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Karlsruhe Sind dicke Mütter schuld, wenn ihre Kinder dick werden? Neues Karlsruher Institut für Kinderernährung will die Zusammenhänge erforschen

Am Karlsruher Max Rubner-Institut wurde Anfang Februar das "Institut für Kinderernährung" neu eröffnet. Noch läuft die Einrichtung, erste Stellen sind ausgeschrieben, bald schon soll geforscht werden: Zwölf Wissenschaftler und neun weitere Mitarbeiter werden hier demnächst das Zusammenwirken verschiedener Einflüsse auf die frühe Prägung von Krankheitsrisiken - einschließlich der Entstehung von Übergewicht und ernährungsmitbedingten Krankheiten - und des Ernährungsverhaltens von Kindern untersuchen. Mit dem Ziel, präventive Konzepte zu entwickeln.

Denn Übergewicht spielt bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland immer noch eine große Rolle - die Zahlen stagnieren, aber auf einem sehr hohen Niveau. Auf die Altersgruppe der 3- bis 17-jährigen gerechnet, sind 19,3 Prozent der Kinder übergewichtig oder adipös. Gerade in der Altersgruppe der jungen Frauen im gebärfähigen Alter sei eine Zunahme von Adipositas zu beobachten, sagt die Leiterin des neuen Instituts, Professor Regina Ensenauer im Gespräch mit ka-news.

Prof. Dr. Regina Ensenauer
Prof. Dr. Regina Ensenauer, Leiterin des neuen Instituts für Kinderernährung | Bild: Klinikum der Universität München

Von der Geburt an bis ins Erwachsenenalter

Einen lebensphasenspezifischen Ansatz zur Entwicklung von altersabhängigen präventiven Konzepten zur Senkung von Übergewicht und Adipositas hat sich Regina Ensenauer auf die Fahnen geschrieben. 2010 begann sie an ihrem alten Arbeitsplatz in München - in Zusammenarbeit mit den beiden Münchner Universitäten und der Universität Düsseldorf - eine Studie mit 1.700 adipösen und normalgewichtigen Schwangeren.

Diese Frauen und ihre Kinder werden seither begleitet und auf ihr Ernährungsverhalten und dessen Auswirkungen auf den Stoffwechsel hin untersucht. Dies ist bereits während der Schwangerschaft und Stillzeit so geschehen und soll nun in verschiedenen Altersstufen bis ins Erwachsenenalter weitergeführt werden.

Einfluss der Ernährung in der Schwangerschaft wird untersucht

Gerade der Einfluss der Ernährung während der Schwangerschaft auf das Kind sei noch nicht ausreichend erforscht, ebenso die Auswirkungen des Stillens. "Wir wissen beispielsweise, dass stark adipöse Schwangere häufiger zu Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes oder Bluthochdruck neigen und dass diese Erkrankungen natürlich auch Auswirkungen auf die Gesundheit des Fötus haben."

Auf die Frage, ob übergewichtige Frauen eher dazu neigen, übergewichtige Kinder zu bekommen, sagt Regina Ensenauer, dass diese Kinder schon ein erhöhtes Risiko haben, übergewichtig zu werden, denn bei einer Überernährung der Mutter, werde auch das Kind im Mutterleib überernährt.

Institut für Kinderernährung in Karlsruhe eröffnet
Wie kann Adipositas verhindert werden - im Kindesalter oder schon im Mutterleib? | Bild: Pixabay/Stocksnap

Aber wie sich Gewicht und Gesundheit weiterentwickeln, wenn das Kind älter wird, ist noch unklar. "Deshalb wollen wir jetzt die Gewichts- und Gesundheitsentwicklung der Kinder genau verfolgen, um auch mögliche Anpassungsprozesse über die Jahre hinweg zu erkennen und zu dokumentieren - bei Kleinkindern, aber später auch bei Schülern und Jugendlichen."Auch der Einfluss der sozio-ökonomischen Stellung auf das Ernährungsverhalten und die Entwicklung des Kindes soll erforscht werden. 

Gesellschaftliche Einflüsse über die Jahre

Auf das Ernährungsverhalten wirken nicht nur die Eltern ein, auch Gesellschaft und Wirtschaft tragen ihren Anteil daran. Momentan seien beispielsweise so genannte "Quetschbeutel" in der Ernährung kleiner Kinder sehr beliebt. Sie suggerieren als Fruchtprodukt eine gewisse Qualität und Gesundheit, enthalten aber teilweise viel Zucker und können negativen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes haben - etwa was die Mundmotorik, die Zahngesundheit aber auch die soziale Interaktion am Esstisch betrifft. "Das sind natürlich alles noch Hypothesen und Beobachtungen von Kinderärzten, die Auswirkungen müssen noch erforscht werden", sagt die Institutsleiterin gegenüber ka-news.

Gemüse
Gesunde Ernährung mit viel Gemüse schützt die Gefäße. | Bild: Christin Klose

Aus den Forschungsergebnissen könne man dann gegebenenfalls Handlungsanweisungen für Eltern ableiten. Denn "von Geburt an spielt die Ernährung und die Interaktion zwischen Eltern und Kindern für die Entwicklung eines gesunden Ernährungsverhaltens eine zentrale Rolle - vom Stillen über die Beikost bis hin zum gemeinsamen Essen am Familientisch", erklärt Ensenauer.

Max Rubner-Institut Karlsruhe
Max Rubner-Institut Karlsruhe | Bild: Heike Schwitalla

Innovation aus Karlsruhe: Neue Forschungsfelder

Forschungsfelder wie dieses gebe es viele. Welche zukünftig in Karlsruhe berücksichtigt werden, hängt auch von den Wissenschaftlern ab, die an MRI zukünftig arbeiten werden. Generell müsse man aber erst einmal versuchen, alle weltweit bereits zugänglichen Informationen zusammenzutragen, um diese auszuwerten und um daraus erste Schlüsse zu ziehen. Daraus können sich dann ebenfalls neue Forschungsansätze für das neue Karlsruher Institut entwickeln.

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Kommentare (30)
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  •   Senfdazu
    (204 Beiträge)

    19.03.2019 06:02 Uhr
    😎
    Immer, wenn ich gefragt werde "Is' was?", dann tue ich das und esse 'was.
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  •   Joerg_Rupp
    (2609 Beiträge)

    18.03.2019 16:36 Uhr
    ARtikel mit den Überschriften
    Fridays For Future, Helikoptereltern, Übergewichtige Kinder, Elterntaxis, ..... reproduzieren dieselben Klischees und Vorurteile. Es ist ziemlich unerträglich
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  •   mcclaney
    (1427 Beiträge)

    18.03.2019 16:11 Uhr
    ...
    Es geht darum, dass persönliche Beobachtungen hergezogen werden, um einen allgemeinen Sachverhalt zu erläutern. Die Beobachtung "mein Mann (Lehrer)" taugt halt nicht als Argumentationsgrundlage, so überzeugend sie vom Standpunkt des Beobachters auch sein mag. Trotzdem werden daraus dann Schlüsse gezogen, die auf einen viel größeren Zusammenhang hin umgemünzt werden. Und plötzlich sind Kinder bleich und dick.
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  •   mcclaney
    (1427 Beiträge)

    18.03.2019 16:13 Uhr
    ...
    Hey, ka-news...eure Kommentarfunktion ist von vorgestern....kein Editieren, kein Löschen....
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  •   bohnerc
    (108 Beiträge)

    18.03.2019 17:48 Uhr
    Ihr Hinweis.
    Ihre Anregungen nehmen wir gerne mit.
    Schönen Abend!
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  •   Prof.Baerlapp
    (637 Beiträge)

    18.03.2019 12:01 Uhr
    Das Thema "übergewichtige Kinder"
    scheint jedenfalls von erheblicher Bedeutung für Karlsruhe zu sein. Quasi lebenswichtig. Fast schon so bedeutsam wie die freitäglichen Klima-Streiks, zu denen hier schon dutzendfach Artikel erschienen sind.

    Wohingegen das Beschießen einer Straßenbahn mit einem Luftdruckgewehr nicht kommentiert werden darf. Könnte so ein Thema die Bevölkerung zu sehr beunruhigen? Dürfen vor der Kommunalwahl nur noch Öko- und Wohlfühl-Themen kommentiert werden?
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  •   redaktion
    (1062 Beiträge)

    18.03.2019 15:12 Uhr
    Lieber User,
    es ist generell nicht möglich, überregionale Themen (Artikel aus der dpa-Nachrichtenredaktion) auf unserer Seite zu kommentieren.

    Wir nehmen an, Sie sprechen von dem Vorfall in Utrecht: Auch wenn wir das Thema auf lokal aufgegriffen hätten, bliebe der Kommentarbereich geschlossen. Aus Pietätsgründen gegenüber den Angehörigen der Opfer lassen wir keine Kommentare bei Unfällen, Unglücken oder Verbrechen, bei denen Menschen getötet oder lebensgefährlich verletzt worden sind zu.

    Mehr dazu hier: https://www.ka-news.de/intern/Wie-wir-Kommentare-moderieren;art1653,951163

    Bitte kommentieren Sie sachlich.

    VG die ka-news-Redaktion
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  •   andip
    (9495 Beiträge)

    18.03.2019 15:52 Uhr
    Sorry
    aber die Kritik bezog sich auf den Vorfall in Karlsruhe, der auch unter den Nachrichten aus Karlsruhe zu finden ist.
    Opfer wie Tote oder Schwerverletzte gab es dabei auch keine.
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  •   Prof.Baerlapp
    (637 Beiträge)

    18.03.2019 15:56 Uhr
    Korrekt.
    Gemeint war der Vorfall in Karlsruhe. Von der Geschichte in Utrecht war mir zum Zeitpunkt meines Kommentars noch gar nichts bekannt.
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  •   bohnerc
    (108 Beiträge)

    18.03.2019 17:38 Uhr
    Kommentarbereich bei Poliziemeldungen geschlossen.
    Liebe User,

    der Kommentarbereich unter Polizeimeldungen ist bei uns geschlossen.

    Leider haben wir in der Vergangenheit die Erfahrung machen müssen, dass die Diskussionen unter Polizeimeldungen selten von sachlichen Argumenten geprägt waren. Vielmehr wurde verstärkt emotional und mit persönlichen Bezügen diskutiert – ohne Rücksicht auf Unschuldsvermutung und Pietät gegenüber Beteiligten und Angehörigen.

    Immer wieder mussten wir als Redaktion moderierend eingreifen und Kommentarbereiche schließen. Das bedeutet nicht, dass wir Themengebiete von Debatten ausnehmen: Wir bieten weiterhin gerne eine Plattform rund um die Themen "Sicherheit in Karlsruhe" - und werden dazu Artikel zu ausgewählten Themenschwerpunkten mit offener Kommentarfunktion veröffentlichen.

    Wir freuen uns darüber hinaus immer über Themenvorschläge und Hinweise: Kontaktieren Sie uns per Mail oder mit dem ka-Reporter-Formular: www.ka-news.de/ka-reporter

    Viele Grüße aus der ka-news-Redaktion
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