78  

Karlsruhe Rücksichtslose Radler: "Wir brauchen höhere Strafen" - Polizei und KOD verstärken Kontrollen

Radfahrer, die selbst in Fußgängerzonen nicht absteigen und sogar das rote Ampellicht missachten: Täglich gehen beim Ordnungs- und Bürgeramt diesbezüglich Beschwerden ein. Während Autofahrer an Ampeln und bei zu hoher Geschwindigkeit geblitzt werden, kommen Radler und auch E-Scooter-Fahrer oft ungeschoren davon. Zu niedrige Strafen und keine oder schlecht lesbare Kennzeichen an den Zweirädern verstärken das Problem. Nun sollen die Kontrollen allerdings verstärkt werden.

Karlsruhe ist die fahrradfreundlichste Großstadt (Städte mit 200.000 bis 500.000 Einwohnern) Deutschlands. Immer mehr Menschen sind in der Fächerstadt auf den Zweirädern unterwegs, um ihr Ziel zu erreichen. Gut für das Klima, doch es gibt auch noch eine andere Seite der Medaille: "Es gibt aus der Bevölkerung regelmäßig Beschwerden über rücksichtslose Fahrradfahrer", sagt Bürgermeister Albert Käuflein im Rahmen eines Pressegesprächs.

"Wir sind Fahrradstadt Nummer eins und wollen das auch bleiben."
"Wir sind Fahrradstadt Nummer eins und wollen das auch bleiben", so Bürgermeister Albert Käuflein. | Bild: Ingo Rothermund

"In den meisten Fällen werden die Unfälle durch die Radler selbst verursacht"

Regelmäßige Unfälle sind die Folge. Im Jahr 2018 gab es 684 Zwischenfälle im Stadtgebiet, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren - 591 Personen wurden dabei verletzt. "In den meisten Fällen werden die Unfälle durch die Radler selbst verursacht", sagt Martin Plate, Leiter der Verkehrspolizei. "2019 werden wir ungefähr das Niveau halten." Im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren sei die Zahl aber gestiegen. 

Dabei stelle vor allem mangelnde Rücksichtnahme gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern ein Problem dar. Dazu zählt beispielsweise auch das Fahren über rote Ampeln. "Die Rotlichtverstöße in der Vergangenheit sind dramatisch", so Plate. Zudem werde die Fußgängerzone in der Kaiserstraße oft missachtet. Hier wurde am Mittwoch verstärkt kontrolliert.

Leiter der Verkehrspolizei beim Polizeipräsidium Karlsruhe.
Martin Plate, Leiter der Verkehrspolizei beim Polizeipräsidium Karlsruhe. | Bild: Ingo Rothermund

Und: Die Kontrollen zeigten Erfolg: Immer wieder sind Radfahrer den Polizisten ins Netz gegangen - all diejenigen, die die rote Kelle nicht schon aus der Ferne erblickt hatten. Doch nicht immer gestehen Radfahrer sich das eigene Fehlverhalten ein:  "Bei vielen Fällen zeigen sie keine Einsicht", sagt Björn Weiße, Leiter des städtischen Ordnungsamtes. 

"Wir fordern bereits seit Jahren die Anhebung der Bußgelder."
"Wir fordern bereits seit Jahren die Anhebung der Bußgelder", sagt OA-Chef Björn Weiße. | Bild: Ingo Rothermund

Auch die neuen E-Scooter in der Stadt bringen Probleme mit sich. Bisher gab es 120 Verstöße, die aufgenommen wurden. Bei einem Viertel ging es um das Fahren unter Alkoholeinfluss. "15 E-Roller-Fahrer mussten deshalb bereits ihren Führerschein abgeben", sagt Martin Plate. Außerdem ist das Abstellen der neuen Vehikel ein Problem: "Die neuen E-Scooter werden teilweise kreuz und quer abgestellt und behindern dadurch andere Verkehrsteilnehmer", so Björn Weiße.

Zu niedrige Strafen 

Ein Grund, warum es so viele "Verkehrsrowdys" gibt, seien die zu niedrigen Strafen. Lediglich 15 Euro werden beispielsweise für diejenigen fällig, die in der Fußgängerzone auf dem Fahrradsattel sitzen. "In der Schweiz sind die Strafen deutlich höher. Allerdings ist die Erhöhung der Sanktionen eine bundesweite Angelegenheit. Auf kommunaler Ebene können wir da nichts machen", so Plate im Gespräch mit ka-news.de. "An unserem Nachbarland sehen wir, dass das eine Wirkung hat."

Dieser Radfahrer muss 15 Euro Strafe zahlen, da er in der Kaiserstraße mit dem Fahrrad unterwegs war.
Dieser Radfahrer muss 15 Euro Strafe zahlen, da er in der Kaiserstraße mit dem Fahrrad unterwegs war. | Bild: Ingo Rothermund

Eine Möglichkeit, wie Fahrradfahrer besser kontrolliert werden könnten, wäre eine Kennzeichenpflicht für die Drahtesel. "Diese Idee wurde im politischen Raum ganz zart andiskutiert, allerdings auch wieder verworfen, da der bürokratische Aufwand zu groß wäre", so Weiße gegenüber ka-news.de.

Doch genau dieser bürokratische Aufwand erwartet andere Verkehrsteilnehmer - beispielsweise Autofahrer - wenn sie aufgrund zu hoher Geschwindigkeit geblitzt werden. Für Radfahrer ist eine technische Überwachung allerdings noch Zukunftsmusik. "Die Messtechnik ist im Schrittgeschwindigkeitsbereich nicht einsetzbar", so Weiße im Gespräch mit ka-news.de.

"Einsicht führt oft nur über den Geldbeutel"

Um verkehrswidrig fahrende Radler und E-Scooter-Nutzer belangen zu können, bleibt dem Ordnungsdienst bislang also nur die persönlichen Kontrollen. Diese sollen nun verstärkt werden: "Aktuell haben wir eine Streife von vier bis sechs Personen im Einsatz. Diese Zahl möchten wir erhöhen", sagt Björn Weiße. 

Trotzdem appelliert Martin Plate an die Velofahrer: "Zu einer fahrradfreundlichen Stadt gehören freundliche Radfahrer." Ob die verstärkten Kontrollen eine Verbesserung mit sich bringen, bleibt abzuwarten. "Am Ende führt die Einsicht oft nur über den Geldbeutel - zu guter Letzt muss die Sanktion spürbar sein, damit man sie nicht so einfach in Kauf nimmt."

Fahrradstadt Karlsruhe: Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf? Wo klappt es schon sehr gut? Wo kann die Situation für Fahrradfahrer verbessert werden und so Konfliktlinien mit Fußgängern und Autofahrern entschärft werden?

Schreiben Sie es uns - hier in den Kommentaren, an redaktion@ka-news.de oder in den sozialen Netzen unter den Hashtags: Für positive Anregungen und Beispiele mit dem Hashtags #fahrradstadtkarlsruhe #aufjeden und bei kritischen Anregungen unter den Hashtags #fahrradstadtkarlsruhe #vonwegen.  

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet. 

Mehr zum Thema
Auf dem Sattel durch die Fächerstadt: Die neuesten Fahrradstraßen, die schnellsten City-Routen und viele weiteren Tipps und Tricks rund ums sichere Radeln in Karlsruhe.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (78)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Chris23
    (439 Beiträge)

    20.12.2019 12:46 Uhr
    Hierzu würden mich die Zahlen intressieren
    "684 Zwischenfälle im Stadtgebiet, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren - 591 Personen wurden dabei verletzt. "In den meisten Fällen werden die Unfälle durch die Radler selbst verursacht", sagt Martin Plate, Leiter der Verkehrspolizei."

    Die Bundesdeutschen Unfallstatistiken gehen in eine komplett andere Richtung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10153 Beiträge)

    21.12.2019 05:27 Uhr
    hier
    sind die Zahlen für 2018, für 2019 habe ich keine gefunden:
    https://ppkarlsruhe.polizei-bw.de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/Verkehrsstatistik-2018-des-Polizeipr%C3%A4sidiums-Karlsruhe.pdf

    Stadt Karlsruhe Radfahrer ist auf Seite 24. Immerhin ist die Zahl der 2018 getöteten Fahrradnutzer um 80 % gesunken, was aber bei diesen eher seltenen Fällen auch leicht erreicht werden kann. Der Durchschnitt lag jahrelang bei eins und im Jahr 2017 waren es fünf.
    Ich denke es gibt Unfallschwerpunkte und man hat die Aufgabe diese zu entschärfen. Ob das mit höheren Strafen tatsächlich klappt möchte ich auch bezweifeln. Das bringt aber Geld ein und man kann damit mehr andere Maßnahmen ergreifen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   shame
    (1 Beiträge)

    20.12.2019 12:34 Uhr
    ...verdrehte Tatsachen!
    Ich würde den beiden Herren mal empfehlen in zivil 1-2 Stunden durch die Stadt mit dem Fahrrad zu fahren und danach nochmal ganz ehrlich zu reflektieren, ob die Fahrradfahrer wirklich das nennenswerte Problem sind.
    Stellen Sie sich mal morgens an den ECE Kreisel oder auch beim ECE Eingang Starbucks und zählen wie oft Autofahrer hier Fahrradfahrern die Vorfahrt nehmen oder wie oft Autofahrer am Zebrastreifen beim Graf Hardenburg stehen bleiben oder wieviel Auto/Paketfahrer auf der Durlacher Allee oder Rüpurrerstr. 'kurz' auf dem Radweg parken...
    Ich sehe nur selten wirklich 'rücksichtslose' Fahrradfahrer, schon allein weil die meisten wissen, dass sie das schwächere Glied der Verkehrsteilnehmer sind.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   KA300
    (119 Beiträge)

    20.12.2019 11:21 Uhr
    Fahrradfreundlichste Großstadt.....
    ist Karlsruhe bei Städten von 200.000 bis 500.000 Einwohnern.. Dort auf Platz 1 vor Münster und Freiburg. Bitte beachten.
    Bei den echten Großstädten > 500.000 Einwohner sieht es ganz anders aus. Da ist Bremen auf dem 1. Platz.
    @KA-NEWS: Redaktion: Sie sollten den Sachverhalt schon richtig darstellen!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   rothermundi
    (17 Beiträge)

    20.12.2019 12:10 Uhr
    Danke für den Hinweis.
    Habe mich noch mal schlau gemacht und gebe Ihnen Recht! Ich habe es im Artikel angepasst.
    Schöne Feiertage und einen guten Rutsch wünsche ich.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Laetschebachschorsch
    (3161 Beiträge)

    20.12.2019 09:23 Uhr
    "da der bürokratische Aufwand zu groß wäre", so Weiße ???
    Bei E-Bikes, E-Scooter und Mofas geht es doch auch? Und warum ist es in der Schweiz machbar? Das ist doch die faulste Ausrede die man sich denken kann, aber typisch Chef des KDO. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Aber es würde ja die (eigenen) Wähler treffen. Wer traut sich schon an die "heilige Kuh".
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schlaule2
    (137 Beiträge)

    20.12.2019 09:29 Uhr
    die Schweizer habe vor Jahren die
    Kennzeichen für Fahräder abgeschafft.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dp80
    (15 Beiträge)

    20.12.2019 00:20 Uhr
    Einfach nur genervt von Radfahr Junkies
    Ich fahre jeden Tag mindestens 1h Auto - jeden Tag könnte ich mich aufregen. Jeder zweite Radfahrer fährt ohne Licht, egal welche Tageszeit. Drängeln sich rechts und links vor in der Stadt. Mit dem Rennrad auf Bundesstrassen und Landstrassen durch kurvigen Wald, Tempo 5 den Berg rauf. Kreuz und quer von Strasse auf Gehweg und zurück, je nachdem wo es gerade am scnhellsten geht. Aber immer schön grün wählen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Karsten2010
    (179 Beiträge)

    21.12.2019 10:53 Uhr
    Sie haben es wohl besonders schwer
    Da sieht man mal was mit dem Fahrrad alles geht und mit der sperrigen Autokiste eben nicht. Bestimmt machen Sie auch Autofahrmanöver, die ein großer LKW nicht hinbekommt und finden das gerechtfertigt.
    Übrigens auf Bundes- und Landstraßen darf grundsätzlich Fahrrad gefahren werden. Die Tatsache, dass Sie das stört, ist dabei uninteressant.
    Und Fahrräder, die mit 5 bergauf fahren, sind ganz leicht überholt, es sei dann, man kann sie generell nicht leiden, was wiederum keinen interessiert.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Svantovit
    (103 Beiträge)

    21.12.2019 04:05 Uhr
    Neid?
    Neidisch, daß Radfahrer in der Stadt schneller voran kommen als Sie in Ihrer Blechkiste? Wie wär's mal den A... zu bewegen statt nur das Gaspedal, würde der Figur auch nicht schaden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 8 (8 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.