklich gefährlich wenn dort so viele mit Waffenschein rumdappen.
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