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Karlsruhe Seit Jahrzehnten auf der Mess': Adolf Trost führt ein Leben für die Schaustellerei

Adolf Trost ist seit Jahrzehnten bei jeder Karlsruher Mess' mit seiner Loslotterie dabei. Selbst Erwachsene kennen den netten Herrn mit den weißen Haaren noch aus den eigenen Kindheitstagen. Der gebürtige Karlsruher feierte mit seiner Frau bei der jüngst zu Ende gegangenen Herbstmess' die Diamantene Hochzeit.

Bingo, Bingo, Bingo. In dem großen Loswagen voller Kuscheltiere und Spielzeugen steht Adolf Trost und versucht die vorbeiziehenden Besucher zum Kauf von Losen zu animieren. Kein leichtes Geschäft, doch Trost kennt es seit Kindheitstagen. Die Eltern waren bereits Schausteller und so lernte der 1934 geborene Trost früh das Geschick der Eltern. Vor allem das Herz ist dabei, sonst wäre eine solche Arbeit nur schwer möglich, erzählt Trost im Gespräch mit ka-news.

Seit nunmehr 60 Jahren reist Trost mit seiner Frau Valentina von Festplatz zu Festplatz, um kleinen und großen Kindern mit ein wenig Glück den Hauptpreis zu servieren. Es muss aber auch nicht unbedingt der Hauptpreis sein, denn auch kleinere Gewinne erzeugen strahlende Kinderaugen in der bunt leuchtenden Rummelwelt.

Unzählige Bewerbungen um einen Stellplatz geschrieben

Seinen ersten eigenen Platz mit der Losbude hatte das damals junge Ehepaar Mitte der 50iger Jahre in Meckesheim bei Heidelberg. Seitdem sind Valentina und Adolf Trost in der Region mit dem mittlerweile dritten Loswagen unterwegs. Schon damals war das Schaustellerleben kein Selbstläufer. Unzählige Bewerbungen schrieb Trost, bevor er erstmalig 1968 in Stuttgart aufbauen durfte. Danach musste er wieder für drei Jahre pausieren. "In Stuttgart war man schon damals kein Baden-Württemberger sondern Badener", erinnert sich Trost schmunzelnd zurück.

Seit der Umstellung auf den Euro wurde es im Schaustellergeschäft noch schwieriger. Platzgelder sowie Personal- und Unkosten sind seither gestiegen und machen das Geschäft auf so manchem Platz nicht mehr rentabel, erzählt Trost. So hat er unter anderem auch in Stuttgart die Reißleine gezogen. Zwar sei dort das Geschäft gut, allerdings steht die Platzmiete und die Unkosten für sein Schaustellergeschäft in keiner Relation mehr. Es ärgert ihn, wenn Leute sagen: "Ihr Schausteller seid doch keine Geschäftsleute". "Wenn ich kein Geschäftsmann bin, dann wäre ich mit meinem Geschäft und der stetig harten Kalkulation schon längst pleite", ist sich Trost sicher.

Zentrale Lage des Messplatz ist der Karlsruher Vorteil

Die Karlsruher Mess' ist für Trost noch heute eine Herzensangelegenheit. Er hoffe sehr, dass man in Karlsruhe nicht den selben Fehler macht wie in Freiburg und den Messplatz aus der zentralen Mitte in ein abseits gelegenes Gelände verlegt. Das Ergebnis ist, dass in Freiburg nur noch am Wochenende richtig viele Besucher kommen. Unter der Woche finden immer weniger Besucher den Weg zum Rummel, erzählt Trost.

In diesem Jahr feierten Adolf und Valentina Trost bei der gerade zu Ende gegangenen Karlsruher Herbstmess ihre Diamantene Hochzeit. Gratulanten waren neben den Schaustellerkollegen auch Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup. Für Trost ein bewegender Moment: Der Zusammenhalt auf dem Platz ist eben wie in einer großen Familie. Weitermachen möchte Trost noch so lange es geht. Dann steigt der 83jährige auf den großen Loswagen und ruft mit viel Herzblut "Bingo, Bingo, Bingo" ins Mikrofon.

Schausteller Adolf Trost
Bei der Eröffnung feierten Adolf Trost und seien Ehefrau Valentina die diamantene Hochzeit! | Bild: Thomas Riedel
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Kommentare (3)
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  •   auchmalsenfdazu
    (3048 Beiträge)

    08.11.2017 15:30 Uhr
    Ein Gesicht
    das man kennt.

    Ich denke immer, wenn ich ihn sehe:

    Ach, schau, der Dieter Thomas Heck ist auch wieder da zwinkern

    PS:
    das
    Seit nunmehr 60 Jahren reist Trost mit seiner Frau Valentina von Festplatz zu Festplatz, um kleinen und großen Kindern mit ein wenig Glück den Hauptpreis zu servieren.

    hört sich ja romantisch an. In Wahrheit ist das Geschäftsmodell doch, billigen Ramsch an den Mann/das Kind zu bringen. Dass die Geschäfte nicht mehr so laufen, mag auch daran liegen, dass die Leute sich nicht mehr gerne für blöd halten lassen und nicht in China-Elektroschrott, Plastikspielzeug oder Chemie-Stofftiere investieren wollen. Mein Nachwuchs bekommt auch keine Lose bei sowas. Für ein - über Lose finanziertes- Plüschtier zahlt man dann am Ende soviel, als wenn ich gleich was vernünftiges von Steiff gekauft hätte.

    Der Mann in Ehren, aber sein Geschäftsmodell unterstütze ich nicht.
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  •   ALFPFIN
    (5679 Beiträge)

    08.11.2017 18:30 Uhr
    Das die Geschäfte zurückgehen,
    liegt wohl auch daran, dass die heute junge Generation mit dem Nippes, der da verkauft wird, bzw. mit Losen gewonnen werden kann, nicht mehr viel anfangen können. Selbst Kinder haben da heute andere Vorstellungen. Und selten hat man "Glück" dann auch etwas zu gewinnen, ist ja auch klar, der Aussteller will verdienen an den Losen. grinsen
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    08.11.2017 22:56 Uhr
    Und am
    meisten verdient er an den Losern. grinsen

    Diese Schaustellerei und auch das Zirkusgeschäft - es entzieht sich seit jeher meiner Vorstellung wie man davon leben kann.
    So ein Fahrgeschäft, das muss doch horrende Kosten haben. Das Fahrgeschäft an sich, die Fahrzeuge, Sprit, Standplatz, Wartung, TÜV, Versicherungen...und essen muss man auch noch was. Und dann schiffts mal ne Woche und es kommt keiner. Und fünf Monate im Jahr geht gar nix ausser dem Kinderkarussell aufm Weihnachtsmarkt.
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