Browserpush
158  

Karlsruhe Rechte Szene im Südwesten: "Karlsruhe ist eine Schwerpunktregion"

Wird die rechte Szene im Südwesten immer radikaler? Ein aktueller Bericht der Landesregierung Baden-Württemberg gibt Anlass zur Sorge: Zwar schrumpft die Gesamtzahl der Rechtsextremen - ihre Anhänger werden aber offenbar immer gewaltbereiter. Wie schätzen Experten die Szene in Karlsruhe ein? ka-news hat nachgehakt.

Es klingt zunächst nach einer guten Nachricht: Laut einem Bericht der Landesregierung Baden-Württemberg ist die rechtsextreme Szene seit der Wende geschrumpft. Die Zahl der Rechtsextremisten sank in der Zeit von fast 5.000 auf heute noch 1.800, so die Landesregierung. Gleichzeitig sind ihre Anhänger offensichtlich radikaler geworden. Seit 1991 habe man mindestens 218 fremdenfeindliche oder antisemitisch motivierte Straftaten mit Waffengewalt von Rechtsextremisten verzeichnet. Und wie sieht es in Karlsruhe aus?

Propaganda- und Gewaltdelikte in der Fächerstadt

Auch aus der Fächerstadt ist die rechte Szene noch nicht verschwunden. "Seit Jahren gibt es hier das sogenannte Karlsruher Netzwerk, einen losen Zusammenschluss von jungen rechtsextremen Personen", so eine Sprecherin gegenüber ka-news, "deren gemeinsame Aktionen reichen von gruppeninternen Veranstaltungen bis hin zur Teilnahme an oder Organisation von Versammlungen."

In Karlsruhe schätzt die Kriminalpolizei die rechte Szene auf maximal 100 Personen, der "harte Kern" sei dabei deutlich kleiner. Die Zahl der Straftaten wiederum liege in den letzten Jahren im zweistelligen Bereich. "Den größten Anteil dieser Straftaten bilden dabei sogenannte Propagandadelikte wie ein an die Hauswand gesprühtes Hakenkreuz", erklärt die Polizeisprecherin, "Gewaltdelikte wie Körperverletzungen machen glücklicherweise nur einen äußerst geringen Anteil aus – in den vergangenen Jahren bewegten sie sich immer im einstelligen Bereich". 

Bürgerliches Gewand statt Glatze und Springerstiefel

Etwas drastischer klingt da die Einschätzung der Politikwissenschaftlerin Ellen Esen: "Der Landkreis Karlsruhe bildet innerhalb von Baden-Württemberg eine Schwerpunktregion des Rechtsextremismus", stellt sie fest. Das rechte Netzwerk umfasse Parteien, Kameradschaften Cliquen, Debattierzirkel und sogar die Partei "Die Rechte". Dennoch: "Es wäre vermessen, von einem Wachstum der rechten Szene zu sprechen", meint Esen, "es ist eher so, dass sie sich permanent umstrukturiert."

Die Zeiten, in denen man Rechtsextremisten an Glatze und Springerstiefeln erkannte, sind laut Einschätzung der Expertin schon lange vorbei. Und auch bei der Polizei Karlsruhe hat man das veränderte Erscheinungsbild beobachtet: "Seit vielen Jahren kleiden sie sich bürgerlich", so die Polizei-Sprecherin, "oft erkennt man sie nur an Kleinigkeiten wie Buttons oder dergleichen."

Der schmale Grat zwischen Patriotismus und Rechtsextremismus

Mit Patriotismus, also Vaterlandsliebe oder Heimatgefühl, habe die Einstellung der Szenenangehören allerdings nichts zu tun.  Rechtsextremismus gehe darüber hinaus und orientiere sich dabei an einer politischen Ideologie. "Der Rechtsextremist ist immer ein Feind der Demokratie, der unser bestehendes Staatssystem nicht nur verändern, sondern abschaffen will", erklärt Esen. Sein Ziel sei eine ethnisch reine Volksgemeinschaft. "Menschen mit Migrationshintergrund, politische Gegner und viele andere Gruppen werden als volksfremd und Volksfeinde betrachtet, die es letztendlich nicht nur auszugrenzen, sondern zu vernichten gilt", so die Expertin. 

Bei der Polizei wird Rechtsextremismus daher nach eigenen Angaben als Gefahr wahrgenommen und bekämpft. "Neben einer konsequenten Strafverfolgung werden auch Präventionsaktivitäten durchgeführt, um dem Ausbreiten von Extremismus wirksam zu begegnen", schildert deren Sprecherin. So sieht das auch Ellen Esen: " Die Auseinandersetzung mit rassistischen Positionen muss als kontinuierliche Aufgabe und Herausforderung angenommen werden", fordert sie und fügt hinzu. "ich sehe Karlsruhe dabei auf einem guten Weg."

