Karlsruhe Trauma-Ambulanz in Karlsruhe: Hier gibt's erste Hilfe für Gewaltopfer

In Karlsruhe hat am Dienstag die erste Trauma-Ambulanz eröffnet. Sie soll künftig zentrale Anlaufstelle für Opfer von Gewalt- oder Sexualstraftaten und erste und schnelle Hilfe für Betroffene sein. Ins Leben gerufen wurde die Ambulanz von der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS) - bei dringenden Fällen bietet sie innerhalb kürzester Zeit ein Erstgespräch in ihren Räumen in der Stephanienstraße an.

Zwei Psychologen, ein Sozialarbeiter und eine Ärztin übernehmen die vorläufige Betreuung der Betroffenen, bis diese dann von einem niedergelassenen Therapeuten weitergeführt werden kann. Lange Wartezeiten und damit eine Verzögerung der Hilfestellung sollen so vermieden werden.

"Traumatisiert sind sehr viele Menschen", so Dr. Gustav Wirtz bei der Eröffnung der Trauma-Ambulanz. Er ist leitender Oberarzt der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie im SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach, mit welchem die Trauma-Ambulanz - ebenso wie mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin in Karlsruhe - künftig eng zusammenarbeitet. "Sie fallen allerdings im alltäglichen Leben nicht auf, wenn sich das Trauma nicht zu einer psychischen Erkrankung - einer posttraumatischen Störung - entwickelt." Unter diesen leiden deutschlandweit rund zwei Prozent der Bevölkerung, so der Facharzt.

Trauma-Ambulanz ist in Region einzigartig

Die Trauma-Ambulanz soll Gewaltopfern eine Möglichkeit geben, über ihre Erfahrungen sprechen zu können, ohne dass sie gleich als psychisch-erkrankt abgestempelt werden. "Opfer von Gewalt- und Sexualstraftaten brauchen schnelle Hilfe, aber keine Psychiatrie", so Erster BIOS-Vorsitzender Klaus Böhm. Die Trauma-Ambulanz ist einzigartig in der Region. Es existieren laut Böhm noch sechs weitere Beratungsstellen, diese sind jedoch alle an psychiatrische Zentren angegliedert, was bei vielen Betroffenen Hemmungen auslöst und deshalb gemieden werden.

Zugleich müssen die Betroffenen ihr Trauma nur einer und nicht mehreren Personen erzählen, die dann an entsprechende Hilfsangebote weiter vermittelt. Um ein Trauma zu verarbeiten, reichen in der Regel fünf bis 15 Sitzungen, so Wirtz. In erster Linie gehe es darum, den Opfern von Gewalt einen Ansprechpartner zu Verfügung zu stellen, ihm eine Struktur zu geben, den Alltag und die Sicherheit wiederherzustellen. Die Erstberatung in der Trauma-Ambulanz kann neben der psychotherapeutischen auch eine soziale, forensische, rechtliche und medizinische Beratung umfassen.

Baden-Württemberg hinkt nach Meinung von Facharzt Wirtz den anderen Bundesländern in Sachen Trauma-Beratung hinterher. "Die Versorgung ist aus meiner Sicht nicht ausreichend", so Wirtz. BIOS-Vorsitzender Böhm unterstützt: "Wir fangen mit der Trauma-Ambulanz jetzt mal an und setzen ein Zeichen." Ziel ist es, das Beratungsangebot künftig weiter auszubauen.

Darüber sprechen ist der erste Schritt: Das Psychologenteam der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) steht an Werktagen von 9 bis 16 Uhr telefonisch und in den Räumen in der Stephanienstraße 28b zur Verfügung. Kontaktiert werden kann sie per Mail an opferhilfe@bios-bw.de oder unter Telefon unter 0721/47 043 935 und in akuten Notfällen unter der Nummer 0173/510 71 71. Mehr Informationen gibt es im Internet: www.bios-bw.de

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