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Karlsruhe Stadt gibt Entwarnung: Paracelsus-Schließung ohne größere Auswirkungen

In weniger als einer Woche stellt die Paracelsus-Klinik in Durlach den Betrieb ein. Bis zu 50.000 Menschen leben im Einzugsgebiet, doch die medizinische Versorgung sei gesichert, so die Stadtverwaltung.

Vom Hygiene-Skandal im Jahr 2015 konnte sich die Klinik nicht wieder komplett erholen: Damals war bekannt geworden, dass bei der Aufbereitung von medizinischen Geräten nicht hygienisch gearbeitet wurde. Im vergangenen Jahr gab es dann Personal-Engpässe: Die Notaufnahme musste kurzzeitig geschlossen werden. Endgültig geschlossen wird die Klinik nun Ende Februar. Der Betreiber-Konzern hat Ende 2017 Insolvenz angemeldet, die Klinik in Karlsruhe wollte aber kein neuer Betreiber übernehmen.

Ein Thema, das auch an den Karlsruher Stadträten nicht spurlos vorüber gegangen ist. Welche Auswirkungen hat die Insolvenz auf die medizinische Versorgung? Wie kann sie sichergestellt werden? Und können am bisherigen Standort andere Versorgungsangebote etabliert werden? Diese Fragen wollte die SPD-Fraktion von der Stadtverwaltung beantwortet wissen.

Neues Krankenhaus an gleicher Stelle?

"Der Schreck und Aufschrei war groß", so Hans Pfalzgraf für seine Fraktion in der Begründung der Anfrage. "Von der Schließung betroffen sind schätzungsweise 50.000 Einwohner." Auch wenn hier eine Entscheidung eines Privatunternehmens vorliege, liegt es seinen Augen in der kommunalen Hand, für den Notfall gerüstet zu sein. Durch die Schließung, so Pfalzgraf weiter, würde die Versorgung an Schlagkraft verlieren. "Kann man an der Stelle nicht wieder ein kleines Krankenhaus einrichten?", stellt er daher zur Debatte.

Die Stadtverwaltung gibt aber in einer Stellungnahme Entwarnung: So sei nicht davon auszugehen, dass die Schließung "gravierende Auswirkungen" auf die medizinische Versorgung und die Notfallversorgung im Stadtgebiet, einschließlich der östlichen und südöstlichen Stadtteile haben wird. Die beiden großen Kliniken, die ViDia Christlichen Kliniken, der Zusammenschluss aus dem Diakonissenkrankenhaus und den Vincentius-Kliniken, sowie das Städtische Klinikum könnten die zusätzlichen Patienten aufnehmen.

Notarzt-Entscheidung wird in Kürze erwartet

In den vergangenen Wochen sei die Belegung der Paracelsus-Klinik bereits deutlich reduziert worden, sodass eine endgültige Schließung nicht unbedingt für einen Patientenansturm auf die anderen Kliniken sorgen wird.

Ein weiteres Sorgenkind, der Notarztwagen, sei ebenfalls bereits im Fokus der neuen Planungen. Der Arbeiter Samariter Bund (ASB) Region Karlsruhe, welche den Notarzteinsatz-Fahrzeug bereits in den Nachstunden betrieben hat, will künftig auch für dessen Einsatzdienst sorgen. "Die Kliniken sollen – wie es bisher die Paracelsus-Klinik tat – den Tagdienst übernehmen, der ASB bietet an, wie bisher den Nachtdienst abzudecken. Darüber hinaus kann der Notarzt am Tag im ASB-Gebäude einen Bereitschaftsraum erhalten", so ASB-Regionalgeschäftsführer Andreas Bröker. "Aktuell prüft der ASB den Standort, eine verbindliche Aussage kann von dort in Kürze getroffen werden", so die Stadt in der Stellungnahme.

Stadträte zeigen sich auch unbesorgt

Und ein neues Krankenhaus in den Räumen der bisherigen Paracelsus-Klinik? "Ein etwaiger neuer Versorgungsauftrag kann nur durch das Sozialministerium erteilt werden, welches für die Krankenhausbedarfsplanung verantwortlich ist", erklärt die Stadt. Die Paracelsus-Klinik war laut Plan bislang für 155 Betten in Karlsruhe verantwortlich.

 

Ähnlich wie die Stadt sehen es auch einige Vertreter im Gemeinderat. Thomas Müller (CDU) sieht nach eigenen Angaben keine Probleme für die Menschen in Durlach und Karlsruhe was die ärztliche Betreuung angeht: "Die Qualität der Versorgung ist für alle gegeben." In diese Richtung geht auch der Redebeitrag von Michael Borner (Grüne), aber "die Wartezeiten in den Notaufnahmen sollen im Auge behalten werden und dürfen nicht erhöht werden." Unbesorgt ist auch der FDP-Mann Thomas Hock, der erst eingreifende Schritte unternehmen will, falls der Notarzt-Standort von Durlach nicht geklärt werden kann.

Der Text wurde bei der Beschreibung der künftigen Stationierung des Notarztes nachträglich angepasst.

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  •   Winston_Smith
    (376 Beiträge)

    23.02.2018 01:16 Uhr
    Muss das ein Loch gewesen sein
    Da macht ein ganzes Krankenhaus mir nichts dir nichts zu, und alle sind sich einig, dass der ersatzlose Wegfall keine Auswirkungen auf die Versorgung haben wird.
    Äusserst glaubwürdig.

    Ich war übrigens zweimal ambulant da, einmal Mittwoch nachmittags, einmal Sonntags. Beide Male wurde mir sofort, schnell, gut und ohne großes Geschiss geholfen - einmal davon sogar ne Mini OP mit Skalpell.

    Wahrscheinlich war diese old-fashioned Art der medizinischen Hilfe, bei der andere vllt. das Fünffache abgerechnet hätten?, ein (mit)entscheidender Fehler?
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  •   dipfele
    (4632 Beiträge)

    22.02.2018 18:10 Uhr
    Überhaupt haben die Gemeinderäte......
    ......recht blauäugig reagiert. Dass die 155 Patienten aus Durlach auch anderswo versorgt werden können, ist ohne Zweifel. Es geht aber um die langen Wege ! Bislang konnte die Klinik auf kurzem Weg vor allem von Besuchern oder ambulant Behandelten (Nachschau) erreicht werden. Jetzt sind ellenlange Wege erforderlich. Daher muss die Klinik wieder geöffnet werden !
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  •   likeka
    (285 Beiträge)

    22.02.2018 22:07 Uhr
    Richtig
    wobei das nur das Land BW über den Krankenhausbedarfsplan machen kann.
    Dazu bräuchte es einen Betreiber und vermutlich einen Neubau, zumindest einen Umbau.
    Hinzu kommt, dass (in der heutigen Zeit) eine Klinik mit nur 155 Betten -nach allem, was man hört- quasi nicht wirtschaftlich zu betrieben ist. Das ist sehr schade, wird sich aber wohl auf absehbare Zeit nicht ändern.
    Behandlungen werden immer komplizierter, Geräte teuer, etc. Da haben die kleinen Häuser kaum eine Chance, es sei denn, sie sind hochspezialisiert. Eine solche Spezialisierung bringt aber nichts für die wohnortnahe Versorgung.
    Ums kurz zu machen: Ich glaube nicht, dass das "Para" nochmal öffnet.
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  •   mcclaney
    (1372 Beiträge)

    22.02.2018 17:35 Uhr
    ...
    Dass die SPD bei dieser Gelegenheit nicht nach dem künftigen beruflichen Wohlergehen der bald arbeitslosen Klinikmitarbeiter fragt, ist ja schon symptomatisch in diesen Zeiten.
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  •   andip
    (8769 Beiträge)

    23.02.2018 08:35 Uhr
    Das Klinikpersonal
    wird sicherlich schnell neue Jobs finden, denn Pflegepersonal und Ärzte etc. sind Mangelware und werden überall ständig gesucht.
    In H4 wird da keiner abrutschen.
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  •   betablocker
    (2477 Beiträge)

    23.02.2018 09:45 Uhr
    Bei Ärzten
    weiss ichs nicht, aber Pflegepersonal wird 'eigentlich' dringend benötigt. Nur kostet das Geld und Geldausgeben scheut der Kassenwart des Krankenhauses wie der Teufel das Weihwasser. Selbst in den Bereichen wo man hochqualifizierte Pflegekräfte braucht (Intensiv zB) wird mit einer hauchdünnen Personaldecke gearbeitet was zu einer ständigen Unterbesetzung führt. Und das selbstverständlich im Dreischichtbetrieb. Es ist zu hoffen, dass alle unterkommen, aber einfach ist das nicht.
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