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Karlsruhe Tatort: Karlsruhe - Ein Jahrhundert-Krimi

Während mittelalterliche Märchen das Böse durch Bildnisse verschleiern, legen moderne Krimis die oft blutige Wahrheit offen auf den Tisch. Der Karlsruher Stadtgeburtstag naht - und ka-news setzt seine Geschichtenreihe über die Fächerstadt fort. Fernab vom fiktiven Nervenkitzel erzählt Märchentante Marie Wehrhahn heute über die größten Kriminalfälle Karlsruhes im 20. Jahrhundert.

Am Gründonnerstag gedenken Christen weltweit dem letzten Abendmahl Jesu Christi, bevor dieser einen Tag später seinen Weg zur Kreuzigung angetreten haben soll. Anders als der Sohn Gottes machte sich Siegfried Buback unbewusst schon am Gründonnerstag, 7. April 1977, auf seinen letzten Arbeitsweg von Neureut-Kirchfeld Richtung Bundesgerichtshof.

Der Fall Buback: Linksterrorismus in Karlsruhe

Das Rotlicht der Ampel färbte den Wagen des Generalbundesanwalts vorahnend an der Ecke Willy-Brandt-Allee/Moltkestraße, bevor die drei Insassen in Sekundenschnelle einem Schusshagel zum Opfer fielen: Zwei vermummte Personen hatten sich zuvor auf einem Motorrad genähert und mit einem Selbstladegewehr aus kürzester Entfernung das Feuer eröffnet - die Hinrichtung war geplant.

Verantwortlich waren linksextremistische Mitglieder der, in den 1970er Jahren aktiven, Terrorgruppe "Rote Armee Fraktion" (RAF). Nachdem die inhaftierten Gründungsmitglieder sich im Jahr zuvor in der JVA Stuttgart gemeinschaftlich das Leben genommen haben sollen, protestierte die sogenannte zweite Generation mit Waffengewalt unter anderem gegen die vermeintlich illegalen Haftbedingungen, die zum Tod Baaders, Meinhofs, Ensslins und Co. geführt haben sollen. Buback gilt als einer von 34 Mordopfern, die durch Anschläge der RAF ums Leben gekommen waren. Im letzten Gerichtsprozess (Juni 2012) um die Täterschaft wurde Ex-RAF-Terroristin Verena Becker wegen Beihilfe zum Mord an Siegfried Buback, Wolfgang Göbel und Georg Wurster verurteilt. Wer die Tat 1977 allerdings ausgeführt hatte, bleibt zum Leidwesen von Sohn Michael Buback bis heute unklar.

"Du sollst nicht töten" - Ein blutiger Frühling wie im Film

Der Wahnsinn in Person lebte in den 1950er Jahren und kam aus dem Volk. Sieht man sich den amerikanischen Psycho-Thriller "Der Fall: Ted Bundy" an, schreckt man vor den schaurigen Bildern des Serienkillers und seinen Folterungen von zahlreichen Frauen zurück. Doch was sich hier in der Flimmerkiste abspielt, geschah ähnlich einst auch in der Umgebung von Karlsruhe.

Im Frühling 1959 ging Heinrich Pommerenke ins Kino. "Die zehn Gebote" waren gerade in Karlsruhe angelaufen. Nach eigenen Angaben habe ausgerechnet dieser Film seine Mordlust entfacht, die ihn dazu veranlasste noch in derselben Nacht seinen ersten Mord an einer älteren Frau im nahegelegenen Park zu begehen. Es folgten vier weitere und sieben versuchte Morde im Schwarzwaldraum, zahlreiche Vergewaltigungen und 65 andere Straftaten. Nachdem er eine junge Frau auf der Fahrt mit der Rheintalbahn erstach, sie aus dem Zug warf und sich nach einer Notbremsung postmortem an der Leiche verging, folgte 1960 die Festnahme Pommerenkes. Fortan gilt der 2008 im Gefängnis verstorbene Mörder als der am längsten einsitzende Häftling Deutschlands.

Die rechte Vergangenheit des Marktplatzes

Der Karlsruher Marktplatz - das Zentrum, das wachende Auge der Stadt. Was könnte diesen allumfassenden Lebensmittelpunkt der Bürger überschatten? Wie in fast allen deutschen Städten zu dieser Zeit wehte auch über Karlsruhe die Hakenkreuzflagge. 1936 stimmten 98,7 Prozent der Einwohner bei den Wahlen für den NS-Führer. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis der Marktplatz nach dem damaligen Ehrenbürger der Stadt benannt wurde: Adolf-Hitler-Platz. Nach dem Fall des dritten Reichs dauerte es allerdings nicht lange, bis sowohl der bereits verstorbene Hitler als auch der Marktplatz seinen Titel abgeben mussten.

