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Karlsruhe Streit um Moscheebau: Kult und SPD kritisieren Wellenreuther scharf

In einer Pressemitteilung reagiert Oberbürgermeister Mentrup aus dem Urlaub auf die Ausführungen des Abgeordneten und CDU-Kreisvorsitzenden Ingo Wellenreuther zur Moscheediskussion. Und auch von der SPD als auch von der Kult-Fraktion kommen sehr kritische Töne zur CDU und ihrem Abgeordneten.

In einem Interview mit den Badischen Neusten Nachrichten (BNN) hatte der CDU-Abgeordnete Ingo Wellenreuther seine Kritik an dem geplanten Moscheebau wiederholt. Wellenreuther und der Stadtverband der Karlsruher CDU hatten der Stadt bei der Diskussion über eine neue Moschee für die Ditib-Gemeinde Geheimhaltung vorgeworfen.

"Angstmache" und "Scheinobjektivität"

"Erschrocken" auf die Ausführungen des Abgeordneten und CDU-Kreisvorsitzenden Ingo Wellenreuther reagiert der im Urlaub weilende Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup. Er sehe "nach der Lektüre des Interviews" in mehreren Punkten den Bedarf der Klarstellung.

Wellenreuther nutze Informationen aus einem Gespräch von Ditib mit der CDU-Fraktion, an dem er selbst gar nicht teilgenommen habe, so Mentrup, "und in dem DITIB sicherlich ihre Maximalvorstellungen artikuliert hat, um mir unverhohlen Unehrlichkeit vorzuwerfen. Dieses Misstrauen und dieser politische Stil sind erschreckend." Noch erschreckender sei allerdings, führt Mentrup fort, "mit welcher eindeutig auf Angstmache ausgerichteten Scheinobjektivität er hier lebende gesellschaftlich und religiös engagierte muslimische Mitbürger diffamiert, ohne sie überhaupt zu kennen, und zudem noch indirekt ihre Religion zu einer Religion zweiter Klasse erklärt."

Für OB Mentrup ist auch klar: "Verwaltung, Gemeinderat und Stadtgesellschaft kommen nicht umhin, zu den aktuell aufgeworfenen Themen ab Herbst eine ausführliche Diskussion zu führen, wollen wir an unserer bisherigen Kultur des Zusammenlebens in gemeinsamer Verantwortung in Karlsruhe festhalten. In diesem Rahmen werde ich mich auch detailliert zu allen Vorwürfen und Unterstellungen äußern."

"Von Geheimverhandlung keine Spur"

Kritik an Wellenreuther und der Karlsruher CDU kommt auch vonseiten der SPD und der Kult-Fraktion. "Leider beharrt Ingo Wellenreuther erneut auf einer Reihe von Halbwahrheiten. Er diffamiert die Stadtverwaltung und den Oberbürgermeister, indem er ihnen unterstellt, die Öffentlichkeit getäuscht zu haben. Alle Behauptungen von Herrn Wellenreuther sind vom Karlsruher OB längst richtig gestellt worden", so Marvi.

"Im Übrigen stellt nicht jedes informelle Gespräch eine 'Geheimverhandlung' dar, das sollte insbesondere Herr Wellenreuther wissen. Oder wie sieht es mit den Gesprächen Stadt und KSC aus?", erinnert sich Stadtrat Raphael Fechler.

Die Kult-Fraktion zeigt sich ebenfalls verwundert über die Aussagen des CDU-Politikers. Sie kritisiert, Wellenreuther habe selbst oft selbst in der Vergangenheit "die Strippen gezogen". Als Beispiel nennt sie die aktuellen Verhandlungen zum Wildparkstadion.

Jetzt plötzlich zeige sich Wellenreuther in einem Zeitungsinterview unzufrieden mit der Verfahrensweise beim Moscheebau in Karlsruhe: "Dass er es nicht als seine Aufgabe sieht, 'mit dem OB Kaffee zu trinken, sondern die Öffentlichkeit zu informieren' - diese Behauptung ist scheinheilige Polemik. Wir von Kult begrüßen es als Fraktion im Gemeinderat außerordentlich, dass uns der OB über die Gespräche mit der türkischen Gemeinde mehrfach in Kenntnis gesetzt hat. Von Geheimverhandlungen und Entscheidungsnähe keine Spur", erläutert der Kult-Fraktionsvorsitzende Lüppo Cramer.

Karlsruher CDU spricht von persönlichen Angriffen

In einer eigenen Pressemitteilung wehrt sich der CDU-Kreisverband Karlsruhe-Stadt gegen die Kritik. Die CDU Karlsruhe bedauert nach eigener Aussage, dass der Oberbürgermeister seine jüngsten Presseerklärungen nicht genutzt habe, um Klarheit und Transparenz in der Debatte um die geplante Ditib-Großmoschee in Mühlburg herzustellen. Stattdessen reagiere er unsouverän auf die Forderung nach Aufklärung mit persönlichen Beleidigungen gegenüber dem Bundestagsabgeordneten.

"Die persönlichen Angriffe des Oberbürgermeisters gegen unseren Kreisvorsitzenden sind nicht akzeptabel und inhaltlich nur heiße Luft", empört sich die stellvertretende Kreisvorsitzende Bettina Meier-Augenstein. „Die Bürger in Karlsruhe haben Angst vor jemandem, der Aufklärung meidet und nicht vor demjenigen, der Aufklärung fordert. Der Vorwurf des OB, Ingo Wellenreuther habe muslimische Mitbürger diffamiert, ist nach Ansicht der CDU "ungeheuerlich".

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  •   Handelsreisender
    (1444 Beiträge)

    29.08.2016 13:37 Uhr
    Mein lieber "Andersdenkender"...
    ... gehen Sie davon aus, dass ich Ihre existentiellen Ängste vor allem und jedem respektiere (z.B. Dinosaurier, Spinnen, Steuererhöhungen, Linksabbieger, ausgeleierte Badehosen-Bündchen, Ausländer, leerer Handy-Akku etc.).

    Ich verbitte mir allerdings jegliche Form der Politik, die darauf vorauseilend und aus eigenem Profit Rücksicht nimmt.
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  •   Tiefland
    (193 Beiträge)

    29.08.2016 15:09 Uhr
    So so....
    "meine existenziellen Ängste" - die SIE zu kennen glauben 😂😂 mein lieber Schwan, jetzt haben Sie mir's aber gegeben!
    Lustig nur, wenn in Ihren Kreisen das Wort "vorauseilend" im Zusammenhang mit "Rücksichtnahme" verwendet wird. Aber da führen Sie sich doch bitte zuallererst das eigene Diskussionsverhalten vor Augen, vor allem wenn es darum geht, z.B. Integrationsverweigerung oder andere unerwünschte Nebeneffekte von Multikulti & Co VORAUSEILEND zu verleugnen, kleinzureden und sich aus lauter VORAUSEILENDER Demut bzw falscher Rücksichtnahme bei allen Muslimen gleichermaßen anzubiedern! Und nein, Sie müssen sich auch mir gegenüber nichts verbitten, da sind Sie bei mir definitiv an der falschen Adresse, also blasen Sie Ihre Bildungsbürger-Backen doch bitte bei anderen auf! Danke.
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  •   Handelsreisender
    (1444 Beiträge)

    29.08.2016 20:35 Uhr
    Wo sehen Sie bitte "Integrationsverweigerung"?
    Nur weil die Muslime in einem eigenen Tempel Ihren Popanz veranstalten wollen - wie alle anderen Gottesanbeter in diesem Lande auch?
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  •   Eva
    (1 Beiträge)

    29.08.2016 22:22 Uhr
    Mitbestimmung über die Zukunft und kein Ghetto in Karlsruhe
    Es geht nur in zweiter Linie um den Tempel, in erster Linie geht es um das ganze drum herum und darum dass wir als Bürger nicht mitbestimmen können. Ich möchte meine und die meiner Kinder und Enkel mitbestimmen. Man stelle sich vor was an diesem besagten Kulturzentrum künftig abgehen wird. Mit der Zeit werden die jetzigen Bewohner wegziehen...und schon entsteht das, was keiner von uns wirklich haben will. Macht sich hier keiner Gedanken um unsere Zukunft und unsere Jügend...denn die die da neu ankommen werden, werden sich nicht nur durch die 4 Türme sondern auch durch die von der Geburt an mitgegebenen Mentalität bestätigt fühlen und mehr denn je, das Gebiet drum rum beanspruchen und sich ausbreiten. Dem folgt isolierte Ghetto, die von Armut, Arbeitslosigkeit und Verbrechen geprägt sind..ich erinnere an Molenbeek ...
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  •   Joerg_Rupp
    (2703 Beiträge)

    30.08.2016 09:56 Uhr
    ein in Text
    gegossenes Vorurteil. Was Sie sich alles so vorstellen können. Von der derzeitigen DITIB-Moschee sind Analogien zur Eroberung Europas allerdings nicht bekannt, von anderen Moscheen im Land auch nicht.
    Auch Christen haben Kultrzentren um ihre Kirchen herum. Warum also Muslime anders behandeln? Schließlich garantiert das Grundgesetz die Religionsfreiheit sowie die freie Entfalstung der Persönlichkeit.
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    29.08.2016 15:39 Uhr
    Treffer,
    versenkt. grinsen
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11318 Beiträge)

    29.08.2016 11:55 Uhr
    @ka-news: wer ist denn heute dran mit
    Korrekturlesen?

    "Und auch von der SPD als auch von der Kult-Fraktion kommen sehr kritische Töne zur CDU ihrem Abgeordneten. "
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  •   redaktion
    (1162 Beiträge)

    29.08.2016 11:56 Uhr
    @Rundbau-Gespenst
    Danke für den Hinweis!
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  •   Messer
    (268 Beiträge)

    29.08.2016 11:34 Uhr
    IW greift gerne bei kostenlosen Mountblanc Federhaltern zu
    wir dumme Steuerzahler müssen für seinen Luxus aufkommen und als Ablenkungsmanöver für ganz Doofe gibs eine Großmoschee oben drauf.
    Fazit: Politiker die sich auf solche billige Art bereichern müssen weiter lügen, nach dem Motto "Haltet den Dieb".
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  •   game.over
    (224 Beiträge)

    29.08.2016 11:58 Uhr
    Etwas arg themenfremd
    Ihr Kommentar. Man darf gespannt sein ob und wann die Redaktion "zuschlägt".

    "Erschrocken" auf die Ausführungen des Abgeordneten und CDU-Kreisvorsitzenden Ingo Wellenreuther reagiert der im Urlaub weilende Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup.
    Sehr gut vorstellbar. Kann einem den ganzen Urlaub versauen grinsen
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