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Karlsruhe Stellflächen für Räder statt für Autos: Grünen wollen Parkplätze in Karlsruhe umkrempeln

Mit dem Auto in die Karlsruher Innenstadt zu fahren ist angesichts der vielen Baustellen derzeit ohnehin recht nervenaufreibend. Die Karlsruher Grünen wollen nun auch das Parken umstrukturieren: Es sollen weniger Autos auf den Straßen, dafür mehr in den Parkhäusern abgestellt werden.

Während sich die Politik oft für "mehr, größer und besser" einsetzt, gehen die Karlsruhe Grünen mit einem Vorstoß genau in die entgegengesetzte Richtung. Sie fordern in einem Antrag an die Stadtverwaltung, dass die Parkplätze für Autos in der Innenstadt reduziert werden sollen. Für diese Idee führen sie gleich mehrere, aus ihrer Sicht gute, Gründe an.

"In der Karlsruher City (dem Bereich zwischen Zirkel, Fritz-Erler-, Kriegs- und Karlstraße) gibt es eine große Zahl von Parkhäusern mit rund 6.000 Parkplätzen. Sie sind an Werktagen im Durchschnitt nur zu etwa 40 Prozent ausgelastet. Lediglich samstags beträgt die durchschnittliche Auslastung zirka 70 Prozent", beschreiben Istvan Pinter, Johannes Honné, Zoe Mayer und Verena Anlauf die Ausgangslage in ihrem Antrag.

Autos in einem Parkhaus
(Symbolbild) | Bild: pixabay @ Tama66

Reserven in den Parkhäusern?

Diese Zahlen würden zeigen, dass es noch "erhebliche Reserven" gibt, welche Parkplätze im öffentlichen Raum entbehrlich machen würden. Die Autofahrer sollen stattdessen die Parkhäuser besser füllen. "Der Suchverkehr nach Parkplätzen wird damit reduziert und die Innenstadt entlastet", so die Grünen weiter.

Die frei werdenden Parkflächen könnten dann zu Radstellplätzen oder zu Grünflächen umgewandelt werden. Dies würde den Radverkehr stärken und eine örtliche ästhetische Aufwertung sowie eine Verminderung der Abgasemission zur Folge haben - insgesamt also die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt verbessern.

An einer Straße geparkte Autos
(Symbolbild) | Bild: pixabay @ Arcaion

Umsetzung muss vorerst warten

Und ganz abgeneigt scheint die Stadtverwaltung dem Vorschlag der Grünen nicht zu sein. "Die Umwandlung von öffentlichem Parkraum in der Innenstadt entspricht grundsätzlich der Intention des Verkehrsentwicklungsplanes", heißt es in der Rückmeldung zum Antrag. So könnten stellenweise tatsächlich Stellflächen umgewandelt werden, sofern es zur Verbesserung für andere straßenräumliche Nutzungen oder zur Aufwertung der Innenstadt führt. Als Beispiele für das Vorgehen nennt die Stadt den Kirchplatz St. Stephan, die nördlichen Lammstraße oder die Erbprinzenstraße. Hier hat die Stadtverwaltung bereits umbauen lassen. 

Von weiteren Umwandlungen sieht die Stadt allerdings - vorerst - ab. "Derzeit sind die Belastungen aber für Anwohner, Besucher und Gewerbetreibende durch die Baustellensituation nach wie vor sehr groß und es sollte kein weiterer, grundlegender Eingriff in die bestehende Struktur erfolgen", heißt es in der Stellungnahme weiter. Ein weiterer Grund sei, dass im Zuge des Stadionneubaus die Stellplätze dort planerisch auf eine Minimum reduziert worden seinen, mit Hinblick darauf, dass die Autofahrer auch die innerstädtischen Stellflächen nutzen.

Erst Gehwegparken, dann Bewohnerparken, dann Parkplatzreduzierung?

Statt eines Umbaus der vorhandenen Parkflächen verfolgt die Stadt derzeit ohnehin ein anderes Projekt: "Faires Parken". Kern dieses Projekts ist die klare Regelung des bislang nur geduldeten Gehwegparkens. Das heißt, stellenweise wird das Parken auf dem Gehweg mittels Markierungen erlaubt; an anderer Stelle dafür nicht mehr geduldet.

Gehwegparken in Knielingen
Das neue Parkkonzept sorgt in Knielingen für Frust | Bild: ka-Reporter

"Im Anschluss wird die Verwaltung das Thema 'Bewohnerparken' in Angriff nehmen können", kündigt die Stadt bereits jetzt an. Doch dort, wo nur Anwohner parken dürfen, kommt es zu einer Verdrängung und einem Ausweichverkehr der anderen Fahrzeuge, gibt die Stadt zu bedenken. Daher ergebe es keinen Sinn, nur einzelne Straßen und Stadtteile zu beleuchten, sondern betrachtet werden müsse die komplette Stadt.

Hier sollen aber erst die Ergebnisse aus dem Projekt "Faires Parken" abgewartet werden. Diese werden frühestens ab 2019 erwartet. "In diesem Zusammenhang könnte die geforderte Stellplatzreduzierung im Bereich der Innenstadt mit analysiert und betrachtet werden", so die Stadt abschließend. Ganz ausgeschlossen ist die Reduzierung der Stellflächen für Autos in der Stadt also nicht. Von Seiten der Grünen wird dieses Vorgehen akzeptiert.