Wer den ersten Teil unseres Geschichtenbandes über Karlsruhe gelesen hat, weiß, dass es auch spannende Legenden über die badische Metropole gibt, die nicht mit Mord und Totschlag zu tun haben. Dem Stadtmärchen folgte nun ein Jahrhundert-Krimi. Doch was kommt als nächstes? Wie wird es im Erden-Jahr 2387 in Karlsruhe aussehen? Multi-Funktions-Roboter in jedem Haushalt, Alien-Kaffeeklatsch auf dem Marktplatz? Die Auflösung gibt es nächste Woche mit dem dritten Teil der Serie.

Siehe auch:

Es war einmal in Karlsruhe - ein Stadtmärchen

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Kommentare (19)
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  •   caleu
    (374 Beiträge)

    26.11.2012 10:29 Uhr
    Gründungsmitglieder RAF
    noch ein Hinweis:

    die Grundungsmitglieder Baader, Ensslin und Raspe haben sich erst im Oktoiber des Jahres 1977 selbst das Leben genommen. Zum Zeitpunkt der Ermordung Bubacks saßen alle noch in Stammheim ein.
    Ledigliche ulrike Meinhof erhängte sich im Jahr zuvor.
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  •   VincentVega
    (316 Beiträge)

    26.11.2012 01:51 Uhr
    Und wenn wir schon beim Kritisieren sind:
    Adolf Hitler war nicht der "derzeitige" (also heutige)Ehrenbürger Karlsruhes, sondern der "seinerzeitige" bzw. damalige. Oder ist mir da was entgangen?
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  •   wehrhahnm
    (77 Beiträge)

    26.11.2012 10:00 Uhr
    Danke
    für den Hinweis. Da ist uns wohl ein Tipp-Fehler unterlaufen.
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  •   dipfele
    (5159 Beiträge)

    25.11.2012 22:09 Uhr
    Krimis aktuell ?
    wie wärs mal mit den heimlichen Krimis, die sich in unseren heimischen Gerichtssälen abspielen ? Da werden einfältige Diebe wegen einigen Zehntausend € Beute zu längeren Haftstrafen verurteilt, während nicht erlaubter Vermögensentzug mit Papier und Kuli ausgeführt für die Täter konzequensenlos bleibt. Bestes Beispiel sind die Silikon- Busen einlagen.Weil es um Busen geht war das Medienaufgebot groß.Aber zum Kern des Problems sind die J ournalisten nicht gekommen: Jemand stellt in betrügerischer Absicht ein gesundheitsgefährdendes Produkt her, der TÜV bestätigt die medizinische Eignung und die Geschädigte muss sich vom Richter sagen lassen, das keiner für den Betrug haftet. Da muss man sich doch fragen, was die TÜV Zertifikate, die auf vielen technischen Produkten kleben, eigentlich noch wert sind ? Von diesen realitie Krimis in denen die Richter die Hauptrolle spielen sollte endlich berichtet werden.
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  •   arbeitstier
    (1625 Beiträge)

    25.11.2012 20:54 Uhr
    Jo...
    ...und sonst haben wir zumindest aktuell keine Probleme,was???
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  • unbekannt
    (821 Beiträge)

    25.11.2012 16:45 Uhr
    Was leider -zu oft- vergessen wird.
    Es war nicht nur Siegfried Buback, der an diesem Donnerstag in Karlsruhe ermordet wurde. Wolfgang Göbel und Georg Wurster mussten in diesem "Kriminalfall" auch sterben.
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  •   karlsruher1955
    (1153 Beiträge)

    25.11.2012 18:49 Uhr
    richtig und was ist mit all den anderen Mordopfern, von denen niemand spricht?
    Deren Pech, sie waren halt keine soganannten Prominente.
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  •   Waterman
    (6225 Beiträge)

    25.11.2012 19:16 Uhr
    Du hast recht,
    das größte Verbrechen im Tatort Karlsruhe, die Deportation und Ermordung der karlsruher Juden durch die Massenmörder, die heute den Neonazis als Vorbilder dienen, fehlt.

    Eine kleine Wiedergutmachung sind die Stolpersteine, über die hoffentlich viele zum Nachdenken stolpern!
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  • unbekannt
    (5089 Beiträge)

    26.11.2012 00:47 Uhr
    Willkommen in der Zukunft.
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  •   haku
    (4031 Beiträge)

    25.11.2012 19:05 Uhr
    Yup... Entweder muss der Mörder oder das Opfer prominent sein...
    ...der Rest wird vergessen.
    Z.B. http://ka.stadtwiki.net/Gedenkstein_für_Antonella_Bazzanella
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