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Karlsruhe Südumfahrung Hagsfeld: Was bisher (nicht) geschah ...

Die Karlsruher Stadtteile Hagsfeld und Rintheim stöhnen unter der Verkehrsbelastung. Schon seit Jahren versucht die Stadt, das Problem anzugehen - kommt aber keinen entscheidenden Schritt weiter. Eine Entlastung für die Betroffenen ist noch immer nicht in Sicht. Ein Blick in die Geschichte der Südumfahrung.

Die Diskussion um eine Verkehrsentlastung für Hagsfeld ist eng mit den Planungen der Nordtangente und der zweiten Rheinbrücke verwoben: Erste Debatten um eine Verkehrsachse im Norden von Karlsruhe begannen bereits in den 1920er Jahren. Zunächst wurde sie als Nordtangente in die Verkehrsplanungen aufgenommen. In den 1980er Jahren wurde der Plan einer Nordtangente quer durch den Hardtwald verworfen, der Gemeinderat brachte die "Hängebauchlösung" über bestehende Straßen ins Spiel.

Im Verlauf der der Debatte wurde die Nordtangente in Abschnitte unterteilt: Nordtangente-Ost (zwischen B10 bei Grötzingen und Theodor-Heuss-Allee) und Nordtangente-West (zwischen Linkenheimer Landstraße und geplanter zweiter Rheinbrücke). Weiterhin in einen mittleren Abschnitt, der Ost und West verbinden sollte: Die sogenannte Hängebauchlösung (Theodor-Heuss-Allee, Adenauerring und Linkenheimer Landstraße).

2003

2003 tut sich etwas in Sachen Nordtangente: Einige Abschnitte des Verkehrsprojekts durch den Hardtwald werden mit "vordringlichem Bedarf" in den Bundesverkehrswegeplan eingestellt. Damit erklärt sich der Bund bereit, das Geld für das Projekt zur Verfügung zu stellen. Zudem werden weitere Mittel für den östlichen Abschnitt der A5 und der B10 eingestellt. Noch immer gibt es aber auch Widerstand gegen den Vorschlag. 

2005

Der Bundesrechnungshof empfiehlt dem Bundesverkehrsministerium, den Bau seiner Abschnitte an der Nordtangente so lange einzustellen, bis sich die Stadt verpflichtet, ihren Abschnitt zu bauen. 

2007-2008

Der Abschnitt Nordtangente-Ost wird fertiggestellt: Der Autobahnanschluss Karlsruhe-Nord wird an die Elfmorgenbruchstraße angebunden. 2008 erfolgt der Anschluss der B10 - eine Weiterführung bis zur Haid-und -Neu-Straße gibt es nicht. Die Diskussion um eine Südumfahrung Hagsfeld gewinnt an Bedeutung. Gleichzeitig befeuert ein Plan des Regierungspräsidiums die Debatte um eine zweite Rheinbrücke und mögliche Auswirkungen auf die Nordtangenten-Planung: Der Plan sieht vor, die zweite Rheinbrücke an die B36 anzuschließen. Der Bund lehnt diese Planung ab.

Alle Informationen rund um die zweite Rheinbrücke finden Sie im ka-news-Dossier: www.ka-news.de/zweite-rheinbruecke-karlsruhe./

2009

Der Karlsruher Gemeinderat entscheidet, den Mittelabschnitt der Nordtangente - die sogenannte Hängebauchlösung mit Abstecher über den Adenauerring - nicht zu bauen. Es ist ein vorläufiger Schlusspunkt unter der Diskussion über eine Nordtangente. "Konsens beim Ostabschnitt war die Stadtumfahrung Hagsfeld mit Ausbau zwischen Elfmorgenbruchstraße und Haid-und-Neu-Straße", heißt in der Karlsruher Stadtzeitung.

2011

Die Entscheidung des Gemeinderats, die "Hängebauchlösung" aufzugeben, hat Folgen. Es wird bekannt, dass das Bundesverkehrsministerium keine Nordtangente in Karlsruhe mehr bauen möchte. Im Bericht "Leistungsfähige Rheinquerung" hatte der Bundesrechnungshof den Bau einer Nordtangente als Fehlinvestition bezeichnet. Damit ist für Karlsruhe keine Finanzierung mehr zu erwarten. Die Stadt stellt einen Antrag zur Aufnahme der Südumfahrung in das Gemeindefinanzierungsgesetz (GVFG)-Programm.

2014

Die Nordtangente wird nicht in den Bundesverkehrswegeplan 2015 aufgenommen. Das Landesverkehrsministerium meldet nur die zweite Rheinbrücke mit Anbindung an die B36 an. Im Karlsruher Gemeinderat befasst man sich im April mit der Umfahrung Hagsfeld: Die Stadträte geben grünes Licht für eine zweispurige Südumfahrung.