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  •   giggls
    (300 Beiträge)

    04.06.2018 10:01 Uhr
    Im Vergleich ein erstaunlich langweiliger Vorschlag!
    Gerade ist mir dieser Artikel über den Weg gelaufen.:
    https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-05/gent-nahverkehr-mobilitaet-nachhaltigkeit/komplettansicht

    Gent ist eine etwa gleich große Stadt in Belgien.

    So ein Konzept wäre mal eine wirkliche Innovation. Leider ist sowas dann halt in der Praxis erst durchsetzbar, wenn es gar nicht mehr anders geht.
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  •   SagMalWas
    (326 Beiträge)

    04.06.2018 01:49 Uhr
    Es tut sich was
    Es wurden ja hier und da schon ein paar Fahrradstraßen eingeführt, wo man vorher/nachher keinen Unterschied bemerkt hat. Aber Stück für Stück wird das ausgebaut, z.B. in der Gartenstraße wurden Parkverbotsschilder aufgestellt um das Zweite-Reihe-Parken vor den Baumscheiben zu verhindern. Paar Tage später dann wurden auf der gegenüberliegenden Seite Parkflächen auf der Straße eingezeichnet.
    Die Auswirkungen allesamt positiv. Freier Gehweg für Fußgänger. Kein Slalomfahren mehr um die Autos. Die Vorfahrt um ein incht existierendes Auto-Hindernis kann nicht mehr genommen werden. Gefühlt weniger Parkplatzsuchverkehr (gibt ja weniger jetzt? Könnte aber auch am besseren Verkehrsfluss liegen). Kein Gehupe mehr, wenn die LKWs wieder mal irgendwo "festgefahren" waren. Saubere Straßen, da die Kehrfahrzeuge nun überall hinkommen.
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  •   Der_dunkle_Turm
    (633 Beiträge)

    03.06.2018 21:46 Uhr
    Im Grunde hört sich das nicht schlecht an
    Allerdings kennt man die Agenda der Grünen zur Genüge. Zersetzung des bösen Establishments an der Basis: Abschaffung des Autos.
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  •   Gaensebluemchen
    (523 Beiträge)

    03.06.2018 19:32 Uhr
    Wir haben zu 95% ...
    ... Stehzeuge statt Fahrzeuge. Klar, solange praktisch jeder Wagen Eigentum darstellt, ob privat oder als Dienstwagen, gibt es halt diese Masse an Blechdosen, die irgendwo die meiste Zeit stehen müssen.
    Wären viele Autos in Carsharing Pools nutzbar und damit meist nur ein paar Schritte entfernt, könnte sich das Problem entspannen.
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  •   Suedweschter
    (375 Beiträge)

    03.06.2018 18:03 Uhr
    Über die Fahrzeugsteuer abfrühstücken!
    Und zwar sollte die aus einer Formel berechnet werden, bei der die Dimensionen der Karre ordentlich zu Buche schlagen. Deren Länge und Breite sollte man im Geldbeutel ruhig ordentlich spüren! Kann das mal bitte jemand dem Herrn Mentrup sagen!
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    03.06.2018 22:40 Uhr
    Herr Mentrup
    ist nicht in der Lage eine Bundessteuer zu erheben oder festzulegen.
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  •   vielvornichtsdahinter
    (1070 Beiträge)

    03.06.2018 17:54 Uhr
    Nächstes
    Jahr sind in Karlsruhe Wahlen. Da kann man den grünen gerne zeigen was man von Ihrem Plan hält grinsen
    In dem Zusammenhang kann man auch der SPD auch mitteilen das es Parteien gibt die sich wieder mehr Parkplätze einsetzen die in den letzten Jahren abgebaut worden sind grinsen
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  •   rheiniheini
    (1453 Beiträge)

    03.06.2018 14:29 Uhr
    Ich bestell
    dann halt erst recht bei Amazon
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11255 Beiträge)

    03.06.2018 13:59 Uhr
    die Grünenmal wieder,
    echt zum Kringeln...

    grinsen
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  •   ALFPFIN
    (6734 Beiträge)

    03.06.2018 12:20 Uhr
    Parkplatzreduzierung
    Es gibt Autofahrer, die nicht in Parkhäuser fahren, zum Bsp. ältere Menschen, denen die Wege, je nach dem wo sie hin wollen oder müssen zu weit sind, aus gesundheitlichen Gründen oder Frauen, die Parkhäuser meiden, das kann durchaus verstehen.
    Die Auslastung der Parkhäuser wird sicher nicht wesentlich erhöht durch weniger Parkplätze an der Straße.

    Dies würde den Radverkehr stärken und eine örtliche ästhetische Aufwertung zur Folge haben.

    Man vergisst immer, dass auch der Radverkehr nur bedingt verstärkt werden kann, die alten Menschen, die nicht mehr Rad fahren können, sterben nicht alle auf einmal aus und die jeweils mittlere bis ältere Generation ist ja schon da. Es wird auch hier durch die Generationen eine Konstante bleiben.
    Und die ästhetische Aufwertung?
    Wenn die Damen und Herren Radfahrer ihre Räder so abstellen oder „hinschmeißen“ wie man an manchen Ecken sehen kann, würde ich ja nicht von Ästhetik sprechen. 😊
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