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Karlsruhe Radioaktive Atomsuppe auf S-Bahn-Gleisen durch Karlsruhe

Der Atommülltransport von Karlsruhe in das Zwischenlager Lubmin in der Gemeinde Rubenow bei Greifswald rückt immer näher. Während Atomkraftgegner davon ausgehen, dass die hochradioaktive "Atomsuppe" das ehemalige Kernforschungszentrum in Karlsruhe am Dienstag, 15. Februar, gegen 22 Uhr verlässt, hält sich die Polizei zum genauen Abfahrtszeitpunkt bedeckt. Aktivisten haben Blockaden angekündigt. Die Polizei wird mit mehreren Hundertschaften im Einsatz sein.

Der Abtransport des Atommülls vom Betriebsgelände der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) erfolgt laut Unternehmensangaben auch über Schienen, die normalerweise für den Personenverkehr genutzt werden. Die fünf Behälter mit verglastem hochradioaktivem Abfall aus der Betriebszeit der WAK werden den ersten Teil der Strecke auf den Stadtbahnschienen der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) zurücklegen, diese habe die gleiche Spurweite wie die Schienen der Deutschen Bahn, teilte ein Sprecher der AVG gegenüber ka-news mit. Der Atomzug nutzt demnach auf der Strecke von Eggenstein über Neureut in die Nordweststadt die Schienen, auf denen normalerweise die Stadtbahnlinien S1 und S11 verkehren.

56 Tonnen Atommüll auf S-Bahn-Gleisen

Nach etwa 6,5 Kilometern wird der Castor-Transport dann das Gebiet der AVG verlassen, so der AVG-Sprecher. In der Nordweststadt wechselt der Atommülltransport schließlich von den Schienen des AVG auf ein Industrie-Gleis und wird seine Reise im Zuständigkeitsbereich der Deutschen Bahn fortsetzen. Sollte es während des Transports auf dem Streckenabschnitt innerhalb des Bereichs der AVG über einen längeren Zeitraum zu Behinderungen oder Verzögerungen kommen, werde für Kunden der AVG ein Bus-Schienenersatzverkehr eingerichtet, so der Sprecher.

Bereits im vergangenen Jahr wurde der Rest der 60.000 Liter radioaktiver Substanz, die im Zuge der ehemaligen Wiederaufbereitung angefallen war, zur weiteren Lagerung in Glasform gegossen und zum Abtransport bereit gemacht. Im radioaktiven Betrieb der Anlage wurden von September 2009 bis November 2010 insgesamt 140 Gussformen und somit 56 Tonnen Abfallglas produziert. Durch die Verglasung wurde der flüssige Abfall in eine feste, sicher transport- und endlagerfähige Form überführt, so die WAK. Die Radioaktivität der Betriebsabfälle sei damit nicht abschließend beseitigt, jedoch äußerst stabil in eine Glasstruktur eingebunden.

WAK: Keine Gefahr für die Bevölkerung

Mit Blick auf den bevorstehenden Abtransport der fünf WAK-Castorbehälter über den Schienenweg warnte der BUND-Landesgeschäftsführer Berthold Frieß bereits im November 2010 vor einer möglichen Gefährdung der Bürger. "Die Castoren werden bereits auf den ersten Kilometern fast durch die Wohnzimmer der Bürger rollen. Auf Stadtbahngleisen soll der Atommülltransport die Wohngemeinde Eggenstein-Leopoldshafen und die westlichen Stadtteile von Karlsruhe durchqueren", so Frieß. Eine unmittelbare Gefährdung der Bevölkerung könne daher nicht ausgeschlossen werden. Die WAK betont, dass die für den Transport von radioaktiven Stoffen zulässigen Grenzwerte deutlich unterschritten würden und zu keiner nennenswerten zusätzlichen Strahlenbelastung der Bevölkerung führen werden.

Die südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen planen für den voraussichtlichen Transporttermin Nachttanzblockaden und Mahnwachen entlang der Transportstrecke. Sie fordern eine sofortige Abschaltung aller kerntechnischen Anlagen und einen sofortigen Transportstopp für alle radioaktiven Stoffe, solange kein geeignetes Endlager betriebsbereit sei. Ein Sprecher der Polizei Karlsruhe teilte mit, dass die Polizei mit mehreren hundert Beamten im Stadtgebiet im Einsatz sein wird.

