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Karlsruhe Teenie und straffällig: Hat Karlsruhe ein Problem mit Jugendkriminalität?

Hat Karlsruhe ein Problem mit Jugendkriminalität? Diese Frage stellt aktuell 'Freie Wähler'-Stadtrat Jürgen Wenzel. Er moniert, dass die Zahl der Straftaten von Teenies unter 18 Jahren in der letzten Zeit zugenommen habe und fordert die Einrichtung einer Präventions- und Beratungsstelle.

"Seit kurzem haben die Einbruchsdelikte, das Aufbrechen und Beschädigen von Autos oder die Überfälle auf Personen auf offener Straße erheblich zugenommen", so Freie-Wähler Stadtrat Jürgen Wenzel. Diese Entwicklung stellt er in Verbindung mit der laut ihm zunehmenden Kriminalität von Jugendlichen.

Nicht zufrieden stellende Aufklärungsquote?

Weiter heißt es in seiner Anfrage an den Gemeinderat: "Wir erfahren durch die Berichte der Polizei, dass die Jugendkriminalität in unserer Stadt mit einer nicht zufrieden stellenden Aufklärungsquote ein virulentes Problem darstellt." Er fordert ein "hilfreiches und präventives" Vorgehen, um diese Entwicklung zu unterbrechen. Damit einher geht laut ihm auch eine Minderung der Diskriminierung von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen. Aber gibt es tatsächlich immer mehr jugendliche Straftäter im Raum Karlsruhe?

 

  2012 2013 2014
Tatverdächtige gesamt 11.533 12.574 12.840
Jugendliche Tatverdächtige
gesamt
2.904 2.991 3.038
Nicht-deutsche, jugendliche
Tatverdächtige
28,0 % 37,5 % 41,6 %
Deutsche, jugendliche
Tatverdächtige
72,0 % 62,5 % 58,4 %

 

Aus der polizeilichen Statistik zur Gesamt-Kriminalität in Karlsruhe ist abzulesen, dass die Zahl der Tatverdächtigen in Hinblick auf die zurückliegenden Jahre geringfügig angestiegen ist - 2014 waren es 12.840. Darunter zählten laut Polizei 3.038 Jugendliche. 

16 Prozent werden verurteilt

Dass man bei letzterer Personengruppe hinsichtlich der Kriminalitätsanalyse unterscheidet, führt die Verwaltung in iherem Statement an Wenzel aus: "Im Jahr 2005 war der Anteil der Jugendlichen, darunter gelten Personen zwischen 14 und 17 Jahren, deutlich höher als der Anteil der Heranwachsenden (18-20 Jahre). Seit 2012 bilden wiederum letztere den eindeutig größeren Anteil." Weiter heißt es, dass für gewöhnlich mehr als die Hälfte der Verfahren eingestellt werden. In lediglich 16 Prozent der Fälle kommt es zu einer Verurteilung.

"Dies ist insbesondere auf die enge und gute Kooperation zwischen der Jugendgerichtshilfe und den anderen Verfahrensbeteiligten -Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht- zurückzuführen, die es ermöglicht, zeitnah und mit geeigneten erzieherischen Maßnahmen zu reagieren", betont die Verwaltung. Auch die Unterstützung von freien Trägern wie AWO, IB und Verein für Jugendhilfe spielen eine große Rolle. Eine detaillierte Auswertung der Jugendkriminalität liege in der Zuständigkeit der Sozial- und Jugendbehörde. Diese liege für 2014 noch nicht vor. Zur Aufklärungsquote könne man vonseiten der Verwaltung derzeit ebenfalls keine Angaben machen.

Wie viele ausländische Jugendliche sind kriminell?

In seiner Anfrage erkundigt sich Wenzel weiter nach dem Anteil der kriminellen Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Karlsruhe. Eine konkrete Auskunft kann die Stadt hierzu jedoch nicht geben. In den Statistiken unterscheide man lediglich nach "Deutsch" und "Nicht deutsch", so geht es aus der Stellungnahme hervor.

So lag der Prozentsatz von nicht-deutschen Jugendlichen, die durch Straftaten auffielen, in der Zeit von 2013 bis 2014 zwischen 32 und 34 Prozent. "Die Anzahl der Fälle ist von 2013 nach 2014 leicht zurückgegangen; bei den weiblichen Nicht-Deutschen sogar angestiegen", erläutert die Verwaltung. Dies sei zum Teil auf die deutlich gestiegene Zahl Asylsuchender zurückzuführen, die sich teilweise allein durch die Einreise strafbar machen.

Als Lösungsvorschlag für die angestiegene Jugendkriminalität, nennt Wenzel die Einrichtung einer städtischen Schwerpunkt-Stelle. Eine gute Idee? "Das Sachgebiet Jugendgerichtshilfe steht in einem stetigen Austauschprozess mit der Polizei, der Staatsanwaltschaft, den Gerichten und den freien Trägern, um die Möglichkeiten der Reaktion auf delinquentes Verhalten junger Mensch zu optimieren. Dazu gehört auch, dass die Erfahrungen und Entwicklungen benachbarter Städte in die Überlegungen einbezogen werden. Auf der Ebene der Praktiker hat sich bisher der Bedarf einer Veränderung der Kooperationsstruktur hin zu einem Haus des Jugendrechts -wie Wenzel es konkret vorschlägt- nicht ergeben", so die Stadt. Vorerst hält die Stadt eine solche Institution für nicht sinnvoll.

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