Karlsruhe Tödlicher Faustschlag nach KSC-Spiel: Neun Jahre Haft für Angeklagten

Es war das tragische Ende eines Fußballspiels: Im November streckte ein 22-Jähriger im Schlossgarten einen 35 Jahre alten Mann mit einem Faustschlag ins Gesicht nieder. Zwei Tage später starb der Mann an seinen Verletzungen. Heute fiel am Landgericht das Urteil gegen den gelernten Rettungssanitäter.

Die Kammer verurteilte den jungen Mann wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu neun Jahren Haft. Dazu muss der Mann ein Schmerzensgeld und Behandlungskosten von rund 60.000 Euro an die Hinterbliebenen des Opfers zahlen. Die Kammer ordnete zudem eine Entzugs-Therapie an, da man bei dem Täter leichte Anzeichen einer Alkoholsucht erkannte habe. Die Therapiezeit soll auf die Haftzeit angerechnet werden. Nach frühestens vier Jahren kann die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. 

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Totschlags ursprünglich zehn Jahre Haft für den Mann gefordert, der als Rettungssanitäter bei der Bundeswehr arbeitete. Die Verteidigung nannte kein konkretes Strafmaß, bestand lediglich auf eine Verurteilung durch Körperverletzung mit Todesfolge.

"Kein Tötungsvorsatz  erkennbar"

Am schicksalhaften Abend habe der Angeklagte eine ganze Familie ins Unglück gestürzt, begann der vorsitzende Richter des Landgerichts die Urteilsbegründung. Dem Verbrechen an jenem November-Abend attestierte der Richter eine "totale Sinnlosigkeit", für die es keine vernünftige Erklärung gebe. 

Die Tatschilderung des Angeklagten sei für die Kammer schlichtweg "Unsinn" gewesen, so der Richter bei der Urteilsbegründung. Durch die Aussage mehrere Zeugen zum Verlauf der Tat und zur Persönlichkeit des Opfers, sei man zu der Erkenntnis gelangt, dass, nicht wie vom Angeklagten behauptet, vor dem Faustschlag keine körperliche Berührung durch das Opfer erfolgte.

"Das Opfer Jens O. war zur falschen Zeit am falschen Ort und ein Zufallsopfer!", so der Richter. Eine gezielte Tötungsabsicht konnte die Kammer nicht erkennen, der Angeklagte sei schlicht auf "Krawall gebürstet" und auf der Suche nach einer körperlichen Auseinandersetzung gewesen. Eine Auseinandersetzung, die Jens O. mit seinem Leben bezahlen musste.

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