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Kommentare (54)
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  •   fritzi
    (933 Beiträge)

    14.02.2011 15:16 Uhr
    Castortransport
    als ich im Spätherbst von Linkenheim nach Leopoldshafen rein fuhr guckte ich noch einem Castortransport hinterher. Das hat keinen Menschen interesiert. Wie viele Transporte liefen denn mittlerweile über diese Schienen ??
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (572 Beiträge)

    14.02.2011 15:55 Uhr
    Keine
    Das waren eventuell Übungen oder der Transport leerer Castoren. Beladene Castoren sind noch nicht über die Strecke transportiert worden.
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  •   fritzi
    (933 Beiträge)

    14.02.2011 21:24 Uhr
    ich fall vom Glauben ab
    die kutschieren also nächtens leere Behälter von der KIT raus in Richtung Stadt mit ner Lok um fahren zu üben ... hmmm ... willste mich versemmeln ? Hatten die zu viele leere Container geordert und hatten ein Stellplatzproblem oder machte der Lokführer grad den Führerschein auf der AVG - Strecke ?
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  •   ka25
    (366 Beiträge)

    14.02.2011 13:49 Uhr
    Ich will die LOK fahren,
    bitte - bitte. Ich bremse auch nur zum Pipi machen. Weg mit dem Zeug aus Karlsruhe - soll die am Entlager Spass damit haben. LOL
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  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    14.02.2011 14:39 Uhr
    Welches ENDLAGER ??
    Es gibt noch keine ernstzunehmende Idee einer ENDLAGERUNG.
    Zur Zeit lagern alles Castoren in oberirdischen Hallen.
    Nun ja, man hat ja noch ein paar 10000 Jahre um ein Plätzchen zu finden ;-(
    Atomstrom ist letztlich die teuerste Form der Energiegewinnung, für den Strom von heute zahlen noch 100 Generationen nach uns!
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1401 Beiträge)

    14.02.2011 15:54 Uhr
    Entlager, nicht Endlager
    Da steht doch Entlager. Das leitet sich von entlegen ab. zwinkern
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  •   kscgrufti
    (3754 Beiträge)

    14.02.2011 16:36 Uhr
    Ne Ne
    der hat zu viel Herr der Ringe konsumiert, deshalb Ent-Lager (Lagerleiter Baumbart). zwinkern
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    14.02.2011 13:39 Uhr
    à propos 'dagegen'
    gegen Atom !!!
    Die Nutzung von Atom in Kernkraftwerken sorgt für einen Überschuss an Atommüll. Atommüll ist nämlich Demomagnet und zieht massenweise Demonstranten an, die zusätzlich zur Anreise auch noch die Umwelt verschmutzen bei Ihren Demos. Die Atomlobby kann vielleicht größere und feudalere Anlagen bauen, aber es ist und bleibt Atommüll übrig. Viele "Verbesserungen" sind eher kosmetischer Art und dienen eher den Lobbyisten als den Demonstranten. Die meisten Atomkraftwerksgegner leiden unter Frustration und Langeweile. Anstatt Millionen darauf zu verschwenden, Unmengen an Atommüll zu produzieren, sollten wir uns für die Erhaltung und Wiedereinrichtung dessen einsetzen, was wir Menschen seit jahrtausenden erreicht haben und uns gebnommen wurde: unseren ursprünglichen Lebensraum, die Höhle.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (208 Beiträge)

    14.02.2011 13:11 Uhr
    Warum überhaupt transportieren?
    Tja, da zählt wohl auch der höchst unwahrscheinliche Fall, dass doch mal etw. mit dem Dreck passiert - und dann hat man das lieber an der Ostgrenze stehen als im Westen, denn der überwiegend vorherrschende Westwind würde sonst alles über das eigene Land verteilen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    14.02.2011 13:27 Uhr
    Der ursprüngliche Gedanke
    von Gorleben war ja, dass man das Gelände irgendwann mal durch einen geschickten Gebietstausch der DDR unterjubeln wollte. Da ist dann eben ein bisschen Geschichte dazwischengekommen. zwinkern
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