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Karlsruhe Streit um Franz-Rohde-Haus: Pflege ist wichtiger als Denkmalschutz!

Das Franz-Rohde-Haus soll abgerissen werden. Das bislang unter Denkmalschutz stehende Anwesen wird derzeit als Pflegehaus genutzt - und braucht genau darum dringend eine Verjüngung. Die Anwohner wollen das nicht hinnehmen und sammeln in einer Online-Petition Unterstützer. Doch diesmal trifft ihre Aufregung den Falschen.

Otto Bartning ist einer der wichtigsten Architekten der 20. Jahrhunderts und dazu noch ein Sohn der Stadt Karlsruhe. Seine Notkirchen sind für das Unesco-Welterbe vorgeschlagen und im nächsten Jahr soll es eine Ausstellung zu seinem Werk in der Städtischen Galerie geben. Ausgerechnet jetzt will die evangelische Stadtmission ein von ihm geplantes Gebäude abreißen. Zugegeben, das klingt erst einmal paradox. Die Aufregung der Anwohner ist groß: Wer freundet sich schon gern damit an, dass ein schmuckes Haus mit einem anliegenden Garten, der noch dazu aussieht wie ein Park, nun in ein vierstöckigen Bau verwandelt werden soll?

Reine Profitgier? Dieser Vorwurf ist nicht fair!

Eines sollte aber nicht vergessen werden: Der Bedarf an Pflegeplätzen wird in den kommenden Jahren steigen. Und Pflegeheime, die nicht am Stadtrand liegen, werden immer seltener. Daher ist das Grundstück auch so wichtig - und es wurde auch als Pflegeheim geplant. Das Anwesen ist damit seit jeher um einen Zweckbau, für den sich bisher auch die Architekturgeschichte wenig interessierte.

Der Vorwurf der Abrissgegner, die evangelische Stadtmission sei getrieben von Profitgier, ist nicht fair. Wer das glaubt, hat selbst noch nie gemeinnützige Arbeit verrichtet. Sonst wüsste er, dass die evangelische Stadtmission strenge Regelungen wie die Abgabenordnung verfolgt.

Und eines steht fest: Der momentane Zustand ist nicht mehr tragbar. In dem Bau von 1937 gibt es pro Etage eine Toilette. Das ist eine Zumutung für Bewohner und Mitarbeiter. Natürlich könnte man das Gebäude stehen lassen und aufwendig sanieren. Aber wer einmal ein Gebäude renoviert hat, das auch noch unter Denkmalschutz steht, weiß, wie aufwendig, teuer und kompliziert ein solches Anliegen ist.

Denkmalschutz ist wichtig, aber würden Sie auf ihrem eigenen Grundstück nicht auch ein neues Haus bauen wollen, wenn das alte nicht mehr sanierungsfähig ist? Und würden Sie Sich gerne von ihren Nachbarn diktieren lassen, wie es aussehen soll? Die evangelische Stadtmission nimmt hier viel Geld in die Hand, um aus dem eigenen Grundstück etwas zu machen, das die Stadt in Zukunft brauchen wird. Kulturdenkmäler sollte man erhalten, aber nur, wenn es finanziell tragbar ist. Liebe Abrissgegner: Lasst die Kirche besser im Dorf - oder noch besser im Franz-Rohde-Haus!

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  •   franz_vm
    (2 Beiträge)

    02.04.2016 18:23 Uhr
    es geht um Geld und leider nicht um städtebauliche Kultur
    die Diskusion über die Geldschiene geht am Thema vorbei. Was wir hier abreissen ist unsere städtebauliche Kultur, die seit 50 Jahren leidet. Wir verlieren seit dem Abriß des Dörfles permanent Stadtgeschichte und Gesicht. Dafür haben wir z.B. die Neubauten an der Ludwig Erhard Allee bekommen und in 10 Jahren haben wir zusätzlich noch ein Problemviertel dahinter!
    Ich kann nachvollziehen, daß die Immobilie nicht mehr zeitgemäß ist und kernsaniert werden muß. Aber hier läuft es doch eher darauf hinaus, daß dieses Areal mittelfristig komplett zugebaut wird. Karlsruhe, die Stadt im Grünen gibt es nicht mehr, allein schon wenn ich die Beschreibung m"aßvoll verdichten" schon höre!
    Jeder Hausbesitzer, der in der Weststadt seine Objekt stilgerecht renoviert bekommt hier gezeigt wie man es richtig macht. Lesen Sie die HP der Stadtmission durch: http://www.karlsruher-stadtmission.de/unsere-angebote/pflegeheime/franz-rhode-haus.php und schauen Sie sich das Goggle earth Bild darunter an......
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  •   malerdoerfler
    (5899 Beiträge)

    02.04.2016 18:09 Uhr
    Ruhig abreißen!
    Das wäre nicht das erste erhaltenswerte Gebäude in Karlsruhe, das abgerissen wird. Schade nur, dass selten etwas besseres gebaut wird (siehe altes dm-Gebäude).
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  •   ralf
    (3673 Beiträge)

    02.04.2016 17:35 Uhr
    Franz-Rhode-Haus?
    Vor dieser Woche noch nie etwas von diesem Gebäude gehört. Ich finde es wichtig, dass besondere und Stadtbild oder -geschichte prägende Gebäude erhalten bleiben. Man muss aber nicht jedes Gebäude, welches älter als 50 Jahre ist, erhalten. Die enormen Kosten sind besser in soziale Zwecke zu investieren.
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  •   baeuerchen
    (668 Beiträge)

    02.04.2016 10:18 Uhr
    mit diesem Totschlagargument kann man alles rechtfertigen
    es gibt immer ganz wichtige Gründe, warum man gesetzliche Regelungen nicht einhalten muss.
    Arbeitnehmerrechte, Umwelt, Naturschutz, Baumschutz, Kinderrechte, Denkmalschutz, Grundwasser, Luft, Menschenrechte usw. alles nicht so wichtig, wenn es die richtigen Argumente gibt.
    Geld ist immer wichtiger als alles andere und darum sieht unsere Gesellschaft so aus wie sie ist. Geldgeil, empathielos und immer auf der Suche noch einem Weg trotz aller geltenden Regeln und Gesetze das zu tun und zu bekommen was man unbedingt machen oder haben will.
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  •   IchKA
    (741 Beiträge)

    02.04.2016 12:48 Uhr
    Lieber Herr Redakteur Maier
    ich glaube Sie haben trotz Ihres weinerlichen Artikels verstanden:

    Ihr Artikel endet mit:
    "Lasst die Kirche besser im Dorf - oder noch besser im Franz-Rhode-Haus"

    Die Kirche soll durchaus im Dorf bleiben und wie Sie richtig schreiben noch besser im bestehenden Rhodehaus.
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  •   IchKA
    (741 Beiträge)

    02.04.2016 11:47 Uhr
    Sie haben keine Ahnung Herr Redakteur Maier
    Sie schreiben: "Aber wer einmal ein Gebäude renoviert hat, das auch noch unter Denkmalschutz steht, weiß, wie aufwendig, teuer und kompliziert ein solches Anliegen ist."
    Ja und jeder der weiß wie teuer das ist weiß aber auch, im Gegensatz zu Ihnen Herr Redakteur, dass 90% aller Renovierungskosten von denkmalgeschützen Gebäuden auf 10 Jahre steuerlich abgeschrieben werden können. Mit anderen Worten: Erhalt und Sanierung eines Kulturdenkmals gibt es fast umsonst. Das Gejaule um Kosten und "der Mensch steht im Vordergrund Pflegeplätze ", geht ins Leere, denn wenn das Haus saniert wird und vielleicht einer geigneteren Nutzung zugeführt wird, bedeutet das noch lange nicht , dass keine neuen Pflegplätze irgendwo anders enstehen können.
    Es mag sein, dass das Rhodehaus für diese Nutzung im Moment nicht mehr geeignet ist, aber deshalb Denkmalschutz kippen und abreißen ?
    Hier werden lukrative Luxuspflegplätze geplant, die sich nur die wenigsten Rentner werden leisten können.
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  •   kuba
    (1029 Beiträge)

    02.04.2016 12:39 Uhr
    Schon wieder keine Ahnung!?
    Da wird mit harten Bandagen gekämpft. Von der Steuer kann man absetzen, wenn man Steuern bezahlt. Die Kirche bzw. die Stadtmission zahlt aber keine Steuern, also kann sie nichts absetzen.

    Hier wird doch aus reinem Egoismuss gekämpft. Man will halt in der Nachbarschaft keine Veränderung und möglichst auch keien Pflegeheim. Diese Heuchler schieben den Denkmalschutz nur vor.
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  •   IchKA
    (741 Beiträge)

    02.04.2016 13:00 Uhr
    Es gibt genug Konstrukte
    auch innerhalb der Kirchenstrukturen, wie z.B. Banken im Besitz der Kirche, die Abschreibungsmöglichkeiten zulassen können.
    Was glauben Sie denn wie die Kirche als größter Immobilienbesitzer der BRD Ihren Bestand managt. Bestimmt nicht über die Pfarreien, sondern über hochkomplizierte verschachtelete Konstrukte, die steuerliche Vorteile bringen.
    Eine Betreibergesellschat könnte z.B. an die Stadtmission billig vermieten und vorher die Abschreibungen abschöpfen. Geht alles wird ständig praktiziert.
    Davon abgesehen glaube ich nicht, dass die Stadtmission selbst direkt als Bauherr auftreten wird.
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  •   Hassowa
    (829 Beiträge)

    02.04.2016 09:10 Uhr
    Warum Denkmalschutz ???
    Nur weil die sehr überschaubare Anzahl von Fans des Architekten Otto Bartning es so wollen? An diesem 1938 gebauten Haus sehe ich nichts, aber auch garnichts, was es wert ist denkmalgeschützt zu sein.
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  •   IchKA
    (741 Beiträge)

    02.04.2016 12:09 Uhr
    Würden Sie
    einen Picasso von einem Amateurmaler unterscheiden können ?
    Sind Sie ein Architekturbanause ?
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