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Karlsruhe Sicherheit in Reisebussen: Hohe Durchfallquote bei Kontrollen wirft ein schlechtes Licht auf die Branche und "trifft nicht die Wahrheit"

Das Thema Sicherheit in Bussen sorgt in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen. Sind Reisebusse häufiger in Unfälle verwickelt? Sind sie zu gefährlich? Oder wird das Thema medial zu sehr aufgebauscht? ka-news hat mit Polizei, Busunternehmen und dem Baden-Württembergischen Omnibusverband gesprochen.

Der Fern- und Reisebusmarkt wächst und wächst. Doch zuletzt machten immer wieder Berichte über Unfälle und Sicherheitsrisiken die Runde. Im vergangenen Jahr führte die Polizei Karlsruhe einige Schwerpunktkontrollen durch. Dabei blieb nur ein Bus unbeanstandet. Eine Fakt, der Sorge bereitet?

Bild: Thomas Riedel

Der WBO, Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer, widerspricht dem und verweist auf Zahlen des TÜV sowie des Statistischen Bundesamtes. "Ich glaube, das Thema wird sehr viel aufgebauscht. Da sind auch immer wieder einige Fehlinformation dabei", so Klaus Zimmermann, Pressesprecher des WBO gegenüber ka-news. Dennoch sind die Zahlen der Polizei zumindest auf den ersten Blick alarmierend.

Im Zuständigkeitsbereich des Regierungspräsidiums Karlsruhe wurden im Jahr 2018 (Stand November 2018) 1.700 Busse kontrolliert, davon 880 beanstandet. Bei 314 Fahrzeugen wurden technische Defizite erkannt. Des Weiteren kam es zu 1.800 Verstößen (Mehrfachverstöße) gegen die Sozialvorschriften, also vor allem Lenk- und Ruhezeiten.

Ist der Bus das "sicherste Verkehrsmittel"?

"Die Fahrer stehen oft sehr unter Druck und halten deshalb die vorgeschriebenen Zeiten nicht ein", erklärt Sabine Doll, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Karlsruhe im Gespräch mit ka-news. Weitere Mängel wurden nach Aussage Dolls vor allem im technischen Bereich festgestellt, genauer gesagt an der Bremsanlage. Ferner gehörten zu den häufigsten Vergehen Mängel an Achsen, Rädern, Reifen, der Aufhängung sowie der Ladungssicherung.

Grafik Bus I
Gemessen an der Beförderungsleistung in Personenkilometern bleibt die Anzahl an Verkehrsunfällen mit Bussen gering. | Bild: Statistisches Bundesamt 2013-2017

"Die Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten sind für uns weniger ein Problem, dennoch gibt es auch hier leider Schwarze Schafe. Allerdings betrifft dies oftmals Fahrer, die, mit Reisebussen oder auch Kleinbussen aus dem Ausland kommend, teils schon viele Stunden ohne Pausen unterwegs sind", meint Zimmermann. Der Bus bleibt somit aus Sicht vom WBO "das sicherste Verkehrsmittel" auf deutschen Straßen, so Zimmermann. Genau das belegen auch die Zahlen (siehe ka-news Hintergrund). Doch woher kommen dann die hohen Beanstandungsquoten wie zuletzt in Karlsruhe?

"Bei den Kontrollen in Karlsruhe im Oktober wurden beispielsweise gezielt Fahrzeuge kontrolliert, bei denen Mängel am Fahrzeug zu erwarten waren", erläutert Zimmermann. Hier standen also vor allem Busunternehmen im Fokus, die bereits in der Vergangenheit negativ aufgefallen sind. "Leider ist es so, dass diese Busse oftmals nicht in Deutschland zugelassen sind und entsprechend zwar die europaweit vorgeschriebene Hauptuntersuchung (HU) vorliegt, aber zwischenzeitlich entstehende Mängel, die bei der deutschen Sicherheitsprüfung auffallen würden, nicht beseitigt werden", erklärt Zimmermann.

Hohe Sicherheitsstandards

Die daraus resultierende hohe Durchfallquote wirft zwar ein schlechtes Licht auf die Branche, "trifft aber nicht die Wahrheit", ergänzt Zimmermann. Nach Aussage des WBO, die sich auf Zahlen des TÜV (Stand September 2018) stützen, sind lediglich bei 15,3 Prozent der bei der HU geprüften Busse erhebliche Mängel festzustellen. 72,5 Prozent bleiben ohne Beanstandung.

Fahrer im Bus
Die Fahrer tragen stets eine hohe Verantwortung. | Bild: EvoBus GmbH

Neben der jährlichen Hauptuntersuchung, bei der die Fahrzeuge technisch komplett durchgecheckt werden, findet zudem alle drei Monate die sogenannte Sicherheitsprüfung (SP) statt, "wo dann ein Augenmerk auf Bremsen, Fahrwerk, Reifen oder Beleuchtung, sprich die wichtigsten Sicherheitsträger am Fahrzeug gelegt wird", erzählt Zimmermann gegenüber ka-news. Für weitere Sicherheit sorgen nach Aussagen des WBO zudem drei separate Bremssysteme, ABS sowie ein Tempobegrenzer auf 100 Stundenkilometer.

Flixbus sieht positive Entwicklung

Die Sicherheitsstandards in Deutschland sind also hoch. Zimmermann erläutert das am Beispiel eines Schulausflugs. Wenn dort ein technisch mangelhafter Bus mit abgefahren Reifen oder rostigen Türen ankommt, dann "schreien natürlich die Lehrer und Eltern: Was ist denn das für ein Busunternehmen? Mit dem fahren wir nie wieder. Wenn so etwas mehrfach vorkommt, dann kann der Busunternehmer seinen Betrieb dicht machen", betont Zimmermann.

Auch Marktführer Flixbus sieht die Entwicklung der Sicherheit auf dem deutschen Markt sehr positiv. "Tatsächlich kommen Unfälle mit dem Fernbus außerordentlich selten vor. So ist bereits jetzt die erfreuliche Entwicklung zu beobachten, dass einer deutlich gestiegenen Beförderungsleistung rückläufige Unfallzahlen im Omnibusverkehr gegenüberstehen und die Unfallquote bereits 2016 unter der von 2012 lag", so Pressesprecher Martin Mangiapia.

Flixbus
Die grünen Flixbusse sind Marktführer auf dem Fernbusmarkt. | Bild: pixabay.com

Die Flixbusse werden nach eigenen Aussagen immer wieder mit unangemeldeten Kontrollen durch den TÜV Süd Auto Plus auf Sicherheitsaspekte in Bereifung, Karosserie sowie Beleuchtung überprüft. Zu Verstößen gegen Lenk- und Ruhezeiten komme es nur selten: "Die gelegentlich festgestellten Verstöße im Bereich Lenk- und Ruhezeiten sind oftmals nur leichte Verstöße und regelmäßig technisch bedingt", wie Mangiapia versichert.

Nicht nur auf den Preis achten!

Doch schwarze Schafe gibt es auch in der Omnibusbranche. Deshalb empfiehlt Zimmermann den Kunden und insbesondere Schulen und Vereinen, nicht nur nach den billigsten Konditionen Ausschau zu halten: "Da würden wir uns wünschen, dass auch geprüft wird, wo sind denn Qualitätsmerkmale, sprich welches Unternehmen garantiert mir, dass das Fahrzeug einwandfrei, dass der Fahrer ausgeschlafen ist und nicht schon drei Stunden Anfahrt hat, bevor er an der Schule überhaupt ankommt, sondern dass es ein Unternehmen ist, das sich in der Nähe zur Schule befindet und das man kennt."

Reisebus
Reisebusse werden immer populärer. | Bild: Mercedes Benz / EvoBus GmbH

Auch wenn der Bus da ist, sollten Fahrgäste selbst einen prüfenden Blick wagen, ob beispielsweise die Laufflächen gleichmäßig abgefahren sind oder wie der Zustand der Reifenprofile ist: "Wenn aber zum Beispiel das Reifenprofil abgefahren ist oder gar, wie man so schön sagt, "im Hemd" daherkommt, dann kann irgendwas nicht stimmen", so Zimmermann. Wer etwas entdeckt, sollte daher sofort den Fahrer ansprechen, empfiehlt der WBO-Sprecher.

Die Fahrgäste selbst können ebenfalls zu höherer Sicherheit beitragen. Neben gefährlichen Stoffen oder Drogen und Waffen, die natürlich verboten sind, sollten sich Fahrgäste vor allem an die Anschnallpflicht halten, was leider nicht immer der Fall ist: "Da sieht man aber leider immer wieder, dass einzelne Personen während der Fahrt durch den Bus spazieren, stehenbleiben und ein Schwätzchen halten. Wenn der Fahrer dann aufgrund der Verkehrslage bremsen muss, besteht natürlich Verletzungsgefahr", sagt Zimmermann im Gespräch mit ka-news.

ka-news-Hintergrund

Das Unfallrisiko für Busse liegt nach Statistischem Bundesamt fürs Jahr 2017 bei 1,4 Prozent wohingegen es beim PKW bei 56,64 Prozent liegt. Im Jahr 2016 wurden 1.113 Menschen bei Busunfällen schwerverletzt, beim PKW fast 50.000. Mehr als 80 Prozent aller Busse erhalten vom TÜV eine Plakette. Davon sind 72,5 Prozent ohne Mängel. Bei 12,2 Prozent werden geringe Mängel festgestellt.  Lediglich bei 15,3 Prozent sind erhebliche Mängel festzustellen (TÜV Stand September 2018).

Bei den Kontrollen der Polizei im Zuständigkeitsbereich des Regierungspräsidiums Karlsruhe wurden im Jahr 2018 (Stand November 2018) 1.700 Busse kontrolliert, davon 880 beanstandet. An 314 Fahrzeugen wurden technische Mängel festgestellt. Dabei wurden allein 1.800 Verstöße gegen die Sozialvorschriften begangenen. Hier geht es vor allem um Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten sowie nicht ordnungsgemäße Betreibung des Kontrollgeräts, um eben diese zu vertuschen. Es handelt sich dabei um Mehrfachverstöße. Ein Fahrer konnte somit mehrere Verstöße gleichzeitig begehen, die aber in der Polizeistatistik einzeln gezählt werden. Die Busunfälle (auch Linienbusse, aber keine Schulbusse enthalten) liegen für 2018 in etwa auf dem Bereich von 2016, wo es 36 Unfälle gab. Das ist im Vergleich zu 2017 ein leichter Anstieg (damals 25).

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Kommentare (18)
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  •   Markymark
    (276 Beiträge)

    14.01.2019 14:28 Uhr
    Busfahren
    bevor ich eine Reise mit dem Bus antrete, bleib ich lieber daheim grinsenIst noch sicherer!
    Selbst innerstädtisch wenn ich eine Alternative mit dem Bus hätte, laufe ich lieber oder nehme das Fahrrad wenn vorhanden. Vom Busfahren wird mir nur schlecht, vor allem wenn ich zuschaue,
    wie man so rumfährt.....

    Ist immer lustig wie man Zahlen interpretieren kann, würde behaupten das Busfahren auf keinen Fall sicherer ist wie Autofahren (kommt natürlich drauf an, wie man selbst fährt, gegenüber ü80 Fahrern und Fahranfänger ist es wahrscheinlich sicherer), Bahnfahren und Fliegen. Da wundert mich die Aussage sicherstes Verkehrsmittel sehr....aber da legt sich halt jeder Statistik so zurecht, wie sie passt. Wie immer. Und wenn sind die Ausländer schuld, wenn jemand eine andere Sicht der Statistik hat.
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    (4089 Beiträge)

    14.01.2019 15:12 Uhr
    Rein statistisch
    sitzen in einem Bus, Zug und Flieger eben viel mehr Leute pro Fahrt. Darum ist es sicherer. Wenn dann halt mal was passiert sind die Folgen umso verheerender. Die statistische Sicherheit nützt dir wenig wenn du ausgerechnet in einem der beiden Flieger sitzt die jährlich abstürzen. Oder im Eschede ICE oder was weiss ich.
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  •   Chris23
    (240 Beiträge)

    14.01.2019 20:38 Uhr
    Statistischer Quatsch mit dem Risiko
    Die haben die schwerverletzten genommen, dort die PKW Fahrer und Busfahrer selektiert und dem Anteil und nicht dasRisiko berechnet. Das Risiko wäre die Chanche eine schwere Verletzung zu erleiden bei der Sicherheit auf dem einzelnen Fahrgast gerechnet, hier wäre Zeit oder zurückgelegte Kilometer imho eine gute Basis.

    Beispielweise bei 100.000km Busfahren beträgt das Risiko 0,1% sich schwer zu verletzen. Wobei ich schwächen beim Stadtverkehr mit dem zurückgelegten Kilometern sehe, und Zeit bei Fernverkehr (du bist vermutlich in PKW für die selbe Strecke deutlich kürzer unterwegs).

    Da ich denke das deutlich mehr Leute in PKW unterwegs sind, relativiert sich der in Artikel benußte Anteil sehr stark - und was wirklich sicherer ist bleibt unbeantwortet. Ich denke bei einen Unfall mit einen Bus, bekommt der Unfallgegner mehr ab. Allerdings sind die Sicherheitsstandard in Bus schlechter (kein Dreipunktgurt, kein Airbag ..) und das Risiko unzufallen höher.
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  •   Route66
    (1685 Beiträge)

    14.01.2019 13:44 Uhr
    Also
    sollen wir uns nicht sorgen bei einer Durchfallquote von mehr als 15%? Was ist schon ein Menschenleben...Ich persönlich fahre nicht mit dem Bus und schon gar nicht mit Billiganbietern. Gerade bei denen ist es rein rechnerisch nicht möglich Qualität anzubieten, ob jetzt am Material oder an den Fahrern eingespart wird, ist mir dabei ziemlich egal.
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  •   myopinions
    (934 Beiträge)

    14.01.2019 13:50 Uhr
    ............das wird bei den
    "Billigfliegern" kaum anders sein!
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  •   Route66
    (1685 Beiträge)

    14.01.2019 13:53 Uhr
    Ja
    Und deswegen fliege ich mit denen auch nicht.
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  •   Winston_Smith
    (483 Beiträge)

    14.01.2019 11:03 Uhr
    Busial Profiling?
    Die Aussage mit dem "gezielt kontrollieren" erinnert doch sehr an die Ausrede mit dem "racial profiling".
    Heisst in diesem Fall dann wohl: Würde man seine Pappenheimer nicht kontrollieren und einfach in Ruhe lassen, wäre auch die Beanstandungsquote nicht so hoch - mithin die Statistik besser.

    Weiter gedacht stellt sich die Frage nach den Strafen: Wenn schon früher Auffällige wieder und wieder erwischt werden, sind die Strafen offenbar nicht hoch genug. Wenn es günstiger sein sollte, sich ab und zu erwischen zu lassen, als vorschriftsmässig unterwegs zu sein, dann muss man sich über die Zustände nicht wundern.
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  •   hajmo
    (4128 Beiträge)

    14.01.2019 12:58 Uhr
    Vorauswahl
    Ich denke doch, dass eine gewisse optische Vorauswahl bei den Kontrollen getroffen wird. Ein offensichtlich recht neuer Bus wird wohl eher weniger kontrolliert werden.
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  •   koaner
    (3 Beiträge)

    14.01.2019 10:23 Uhr
    Bei "hoher Durchfallquote"
    sollten die Busunternehmer mal über die Boardverpflegung nachdenken ...
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  •   myopinions
    (934 Beiträge)

    14.01.2019 09:42 Uhr
    ........................Busreisen?
    Nein danke!
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