Die Mehrheit der Stadträte spricht sich für die sogenannte Variante 1b aus und erteilt den drei anderen Ideen damit eine Absage. Die vom Karlsruher Gemeinderat abgesegnete Variante sieht eine Umfahrung mit einer zweispurigen Fahrbahn ohne Standstreifen vor. Kostenpunkt: 65 Millionen Euro - wie das finanziert werden soll, bleibt erst einmal offen. Die Stadtverwaltung soll im Anschluss an die Entscheidung die Variante 1b weiter ausarbeiten und einen entsprechenden Finanzierungsvorschlag für die nächsten Haushaltsjahre vorlegen. 

Streckenführung der Variante 1a
Die Variante 1b entspricht in der Linienführung und in der Tiefenlage der Variante 1a (s. Skizze). | Bild: (Stadt Karlsruhe)

2015

Im Jahr 2015 gibt es einen gehörigen Dämpfer für das Projekt Umfahrung Hagsfeld. Es steht fest: Der Bau der Südumfahrung könnte sich deutlich verzögern. Die Umsetzung der vom Karlsruher Gemeinderat beschlossenen "Variante 1b" ist laut Gutachten eines externen Rechtsanwaltsbüros nicht mit dem aktuell gültigen Bebauungsplan aus dem Jahr 1994 vereinbar. 

Abweichungen gebe es insbesondere beim Kreisverkehr an der Elfmorgenbruchstraße, dem Geh- und Radweg an der nördlichen Straßenseite sowie bei den Lärmschutzwall an der Haid-und-Neu-Straße, so die Gutachter. Jetzt muss ein Planfeststellungsverfahren her, mit dem Baurecht geschaffen werden soll. Dazu muss das Thema nochmal in den Gemeinderat.

Die Stadt favorisiert zu diesem Zeitpunkt weiterhin die Variante 1b. Scheitert sie damit im Gemeinderat, müssen alle Planungen aber wieder auf Anfang. Und was ist mit der Nordtangente? Der Vorschlag der CDU-Gemeinderatsfraktion, über das Millionenprojekt Nordtangente in einem Bürgerentscheid abstimmen zu lassen, wird verworfen. 

Für die Hagsfelder geht das Jahr 2015 mit der Erkenntnis zu Ende, dass sie auch weiter auf eine Entlastung warten müssen. Die Entscheidung wird nach mehreren Änderungsanträgen vonseiten der Stadträte auf Januar 2016 vertagt

2016

Im Januar einigt sich der Karlsruher Gemeinderat darauf, ein Planfeststellungsverfahren einzuleiten. Zudem entscheiden sich die Stadträte dafür, den Antrag für einen Autobahnanschluss bei Weingarten dem Regionalverband Mittlerer Oberrhein zu übergeben. Die Chancen stehen aus Sicht der Stadt aber nicht gut, den Bund von dieser Idee zu überzeugen. 

Allein für das neue Verfahren muss mit einer Planungszeit von 4,5 Jahren gerechnet werden. Welche Variante umgesetzt werden soll, steht noch immer nicht fest. In der Zwischenzeit erhofft sich die Stadt durch Parkmarkierungen eine Entlastung des Karlsruher Stadtteils. 

Eine weitere Enttäuschung gibt es in diesem Jahr auch in Sachen Nordtangente: Der Bund entscheidet, das Projekt aus seiner Planung für den Bundesverkehrswegeplan zu streichen. Das Millionenprojekt steht damit vor dem Aus.

2017

Und wieder alles auf Anfang: Die Stadt will zu Beginn des Jahres 2017 zwar einen Schritt in Richtung Baustart machen - allerdings liegt dieser weit in der Zukunft. Die Stadt lässt die Umfahrung neu planen. Insgesamt sollen vier verschiedene Entwürfe vorgestellt werden. Bei den Entwürfen handelt es sich um die Varianten 1a und 1b, allerdings inklusive Anschluss an den Technologiepark (TPK). Einen Kostenvoranschlag für den TPK-Anschluss gibt es bislang noch nicht. 

Für alle Varianten wird ein Bericht angefertigt werden. Für diesen Planungsauftrag will die Stadt rund 320.000 Euro in die Hand nehmen. Die Anwohner in Hagsfeld und Rintheim werden sich somit noch weiter gedulden müssen. 

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Kommentare (6)
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  •   MacGeifer
    (1840 Beiträge)

    27.03.2017 13:12 Uhr
    Liegt vermutlich
    am Schwarzweiss, aber ein Bild von 1980 kommt einem schon fast vor wie eins aus den 60ern. grinsen
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  •   denis_g_v
    (78 Beiträge)

    27.03.2017 12:08 Uhr
    Jetzt wird geplant...
    und raus kommt sicher wieder ein Entwurf, der den vorhandenen Varianten entspricht. Danke für nichts!
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  •   lynx1984
    (3175 Beiträge)

    27.03.2017 09:29 Uhr
    Variante 1b = Todgeburt
    Wer ernsthaft glaubt es wäre eine gute Idee eine Straße und parallele S-Bahntrasse zu untertunneln, um diese dann nach einer 180 Kurve ebenerdig zu kreuzen, der hat doch nicht mehr alle Tassen im Schrank.

    Diese Millioneninvestitionen für die Hagsfelder Südumfahrung sind doch nur entstanden, da man auf den jahrzenehntealten Bauplänen der Nordtangente beharren musste und somit in Tieflage geplant hat. Jeder normal denkende Mensch plant an der Haid-und-Neu Straße eine Kreuzung bzw. Kreisverkehr mit Querungsmöglichkeit der S-Bahntrasse in Richtung Technologiepark. Von dieser Kreuzung aus geht es hinter Lärmschutz nahezu ebenerdig bis zu den Bahngleisen und dort über eine Brücke direkt an die Kreuzung Elfmorgenbruchstraße. Diese Lösung wäre wesentlich preisgünstiger - aber eben nicht mehr Nordtangentenabschnitt... Und damit nicht CDU-Politiker geeignet. Jeder weiß was das bedeutet für die Mehrheitsverhältnisse im Ka-Gemeinderat...
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  •   Ulan
    (182 Beiträge)

    27.03.2017 13:02 Uhr
    Auf Nordtangentenpläne beharren
    Auch wenn man der CDU sicher vorwerfen kann, dass sie damit stur den Einstieg in die überflüssige und Naturschutz grob verletzende Nordtangente offen halten wollte: Der sachlich gute (ja!) Grund war der Glaube, man könne mit der Umsetzung der planungsrechlich abgeschlossenen Teillösung die Baumaßnahmen beschleunigen.

    Dieser Glaube krankt halt an 2 grundsätzlichen Fehlern: Zum Ersten ist die Umsetzung nach den alten Plänen gar zu leicht nach heutiger Rechtslage angreifbar und würde sich damit noch erheblich mehr verzögern, wenn irgend jemand den Rechtsweg einschlüge (und dass das passiert ist in Deutschland bei Bauprojekten heute verlässlicher als Verspätung bei der Bahn). Und zum Zweiten ist das Vorhaben in den Nordtangentenausmaßen zu teuer um Förderungsfähig zu sein, und alleine kann die Stadt das nicht stemmen.
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  •   Lars01
    (115 Beiträge)

    27.03.2017 09:06 Uhr
    Alles eine Frage der Prioritäten
    Für eine Umfahrung Hagsfeld, die 65 Millionen kosten soll ist kein Geld da. Obwohl sie jeden Tag nicht nur den Anwohnern sondern auch fleißigen Steuerzahlern, die von und zur Arbeit fahren, das Leben erleichtern würde. Für den KSC, der sich sportlich ja schon seit Jahren nicht mehr mit Ruhm bekleckert und seinen Zahlungsverpflichtungen ebenfalls seit Jahren nicht mehr nachkommt, wird ein Stadion gebaut, das ein Vielfaches dieses Betrags kostet und maximal alle 14 Tage richtig genutzt wird, auch durch Fans, die eigentlich nur durch Prügeleien auffallen. Das in Folge des Stadion-Neubaus leider auch weniger Geld für Schulen, Kindergärten und andere soziale Einrichtungen und Programme zur Verfügung steht, ist ebenfalls bekannt.
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  •   lynx1984
    (3175 Beiträge)

    27.03.2017 09:21 Uhr
    genau
    weil die Stadt sich weiterhin am Eigentum Wildparkstadion klammert und für die vom KSC aufgezeigten Alternativen kein Grundstück zur Verfügung stellen möchte. Auch wurde über Jahre hinweg der Unterhalt sträflich vernachlässigt. Man bedenke, dass es der KSC war, der die unsicheren und maroden Sitzschalen mithilfe eines Sponsors in den Kurven austauschen ließ. Weitere Investitionen des KSC (z.B. in VIp Bauten, keine "Zelte") wurden von der Stadt immer wieder blockiert. Aber hauptsache Prioritäten gesetzt. Was ist das Problem: Kein KONZEPT wie mit einem Stadion usw. umgegangen werden soll. Gleiches Trauerspiel mit den Hallen, Stichwort Europahalle.
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