Browserpush
57  

Karlsruhe Streitpunkt Schulweg: Wie Karlsruhe gegen Elterntaxis vorgeht

Zum Schulanfang nach den Ferien wird es wieder voll vor Karlsruhes Schulen: Mütter und Väter bringen als "Elterntaxis" ihre Kinder mit dem Auto fast bis ins Klassenzimmer. Sie verursachen dadurch nicht nur teils chaotische Verkehrssituationen, sondern gefährden damit ebenso andere Kinder. Doch nun wollen die Behörden verstärkt gegen Elterntaxis aktiv werden.

Eltern, die ihre Kinder morgens mit dem Auto bis vor das Schultor fahren, sind zum gängigen Bild vor deutschen Schulen geworden. Dass dies aber den Kindern nicht nur nicht hilft, sondern sogar größere Gefahren bergen kann, als sie alleine losgehen zu lassen, ist dabei aber wohl nur wenigen bewusst. Auch in Karlsruhe stellen diese "Elterntaxis" ein Problem dar. Präventionsmaßnahmen und die Sensibilisierung von Kindern und auch Eltern werden daher nun groß geschrieben.

Wenn Fürsorglichkeit zur Gefahr wird

Doch warum bewältigen eigentlich immer weniger Kinder ihren alltäglichen Schulweg eigenständig? "Eltern bringen ihre Kinder aus Angst vor Kriminalität oder auch vor Verkehrsunfällen mit dem Auto zur Schule", erklärt Wolfgang Schick vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Karlsruhe. Er und der erste Bürgermeister Wolfram Jäger informierten bei einem Pressegespräch vor der Grundschule am Wasserturm in der Südstadt-Ost über Schulwegsicherheit in der Fächerstadt.

Diese übervorsichtigen Eltern, auch "Helikoptereltern" genannt, gefährden allerdings durch "rücksichtsloses Bringen" ihre und auch andere Kinder mehr, als dass sie ihnen helfen, heißt es weiter. Die Ursache: Falschparken, Verkehrsbehinderungen, Eile und Stress - und damit verbunden eine höhere Unfallgefahr im Bereich vor den Schulen.

Eine weitere Gefahr: Laut Aussage des Statistischen Bundesamtes in einem Bericht des ADAC seien im vergangenen Jahr 10.363 Kinder unter 15 Jahren im Auto ihrer Eltern zu Schaden gekommen - und damit deutlich mehr als auf dem Fußweg.

"Ein Schulweg sollte von Kindern selbst gefunden werden."

Doch wie sieht die Situation in Karlsruhe aus? Einer Aussage der Polizei Karlsruhe zufolge komme es gerade im Bereich von Grundschulen zu Vorfällen, bei welchen sich Elterntaxis gegenseitig behindern. Auch bei der Stadt weiß man um diese Problematik. Seit dem Schuljahr 2011/2012 wurden deshalb an sieben Schulen der Fächerstadt sogenannte "Elternhaltestellen" eingerichtet. Diese Halteplätze befinden sich in etwa 100 bis 500 Metern Entfernung zur Schule. Sie bieten den Kindern die Möglichkeit, gefahrlos aus dem Auto auszusteigen und die restliche Strecke zur Schule zu laufen. 

"Ein Schulweg sollte von Kindern selbst gefunden werden", meint ebenso der Erste Bürgermeister Wolfram Jäger. Durch das dauerhafte Herbringen fehle den Kindern das nötige Sicherheitsgefühl. "Deswegen sollten Eltern ihre Kinder an die Hand nehmen und ihnen mögliche Gefahrenmomente auf dem Schulweg direkt vor Ort aufzeigen."

Aber auch Präventions- und Sensibilisierungsmaßnahmen werden große Bedeutung zugemessen. Eltern würden genauso geschult wie die Kinder, erläutert Schick. Diese unterweise man auch direkt vor Ort, beispielsweise durch den Radführerschein, damit Gefahren wie plötzlich bremsende Autos besser erkannt werden können.

Um die Gefahren auf dem Schulweg zu vermeiden, raten auch das Deutsche Kinderhilfswerk und der ökologische Verkehrsclub VCD dazu, gerade mit jüngeren Kindern gemeinsam einen sicheren Weg festzulegen. Dies geht aus einer gemeinsamen Pressemeldung hervor. "Eltern sollen das Auto stehen lassen und die Kinder entweder zu Fuß begleiten oder sie in Laufgemeinschaften selbstständig losziehen lassen", betont Claudia Neumann, Expertin für Spiel und Bewegung des Deutschen Kinderhilfswerkes. Der VCD und das Deutsche Kinderhilfswerk empfehlen, Fahrgemeinschaften in den Gegenden zu gründen, in denen lange Schulwege oder fehlende Schulbusse das "Elterntaxi" notwendig machen. 

Grundschule wehrt sich gegen Elterntaxis

Auch die Grundschule am Wasserturm ist von dem Problem Elterntaxi betroffen. Im Jahr 2014 wurden deshalb erste Schritte zur Verbesserung der Schulwegsicherheit eingeleitet, indem Piktogramme als deutlicher Hinweis für Autofahrer auf der Straße angebracht wurden. Vor Kurzem folgten weitere Maßnahmen in Form von Eisenstangen, die in den Kurven vor der Schule aufgestellt wurden.

(Symbolbild)
Eisenstangen sollen verkehrswidriges Halten in den Kurven verhindern - wie sich zeigt, noch nicht mit durchschlagendem Erfolg | Bild: Julia Wessinger

Diese sollten verhindern, dass Autos dort unerlaubt geparkt werden und dadurch unübersichtliche und gefährliche Verkehrssituationen entstehen. Erziele man dadurch dennoch keinen Erfolg, so werden laut Polizei und der Stadt weitere bauliche Maßnahmen vorgenommen. Doch laut Schick konnte die Lage vor Karlsruher Schulen durch die Erwirkung genannter Schritte insgesamt bereits verbessert werden: "Wir verzeichnen einen Rückgang von Verkehrsunfällen mit Kindern auf deren Schulweg von mehr als 20 Prozent. Die Zahl konnte von 46 auf 34 reduziert werden."

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (57)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   cc91
    (273 Beiträge)

    02.10.2017 14:33 Uhr
    Wer das normal findet
    ist nicht mehr ganz normal...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Wendland
    (146 Beiträge)

    02.10.2017 11:27 Uhr
    Vielen Dank...
    ... das sehe ich genau so und ich praktiziere es auch so. Nicht täglich, aber wenn möglich, bringe ich mein Kind mit dem Auto zur Schule, diese liegt auf der Route zum Arbeitsplatz. Warum: wir habe früh mehr gemeinsame Zeit. Über Schubladen ala Hellikoptereltern oder unselbstständiges Kind kann ich nur lachen. Das kann und soll doch jeder für sich selber entscheiden - ohne es vorgeschrieben oder aufgedrängt zu bekommen - typisch für unseren überreglemtierten Zeitgeist.
    Bei der GSaWT sehe ich die Bring- und Abholsituation eher entspannt: kleine Schule, wenig Verkehr. Der Hype um die "Elterntaxis" ist dort eher den Ambitionen einiger EBR-Vertreter geschuldet.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rambazamba
    (350 Beiträge)

    02.10.2017 10:26 Uhr
    Kein Verständnis
    Um die Mittagszeit muss man in Schulnähe wirklich sehr gut aufpassen, wenn man die Straße überquert, dass man nicht von einer gestressten Mutti im SUV platt gemacht wird.
    Mir fehlt für die Herumkutschiererei jegliches Verständnis. Selbst "pendeln" als Schüler war für uns selbstverständlich. Der Bus fuhr um 6.50 Uhr, heim kamen wir um 13.50 Uhr (normaler Schultag ohne Nachmittagsunterricht). Im Bus noch schnell Vokalbeln lernen, dösen oder sich mit Kids von der eigenen oder anderen Schulen austauschen. Wir kamen immer alle heil an und das Busfahren war schon in der Grundschule ein Selbstverständnis. So lernt man Fahrpläne lesen und recht früh eine gewisse Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Im Sommer sind wir bisweilen 15km mit dem Fahrrad zur Schule gefahren (ab der Mittelstufe).
    Zum Sport (außerschulisch) wurden wir gebracht. Die Eltern hatten Fahrgemeinschaften organisiert, auch das hat immer super funktioniert. Ab 16 hieß es: Roller fahren! Immer!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (6033 Beiträge)

    03.10.2017 18:10 Uhr
    wir sind...
    .. bei Wind und Wetter 3 Kilometer übers freie Feld gelaufen. Der Heimweg war immer ein Abenteuerer. Die Natur entdecken, Wettpinkeln, Gruppenbildung mit entsprechenden Raufereien und Schneeballschlachten, unbeholfene Zärtlichkeiten mit Schulkameradinnen......Die Umwelt entdecken.
    Das fehlt doch den bewegungsarmen SUV Kindern.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schmidmi
    (2860 Beiträge)

    02.10.2017 22:01 Uhr
    So war es
    und so war es gut! grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    02.10.2017 10:44 Uhr
    Du musst bedenken,
    dass heutzutage viele Schüler wegen einer Busphobie in Behandlung sind.
    Und ab 16, jaaa! Mit dem Moped! Grenzenlose Freiheit! Und ab 18 mit dem Auto und die Lehrerparkplätze okkupieren, hähä. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rambazamba
    (350 Beiträge)

    02.10.2017 10:47 Uhr
    Lehrerparkplätze
    waren tabu. Die hatten einen eigenen Parkplatz, der abgeschlossen war. Die wussten schon warum. Aber mein Klapperpanda hat sowieso überall hinein gepasst zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    02.10.2017 11:28 Uhr
    Wir hatten
    eine Tiefgarage für die Lehrer und weitere Parkplätze vor der Schule auf dem Schulgelände. Das war eine gewisse Grauzone. Wer zuerst da war stand zuerst. Aber war ok, sooo viele Autos hatten wir dann auch nicht. Nur die TG war absolut verboten.
    Ich hab dann auch mit 18 bei gutem Wetter meistens noch das Moped genommen, war einfach praktischer.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (6033 Beiträge)

    03.10.2017 18:17 Uhr
    Unsere Lehrerinnen und Lehrer....
    .... waren in den 1960igern noch umweltbewusst und kamen mit Pedes, Rad oder Bahn und Bus zur Schule.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ProKA
    (708 Beiträge)

    02.10.2017 09:53 Uhr
    So
    ein Quatsch. Es ist nirgends verboten oder eine Straftat das Kind zur Schule zu fahren. Was ist das denn wieder für ein unsägliches Thema?
    Freie Fahrt für freie Bürger!!!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 (6 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen