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Karlsruhe "Pure Ignoranz!": Das sagt Mit-Initiator Gregor Wick zum Aus der Brötchentaste

Nur mal kurz parken und zum Bäcker huschen - mit dem kostenlosen sogenannten Brötchenticket war das seit 2004 in den Karlsruher Stadtteilen Mühlburg und Durlach kein Problem. Doch der Gemeinderat hat am Dienstag entschieden, den Kurzparkschein wieder abzuschaffen. Für Gregor Wick, der das Ticket damals mit initiiert hatte, ein herber Schlag. ka-news.de hat mit ihm gesprochen.

"15 Jahre lang war die Brötchentaste etabliert. Dass sie nun abgeschafft wurde, ist eine große Enttäuschung." Gregor Wick kann die Entscheidung des Gemeinderates nicht nachvollziehen. Mit 27 Ja- und 20 Nein-Stimmen hatten die Stadträte am Dienstagabend für die Abschaffung des kostenlosen Parkens für 30 Minuten votiert. Grüne und SPD hatten den Antrag als Sofortmaßnahme zum Klimaschutz in das städtische Gremium eingebracht.

"Der Zweck der Brötchentaste wird nicht erreicht"

"Das ist eine Subventionierung des Autoverkehrs, die nicht in ein modernes Verkehrskonzept passt", erklären die beiden Fraktionen in ihrem Antrag. Rund 270.000 Euro entgehen der Stadt nach eigenen Angaben durch das kostenlose Parken jährlich. 

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

2004 war das Konzept mit der Intention gestartet, den Einzelhandel in den beiden Stadtteilen zu beleben und den Umsatz zu steigern. Aber: "Untersuchungen der Bundesanstalt für Straßenwesen in verschiedenen Städten haben gezeigt, dass gebührenfreies Parken an Parkscheinautomaten weder eine kürzere mittlere Parkdauer noch einen höheren Umschlag zur Folge hat. Damit ist belegt, dass der mit der Brötchentaste verfolgte Zweck nicht erreicht wird", erläutern Grüne und SPD weiter.

Mehr Knöllchen, mehr Suchverkehr

Für Gregor Wick, der selbst in Mühlburg wohnt, ist das "pure Ignoranz": "Der Stadt liegen mehrere Unterschriftensammlungen von zehntausenden Bürgern vor, die das Gegenteil beweisen - und die werden hier einfach ignoriert", meint der Sprecher des Vereins Mittelstand und Handwerk (MH) im Gespräch mit ka-news.de. "Für die B-Zentren ist das ein Schlag ins Gesicht!"

Durlacher Innenstadt.
Die Durlacher Innenstadt - dort war das Brötchenticket fast 15 Jahre gültig. | Bild: Peter Eich

Zudem würden durch die Abschaffung des Brötchentickets wieder mehr Strafzettel verteilt, was wiederum die Stadt finanziell belaste. "Das Ausstellen des Knöllchens kostet jedes Mal 30 Euro - das ist unnötige Bürokratie", so Wick.

Am meisten ärgere ihn aber die Haltung der Grünen: "Der Suchverkehr nach kostenlosen Parkplätzen in den Nebenstraßen wird nun wieder ansteigen. Die Grünen setzen sich doch aber im Sinne des Klimaschutzes dafür ein, den Individualverkehr zu bekämpfen und auf den Umstieg auf den ÖPNV hinzuweisen - damit erreichen sie nun aber das genaue Gegenteil."

"Brötchentaste wird 2024 wieder Thema sein"

Trotz der Niederlage im Gemeinderat: Der MH-Sprecher möchte sich auch weiterhin für die Brötchentaste einsetzen. "Mich als Mitinitiator hat es natürlich gefreut, etwas geschaffen zu haben, was den Leuten etwas bringt. Inzwischen gibt es aber mehr Verbote und immer weniger Angebote."

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Gregor Wick wolle sich daher auch noch bis zum nächsten Kommunalwahlkampf 2024 für die Brötchentaste stark machen - "die dort auf jeden Fall Thema sein wird!" Denn, so Wick im Gespräch mit ka-news.de abschließend, "das Bündnis muss wissen, dass sie sich mit diesem Schritt gegen die Bürger der beiden Stadtteile gestellt haben."

