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Karlsruhe Sommer-Baustellen zwingen Karlsruher Bahnen zu Umleitungen: "Wir müssen auf die Tube drücken!"

Die wohl nie enden wollende Ode an die Baustelle: Pünktlich zu den Sommerferien, da werden sie zurückkehren - die Bauarbeiten im Straßenbahnnetz. Während die Baufelder der Kombilösung schon lange bekannt sind und auch noch einige Zeit bleiben werden, kommen auf Auto- und Bahnpendler weitere große Baustellen hinzu.

Neue Gleise hier, eine barrierefreie Haltestelle dort - bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) wird man der Bauarbeiten wohl nicht überdrüssig. Und das immer während der Ferienzeit, vor allem, wenn die Karlsruher in den langen Sommerferien weilen.

Doch in diesem Jahr ist alles anders, denn es wird gleich an zwei großen Knotenpunkten in der Innenstadt gearbeitet: am Mühlburger Tor und am Mendelssohnplatz. Heißt: Nicht nur Autofahrer, auch Bahnpendler müssen mit Umleitungen und Behinderungen rechnen. 

Baumaßnahmen Sommerferien 2019 VBK
Am Mühlburger Tor und am Mendelssohnplatz werden Weichen eingebaut und Gleise (neu) verlegt. | Bild: VBK

"Wir müssen auf die Tube drücken, da sind wir mit der Kasig in der Abstimmung, denn dort sind Abläufe so verknüpft, dass es sich in das Baugeschehen einfügt. Da stehen uns sonst keine Zeitfenster mehr zur Verfügung, um diese Arbeiten zu erledigen", sagt Christian Hormagk, Leiter Instandhaltung bei den VBK, am Rande eines Pressetermins zu ka-news.de. 

Haltestelle Europaplatz muss lahmgelegt werden

Konkret werden zwischen dem Mühlburger Tor und dem Europaplatz Gleise ausgetauscht und in diesem Zug an der Rampe zum U-Strab-Tunnel Weichen eingebaut. Daher entfällt die Haltestelle Europaplatz in der Kaiserstraße, dort halten zwischen dem 27. Juli und 11. September keinen Bahnen.

"Wir müssen die Gleise austauschen, denn sonst schaffen wir es nicht über den Winter", so Homagk im Rahmen der Vorstellung der Sommerbaustellen. "Diese Art von Schiene, die dort verlegt ist, neigt dazu, zu brechen - und da kann man jetzt schon sagen, dass etwas passieren wird, wenn wir das so belassen würden! Der Verschleiß ist zu groß." 

Baumaßnahmen Sommerferien 2019 VBK
Zwischen dem Europaplatz und dem Mühlburger Tor werden Gleise getauscht, ebenso in Oberreut. | Bild: VBK

In der Innenstadt wird an einem weiteren Knoten gearbeitet: am Mendelssohnplatz. Noch liegen hier für die Arbeiten am Autotunnel Hilfsbrücken, über die die Bahnen in Nord-Süd-Richtung fahren können. "Die Arbeiten in dem Areal neigen sich dem Ende zu und die Brücken müssen wieder raus. Das dauert bis Ende Oktober, hier gehen wir mit der Baustelle etwas in die Verlängerung", so Christian Homagk.

Wenn die Hilfsbrücken dann entfernt sind, wird ein neues Gleisviereck eingebaut - schließlich müssen nach Fertigstellung der Kombilösung, die Bahnen aus der Rüppurrer Straße auf die Kriegsstraße abbiegen können. 

Neue Gleise für sechs Millionen Euro

Ein drittes Baufeld machen die VBK in Oberreut auf: Hier wird ab dem Weinbrennerplatz der Verkehr der Linie 1 eingestellt und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Ab dem Bahnübergang an der Pulverhausstraße werden bis zur Albert-Braun-Straße ebenfalls die Gleise erneuert.

Gleisarbeiten AVG
Gleisarbeiten zwischen Tivoli und dem Karlsruher Hauptbahnhof. (Symbolbild). | Bild: Ingo Rothermund

Diesen Streckenabschnitt zu erneuern, lassen sich die Verkehrsbetriebe auch einiges kosten: 1,7 Millionen Euro. "Wir tauschen das Gleis nicht eins zu eins aus, sondern aus dem Schotterbett wird ein Rasengleis. Das reduziert den Lärm und das ist wesentlich teurer und das lassen wir uns was kosten", erklärt Christian Höglmeier, Technischer Leiter bei den VBK. Insgesamt verschlingen die Baumaßnahmen in den Sommerferien etwa sechs Millionen Euro. 

Baustellen in den Sommerferien 2019
Christian Hormagk, Leiter Instandhaltung bei den VBK. | Bild: ka-news.de

Neben den sommerlichen Temperaturen - zu viel Hitze ist eine Herausforderung für Mensch und Maschine - sind auch die ausgeklügelten Umleitungspläne eine Herausforderung für die Bahnen und Busse. "Leider sind alle Umleitungsstrecken in der Stadt von der Kapazität her nicht so ausgelegt wie die Hauptstrecken und da muss man immer schauen, dass das Verhältnis gewahrt wird und dass vor allem die Knoten noch funktionieren", erklärt Oliver Martin, Verkehrsplaner bei den VBK im Gespräch mit ka-news.de.

Zwei große Baustellen in der City sind eine zu viel

Es kann also immer nur so viel umgeleitet werden, wie die Knotenpunkte verkraften. "Und wir müssen die Balance finden zwischen den Bahnen, die ins Umland fahren und denen in der Innenstadt, denn Bahnen ins Umland müssen sogenannte Durchbindungslinien bleiben", so Martin weiter. Das betrifft etwa die S2 oder die S1/11. Fahrgäste sollen trotz Umleitung und Bauarbeiten ohne Umsteigen an ihr Ziel außerhalb der Stadt kommen. 

Baustellen in den Sommerferien 2019
Oliver Martin, Verkehrsplaner bei den VBK, ist seit 2002 im Unternehmen. | Bild: ka-news.de

Dass nun zwei wichtige Knotenpunkte zur Baustelle werden, macht Oliver Martin und seinem Team besonders zu schaffen. "Das wäre vor einigen Jahren noch absolut Tabu gewesen, wir haben immer vermieden, zwei solcher Baufelder zu haben. Aber das Ende vom Tunnel drängt und wir wollen fertig werden", sagt der Wirtschaftsingenieur. "Da müssen wir nun aber durch. Ich denke aber, wir haben ein gutes Netz gefunden!"

Gute Vorbereitung ist bekanntlich alles

Auch, wenn diese Umleitungsstrecken aussehen, als hätte der Würfel entschieden - da steckt ein Team aus Bahn- und Busfahrern dahinter, die diese Ausweichstrecken und Fahrpläne entwickeln. "Wir haben alle Fahrerfahrung und kennen das Netz und wissen, wo was geht. Wir überlegen gezielt, welche Bahn wir wie laufen lassen können und vor allem, wie wir die Anbindungen der Stadtteile aufrecht erhalten!"

Noch vier Wochen, bis die Sommerferien und damit die Bauarbeiten starten. Oliver Martin und seine Kollegen haben sogar den Umleitungsplan für die Sommerferien 2020 schon fertig. "Das Netz steht, der Fahrplan noch nicht", sagt er im Gespräch mit ka-news.de. "Wir wissen also, was auf uns zu kommt, das stellen wir dann der Stadt vor, denn wir müssen uns untereinander gut abstimmen - deswegen planen wir etwa anderthalb Jahre im Voraus!" 

Dateiname : VBK-Infoheft Bauarbeiten in den Sommerferien 2019
Dateigröße : 6.17 MBytes.
Datum : 26.06.2019 15:11
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Kommentare (16)
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  •   dipfele
    (5360 Beiträge)

    27.06.2019 16:57 Uhr
    Grundsätzlich muss gefragt werden.....
    was für "Spezialisten" hier am Werk sind. Die hervorragende Planung konnte der leidgeprüfte Fahrgast bereits an Pfingsten 2018 (!) und 2019 auf dem Bahnhofsvorplatz erfahren. Beides mal wurde am Pfingsten und den Sonntagen nicht gearbeitet. Da hätte man den Fahrgästen wenigstens zwei Tage weniger Unheil ersparen können. Dazu kommt noch, dass die Spezialisten 2018 vergessen hatten, eine Weiche auf dem total gesperrten Bahnhofsvorplatz zu erneuern .
    Wegen dem Einbau zweier Weichen gleich wochenlang den Betrieb lahm zu legen, ist unverständlich. Das ist eine Wochenendarbeit !! Und ob die Gleise in der Kaiserstrasse wirklich erneuert werden müssen ist mehr als fraglich. Auf solch eine Fehlplanung auch noch stolz zu sein, zeigt den Erfahrungsstand der Spezialisten !!
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  •   likeka
    (447 Beiträge)

    27.06.2019 20:02 Uhr
    Spezialisten
    Da man eh an der Brauerstraße gesperrt hatte, konnte man auch gleich noch eine Weiche am Hauptbahnhof austauschen, es waren ja noch zwei Gleise befahrbar.
    So eine Weiche ist eben nicht ganz billig, wenn für 2018 kein Budget mehr da war (Vermutung) muss man es halt im Jahr drauf machen (hat ja sinnvoll in die Bauplanung gepasst). Dazu kommt, dass dann im letzten Jahr die Baustelle einen noch größeren Teil des Bahnhofsplatzes in Anspruch genommen hätte.
    Ein weiterer Grund könnte sein, dass bei größerem Bauumfang die Pfingstferien zeitlich nicht gereicht hätten für alle Arbeiten am Bahnhofsplatz.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11179 Beiträge)

    27.06.2019 14:34 Uhr
    "Gleisarbeiten zwischen Tivoli und dem Karlsruher Hauptbahnhof."
    die never ending Story...
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  •   Herbie51
    (1 Beiträge)

    26.06.2019 19:37 Uhr
    VBK
    Aber das Ende vom Tunnel drängt ……
    Was hätten die VBK gemacht wenn der Tunnel pünktlich fertig gewesen wäre?
    Entweder der Kommentar ist von Leuten ohne Bezug zur Realität oder man will die Lete bewusst verarschen!!
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  •   froschi
    (63 Beiträge)

    26.06.2019 18:11 Uhr
    Zwei Gleisvierecke in wenigen hundert Metern Abstand
    wird es dann geben: Eines auf der Kreuzung Rüppurrer Straße / Baumeisterstraße, hier wurde erst vor kurzem aufwändig ein vierter Gleisbogen eingebaut. Dieses Gleisviereck wird künftig überflüssig, ebenso wie die Gleise in der Philipp-Reis-Straße. Und dazu jetzt ein neues Gleisviereck auf der Kreuzung Rüppurrer Straße / Kriegsstraße. Falls auch noch ein neues Gleisdreieck an der Ostendstraße / Ludwig-Erhard-Allee kommen sollte (weiß jemand ob dies der Fall ist?), dann könnte man um das Check-In-Center herum im Kreis fahren und bekäme eine Wendemöglichkeit nahe der Innenstadt.
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  •   dipfele
    (5360 Beiträge)

    27.06.2019 16:41 Uhr
    Es war geplant....
    …..die Straba weiter in der Ettlinger Str. (marktplatz- Hbf) fahren zu lassen. Desshalb wurde auf der Kreuzung Ettlinger Str.- Baumeisterstrasse ein Gleisviereck gebaut und die Fahrleitungsanlage in der Ettlinger Str. so umgebaut, dass die leise je nach Tunnelbau, verschwenkt werden können. Das gante für etwa 1,5 Mio. Da aber Kosten eingespart werden sollten durch Verzicht der Straba in der Ettlinger Str. musste für eine weitere Mio der Gleisbogen Rüppurrer Str. Richtung Hbf für 1,0 Mio eingebaut werden.
    Der Umleitungsverkehr S1/11 und der Bus Nr. 10 kosten 100.000,-€ /m. Zwischen Nov. 2013 bis zur Inbetriebnahme der Kombi 2021 werden rund 100 Monate vergangen sein. Das macht dann Umleitungskosten von 10 Mio und an unnötigen Baukosten 2,5 Mio, zusammen 12,5 Mio. 8 Mio sollten durch weglassen der Gleise in der Ettlingerstr. eingespart werden. Aber solche Peanuts stören keine Sau !!
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  •   ALFPFIN
    (6693 Beiträge)

    27.06.2019 18:10 Uhr
    Ne,
    so Säule interessiert es wohl nicht. 😉
    Ich schätze mal zwei Jahre nach Inbetriebnahme kostet meine Jahreskarte das Eineinhalbfache, die jährlichen Erhöhungen nicht eingerechnet und nach höchsten 3-4 Jahren das Doppelte. Wird zur Kostendeckung bzw. Verminderung der Baukosten auch nichts beitragen, schon deshalb weil wohl einige heutigen Fahrgäste abspringen werden. Und auf einen Zuschuss von den Schwaben dürfen wir ja nicht hoffen. Da wird uns Herrn Kretschmann sagen, sollte er nochmal MP werden, was braucht ihr eine UStrab, langt doch wenn wir an unserem Bahnhof noch 20 Jahre bauen. grinsen
    Mich wird die fast totale Sperrung der Knotenpunkte erheblich Zeit kosten und natürlich viele andere, die pendeln müssen. Da ist es auch kein Trost, ob ich irgendwann einmal auf der Kaiserstraße flanieren könnte, so an den Döners, Coffeeshops vorbei.
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  •   mueck
    (10572 Beiträge)

    27.06.2019 00:32 Uhr
    !
    Geplant ist es leider nicht, müsste man der VBK noch vorschlagen, wenn sie hier nicht mitlesen ... zwinkern
    Im Zweifel reichen schon 2 Weichen für den Innenbogen aus Richtung Mendelssohnplatz rechts in die Ostendstr. rein, dann kann man schon von überall her wenden (außer aus der Kapellenstr., das ist verschmerzbar) und man hätte sozusagen einen 2. Kaiserplatz (da kann man ja auch aus beiden Richtungen wenden) im Osten der City. Nach der aktuellen Planung kann man nur aus Richtung Gottesau wenden. Die frühere "Stadtteilumfahrung" über Durlacher Tor und Tullastr. gibt's ja nicht mehr, da wäre Ersatz gut und die Gleise in der Philipp-Reis-Str. hätten noch einen Sinn für die betriebliche Flexibilität.
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  •   Holzbierebub
    (212 Beiträge)

    27.06.2019 13:02 Uhr
    Sag mal,
    arbeitest du bei dem Verein, oder warum bist du immer so gut informiert?
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  •   mueck
    (10572 Beiträge)

    27.06.2019 13:11 Uhr
    !
    Man kann auch durch ehrenamtliches verkehrspolitisches Engagement gut informiert sein, wenn man sich bemüht ...
    Leider ohne Bezahlung, aber wenn jemand meine Kontonummer sucht, bin ich gerne behilflich ... zwinkern
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