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Karlsruhe Spektakulärer Berufsalltag: Sie retten Menschenleben aus schwindelerregender Höhe

Rettungen aus schwindelerregenden Höhen sind ihr Alltag: Die Höhenretter der Feuerwehr Karlsruhe fangen dann an, wenn andere an ihre Grenzen kommen. Ob Baukräne oder Hochhäuser - ab 30 Metern Höhe beginnt ihr Arbeitsbereich. Ihr Auftrag: Menschenleben retten.

Am Dienstagmorgen wurde die Karlsruher Feuerwehr zu einem außergewöhnlichen Einsatz gerufen. Ein Kranführer hatte in seiner Kanzel rund 50 Meter über dem Asphalt gesundheitliche Probleme bekommen und befand sich in einer Notlage. Doch bei dieser Höhe stieß die Drehleiter der Feuerwehr an ihre Grenzen - die Höhenretter wurden gerufen.

Auf dem KIT-Campus wurde ein Kranführer aus 50 Metern Höhe gerettet. | Bild: Aaron Klewer/Einsatz-Report24

Einer von ihnen ist Thomas Bogenschütz. Seit 30 Jahren ist er bei der Berufsfeuerwehr Karlsruhe, seit zwölf Jahren gehört er zum Trupp derer, die wie Bergsteiger klettern und sich abseilen, wenn herkömmliche Rettungsgeräte nicht ausreichen. Er ist Leiter der Höhenrettungsgruppe. Sie besteht aus dreißig Männern und einer Frau.

Schwindelfrei: 72 Übungsstunden im Jahr

"Wir können bei Einsätzen bis zu 200 Meter erreichen", sagt er im Gespräch mit ka-news.de. So hoch hinaus geht es in Karlsruhe wohl aber kaum, kein einziges Gebäude der Stadt misst diese Höhe. 

Thomas Bogenschütz (links) ist Leiter der Höhenrettungsgruppe. | Bild: Branddirektion Karlsruhe

Damit die Höhenretter dabei schwindelfrei sind und bleiben, müssen sie jedes Jahr 72 Übungsstunden nachweisen. Das wichtigste Utensil der Höhenretter, das bei keinem Einsatz fehlen darf, ist das Seil. An ihm gesichert, bestreiten sie die meisten ihrer Spezialeinsätze. Zum  regelmäßigen Training gehört daher auch das Abseilen von Hochhäusern. 

Auch in die Tiefe seilen sich die Retter ab

Nicht nur in der Höhe, auch wenn es in die Tiefe geht sind die Seiltechniken der Höhenretter gefragt. Einmal musste in Karlsruhe beispielsweise ein Arbeiter aus der Baugrube in der Kriegsstraße gerettet werden.

"Aus gesundheitlichen Gründen wurde er mit einem Kran geborgen", sagt Bogenschütz im Gespräch mit ka-news.de. An einem Seil gesichert, wurde der Arbeiter auf den sicheren Boden gehoben. 

Höhenrettung der Feuerwehr - eine Trage ist an einem Seil gesichert. | Bild: Branddirektion Karlsruhe

Spektakulär ist wohl fast jeder ihrer Einsätze. Doch gibt es einen, der Thomas Bogenschütz besonders in Erinnerung geblieben ist? "Der Einsatz, der mich wohl am meisten geprägt hat, war die Rettung einer schwergewichtigen Person aus einer verwinkelten Dachgeschosswohnung", erzählt er.

Sogar die Fassade des Hauses mussten die Retter an diesem Tag herausschneiden. "Leider hat die Person die Dauer des Einsatzes nicht überlebt", so Bogenschütz. Ein Patentrezept, wie die Höhenretter mit solch emotional belastenden Fällen am besten umgehen, gäbe es nicht. "Ich denke, ein starker Rückhalt aus der Familie ist wichtig", sagt er. 

Glückliche Wendung beim Kranfahrer

Die Rettung des verunglückten Karlsruher Kranführer nahm jedoch eine andere Wendung, als zuerst gedacht. "Wir haben vom Kran aus eine schräge Seilbahn gespannt, über die wir die Person mit einer Trage hätten retten können", erzählt Thomas Bogenschütz.

Letzten Endes war der Kranführer allerdings wieder so stabil, dass er selbstständig über die Leiter absteigen konnte. Gesichert wurde er dabei von zwei der Höhenretter, einer stieg vor ihm, einer hinter ihm die vielen Stufen des Kranes herab. 

Hintergrund: Die Höhenrettung Karlsruhe

Die Höhenrettung ist ein Teil der Feuerwehr. In Karlsruhe setzt sie sich zusammen aus Mitgliedern der Berufsfeuerwehr und der Werksfeuerwehr des KIT. Die Weiterbildung eines Feuerwehrmannes zum Höhenretter dauert rund zwei Wochen.

Die Höhenrettung ist darauf spezialisiert, Arbeiten in großen Höhen und Tiefen, stets im Seil zu verrichten und Menschen und Tiere aus exponierten Lagen zu retten bzw. Zu bergen, wo herkömmliche Rettungsgeräte wie Drehleitern nicht ausreichen.

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  •   AlterMann
    (141 Beiträge)

    12.02.2020 17:46 Uhr
    Höhenangst
    Sicher ein äußerst interessanter Job, aber nichts für mich, in der Höhe müssten meine Kollegen erst mal mich retten.
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