153  

Karlsruhe "Seenotrettung ist kein Verbrechen!" - Anna Jahn setzt sich für die Seebrücke Karlsruhe ein

Das Bündnis Seebrücke setzt sich bundesweit mit Demonstrationen für die Flüchtlingsrettung auf dem Mittelmeer ein. Auch in Karlsruhe fanden schon zwei Protestaktionen statt - initiiert hat sie Anna Jahn. ka-news hat mit der 21-Jährigen über ihr Engagement bei der Seebrücke und die Frage gesprochen, wie sich auch Karlsruher für Seenotrettung starkmachen können.

Seit eineinhalb Monaten engagiert sich Anna Jahn für die Seebrücke Karlsruhe. Die 21-Jährige kommt selbst aus der Fächerstadt und ist Mitglied der Karlsruher Linken. Mit der politischen Situation um die Seenotrettung auf dem Mittelmeer beschäftigt sich die angehende Industriemechanikerin schon länger.

Warum setzt du dich für die Seebrücke und allgemein für Seenotrettung ein?

Für die Seenotrettung engagiere ich mich, weil ich es nicht gut finde, wenn Menschen sterben, um das mal so zusammenzufassen. Jeder hat ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit und das gilt natürlich auch für die Menschen, die auf der Flucht sind. Ich finde es nicht in Ordnung, diese Menschen einfach ertrinken zu lassen und dann auch noch die Leute, die ihnen helfen wollen, zu behindern.

Interview Seebrücke Anna Jahn
Die Initiatorin der Seebrücke Karlsruhe, Anna Jahn, im Gespräch mit ka-news. | Bild: Paul Needham

Deshalb engagiere ich mich auch für die Seebrücke, weil sie ein Bündnis ist, das genau das als Thema hat: Sich für die Seenotrettung, für die Geflüchteten und für die Menschlichkeit einzusetzen.

Warum ist es dir persönlich so wichtig, Menschenleben zu retten?

Weil es ein Menschenrecht ist! Jeder hat, wenn er in Seenot gerät, ein Recht darauf, gerettet zu werden. Und der Kapitän jedes Schiffes, das in der Nähe ist, ist in der Pflicht, den Geretteten zu helfen und sie zum nächsten sicheren Ort zu bringen. Aus ethischer Sicht finde ich es zudem wichtig, dass wir unsere Menschlichkeit nicht verlieren.

Ihr habt schon zwei Seebrücken-Demos in Karlsruhe gestartet. Wie erfolgreich wart ihr damit – vor allem im Hinblick darauf, dass Karlsruhe als die "Stadt des Rechts" bezeichnet wird?

Ich finde, es war für Karlsruhe schon sehr erfolgreich. Wir haben beide Male 600 Leute auf die Straße bekommen – für Karlsruher Verhältnisse sind das ziemlich viele, weil die Demos hier sonst eher spärlich besucht sind. Es hat mich sehr gefreut, dass die Karlsruherinnen und Karlsruher sich da so engagieren.

Seebrückendemo Karlsruhe
Bei beiden Demonstrationen gingen laut Jahn 600 Menschen für die Seenotrettung auf die Straße. | Bild: Seebrücke

Welche Resonanz habt ihr von den Demoteilnehmern bekommen?

Die waren alle ziemlich begeistert. Unter der Überschrift "Karlsruhe zu einem sicheren Hafen machen" haben wir dieses Mal auch eine Postkartenaktion und eine Online-Petition auf change.org gestartet. Da war die Resonanz sehr positiv: Wir hatten über 500 Postkarten und alle sind weggegangen wie heiße Semmeln!

Auf der ersten Demo kam es allerdings zu einem Vorfall von rechten Störern aus der sogenannten Identitären Bewegung. Aber die Demoteilnehmer haben sich davon nicht beeinflussen lassen, nach dem Motto: "Jetzt erst recht! Wir bieten euch keine Plattform und bei uns ist kein Platz für rechte Hetze!"

Interview Seebrücke Anna Jahn
"Karlsruhe zum sicheren Hafen machen" - Das fordert Anna Jahn von den Stadträten und Oberbürgermeister Frank Mentrup. | Bild: Paul Needham

Plant ihr weitere Demos und Aktionen?

Definitiv! Am Samstag, 15. September, findet eine Demonstration in Pforzheim und am Freitag, 21. September, in Ettlingen statt. Und am 13. Oktober ist in Karlsruhe die landesweite Demo gegen Abschiebung vom Antirassistischen Netzwerk, da werden wir auch mit einem Block vertreten sein und auf der Unterstützerliste stehen.

Warum ist es deiner Meinung nach so wichtig, sich überhaupt zu engagieren?

Um die gesellschaftliche Diskussion mitzugestalten. Ich finde es schwierig, immer nur andere reden zu lassen und mir das anzuschauen. Gerade wenn man für Menschlichkeit und für das Gute in der Welt steht, muss man – gerade jetzt im Hinblick auf Chemnitz – einfach laut sein, sich hinstellen und seine Meinung sagen.

Ich beobachte in den letzten Jahren zudem eine Verrohung der Sprache, wenn von "Asyltourismus" gesprochen wird - es ist ja nicht so, als würden sich die Geflüchteten auf ein Kreuzfahrtschiff setzen und dann übers Meer schippern! Es ist daher wichtig sich zu engagieren, um dieser Verrohung und der Debatte, in der Menschen nur noch als Zahlen betrachtet werden, entgegenzuwirken.

Was rätst du Karlsruher Bürgern, die selbst aktiv werden und hier vor Ort etwas bewegen wollen?

Zum einen kann man bei der Seebrücke helfen, indem man sich mit uns per E-Mail und über Facebook, Twitter oder Instagram in Verbindung setzt. Zudem kann man unsere Petition auf change.org unterschreiben um Druck auf den Stadtrat auszuüben, Karlsruhe zu einem sicheren Hafen zu machen.

Interview Seebrücke Anna Jahn
Seit eineinhalb Monaten engagiert sich Anna Jahn schon für die Seebrücke. | Bild: Paul Needham

Es ist auch möglich, direkt auf eines der Rettungsboote zu gehen oder die Seenotrettungsorganisationen zu unterstützen. Das sind beispielsweise die Mission Lifeline, Sea-Watch, Sea-Eye, Jugend Rettet, Ärzte ohne Grenzen und noch viele mehr. Auf deren Websites findet man Infos, wie man konkret aktiv werden kann.

Dann kann man sich natürlich auch noch in Flüchtlingshilfen wie der in Karlsruhe engagieren, um den Geflüchteten, die hier ankommen, das Ankommen so angenehm wie möglich zu machen. Da wird jede helfende Hand gebraucht!

Obwohl ihr nur helfen wollt, werden Seenotrettungsorganisationen immer wieder als Schleuser betitelt. Macht dich das wütend?

Natürlich macht es mich wütend, vor allem aber frustriert es mich sehr. Denn jedem, der sich mit der rechtlichen Lage auseinandersetzt, muss klar sein, dass weder wir noch die Seenotretter Schleuser sind und diesen auch nicht helfen.

Ein Kapitän hat die Pflicht, Menschen in Seenot zu retten und an einen sicheren Ort zu bringen. Tut er das nicht, ist das unterlassene Hilfeleistung. Und in beispielsweise Libyen sind die Bedingungen für einen sicheren Ort ganz klar nicht gegeben. Da haben die Schiffe gar keine andere Möglichkeit, als die Geflüchteten nach Europa zu bringen.

Allein schon menschlich gesehen ist es ganz logisch, dass man die Menschen nicht zurück an einen Ort bringen kann, vor dem sie fliehen. Wir haben also zum einen das rechtliche und zum anderen das ethische Argument - beide machen sehr deutlich, dass man die Seenotretter als Helden feiern und nicht zu Schleusern diffamieren sollte. Seenotrettung ist kein Verbrechen!

ka-news-Hintergrund

Die Seebrücke ist ein internationale Zivilbündnis. Ende Juni 2018 wurde sie ins Leben gerufen, nachdem das Rettungsschiff "Lifeline" mit 234 Geflüchteten an Bord tagelang ohne Anlege-Erlaubnis vor der Küste Maltas trieb. Seitdem finden bundesweit in Großstädten Demonstrationen statt. Am 3. August und am 1. September gingen auch in Karlsruhe Demonstranten im Namen der Seebrücke auf die Straße. Als Zeichen der Solidarität mit den Geflüchteten tragen die Mitstreiter der Bewegung - in Anlehnung an die Rettungswesten - die Farbe orange. Die Initiative Seebrücke wird von über 70 Organisationen unterstützt.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (153)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Anonymous
    (13 Beiträge)

    14.09.2018 20:11 Uhr
    Bei soetwas geht mir die Hutschnur hoch!!!
    Deutschland und der große Teil der Deutschen (siehe Wahl der Regierung) sind so naiv! Die eigenen Probleme (Hartz 4 / soziale Ungerechtigkeit / Wohnungsknappheit usw.) vor der Haustüre unter den Teppich kehren, und mit z.B. solchen Aktionen noch mehr Probleme ins Land holen! => Gute Nacht, aber vielleicht erwacht ja Deutschland mal wieder.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Deisyy
    (229 Beiträge)

    14.09.2018 19:53 Uhr
    ich bin ja kein Nazi, aber...
    warum fällt mir immer wieder dieses Lied ein wenn ich ihr verschiedene braune Kommentare lese?
    Ich komme einfach nicht drauf. zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Leergutmafia
    (412 Beiträge)

    14.09.2018 17:22 Uhr
    Wir müssen die Fluchtursache im eigenen Land bekämpfen.
    Würden hier keine Gelder ausbezahlt, sondern Nahrungsgutscheine und Unterkunft geboten, wäre der Ansturm nach bekanntwerden dieser Praktiken nur noch weniger als halb so groß. Es reicht, wenn die Leute außer Gefahr sind. Das ist ja wohl auch das Ziel der Flucht (wenn man vor Krieg und Gewalt flieht).
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (2309 Beiträge)

    14.09.2018 18:00 Uhr
    falsch
    die "große Flucht" begann, als der Westen die Zahlungen an die Lager an den Grenzen der Krisenregionen drastisch gekürzt hatte - entgegen den Zusagen.
    Hier ein Artikel aus der sicher nicht linken Welt
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Pilsi57
    (258 Beiträge)

    14.09.2018 15:21 Uhr
    Die Diskussion zeigt eines, die Zerrissenheit
    und Ohnmacht bei diesen Thema bei vielen. Einerseits kann man Menschen nicht einfach ertrinken lassen, andererseits können wir aber nur sehr begrenzt Menschen aufnehmen. Die Gefahr beisteht darin, noch mehr Anreize zur Flucht zu geben. Ein Teufelskreis.
    Dabei wusste die Politik schon 10 oder 20 Jahre vorher schon, dass solch eine Fluchtbewegung aus Afrika kommen wird.
    Geschehen ist nichts.
    Im Gegenteil, man hat durch eine unselige Nahostpolitik und Kriege noch eines draufgesetzt. Siehe Irak, Libyen, Aghanistan, mit dem naiven Glauben dort Demokratie und Menschenrechte zu installieren, aber bei den Saudis sich vornehm zurückhält. Mit Syrien vergibt man sich den gleichen Fehler zu machen, und unsere Murksel möchte da noch mitmischen. Das Giftgas Link Irak sucht man heute noch, in Syrien geht man subtiler vor.
    Die Bevölkerung soll bitte die Unfähigkeit der Politiker ausbaden. Nichts anderes ist die ganze Problematik.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (2309 Beiträge)

    14.09.2018 18:04 Uhr
    natürlich
    kann Europa alle Menschen aufnehmen. Und die paar, die bislang hierher kommen, kann auch Deutschland alleine aufnehmen. Das haben wir 2015/2016 bewiesen. Zwischenzeitlich ist die nötige Infrastruktur wieder vorhanden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rio2004
    (429 Beiträge)

    14.09.2018 19:26 Uhr
    Weltfremd bis zum geht nicht mehr
    Mit diesem Kommentar wieder eindrucksvoll bewiesen! Und Deutschland schafft gar nix und hat auch nichts geschafft, schon gar nicht 15/16! Ein Land in dem zigtausend Migranten nach Jahrzehnten die Sprache noch nicht beherrschen soll Millionen neuer Menschen integrieren? Deutschland kriegt es nicht mal gebacken die eigenen Leute vernünftig auszubilden, geschweige denn dafür zu sorgen dass die kleinsten saubere Toiletten haben! Nicht mal das selbstverständlichste schafft Deutschland. Gehen Sie mal nach Duisburg oder Berlin dann sehen sie wie Integration NICHT geht!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (2309 Beiträge)

    14.09.2018 19:29 Uhr
    auf der Basis
    unseres Grundgesetz muss man sagen, dass es viele Deutsche gibt, die nicht gut integegriert sind. Zu denen gehören auch offenbar Sie.
    Von der Beherrschung der deutschen Sprache mal ganz abgesehen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Pilsi57
    (258 Beiträge)

    14.09.2018 19:15 Uhr
    Falsch Herr Tipp.
    Wenn wir wirklich ein 4. Reich verhindern wollen, dann nicht so. 2015 / 16 war der Start für die Zerrissenheit des Landes heute. Die AfD wäre gar nicht so stark, wenn man die warnende Worte über die Probleme die dadurch entstanden sind Ernst genommen hätte. Mit Ihrer Ansicht bekämpft man kein Rechtsradikalismus, man fördert diesen, bei allen guten Absichten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (2309 Beiträge)

    14.09.2018 19:19 Uhr
    welche Probleme
    sind denn entstanden? Ich kenne keines, das ncit für alle Menschen gelten würde bzw. von allen Menschen verursacht würde.
    Die Kriminalität geht zurück, die Wirtschaft brummt. Komisch. Es scheint eine Verteilungsfrage zu sein. Die hat aber nichts mit Flüchtlingen zu tun.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 .... 16 17 (17 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.