Karlsruhe Stille Nacht, heilige Nacht? Wie Zoff an Weihnachten vermieden werden kann

Gefühlt keine andere Zeit im Jahr ist in Wirklichkeit so stressig, wie der Dezember. Weihnachten - das Fest der Liebe, Besinnlichkeit und Ruhe. Eigentlich. Doch die Adventszeit und die Feiertage gehören für viele zur stressigsten Zeit im Jahr. ka-news.de hat mit der Karlsruher Familientherapeutin Alexandra Elflein über dieses Thema gesprochen.

Keine Vorfreude ist so schön, wie die auf die Weihnachtszeit: Der Duft von Zimt und Nelken in der Luft, leckere Plätzchen backen, über den Christkindlesmarkt schlendern, den Weihnachtsbaum besonders hübsch schmücken und drei Tage Schlemmen non-plus-ultra.

Doch in Realität sieht das alles ein wenig anders aus. Beginnend mit dem Druck, den Adventskalender bis zum 1. Dezember fertig zu haben, vor Weihnachten alle Geschenke rechtzeitig zu besorgen und obendrein noch ein perfektes Weihnachtsfest zu planen - in der Weihnachtszeit hat man meist mehr Stress als Spaß.

Eine Familie lässt sich mit Issa Kassissieh (M) verkleidet als Weihnachtsmann in seinem Haus fotografieren.
An Weihnachten sollte die Familie zusammenkommen, ganz ohne Streit. | Bild: Ilia Yefimovich/dpa

Und genau an den Feiertagen spitzt sich die Situation dann oft zu - die Tante beschwert sich pausenlos über die versalzene Suppe, der Großvater diskutiert mit dem Sohnemann über dessen Berufswahl, während die Kinder mit ihren neuen Spielsachen durch jedes Zimmer toben, was das Chaos perfekt macht. Zu allem Überfluss verkohlt dann noch die Weihnachtsgans im Ofen. Harmonie? Fehlanzeige.

Deadlines im Privatleben

Laut Alexandra Elflein ist das ganz üblich. "Gerade in der Adventszeit bekommen sowohl meine Kollegen als auch ich vermehrt Anfragen, vor allem von Familien." Die systemische Familientherapeutin aus Stupferich erklärt im ka-news.de-Interview: "Vor Weihnachten gibt es eine Menge zu tun. Viele Termine sind in einen kurzen Zeitraum gepresst, der sich nicht verschieben lässt. Plötzlich hat man Deadlines im Privatleben, die man so nur aus dem Berufsalltag kennt - das baut Druck auf. Zudem hat man einen hohen Anspruch an sich selbst, alles perfekt zu machen."

Dicke Luft zum Weihnachtsfest: Wer kann, sollte den ganz großen Streit mit dem Partner erstmal vertagen.
Dicke Luft zum Weihnachtsfest: Wer kann, sollte den ganz großen Streit mit dem Partner erstmal vertagen. (Symbolbild) | Bild: Christin Klose

Doch nicht nur der Anspruch an sich selbst, sondern auch an an sein Umfeld wächst laut Elflein. "Am häufigsten geht es bei den familiären Auseinandersetzungen an Weihnachten um alte Probleme die wieder aufleben, gegenseitige Erwartungen aneinander, die Lebensgestaltung und die Berufswahl. Denn auch wenn der Vorstandsvorsitzende eines großen Konzerns an Weihnachten heimkommt - für seine Familie daheim ist er immer noch der Sohn, der Bruder oder der Neffe."

Alexandra Elflein, Psychologin aus Karlsruhe. |

Dieser plötzliche Rollenwechsel sei für viele Menschen erstmal schwer, da sie auf einmal ganz anders behandelt werden, betont Alexandra Elflein. Dies führe oft zu mangelnder Wertschätzung und Anerkennung und somit zu einer schlechten Grundstimmung. "Denn gerade wenn es auf die emotional aufgeladene Zeit des Jahreswechsels zugeht, kommen viele Werte besonders zum Tragen." 

Gute Miene zum bösen Spiel

Die Ironie dabei: "Genau wenn man versucht, alles perfekt zu machen und ein möglichst harmonisches Beisammensein erzeugen möchte, scheitert es meist und dann ist man am Ende noch frustrierter", so die freiberufliche Wirtschaftspsychologin. "Eine Art gute Miene zum bösen Spiel. Im Grunde hilft dagegen schon, sich dessen bewusst zu sein, dass diese Zeit im Jahr einfach anstrengender wird. Man wird realistischer, schraubt seinen Perfektionismus ein wenig herunter." 

Wer mehrere Farben am Weihnachtsbaum unterbringen möchte, sollte auf ein ausgewogenes Verhältnis und eine gleichmäßige Verteilung am Baum achten. Die Eyecatcher kommen am Schluss.
Es muss nicht alles perfekt sein an Weihnachten. (Symbolbild) | Bild: Ina Fassbender

"Auch Akzeptanz hilft",  erzählt Elflein. "Manchmal muss man versuchen, die Menschen so akzeptieren wie sie sind. Das entspannt innerlich und wirkt präventiv auf Konflikte." Wenn dann mal doch etwas unter dem Weihnachtsbaum angesprochen wird, was zu einem Konflikt führen konnte rät Alexandra Elflein: "Nett aber bestimmt Grenzen setzen und deutlich machen, dass man darüber gerade nicht reden möchte. Dies engt das Konfliktpotential ein."

Wenn es dann doch mal eskaliert - Ruhe bewahren

Und wenn ein Streit dann doch mal droht, zu eskalieren, hat Alexandra Elflein guten Rat: "Es kommt natürlich immer individuell auf den Streit und die verschiedenen Konstellationen der Personen an. Aber in erster Linie kann man sagen: Ruhig bleiben, verbal versuchen die Situation zu beschwichtigen."

Im Streit um Geld werfen sich Partner vor, wer mehr ausgibt. Dabei ist das Geld meist gar nicht so ausschlaggebend - es geht darum, wer sich benachteiligt fühlt.
Ein Paar streitet sich. (Symbolbild) | Bild: Christin Klose

Abschließend gibt die Psychotherapeutin folgenden Tipp: "Wenn man in einer akuten Situation dann doch feststellen muss, dass sowieso nichts mehr konstruktives bei rauskommt, sollte man erst einmal das Feld verlassen - sprich aufstehen und gehen. Allgemein ist es aber gut, Probleme die vielleicht schon länger schwellen aktiv und geplant an- und auszusprechen - am Besten einige Tage vor Heiligabend, ohne andere Zuschauer und Alkohol."

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