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  •   Timmy
    (2 Beiträge)

    25.01.2020 16:24 Uhr
    Rückschritt
    Es stellt sich nicht die Frage ob durch den Wegfall der Brötchentaste ein Einzelhändler zumacht oder nicht.
    Das wird die Zeit zeigen und Gesellschaft durch ihr Kaufverhalten entscheiden.
    Es ist und bleibt das falsche Zeichen und wertet die B-Zentren nicht auf , sondern ab.
    Es ist eine politische Doppelmoral: auf der einen Seite einen schwedischen Möbelriesen in allem zu unterstützen und gleichzeitig die Brötchentaste abzuschaffen und die Parkgebühren zu erhöhen, mit dem Argument CO² - Autos raus den Zentren und gleichzeitig die grüne Wiese" sponsern" - für viel Parkraum. Das passt aus meiner Sicht nicht zusammen. Wenn die B- Zentren nicht gestärkt werden, wird auf Sicht (nicht "Heute" aber vielleicht schon "Morgen") die Nahversorgung in Frage gestellt. Erst wenn das letzte Inhaber geführte Geschäft verschwunden ist, weiß man, was politisch schief gelaufen ist. Beispiele dafür gibt es leider schon genug. Dunkle Stadtteile, steigern nicht den Wohnwert.
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  •   Deisyy
    (320 Beiträge)

    25.01.2020 16:10 Uhr
    gut das dieser Schwachsinn endlich abgeschaft wurde
    Bravo Grüne und SPD, ein kleiner aber wichtiger Schritt gegen unverschämte "Geiz ist geil-Typen".
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  •   Iglaubsnet
    (790 Beiträge)

    25.01.2020 19:33 Uhr
    Ja
    natürlich typisch Grüne! Anderer Leute in die Tasche greifen und sich selbst versorgen! Die linken Parteien wissen es nicht besser!
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  •   Freigeist1
    (1462 Beiträge)

    27.01.2020 00:00 Uhr
    Nein, bisher haben Nicht-Autofahrer
    diese Subvention mitbezahlt. Merke: Parkplätze in Stadtlage sind eben in Wahrheit nicht kostenlos. Man kann Mietpreise für solche Plätze im Web problemlos nachlesen. Im Zuge der Verkehrswende sinnvoll ist das Vermindern oder zumindest das "Bewirtschaften" solcher Plätze.
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  •   Ökovisor
    (38 Beiträge)

    25.01.2020 15:40 Uhr
    Gegen den Bürgerwillen
    Hier haben bestimmte Parteien des Gemeinderates gegen den Bürgerwillen entschieden. Die Wähler sollten sich dies merken.
    Es geht hier nicht um Umweltschutz oder was auch immer. Die Kassen sollen klingeln. Der Bürger soll weiter
    abgezockt werden, indem man die schon viel zu teuren Parkgebühren weiter erhöht und die Brötchentaste abschafft.
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  •   Freigeist1
    (1462 Beiträge)

    27.01.2020 00:15 Uhr
    Wer die Gleichung "Bürger = Autofahrer"
    aufmacht disqualifiziert sich selbst. Wenn Du meinst, der BÜRGERWILLE komme nicht bei Wahlen zum Ausdruck -die Entscheidung ist nämlich die Folge der gewählten Zusammensetzung des Gemeinderats, ja,ja- wo denn dann, bitte? Sorry, aber Du hast hier einfach eine andere Meinung als die klare Mehrheit der Bürger. Nicht mehr und nicht weniger. Kannst Du das nicht verkraften?
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  •   HerrNilson
    (1700 Beiträge)

    25.01.2020 17:02 Uhr
    Genau
    auch die Unsitte Raser durch Blitzer abzukassieren ist gegen den Bürgerwillen. Freie Fahrt für freie Bürger. Wählt die Autofahrerpartei...Jetzt!!!
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  •   FinnMcCool
    (348 Beiträge)

    25.01.2020 11:44 Uhr
    Suchverkehr?
    Warum bitte soll es so zu erhöhtem Suchverkehr führen? Wenn jemand zum Bäcker will, dann sucht er natürlich solange, bis er 5 Strassen entfernt davon einen kostenlosen Parkplatz findet? Natürlich eine sehr realistische Vorstellung.
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  •   Route66
    (2716 Beiträge)

    25.01.2020 11:59 Uhr
    Nee nee nee
    das ist schon eher realistisch und das kann man sehr gut beobachten. Das ist wie mit sen Parkhäusern in der Innenstadt. Samstags Riesenschlange vor dem ECE, Karstadt jedoch frei. Der Autofahrer steht ewig an und verbläst Benzin für 3 €, aber spart 1 € Parkgebühren.
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  •   Freigeist1
    (1462 Beiträge)

    25.01.2020 11:04 Uhr
    Der Bürgewille - siehe Kommunalwahl - hin
    zu einer Verkehrswende ist ja eindeutig, da scheinen manche ein Demokratiedefizit zu haben, dies entsprechend zu würdigen. Parksubventionen wie diese Gratis-Taste ("Geiz ist geil") werden immer von allen Bürgern bezahlt, auch Radfahrern , Fußgängern, Babies oder nicht mobilen Pflegeheimbewohnern. Dass der notwendige Weg weg vom "Goldenen Kalb" Auto, dessen irreal übersteigerte Bedeutungsbeimessung sich als gesellschaftlich kontraproduktiv und schädlich erwiesen hat, einen kleinen, lauten Minderheit nicht leicht fällt, war klar. Noch leidet Karlsruhe - wie alle Großstädte - unter viel zu viel Autoverkehr, daher ist solch softes Umsteuern überfällig und kann nur ein Anfang sein.
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