Browserpush
69  

Karlsruhe Stadt Karlsruhe stellt neues Klimakonzept vor: "Wir müssen sehr schnell mehr tun als bisher"

Das Thema Klima wird immer wichtiger, auch für die Stadt Karlsruhe. Wegweiser für das Handeln ist das Klimaschutzkonzept, das derzeit neu- und fortgeschrieben wird. Umweltbürgermeisterin Bettina Lisbach stellte im Rahmen einer Pressekonferenz erste Bilanzen auf, informierte über den aktuellen Sachstand und warf einen Blick in die Zukunft. Das langfristige Ziel: Bis 2050 soll Karlsruhe klimaneutral sein.

Die Diskussion um den Klimawandel ist derzeit in aller Munde. Die Temperatur steigt seit den letzten Jahren immer weiter an, was die Bürger wohl auch an den derzeitigen Hitzewellen zu spüren bekommen. "Wir müssen dringend handeln", fordert Umweltbürgermeisterin Bettina Lisbach von den Grünen.

Die Stadt hat nun ein neues Klimaschutzkonzept erarbeitet, das am vergangenen Dienstag vorgestellt wurde. Das alte Konzept wurde vor rund 10 Jahren mit dem Zielhorizont 2020 entwickelt. "Wir sind hier zwar vorangekommen, aber in den letzten Jahren langsamer, als gewollt", so Lisbach. Die Ansprüche seien gestiegen, hier müsse an Tempo zugelegt werden. Um den Weg für die nächsten Jahre festzustecken, wird das Klimaschutzkonzept nun bis zum Jahr 2030 fortgeschrieben. 

Bettina Lisbach, Umweltdezernentin der Stadt Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

"Karlsruhe hat in einigen Bereichen der Klimaanpassung eine Vorbildfunktion", lobt Lisbach. Die Fächerstadt gilt als fahrradfreundlich, stadteigene Gebäude beziehen nur Ökostrom, es gibt Klimaschutzfonds und die Abwärmenutzung der Erdölraffinerie Miro sei, laut Lisbach, in Deutschland einzigartig.

Für Klimaneutralität den CO2-Ausstoß 16-fach reduzieren

Trotz Bevölkerungszuwachs sind die CO2-Emissionen um 24 Prozent gesunken. Dies war Teil des Vorgängerkonzepts von 2009, in dem eines der Ziele war, den CO2-Außstoß pro Jahr um zwei Prozent zu verringern. "Das muss trotzdem weiter drastisch nach unten gehen", merkt Lisbach an. "Am Besten insgesamt um 60 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010." 

Denn der aktuelle Stand der Forschung belegt: Zwei Prozent weniger pro Jahr reichen nicht aus. Derzeit stößt jeder Karlsruher im Jahr noch etwa acht Tonnen CO2 aus. Dieser Wert müsste sich für eine Klimaneutralität um das 16-fache reduzieren, nämlich auf 0,5 Tonnen. Dies sei laut Umweltbürgermeisterin Lisbach die größte Hürde.

Das neue Klimaschutzkonzept der Stadt Karlsruhe bis zum Jahr 2030. | Bild: Thomas Riedel

Doch was konkret kann und will die Stadt dafür tun? Derzeit werden verschiedene Maßnahmen ausgearbeitet, die sich in den Themenbereichen Energie, Bauen und Sanieren, Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaft und Verkehr bewegen. "Das ist ein stetig laufender Prozess", erklärt Lisbach. Mithilfe von  Potentialanalysen wird geprüft, welche Maßnahmen am meisten Erfolg versprechen.

Photovoltaik ist die große Hoffnung

"In Sachen Energie durch Photovoltaik ist in der Sonnenstadt Karlsruhe noch deutlich Luft nach oben", meint Dirk Vogeley von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK). "Wir könnten 54 Prozent des Strombedarfs mit Photovoltaik abdecken!"

Ein hohes Potential ist also vorhanden. Um das in Zukunft besser auszuschöpfen, werden beispielsweise mit Hilfe eines Solarkatasters optimale Dächer für Photovoltaik in der Stadt ermittelt. Für die Bürger wird zusätzlich die Zeit berechnet, ab wann sich eine solche Anlage auf dem Dach finanziell lohnt.

Dirk Vogeley von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK). | Bild: Thomas Riedel

Zudem hat Karlsruhe mit Durlach-Aue, Knielingen und Wettersbach drei sogenannte "EnergieQuartiere". In diesen Vierteln können private Hauseigentümer über den derzeitigen energetischen Zustand ihrer Gebäude aufgeklärt und von der KEK über optimale Energieträger und energetische Gebäudesanierung zur Wärmeeinsparung beraten werden.

Privathaushalte sowohl als auch Gewerbe sind involviert

Norbert Hacker vom Umweltamt Karlsruhe kommt auf den Bereich Wirtschaft zu sprechen: "Wir müssen mit dem Gewerbe ins Gespräch über Klimaanpassung kommen, auf Unternehmen zugehen und eine Bewegung und Dynamik erzeugen. Das kann sehr arbeitsintensiv sein." Er lobt: "Einige Unternehmen in Karlsruhe verhalten sich hier schon vorbildlich!"

Für Unternehmen, die nur noch die Hälfte der CO2-Emissionen produzieren, soll es in Zukunft eine Klimaallianz geben. Zudem werde es laut Hacker einen Energieleitplan mit dem Schwerpunkt Wärme erstellt. Die kommunale Wärmeplanung wird in Baden-Württemberg voraussichtlich Pflicht.

Norbert Hacker vom Umweltamt Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

Die Stadt strebt darüber hinaus eine klimaneutrale Stadtverwaltung 2040 an - im Blick auf Mobilität, Strom, Wärme- und Kältebedarf und der Kantine. Ebenfalls soll das Fern- und Nahwärmenetz ausgebaut werden und beim Verkehr mehr auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad gesetzt werden. Auch die Öffentlichkeitsarbeit soll mit Klimaschutzkampagnen vorangetrieben werden.

Lisbach blickt abschließend in die Zukunft: "Wir werden uns nun Feedback einholen und dann in den Umweltausschuss gehen. Ende des Jahres soll der Gesamtentwurf fertig sein, daraufhin wird es ein Bürgerforum und eine Online-Bürgerbeteiligung geben, bis der Gemeinderat dann im ersten Quartal des neuen Jahres den Beschluss fällt", gibt die Umweltbürgermeisterin den Zeitplan vor. "Natürlich arbeiten wir aber schon vor dem endgültigen Gesamtentwurf an der Umsetzung verschiedener Maßnahmen."

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (69)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   andip
    (11348 Beiträge)

    01.08.2019 09:03 Uhr
    Die Bäume in der Waldstadt
    sind wegen der Trockenheit und Hitze der letzten Jahre kaputt gegangen.
    Ok, einige müssen auch wegen irgendwelcher Neubauten weg.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (11135 Beiträge)

    01.08.2019 05:53 Uhr
    An das Jahr 2009
    kann ich mich auch aus mehreren Gründen gut erinnern. Einer davon war die Angst vor Repressalien, wenn eine Unterschrift abgegeben wird, mit der es darum ging, die Entscheidung von 2002 noch einmal zu überdenken. Damals wurden nämlich Stimmen gesammelt, um einen Bürgerentscheid wiederholen zu können. Mit der Anzahl der geleisteten Unterschriften war das nötige Limit aber nicht erreicht worden. Es waren aber nicht wenige Stimmen, bei denen Menschen mit Angabe von Namen und ihrer Adresse agierten. Das jedenfalls ist ein Unterschied zu sonstigen anonymen Wahlen und Bürgerentscheiden. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass man 2002 seinen Namen mit der Abstimmung für oder gegen die Kombilösung verbinden musste.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (12469 Beiträge)

    01.08.2019 11:59 Uhr
    !
    Es waren genug Unterschriften zusammengekommen, es wurden aber juristische Winkelzüge gemacht, um einen neuen Bürgerentscheid abzulehnen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (11135 Beiträge)

    01.08.2019 05:55 Uhr
    au,
    das sollte unter den Beiztag von Oberbürgermeister Frank Mentrup: "Debatte um Straßenbahn in Karlsruher Fußgängerzone ist unnötig"
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (7902 Beiträge)

    31.07.2019 23:39 Uhr
    Wir müssen sehr schnell was tun,
    …danach werden wir langsamer. 😊
    Wie viele ältere Einfamilienhäusle gibt es, deren Besitzer ein halbes Leben die Baukosten abbezahlt haben und mit ihrem Einkommen sich die energetische Sanierung nicht leisten können. Die Mieten steigen nach energetischen Sanierungen teilweise um 50% und mehr. Die Mieter mit Einkommen oberhalb der Mitte und die von uns gut bezahlten Politiker trifft das eher nicht. Der Strom wird noch teurer, die Lebenshaltungskosten insgesamt auch. Für viele wird das nicht mehr finanzierbar sein. Schon einmal drüber nachgedacht?
    Natürlich müssen wir etwas tun, (die ganze Welt), habt doch mal den Mut einem Herrn Trump oder anderen politischen Zweiflern deutlich das zu sagen. Präs. Trump stößt persönlich so viel CO2 , das alleine ist schon sehr schädlich. 😒
    Wenn in den Ländern nicht ganz praktisch mit Maßnahmen jetzt im laufenden Leben und Umfeld in allen Bereichen begonnen wird, sind diese Klimakonzepte nur Aktionismus.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Berty87
    (1151 Beiträge)

    31.07.2019 23:05 Uhr
    Da
    Pflastert man lieber denn Marktplatz zu, anstelle für Schatten und vor allem für "grün" zu sorgen. Karlsruhe will doch eine "grüne" Stadt werden. Bäume würden hier doch der Stadtluft helfen. Sorry; Ich vergaß. Die Würzeln, die haben ja keinen Platz. Komisch das jedoch Bäume über der Tiefgarage am Schloss wachsen. Tja Karlsruhe. Viel viel vor, aber noch weniger Dahintern.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (6032 Beiträge)

    01.08.2019 15:55 Uhr
    Und die gesunden Platanen....
    … in der Kaiserstrasse werden auch abgeholzt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (12469 Beiträge)

    01.08.2019 12:22 Uhr
    !
    Über der Schlossplatz-TG wachsen KEINE Bäume.
    Das könnte man zwar annehmen, weil es zwischen den Bäumen Abgänge zur TG gibt, aber die knicken ab, die eigentliche TG liegt unter der baumfreien Fläche.
    Bäume über einer TG gibt's bei mir vor der Tür, nämlich über der TG unterm Stephanplatz, aber nur auf den extra dafür erhöht angelegten Flächen.
    Unter dem Marktplatz liegt die U-Strab-Haltestelle nicht unter dem ganzen Marktplatz, sondern in der Mitte und auf der Westseite und sie liegt schief drunter. Man könnte einige Marktplatzflächen für Bäume nutzen, aber eine gestalterisch vernünftige Lösung für den ganzen Marktplatz kriegt man so niemals hin ... Davon abgesehen wird der Marktplatz, dem Namen gerecht werdend für Märkte aller Art, als Veranstaltungsfläche gebraucht, da stören fest verwurzelte Bäume, verschiebbare Kübel sind da einfach praktischer.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (12469 Beiträge)

    01.08.2019 12:22 Uhr
    !
    Vielleicht klappt's als Link ...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (6058 Beiträge)

    31.07.2019 22:53 Uhr
    Schnell, schnell, schnell
    Ist man bei Politik und Verwaltung gar nicht gewohnt, oder?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 (7 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen