Karlsruhe Seit über 30 Jahren bei der Karlsruher Mess' dabei: Mit Bier, Schnaps und Likör zieht Familie Schneider über die Jahrmärkte

Seit Allerheiligen ist es wieder bunt und lustig an der Durlacher Allee, denn die Herbstmess lockt mit einem vielfältigem Angebot für Jung und Alt. Unter den Schaustellern gibt es auch viele bekannte Gesichter, wie die der Familie Schneider. Seit nunmehr 30 Jahren sind sie in Karlsruhe dabei - und die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern. ka-news hat sich mit der Schaustellerfamilie getroffen und über das Leben auf Achse gesprochen.

Es blinkt, es erschallen laute Musik und Schreie von den Fahrgeschäften, es duftet nach Pizza, Pommes und Bratwurst: Der Karlsruher Messplatz macht seit Allerheiligen seinem Namen wieder alle Ehre. Mit ihrem Programm und den Attraktionen lockt die Herbstmess' Jung und Alt an. Mit einer gewissen Routine betrachtet Familie Schneider mittlerweile den Rummel. Kein Wunder: Seit 30 Jahren sind sie regelmäßig in Karlsruhe zu Gast.

Noch nicht ganz so lange, aber immerhin auch schon seit über 20 Jahren, betreiben sie ihren "Wurzelsepp". Vielen dürfte der Wagen nicht nur wegen der urigen Optik bekannt sein. Im Angebot gibt es eine Vielzahl an Likören und Schnäpsen: "So manche Mutprobe wurde mit dem Knoblauschnaps 'Herzensbrecher' oder mit dem Chilli-Schnaps 'Krabbel die Wand nuff' bestanden", weiß Antje Schneider zu berichten. Ob man dann zu später Stunde noch einen "Stichpimpulibockforcelorum" bestellen kann, liegt sicher nicht nur an der Sprachgewandtheit. Der seit 1893 hergestellte Kräuterlikor erfreut sich nicht nur wegen seines Namens großer Beliebtheit.

Wurzelsepp in der Dunkelheit
Der Wurzelsepp ist oft ein Treffpunkt auf der Mess' in Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

Auf- und Abbau bedeutet noch Handarbeit

Der Wurzelsepp-Stand soll mit seiner rustikalen Einrichtung und der angebauten Stube viel Gemütlichkeit ausstrahlen. "Bevor der Wagen 1964 zur fahrenden Kneipe umgebaut wurde, hat man darin Süßwaren verkauft", blickt Antje Schneider zurück.

Doch bis der Wagen geschmückt und zum Ausschank bereit auf dem Platz steht, ist noch viel Handarbeit nötig. "Mühevoll" sei der Auf- und Abbau, so die Schneiders. Immerhin hat das beinahe schon historische Gefährt keine moderne hydraulischen Klappen oder automatisch verschiebbare Wände. Es ist alles Handarbeit, die vom Wagen bis hin zum Dachschmuck und dem Drumherum nötig ist.

Wurzelsepp Anhänger
Der Anhänger lässt kaum erahnen, was in ihm steckt. | Bild: Thomas Riedel

Schaustellerei ist eine Familien-Sache

Das Verköstigen der Mess-Besucher ist mittlerweile zu einer Leidenschaft geworden, die schon über Generationen reicht. Peter und Antje Schneider, die beiden Betreiber, sind jeweils in einer Schaustellerfamilie groß geworden. Da wundert es nicht, dass sich beide auf der Kirmes kennengelernt haben.

Mit ihrem Fahrgeschäft "Ranger", einer Überkopffahrt, war die aus Bremen stammende Antje damals in Norddeutschland auf der Kirmes mit ihrer Arbeit beschäftigt, als plötzlich ihr Wasserschlauch platzte. Schnell lief das Wasser unter den Campingwagen des Nachbarn Peter, der dort gerade seine Reibekuchen verkaufte. Hilfsbereit reparierte Peter den Wasserschlauch, Antje brachte Kaffee und Kuchen als Dankeschön und so entwickelte sich eine große Liebe. Heute haben die Schneiders selbst zwei Kinder und sind bereits seit 30 Jahren treue Schausteller auf der Karlsruher Mess.

Wurzelsepp im Aufbau
Bis die Stände aufgebaut sind, vergehen einige Tage. | Bild: Thomas Riedel

Tochter will das Geschäfts fortführen

Lisa, 29 Jahre, ist auf dem Rummel groß geworden: "Für ein Kind ist das ein großer Spielplatz mit vielen Freunden", erzählt sie. Nach dem Schulabschluss hat sie eine Ausbildung zur Veranstaltungsfachfrau im Europa-Park absolviert. Themennah sollte die Ausbildung sein, denn für Lisa ist klar, dass sie das Geschäft der Eltern weiterführen möchte. Mittlerweile hat sie direkt neben dem "Wurzelsepp" einen eigenen kleinen Stand, an dem sie Pommes verkauft.

Lisa Schneider vom Wurzelsepp
Lisa Schneider steht schon in den Startlöchern, um irgendwann das Geschäft von ihren Eltern zu übernehmen. | Bild: Thomas Riedel

Doch das Schaustellerleben ist kein leichtes, wie Antje Schneider erzählt: "Früher war alles einfacher. Heute erschweren oftmals neue Verordnungen die Arbeit." Hinzu kommt die Schwierigkeit, genügend zuverlässige Mitarbeiter für den Stand zu finden. Attraktiv sind die Arbeitsbedingungen nur bedingt: Immerhin sind die Schneiders mit ihren Geschäften ab der Faschingszeit bis zum Ende der Weihnachtsmärkte fast das ganze Jahr auf Achse. Doch genau dieses Leben ist es, was die Familie seit Generationen begeistert und zu einer Leidenschaft werden ließ.

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