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Karlsruhe Sorgenkind Europaplatz: "Die Stadt muss etwas unternehmen, sonst wird der Platz auch in 10 Jahren noch Probleme machen!"

Zu hektisch, zu dunkel, zu gefährlich - wenn Karlsruher vom Europaplatz sprechen, lassen sie selten ein gutes Haar an ihm. Tatsächlich gilt der Platz als ein krimineller Brennpunkt der Fächerstadt. Um das und damit auch das negative Bild der Bürger zu verbessern, wird die Stadt nun mit Bürgerbefragungen aktiv - doch das bringt laut Polizeirevier-Leiter Jürgen Zimmer nur bedingt etwas.

Die Bürger fühlen sich am Europaplatz nicht sicher. Das ist spätestens seit dem Bericht über das subjektive Sicherheitsempfinden aus dem Jahr 2018 klar. 56,8 Prozent der Befragten gaben damals an, sich auf dem Platz nur sehr ungern aufzuhalten. Bei Dunkelheit sind es mit 58,9 Prozent sogar noch mehr - und das, obwohl die Anzahl der Straftaten in Karlsruhe laut der Kriminalitätsstatistik 2018 mit 27.437 Fällen erneut um 0,7 Prozent gesunken ist. Woher kommt dann die Unsicherheit der Bürger?

Mit dieser Frage hat sich die Universität Heidelberg in einem Sicherheitsaudit befasst. Das Ergebnis: 58 Prozent aller befragten Karlsruher gab an, sich am "Euro" vor allem vor aggressiven und betrunkenen Gruppen zu fürchten - ein Befund, der Jürgen Zimmer, stellvertretender Dienststellenleiter des Polizeireviers am Marktplatz, nicht überrascht. Aus rund 30 Dienstjahren kennt er den Platz und dessen Probleme gut.

Jürgen Zimmer, stellvertretender Leiter des Polizeireviers Karlsruhe-Marktplatz. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Der Europaplatz ist das Kottbusser Tor Karlsruhes!"

"Hier halten die Bahnen, hier finden sich Gastronomiebetriebe, hier treffen sich die Feiernden aus der Innenstadt - in Verbindung mit Alkohol sind Auseinandersetzungen hier kein Wunder", sagt er im Gespräch mit ka-news.de. Das sieht auch eine Anwohnerin so, die am Mittwochabend an einem Bürgerrundgang des Amtes für Stadtentwicklung zum Thema Sicherheit auf dem Europaplatz teilnimmt.

Bürgermeister Albert Käuflein im Gespräch mit einer Teilnehmerin des Bürgerrundgangs. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Auf die Frage, ob sich das Sicherheitsempfinden auf dem Platz in den vergangenen Monaten ihrer Meinung nach verbessert oder verschlechtert hat, lacht sie und antwortet: "Verschlechtert natürlich! Ich meide den Platz, würde hier nie in eine andere Straßenbahn umsteigen!" Eine andere Teilnehmerin ergänzt und zieht aufgrund des Brennpunktes in Sachen Alkohol und Drogen einen Vergleich zu Berlin: "Der Europaplatz ist für mich das Kottbusser Tor Karlsruhes!"

Vor allem die spärliche Beleuchtung, der begrenzte Platz unter den Arkaden und die fehlenden Fußgängerüberwege an der Straßenbahnhaltestelle stören die Bürger. Das Amt für Stadtentwicklung möchte die Anregungen mitnehmen, denn sie sollen in die Erarbeitung eines Sicherheitskonzeptes für die Karlsruher Innenstadt einfließen. 

Die Beleuchtung auf dem Europaplatz finden viele Bürger zu spärlich. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Maßnahmen nur begrenzt eine Lösung

Außerordentliche neue Erkenntnisse waren laut Björn Weiße, Leiter des Ordnungs- und Bürgeramtes (OA), zwar nicht dabei, "aber diese sind wichtig, um sich der Bedeutung der Probleme der Bürger bewusst zu werden", wie er erklärt. Polizist Jürgen Zimmer sieht darin aber nur begrenzt eine Lösung.

Björn Weiße, Leiter des Ordnungs- und Bürgeramts, im Gespräch mit ka-news.de. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Dass es auf dem Europaplatz Probleme gibt, das kann man nicht schönreden. Die haben wir seit 30 Jahren und werden sie auch in zehn Jahren noch haben", meint er gegenüber ka-news.de und ergänzt: "Diese Maßnahmen sind nur Bausteine, die vielleicht den ein oder anderen Punkt verbessern. An der Grundproblematik aber ändern sie nichts."

Von der vieldiskutierten Option, das Areal an der Postgalerie mit Kameras zu überwachen, hält der stellvertretende Revierleiter nichts. "Das würde keinen wirklichen Erfolg bringen, da man die Daten beispielsweise nicht speichern darf." Die beste Möglichkeit auf eine Verbesserung der Sicherheit - und damit auch des subjektiven Sicherheitsempfindens der Karlsruher - auf dem "Euro" liegt für Zimmer eher in der Umgestaltung des Platzes im Zuge der Kombilösung.

"Wir müssen den Moment des Umbaus nutzen"

"Mit dem Umbau hat die Stadt eine riesengroße Chance, den Platz ganz neu zu gestalten!" Ähnlich sieht das auch Ordnungsamt-Chef Björn Weiße: "Wir müssen den Moment des Umbaus nutzen, um den Aspekt der Sicherheit mitzubedenken", meint er im Gespräch mit ka-news.de.

Der Europaplatz soll im Zuge der Kombilösung umgebaut werden, die Bahnen sollen von der Oberfläche verschwinden. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Bis es aber so weit ist, sollen vor allem die Kontrollen von Polizei und Ordnungsdienst die Situation auf dem Platz unter Kontrolle halten. Aus polizeilicher Sicht konnten laut Jürgen Zimmer hier im vergangenen Jahr gute Erfolge mit Zivilkontrollen erzielt werden. "Die Einsätze im Schwerpunktzeitraum zwischen 16 und 19 Uhr konnten so fast auf null reduziert werden - das hat deutlichen Eindruck hinterlassen!"

Die Polizei und das Ordnungsamt führen regelmäßige Kontrollen auf dem "Euro" durch. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Auch das Ordnungsamt soll laut Björn Weiße seine mehrmals täglichen Kontrollen mit noch intensiveren Streifenfahrten verstärken. "Wir überlegen sogar, ob wir eine Citystreife allein nur für den Bereich hier am Europaplatz einsetzen", meint er, fügt aber hinzu: "Die Lösung des Problems am Europaplatz ist nicht einfach - wäre sie das, hätten wir sie bestimmt schon gefunden."

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  •   Maverick
    (209 Beiträge)

    07.11.2019 14:35 Uhr
    Die Blechhütten
    machen den Platz unübersichtlich. Alle Buden weg, das Leibgrenadierdenkmal wieder hin, und für klare Strukturen sorgen.
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  •   kawai
    (163 Beiträge)

    07.11.2019 13:54 Uhr
    Videoüberwachung
    Kameras halte ich am Euro und an einigen anderen Plätzen für sehr sinnvoll. Und natürlich müssen die Daten auch z.B. 2 Tage gespeichert werden, um sie zu sichten, nachdem etwas passiert ist.

    Klar ist das kein Allheilmittel, aber wenn man sich die Aufklärungserfolge anschaut, die wir im letzten Jahrzeht allein durch die Kameras im ÖPNV erreicht haben, dann sollte man darauf nicht verzichten. Die Kosten sind nicht so gewaltig.

    Es geht hier um Aufklärung und Abschreckung von Straftaten. Nicht um das Ausspähen unbescholtener Bürger. Wer den Unterschied nicht kennt, der will ihn nicht kennen.
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