Mehr zur rechten Szene bei ka-news: 

Kein Döner, kein Burger: Ex-Neonazi schaffte es "Rechts raus"

Auf Stimmenfang: "Die Rechte" gründet Kreisverband Karlsruhe

Ellen Esen im ka-news-Interview: "Karlsruhe hat eine ausgeprägte rechte Szene"

Fußball unterm Hakenkreuz: Nazi-Turnier in Karlsruhe

Stadt Karlsruhe verbietet Nazi-Demo

"Karlsruhe zeigt Flagge": Stadt wehrt sich gegen geplante Nazi-Demo

Wegen Demo: Gemeinderat beschließt Resolution gegen Rechts

Rechter Aufmarsch in Karlsruhe geplant - Gegendemo angekündigt

Polizeiarbeit in Karlsruhe: Mit Aufklärung gegen braunes Gedankengut

Karlsruher Polizei: "Wir sind auf dem rechten Auge nicht blind"

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (158)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (2354 Beiträge)

    25.09.2014 20:18 Uhr
    Eben dafür ist der Test da
    .
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (2169 Beiträge)

    25.09.2014 16:53 Uhr
    Als 69er-Skin
    kann ich nur begrüssen das die Nazis aufhören unserern Stil zu kopieren,nun müssen nur noch Red-Skins und schwarzer Block damit aufhören,dann ist unsereins zufrieden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   holzauge
    (409 Beiträge)

    25.09.2014 14:57 Uhr
    hier verbrennt sich die KA-news auch nicht die Finger
    https://www.facebook.com/Anonymous.Kollektiv/photos/a.730957900284006.1073741838.271619909551143/774567205923075/?type=1&theater
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   torte
    (7 Beiträge)

    25.09.2014 13:39 Uhr
    ich habe euch alle lieb
    Was solln die Nazis raus aus Deutschland?
    Was hätte das für ein Sinn?
    Die Nazis können doch net naus, denn hier jehörn se hin
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (2354 Beiträge)

    25.09.2014 13:33 Uhr
    bisher mehrheitlich SPD und CDU
    Bisher entscheiden sich Wähler mit "geschlossen rechtsextremem Weltbild" mehrheitlich für SPD und CDU. Doch sie dürften nun zur AfD abwandern, analysiert Forsa. Besonders die aus der Mittelschicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Tulsi
    (75 Beiträge)

    25.09.2014 13:30 Uhr
    passt ja
    Die Zahlen Rechtsextremer gehen noch unten, die Zahl der AfD-Wähler gehen steil nach oben... Ob es da wohl einen Zusammenhang gibt?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Smartraver
    (7581 Beiträge)

    25.09.2014 15:41 Uhr
    Kaufen Sie sich eine Suchmaschine
    Da wird recht genau erklärt woher die Stimmen kommen.

    Und zu Behaupten das jeder NPD Wähler radikal ist wäre wie zu sagen jeder Grünenwähler wirft Molotowcocktails.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Tulsi
    (75 Beiträge)

    25.09.2014 15:57 Uhr
    ich
    müsste Sie bemitleiden, wenn Sie sich eine Suchmaschine kaufen müssten. Ich nutze da lieber kostenfreie Varianten und kenne die Grafiken und Statistiken recht gut.
    Die bekannteste ist sicher die hier:
    https://pbs.twimg.com/media/BxhRS3kCcAA4gL5.png

    Nur sind dort nie ehemalige NDP-Wähler registriert. Es hat auch nie jemand behauptet, dass alle NPD-Wähler radikal sind (ich jedenfalls nicht, ich habe ja nicht einmal den Begriff NPD erwähnt).

    Was ich aber zu bedenken gebe ist, dass hinter dem AfD-Gewand, und das wird zur Zeit immer deutlicher, jeder seine rechten Gedankengut als "Patriotismus", "Nationalismus", "gesunder Menschenverstand" oder "konservativ" verkaufen kann. Das beginnt, wie wir hier sehen, meist mit dem Satz "Ich bin ja kein Nazi, aber...". In der Regel folgt eine sehr rassistische Aussage. (Der vorangestellte Satz macht sie aber nicht harmloser). Kritisiert man das, dann heißt es, ich bin kein Nazi, nur Nationalist... die Übergänge sind da sooo fließend und so gefährlich
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Smartraver
    (7581 Beiträge)

    25.09.2014 17:16 Uhr
    Schon klar
    Das mit der Suchmaschine war nur ein Zitat eines hier bekannten Grünen, welches irgendwie zu "geflügelten Worten der Ironie" wurde hier. Der Rest war nur beispielhaft erwähnt.

    Grafiken und Statistiken sind was tolles. So einfach mainpulierbar. Genau so wie Untersuchungen und Studien.

    Hier gab es auch schon Vorfälle bei denen manche sofort vermuteten das diese einen "rechtsradikalen Hintergrund" haben. Nachher stellte es sich entweder als anders heraus oder es wurde nichts mehr gehört davon und totgeschwiegen das es doch nicht so war.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   holzauge
    (409 Beiträge)

    25.09.2014 13:30 Uhr
    bei links wird verheimlicht!
    http://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/berlin-schweigt-zum-anschlag-auf-eine-kirche#
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 .... 15 16 (16 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen