14  

Karlsruhe Sommer, Sonne, Ertrinkungsgefahr: Wie das Bad im kühlen Nass zum Risiko werden kann

Der Sommer treibt zurzeit immer mehr Menschen an Seen, Flüsse und Schwimmbäder. Doch mit der Zahl der Badenden steigt auch die Zahl der tödlichen Badeunfälle. Aber wo lauert die größte Gefahr? Und wie kann man sich dagegen schützen?

Das heiße Wetter der letzten Wochen sorgt dafür, dass die Menschen vom Wasser geradezu magisch angezogen werden. Die traurige Folge: Die Zahl der Ertrinkungstoten steigt. Um diesen Umstand weiß auch Heinz Thöne, Vizepräsident des Landesverbands Baden der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). So seien allein im Landesverband Baden in diesem Jahr bereits 38 Menschen tödlich verunglückt - Tendenz steigend. "Wir haben jetzt schon die Marke von 2017 erreicht!", sagt Thöne im Gespräch mit ka-news.

Heinz Thöne
Heinz Thöne, Vizepräsident des DLRG-Landesverbands Baden. | Bild: DLRG Landesverband Baden

Strömung im Rhein oft unterschätzt

Für die steigenden Zahlen macht der DLRG-Mann neben den hohen Temperaturen auch die Selbstüberschätzung mancher Badender sowie den momentan niedrigen Rheinpegel verantwortlich. Allein in den letzten 14 Tagen sind seinen Angaben zufolge mindestens fünf Personen im Rhein ertrunken. "Viele unterschätzen die immer noch starke Strömung im Rhein", erklärt Thöne. Doch warum ist das so? 

 

 

Diese Frage kann auch Roland Fleischer im Gespräch mit ka-news nicht sicher beantworten. Fleischer ist Pressesprecher des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen, das für die Einsätze der Wasserschutzpolizei Karlsruhe zuständig ist. Er vermutet aber, jugendlicher Leichtsinn, übermäßiger Alkoholkonsum und psychische Probleme könnten für das oftmalige Unterschätzen der Strömung verantwortlich sein. "Das Baden im Rhein ist nicht verboten, deshalb ist er für uns schwer zu überwachen", meint Heinz Thöne vom DLRG-Landesverband. 

Spazieren am Rhein
Auch wenn er harmlos wirkt: Schwimmen kann im Rhein sehr gefährlich sein. (Symbolbild) | Bild: Alfons Wiedmann

"Gesunden Menschenverstand einschalten"

Deshalb appelliert Polizeisprecher Fleischer an alle Badenden: "Man sollte seinen gesunden Menschenverstand einschalten und sich gut überlegen, ob man wirklich im Rhein schwimmen gehen will." Denn die starke Strömung sowie das Überschätzen der eigenen Schwimmfähigkeiten kann das Badevergnügen ganz schnell sehr gefährlich werden lassen.

Der Sprecher des Polizeipräsidiums Einsatz macht das an dem theoretischen Versuch deutlich, den etwa 250 Meter breiten Rhein schwimmend zu durchqueren. Hierbei könne es passieren, dass man teilweise bis zu 1,5 Kilometer von der ursprünglichen Einstiegsstelle abgetrieben wird, sagt er im Gespräch mit ka-news.

Wer in eine solche Notlage gerät: Ruhe bewahren, sich mit der Strömung treiben lassen und dann langsam Richtung Ufer schwimmen. Das empfiehlt DLRG-Mann Heinz Thöne. Doch generell gilt: Wer gefahrlos baden will, sollte auf Baggerseen und Strandbäder zurückgreifen - insbesondere auf die, die Eintritt verlangen. "Dann kann man sicher sein, dass sie von den DLRG-Ortsgruppen überwacht werden", rät Thöne.

Präventivmaßnahmen in Karlsruher Schwimmbädern

Auch die Karlsruher Schwimmbäder verzeichnen momentan einen großen Besucheransturm. Ist die Sicherheit dennoch gewährleistet? "Absolut," sagt der Chef der Karlsruher Bäder, Oliver Sternagel, auf Nachfrage von ka-news. "Wenn die Sicherheit nicht mehr gewährleistet wäre, würden wir die Bäder auch nicht öffnen." Einen tödlichen Badeunfall gab es laut Sternagel in seinen Bädern noch nicht. Eine große Anzahl Mitarbeiter sorgt dafür derzeit dafür, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Dennoch: Eine hundertprozentige Sicherheit kann auch der Bäderchef nicht garantieren. Vor allem bei Kindern besteht in den Schwimmbädern eine hohe Ertrinkungsgefahr. Dagegen gehen die Karlsruher Bäder vor: "Durch das Projekt "Schwimm Fix" beispielsweise konnten bereits über 800 Kinder schwimmen lernen", sagt Sternagel. "Schwimm Fix" ist eine Aktion des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), bei dem Lehrassistenten Nichtschwimmern - parallel zum Schwimmunterricht in der Schule - das Schwimmen beibringen.

Oliver Sternagel
Bäder-Chef Oliver Sternagel. | Bild: Karlsruher Bäder

Auch Kindergartenbesuche, bei denen den Kleinen die Baderegeln erklärt werden, oder die klassischen Hinweisschilder am Beckenrand gehören zu den Präventivmaßnahmen der Bädergesellschaft, ebenso wie das gezielte Ansprechen der Eltern vor Ort. Sternagel hofft, sie dadurch sensibilisieren zu können. Denn: "Eltern schieben die Verantwortung für die Aufsicht gerne auf das Bad ab oder überschätzen die Gefahren", erklärt der Bäderchef abschließend.

Lebensretter im Smartphone-Format

Auch einem Pfinztaler Unternehmen ist die Problematik der Badeunfälle bekannt. Seit 2012 vertreibt es daher eine kleine aufblasbare Auftriebsboje, genannt "Restube". Gründer und Inhaber der Restube GmbH, Christopher Fuhrhop, hat das Sicherheitstool erfunden. Eine brenzlige Situation beim Kitesurfen vor einigen Jahren rief in ihm selbst den Wunsch nach einem kompakten Sicherheitsprodukt hervor. 

Restube
Geschäftsführer Christopher Fuhrhop mit seiner Erfindung "Restube". | Bild: Restube GmbH

"Restube ist so klein, dass man es beim Schwimmen immer dabei haben kann", erklärt Fuhrhop den Vorteil seiner Auftriebsboje. Bereits über 90.000 Mal wurde die Erfindung laut des Geschäftsführers bereits verkauft. Wegen ihrer kompakten Form kommt die Boje mittlerweile sogar bei der Drohnenrettung an der Ostsee zum Einsatz. Ein Konzept, wie man es dem Restube-Chef zufolge vielleicht auch bald an Karlsruher Badeseen finden könnte. Entsprechende Tests würden hier bereits durchgeführt.

Mehr zum Thema

Rettungskräfte in Baden-Württemberg setzen auf Drohnen-Hilfe

Tödlicher Badeunfall im Umland: Bäder-Chef Sternagel erklärt, was für die Sicherheit der Karlsruher Badegäste getan wird

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (14)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Weichei
    (119 Beiträge)

    15.08.2018 21:24 Uhr
    Ich
    Schwamm etliche male ueber den Rhein im Rappele. allerdings auf einer Luftmatratze. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   egg-stoiner
    (38 Beiträge)

    14.08.2018 21:04 Uhr
    Früher war es...
    ganz normal im Rappenwört im Rhein zu schwimmen. Man ging ganz links rein, ließ sich treiben und ging ganz rechts wieder raus. Früher war so 60-iger,70-iger Jahre. Es hat niemand gewarnt und im Häuschen auf dem Hügel am Rhein war die DLRG stationiert. Ganz mutige ,und das waren nicht wenige, schwammen rüber in die Pfalz. Oder sie haben sich an Seilen an den Rheinschiffen ziehen lassen.
    Ist eigentlich damals mehr passiert? Mehr ertrunken? Ich weiß es nicht.

    Uns hat es damals auf jeden Fall unheimlich Spaß gemacht ungezwungen im Rhein zu schwimmen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2053 Beiträge)

    15.08.2018 08:14 Uhr
    Antwort auf "Früher war es..."
    Stellt sich zuerst einmal die Frage, ob damals wirklich nichts passiert ist oder ob man es als "normalen Schwund" angesehen hat, wenn Leute dabei um kommen.

    Zum anderen ist die Frage, ob es damals auch schon so einen dichten Schiffsverkehr und so viele private Schnellbote gab?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ralf
    (3596 Beiträge)

    14.08.2018 23:56 Uhr
    "im Häuschen auf dem Hügel am Rhein war die DLRG stationiert"
    Wird denn der Rhein im Rappenwört überhaupt noch bewacht? Offiziell ist das Schwimmen im Rhein wenn ich das richtig im Kopf habe im gesamten Stadtgebiet verboten. Ich meine, im Rappenwört stehen auch Verbotsschilder. Natürlich ist es heute gefährlicher, wenn kein Rettungsschwimmer vor Ort ist.

    Allgemein stellt sich natürlich auch die Frage, ob die Schwimmfähigkeiten der Menschen in den letzten Jahrzehnten nicht abgenommen haben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2053 Beiträge)

    15.08.2018 08:15 Uhr
    Antwort auf "im Häuschen auf dem Hügel am Rhein war die DLRG stationiert"
    Ja, auch in Rappenwört ist es verboten. Es stehen Schilder und es gibt regelmäßige Durchsagen.

    Und noch mal ja, die Schwimmfähigkeit vieler Leute hat deutlich abgenommen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (3656 Beiträge)

    15.08.2018 08:42 Uhr
    Ist ja
    ein Dauerbrenner, das Schwimmthema. Kinder die in den 60ern und 70ern nicht schwimmen konnten waren reine Exoten, das gabs eigentlich gar nicht. Das war genauso wie nicht radfahren zu können, gabs auch nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mondgesicht
    (1959 Beiträge)

    15.08.2018 08:49 Uhr
    Heute gibt es dafür
    keine Kinder, die ein Smartphone oder Tablet nicht bedienen können.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (3656 Beiträge)

    15.08.2018 09:00 Uhr
    Ja,
    da gibts dann bestimmt eine Lebensrettungsapp wenn sie mal ins Wasser fallen...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Malerdoerfler
    (4652 Beiträge)

    13.08.2018 12:55 Uhr
    Gesunden Menschenverstand einschalten
    Wie wahr!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Ein_Wanderer
    (254 Beiträge)

    13.08.2018 14:24 Uhr
    Da fragt sich so mancher:
    Wo finde ich die richtige App dafür? grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben