12  

Karlsruhe Tiertrainerin Swenja Toma: "Bevor ein Hund zubeißt, zeigt er viele Signale, die auf eine Eskalation hindeuten"

In jüngster Zeit kam es zu vermehrten Meldungen über Hundeattacken - gegen Menschen, aber auch gegen andere Tiere. Im Raum Karlsruhe sorgte ein aggressiver Hund in Grötzingen für Aufsehen. Die Polizei rechnet mit einer steigenden Zahl von Hundeangriffen - aber wieso? Liegt es an einzelnen Hunderassen oder mangelt es am Verantwortungsbewusstsein der Halter? Tiertrainerin Swenja Toma ist sich sicher: An den Tieren liegt es nicht.

In Hannover tötete der Staffordshire-Mischling Chico seine zwei Besitzer, ein weiterer in Hessen einen sieben Monate alten Jungen. In München verletzte ein Rottweiler mehrere Menschen, bevor die Polizei das Tier erschoss. In der Nähe von Grötzingen beobachtete eine ka-news-Leserin jüngst, wie ein Hund ein Lamm riss. Später suchte auch die Karlsruher Polizei mittels einer Pressemeldung nach weiteren Zeugen dieses Vorfalls und vor allem nach dem betreffenden Hund - gefunden ist er bis heute nicht.

Attacken werden häufiger zur Anzeige gebracht

Fakt ist, die Zahl der Hundeattacken in der Region steigen. Verzeichnete das Polizeipräsidium Karlsruhe 2014 noch 168 Fälle fahrlässiger Körperverletzung durch Hunde, stieg die Zahl 2017 auf 196 Fälle. Auch für dieses Jahr rechnen die Beamten mit steigenden Zahlen. Die Polizei erklärt sich die Statistik mit der gestiegenen Aufmerksamkeit seitens der Bürger, die Attacken nun öfter zur Anzeige brächten. Wie hoch die Dunkelziffer ist, lässt sich nicht abschätzen.

Zwei Hunde
Listenhunde: Pitbull Terriers (rechts) oder eines American Staffordshire Terriers (links). | Bild: Tim Brakemeier

Allerdings: Nur eine verschwindend geringe Zahl der Attacken fiel auf Hunde, die umgangssprachlich als Kampfhunde bezeichnet und in Baden-Württemberg in der Kampfhundeverordnung gelistet werden: American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier sowie Hunde mit möglichen Kampfhunde-Eigenschaften, Bullmastiff, Staffordshire Bullterrier, Dogo Argentino, Bordeaux Dogge, Fila Brasileiro, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Mastiff, Tosa Inu. Den Anteil kann die Polizei nicht nennen. Die Erfahrung zeige aber, dass die Zahl der Attacken durch Listenhunde verschwindend gering sei, so die Polizei

Verhalten des Hundes wird durch Welpenzeit geprägt

"Jeder Hund kann zubeißen und unter bestimmten Bedingungen für Menschen gefährlich werden, egal zu welcher Rasse er gehört" sagt Swenja Toma, die in Karlsruhe "meine hundeschule" betreibt. Wie ein ausgewachsener Hund sich verhalte, hänge maßgeblich von einer guten Sozialisation in der Welpenzeit aber auch der weiteren gewaltfreien Erziehung des Hundes ab.

"Ein Listenhund ist bei richtigem Umgang genau so friedlich wie jeder andere Hund." Sie will die schlimmen Attacken keinesfalls verharmlosen, sieht aber auch eine gewisse Stigmatisierung sogenannter Kampfhunde: "Durch Medienberichte, ihr äußeres Erscheinungsbild und die furchtbaren Attacken in den vergangenen Jahren sind diese Tiere gebrandmarkt."

Zahl der Kampfhunde in Karlsruhe unbekannt

Wie viele Hunde der genannten Rassen gehalten werden, ist laut Stadt Karlsruhe nicht genau zu beziffern, da bei der Hundesteuer nur der Hundehalter erfasst und das Ordnungsamt keine "Kampfhundestatistik" führt. Mit dem Ablauf des 6. Lebensmonats muss der Halter seinen Hund beim Ordnungsamt anmelden. Der Halter muss darüber hinaus seine Zuverlässigkeit mit einem Führungszeugnis belegen.

Unterwegs mit dem Hund
Bild: Christina Sabrowsky/dpa

Für die genannten Rassen besteht Maulkorb- und Leinenpflicht. Mittels einer Verhaltensprüfung ist die Kampfhundeeigenschaft zu widerlegen. Bei Widerlegung erhält der Halter für seinen Hunde eine Maulkorbbefreiung. Besteht der Hund sie nicht, gilt er als Kampfhund und wird beschlagnahmt. Die Zahl der Verhaltensprüfungen lag in den letzten Jahren konstant zwischen 20 und 30 pro Jahr.

Hunde zeigen Signale bevor die Situation eskaliert

Egal, um welche Rasse es sich handelt, für Hundetrainerin Toma steht fest, dass viele Halter das Verhalten ihrer Hunde nicht verstehen und diese nicht angemessen behandeln. "Bevor ein Hund zubeißt, zeigt er viele Signale, die auf eine Eskalation hindeuten", sagt Toma. Um diese jedoch sehen und interpretieren zu können, muss der Halter sich mit seinem Hund beschäftigen und auf eine umfassende und gewaltfreie Erziehung achten.

Hund läuft an der Leine bei Fuß
Bild: meine hundeschule Toma GmbH

In Karlsruhe besteht an vielen Plätzen und Arealen eine Leinenpflicht. An einige Plätzen besteht eine Ausnahme. "Und auch hier gehört die Leine nur ab, wenn der Hundehalter jederzeit auf seinen Hund einwirken kann", sagt sie. Auch plädiert Toma für einen verpflichtenden Hundeführerschein. "Hundehalter müssten damit belegen, dass sie über die nötige Sachkunde beim Umgang mit ihrem Hund verfügen und damit auch Signale ihres Hundes verstehen und rechtzeitig eingreifen können – und zwar bevor die Situation eskaliert."

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (12)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   JaHe
    (22 Beiträge)

    15.06.2018 14:32 Uhr
    Man darf nie vergessen, ...
    dass Hunde immernoch Tiere sind.
    Egal ob tschechoslowakischer Wolfshund, oder französische Bulldogge. Jeder Hund hat (sicherlich in unterschiedlicher Ausprägung) einen Urinstinkt/Urtrieb. Schaltet der sich ein, ist es ihm egal, ob Herrchen ruft oder nicht.
    Ich habe zwei japanische Urhunde, lasse diese nur auf einem eingezeunten Hundeplatz frei laufen, und führe sie in Parks nah bei mir. Selbst ich finde es nicht gut, wenn andere Halter ihre Hunde frei laufen lassen. Zudem ist es in karlsruher Parks verboten.
    Die Hunde müssen gar nicht erst zubeißen, es reicht mir schon, wenn sie irgendwo hinscheißen und das Herrchen dies gar nicht erst mitbekommt.

    Wegen mir kann das Ordnungsamt gerne öfter kontrollieren. Jedoch bringen die bei der Jagt auf Falschparker mehr in die Kasse ein
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mili
    (888 Beiträge)

    15.06.2018 13:35 Uhr
    Wie wäre es, wenn man mal die "Signale"
    hier beschreiben würde? Vielleicht ist es dem Einen oder Anderen von Hilfe.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Laetschebachschorsch
    (3059 Beiträge)

    15.06.2018 11:44 Uhr
    nichtangeleinte Hunde
    Also unser Mädle läuft auch meistens ohne Leine und dafür hat sie auch extra eine Ausbildung in einer Hundeschule erhalten. Mit Erfolg, natürlich lassen wir sie auch nie aus den Augen. Und wenn uns mit unserem unangeleinten Hund ein Förster begegnet und er sieht wie sie auf unseren Ruf zu uns kommt, dann haben wir noch nie ein hinweisendes Wort, sondewrn höchstens Lob gehört. Also bitte keine Rundumschläge.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (8948 Beiträge)

    15.06.2018 12:01 Uhr
    Eine Ausbildung
    funktioniert auch nicht immer.
    Bekannte von mir hatten sich einen Schäferhund zugelegt. Der war ein liebes und umgängliches Tier, bis man auf die Idee kam, ihm eine Ausbildung zum Wach-/Schutzhund angedeihen zu lassen.
    Danach war der ein unberechenbares Vieh geworden, dem man besser nicht zu nahe kam.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Laetschebachschorsch
    (3059 Beiträge)

    15.06.2018 13:28 Uhr
    Ausbildung funktioniert doch, denn
    wer hat ihm den diese Ausbildung mit dem Ziel auf Kommando scharf zu werden und anzugreifen zukommen gelassen? Und das Geschilderte funktioniert nicht nur bei Schäferhunden. Es ist auch das Problem bei so genannten Kampfhunden, aber auch bei kleinen Hunderassen. Das Problem ist immer am oberen Ende der Leine und darum muss auch dort zur Verantwortung gezogen werden..
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (8948 Beiträge)

    15.06.2018 15:25 Uhr
    Das Problem war
    das der auch ohne Kommandos scharf war und ganz allgemein verhaltensgestört wirkte.
    Angeblich hat ihn ein Hundetrainer ausgebildet, aber irgendwas muss dabei schiefgelaufen sein.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Laetschebachschorsch
    (3059 Beiträge)

    15.06.2018 11:45 Uhr
    Ergänzung
    Und Radler würden doch auch nicht einfavch auf kleine Kinder los fahren, oder doch?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mili
    (888 Beiträge)

    15.06.2018 07:52 Uhr
    Eignung zur Hundehaltung etc. bla bla
    Das ist doch der Gesetzgebung 'wurscht'. Bis sich da mal etwas tut, sind diese Rassen ausgestorben. Naja, dann hat es sich von alleine erledigt.
    Hauptsache Herrchen zahlt schön brav die Steuer.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   patrickkk
    (1131 Beiträge)

    15.06.2018 07:49 Uhr
    Vor allem
    Könnten die Ordnungsamtsdamen und Herren auch einfach mal Hundehalter ansprechen die mit ihren Hunden unangeleint unterwergs sind.

    Erst letztes Wochenende meinte eine Hundehalterin hier mit drei unangeleinten Hunden vor dem Kleinkindspielplatz gassi gehen zu müssen. Sie empfand es auch noch als nötigen von mir darauf angesprochen zu werden.

    Sollte Haftstrafen für solch eine fahrlässige Gefährdung der Allgemeinheit geben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Ettli
    (23 Beiträge)

    15.06.2018 07:44 Uhr
    aha
    das sind ja unglaubliche neuigkeiten
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben