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Karlsruhe Sind Karlsruher Sportvereine vom Aussterben bedroht? - "Von 'Vereinssterben' kann keine Rede sein, es ist aber schwer, Helfer zu finden"

Viele Menschen betreiben zum Ausgleich nach einem Bürotag regelmäßig Sport, viele davon in Vereinen. Etwa 2.500 Vereine gibt es in Nordbaden: Vom Klettern über Fußball bis hin zu Kampfsport - hier wird sicherlich jeder fündig. Dabei reden viele vom "Vereinssterben". Ist das überhaupt der Fall? ka-news ist auf Spurensuche.

Vereine haben in Deutschland eine große Tradition und sind aus dem gesellschaftlichen Miteinander gar nicht mehr wegzudenken. Gerade Sportvereine sind wichtige Anlaufstellen, nicht nur für Jugendliche. In Nordbaden kümmert sich der Dachverband Badischer Sportbund Nord (BSB Nord), mit Sitz in Karlsruhe, um die Belange und Interessen von über 2.500 Vereinen und 775.000 Mitgliedern.

PSK Lions
(Symbolbild) | Bild: Paul Needham

"Ich bin der festen Überzeugung, dass unser Vereinswesen in Deutschland auch über den Sport hinaus ein echtes Pfund ist, von dem die Gesellschaft stark profitiert", sagt Florian Dürr, Geschäftsbereichsleiter Sport- und Vereinsentwicklung beim Badischen Sportbund Nord.

Florian Dürr BSB Nord
Florian Dürr ist Geschäftsbereichsleiter Sport- und Vereinsentwicklung beim Badischen Sportbund Nord (BSB Nord). | Bild: BSB

Dabei geht es nicht nur um die gesundheitlichen Aspekte, die eine Mitgliedschaft in einem Sportverein mit sich bringt, sondern auch um Werte wie Toleranz und Fair Play: "Der zentrale Aspekt ist für mich aber der Aspekt der Gemeinschaft. Gerade in Zeiten starker gesellschaftlicher Wandlungsprozesse benötigen wir Institutionen wie (Sport-)Vereine, die neben der Familie Orte der Begegnung, des Austausches und auch des gemeinsamen Gestaltens (ohne kommerzielle Interessen) sind. Dieses 'Kulturpfund' gilt es zu stärken, zu entwickeln und zu bewahren", erklärt Dürr gegenüber ka-news.

Verein als "Gegenpol zu digitalen Welt"

Gerade auch Jugendliche profitieren in vielerlei Hinsicht vom Vereinsleben. Statt nur über dem Smartphone zu hängen, treiben sie gemeinsam mit anderen Sport. Das stellt einen "Gegenpol zu der digitalen Welt, in der Jugendliche auch leben" dar, erklärt Dürr. "Jugendliche lernen nahezu in jeder Sportart, sich Konflikten zu stellen, denn diese bleiben im Sport nicht aus", sagt er.

Volleyball in der Sporthalle
Bild: pixabay.com

"An meinem Sohn habe ich gesehen, wie wichtig es sein kann, durch Leistungssport ein Ziel zu haben, für das es sich zu trainieren lohnt. Man verbringt die Wochenenden lieber in der Schwimmhalle als auf Partys, um es mal platt zu sagen. Gerade in der Pubertät kann das ein wichtiger Stabilitätsanker sein", so Dürr.

Herausforderungen im Vereinsleben

Doch wie steht es eigentlich um die Vereine in Nordbaden? Immer wieder macht das Wort "Vereinssterben" die Runde. "Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann ist das ein Mythos. Das belegen die Mitgliederzahlen", weiß Floran Dürr. Von 2016 bis 2018 sind im Badischen Sportbund die Mitgliederzahlen gestiegen. "Da kann man also überhaupt nicht von einem 'Vereinssterben' sprechen!"

Aikido
(Symbolbild) | Bild: pixabay.com

Dennoch verweist auch Dürr auf aktuelle Herausforderungen der Sportvereine: "Das größte Problem ist die Gewinnung von ehrenamtlichen Funktionsträgern. Es sind aber nicht nur Ehrenamtliche, auch Übungsleiter oder Kampfrichter sind Positionen, die schwierig zu besetzen sind. Personal ist somit das Kernproblem." Zudem sei auch die Belastung durch bürokratische Anforderungen für Vereine in den letzten Jahren gestiegen. Hier erhofft sich Florian Dürr künftig mehr Entlastung. Bereits jetzt wird an Lösungsansätzen gearbeitet. Aktuell werden interne Absprachen zur besseren Arbeitsverteilung bei Ehrenamtlichen verbessert.

"Schatz an Unterschiedlichkeit"

"In einigen Vereinen wird man künftig aber nicht umhinkommen, einzelne Teile der Arbeit auszulagern oder über bezahlte Mitarbeit nachzudenken - nicht um das Ehrenamt zurückzufahren, sondern um es zu stärken, indem sich die Engagierten wieder auf die wesentlichen Punkte, den Sport und die Entwicklung des Vereinslebens konzentrieren können", so Florian Dürr, Geschäftsbereichsleiter Sport- und Vereinsentwicklung, im Gespräch mit ka-news.

Junge Fußballspieler
(Symbolbild) | Bild: pixabay.com @ mokhtarakel1

Die Vereinskultur in der Fächerstadt betrachtet er übrigens positiv. "Auffällig und bemerkenswert ist die schon seit langem gute städtische Unterstützung der Vereine", erzählt Dürr.

Im Badischen Sportbund Nord sind die verschiedensten Sportarten angesiedelt und vereint, ob Fußball, Kegeln, Turnen oder Aikido. Gerade dieser "Schatz an Unterschiedlichkeit", verdiene auch medial mehr Beachtung, wie Florian Dürr betont. "Wir haben ein Herz für alle Sportarten", so Dürr weiter. Die meisten Mitglieder im Badischen Sportbund Nord hat aktuell der Fußballverein TSG Hoffenheim. Besonders gefragt sind im Moment übrigens Outdoor-Sportarten wie der Bergsport. "Die Kletterhallen boomen ohne Ende", verrät Florian Dürr.

Klettern
(Symbolbild) | Bild: pixabay.com
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Kommentare (6)
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  •   andip
    (9495 Beiträge)

    11.03.2019 11:58 Uhr
    Nun ja
    Mitglied in einem Verein zu sein, bedeutet auch, dass man da sich regelmässig blicken lässt und das macht/übt, dem sich der Verein gewidmet hat, egal ob Sport, Singen, Skat oder was man da sonst noch macht.
    Dazu sind heutzutage, aber auch schon seit einiger Zeit, die Leute immer weniger bereit.
    Die wollen was machen, wenn sie dazu Lust haben und nicht dann, wenn es dafür einen festen Termin gibt und man muss.
    Das Jugendliche in der Pubertät alles mögliche in ihren Köpfen haben, nur nicht sich in einem Verein zu betätigen /engagieren, war allerdings schon immer so.
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  •   hajmo
    (4134 Beiträge)

    11.03.2019 13:31 Uhr
    war allerdings schon immer so.
    Das stimmt nicht!

    Ich habe in meiner Jugend Handball gespielt und da war die ganze Mannschaft vor Ort, wenn es was zu tun gab. Das war damals noch auf einem Großfeld und da gab es immer was zu tun (sog. Arbeitseinsätze).

    Auch später, bei anderen Sportarten, die ich betrieben habe, war nach dem Training immer noch ein gemütliches Beisammensein in der Vereinsgaststätte. Man bekam manchesmal keinen Platz mehr im Lokal. Heute verschwinden alle nach dem Duschen. Die Kneipe musse zu machen.
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  •   andip
    (9495 Beiträge)

    11.03.2019 16:00 Uhr
    OK
    Sicher waren/sind nicht alle Jugendliche so.
    Aber nicht nur aus eigenen Erfahrungen weiss ich, das eben viele als Kinder etwas begeistert gemacht haben, auch in Vereinen.
    Dann kam die Pubertät, die erste Liebe und anderes und dann war die Begeisterung verflogen und man machte es dann gar nicht mehr oder nur widerwillig .
    Bei den einen gab sich diese Phase wieder, andere dagegen liessen es dann für immer bleiben.
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  •   amico
    (5 Beiträge)

    11.03.2019 09:28 Uhr
    Ehrenamt
    das Problem ist : beim Ehrenamt wird man so eingespannt das man kaum noch Zeit hat etwas anderes zu machen , geschweige denn das Amt zu genießen. Es werden in den Profivereinen , gerade beim Fussball, zuviel Gelder bezahlt wodurch in den Dorfvereinen kaum etwas ankommt.Die Sportfeste die man veranstalten muss um etwas Geld einzunehmen sind sehr anstrengend und Bedarf natürlich ehrenamtliche Helfer. Da bleibt gerade soviel hängen, da frisst ein Profi mal soeben ein einziges Steak davon.
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  •   10tacle
    (265 Beiträge)

    11.03.2019 09:23 Uhr
    Kommt mir bekannt vor
    Genau dasselbe Problem kenne ich auch aus 2 Vereinen. Scheint eine Folge unserer Anspruchsgesellschaft zu sein. Ich zahle Betrag, also bespaßt mich gefälligst.
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  •   zahlenbeutler
    (1129 Beiträge)

    11.03.2019 11:33 Uhr
    hinzu kommt
    daß es durch insbesondere amtliche Auflagen z.b. ständig neue Verwaltungsvorschriften für Vereine im Steuerrecht etc. immer aufwendiger wird, eine ehrenamtliche Tätigkeit auszuüben. Ich halte ehrenamtliche Arbeit für sehr wichtig, ohne die würde vieles überhaupt nicht mehr gehen, bei mir selber ist allerdings mit ca. 10-12 Stunden in der Woche für diese Sache das Ende der Fahnenstange erreicht und so geht es sicher vielen Ehrenamtlichen, hinzu kommt, daß viele, die ich kenne auch schon das Rentenalter erreicht haben, glücklicherweise rücken einige noch ziemlich junge nach, der Mittelbau fehlt aber fast völlig. Und noch was, man braucht dazu ein gesundes Selbstbewußtsein, um manchmal die Häme derer zu ertragen, die nichts tun, aber alles zu kritisieren und besser zu machen haben.
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