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Karlsruhe Straßenstrich in Karlsruhe: Diakonie hilft Prostituierten aus dem Sex-Gewerbe

Der Karlsruher Straßenstrich sorgt immer wieder für Furore: Anwohner fühlen sich belästigt, die Stadt reagiert daher mit Sofortmaßnahmen. Das Diakonische Werk Karlsruhe will den meist südosteuropäischen Frauen nun mit einer speziellen Beratungsstelle unter die Arme greifen - denn ihre Situation ist in vielerlei Hinsicht problematisch, wie aus einem Gespräch mit dem Hilfswerk hervorgeht.

"Gegen Elends- und Armutsprostitution kommen wir mit ordnungsrechtlichen Mitteln allein nicht weiter." Mit dieser Aussage hat Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) vor kurzem ein grundlegendes Umdenken in der Bewertung von Prostitution gefordert.

Dies nehmen sich nun auch die Karlsruher Verantwortlichen zu Herzen: Das Diakonische Werk will eine Beratungsstelle für Prostituierte, egal ob vom Strich oder aus dem Bordell, einrichten, wie eine Sprecherin im Gespräch mit ka-news bestätigt.

Anwohner klagen über Belästigung

Mit rund 700 Frauen seien derzeit doppelt so viele Prostituierte in Karlsruhe tätig als noch im Vorjahr. Die Mehrheit der Frauen, die ihren Körper auf der Straße anbieten, stamme eigenen Angaben nach aus den südöstlichen EU-Mitgliedsstaaten.

Vor allem der Straßenstrich stößt den Bewohnern sauer auf. Das bestätigt auch Elisabeth Förter-Barth, die Leiterin der Abteilung Familie im Diakonischen Werk Karlsruhe, auf Anfrage von ka-news: "Immer wieder gibt es Klagen von Anwohnern, die befürchten, ihre Kinder würden beim Spielen oder unterwegs von Prostituierten oder Freiern angesprochen werden." Benutzte Kondome, Tücher und Co: Auch die Hinterlassenschaften des horizontalen Gewerbes sorgen für Ärger in der Siedlung.

Die Stadt Karlsruhe sah sich vor Kurzem gezwungen, einzugreifen: Mit einer zeitlichen Beschränkung auf die Nachtstunden und einer Ausweitung der Sperrbezirke soll nun der unkontrollierten Ausweitung des Straßenstrichs begegnet werden."Die Sofortmaßnahmen sollen die Situation für die Bürger in den Wohngegenden mit Straßenprostitution entspannen und das persönliche Sicherheitsgefühl erhöhen", erklärte Oberbürgermeister Frank Mentrup. 

Neue Beratungsstelle: Stadt steuert 60.000 Euro bei

Ob diese Maßnahmen das Problem mit der Straßenprostitution lösen? Wolfgang Stoll, der Direktor des Diakonischen Werks Karlsruhe, hat da seine Zweifel: "Die immer wieder geforderten ordnungspolizeilichen Maßnahmen sind nur Teil-Lösungen und bekämpfen vor allem die Symptome des Problems". Wirklich erfolgreich könne nur ein umfassendes Gesamtkonzept sein. 

Förter-Barth beschreibt die Situation der Prostituierten als schwierig: "Alltagssituationen sind für diese Frauen schwer zu meistern." So sei zum Beispiel ein Small-Talk über den stressigen Arbeitstag in der Bäckerei ausgeschlossen. Zudem hätten sie häufig keinerlei soziale Absicherung wie etwa eine Krankenversicherung. Gleichzeitig würden immer wieder Prostituierte beim Diakonischen Werk Hilfe suchen - etwa im Fall einer Schwangerschaft. 

An dieser Stelle soll die Beratungsstelle des Diakonischen Werks greifen. Nach eigenen Angaben sollen Beratungsangebote, gesundheitliche Aufklärung vor Ort und Ausstiegsmöglichkeiten aus der Prostitution den Frauen neue Zukunftsperspektiven ermöglichen. Unterstützt wird das Diakonische Hilfswerk dabei von der Stadt Karlsruhe, die 60.000 bis 70.000 Euro für eine Sozialarbeiterstelle bereitstelle. "Wir wollen, dass die Frauen wieder Kontakt zu Menschen außerhalb dieses Milieus bekommen und eine Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen", erklärt Förter-Barth. 

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